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Full text of "Vierteljahrsschrift für angewandte Bücherkunde 2.1919-20(1919)"

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CORNELL 


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VIERTELJAHRSSCHRIFT 

FÜR 

ANGEWANDTE 

BÜCHERKUNDE 


HERAUSGEGEBEN VON 

G.A.E. BOGENG 


ZWEITER JAHRGANG 


1919 

MAX HARRW1TZ VERLAG 

BERLJN-NJ KOLASSEE 



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CORNELL UNiVERSITY 







Alle Rechte 
einscMidKkli tks 
Überaetzungsrcctocs Vorbehalten. 
Nachdruck auch im Auszug 
verboten. 




] nhalts über sicht 


Ein Geburtstagsgedicht auf die Schwester der Lotte Buff 
in Wetzlar. (Von Emst Schulte-Strathaus-lrschen- 

hausen). i 

Oeuvres du Philosophe de Sanssouci. Au donjon du chä- 

teau avec privil&ge d’Apollon. (Paris: 1760) ... 5 

Andeutungen Ober Aufgaben und Ziele einer Deutschen 
Bibliographischen Gesellschaft. (Mit Beiträgen von 
Dr. R. Fick, Abteilungsdirektor an der Preußischen 
Staatsbibliothek; Dr. J. Hashagen, Professor an der 
Universität Bonn; Dr.J.Saß,Oberbibliothekar und 
ständigem Mitarbeiter im Auswärtigem Amt; Hof¬ 
rat Dr. Sauer, Professor an der deutschen Univer¬ 
sität Prag). >2 

Handschriften und Handzeichnungen. (Mit der Nach¬ 
bildung einer Handzeichnupg von J. G. Schadow). 26 

Reinhold Solger, Der Reichstagsprofessor. 1 850. - * • 49 

Ein historisch-medizinisches Quellenwerk des achtzehn¬ 
ten Jahrhunderts. 82 

Carl Heinrich Freiherr von Gleichen und seine Lebens¬ 
erinnerungen . .......... 97 

Uber ein bibliographisches Siglca-System 11 .112 

Barclays Satyricon. 145 

Buchform und Buchgestaltung 1. G. Chr. Lichtenberg, 

Über Bücherformate.159 

Gabriel Peignot, Über die Bibliothek Voltaires. (Mit 

einem Schattenriß). 16z 

Cornelis Adriaensens Predigtenbuch . . . \’jo 


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Anmerkungen zu Büchern: Sejte 

Allgemeine musikalische Zeitung Leipzig: 1808/1819. [E. T. A. 

Hoffmanns musikalische Aufsätze.] ..19 

G. Fr. Daumer, Die Religion des neuen Weltalters. Hamburg: 

«850.31 


Anzeigen: 

33—43. 87—95. > 27 — » 4 >- 179—» 9 a - 

Mitteilungen und Nachrichten: 

D. Schiff, Die Waise von Tamaris. [Ein Kommentar zum ,Faust* 


von Heinrich Heine.]..44 

Dr. Julius Harrwitz. (Von Max Harrwitz-Nikolassee.} . . .118 

A. y. Chamissos Schlemihl-Handschrift.123 

Eingedruckte Ex-Libris. (Von Max Harrwitz-Nikolassee.) .123 

Die tschechische Bibliophilenbewegung. (Von Hofrat Dr. R. 

Kukula, Bibliotheksdirektor a. D., Friedland i. B.) . . . .176 

Zur bibliographischen Kasuistik.178 

Eine neue Reformationsbibliographie.178 


Anfragen und Antworten: 

Ein angeblicher Lcssingscher Privatdruck.48 

Napoleon J. Randschriften ..95 

Benjamin Franklins Cicero-Druck.96 

Auffrischung von Lederbänden.141 

Buchillustrationen Michelangelo Buonarrotis * 9 2 




PocschcJ & Trcpte, Leipzig 


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VIERTELJAHRSSCHRIFT 

FÜR 

ANGEWANDTE 

BÜCHERKUNDE 

HERAUSGEGEBEN VON 

G. A. E. B O G E N G 

JJIHJiGJmG ZWEI • HETT El'NS 

1 NH ALT: Ein Geburtstagsgedicht auf die Schwester der 
Lotte Buff in Wetzlar / Oeuvres du Philosophe de Sans¬ 
souci. Au donjon du Chftteau avec privilfege d*Apollon. 
(Paris: 1760) / Andeutungen über Aufgaben und Ziele 
einer Deutschen Bibliographischen Gesellschaft / Hand¬ 
schriften und Handzeichnungen / Anmerkungen zu Büchern / 
Anzeigen / Mitteilungen und Nachrichten 


1919 

MAX HARRW1TZ VERLAG 

NIKOLASSEE bei BERLIN 



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VIERTELJAHRSSCHRIFT FÜR 
ANGEWANDTE BÜCHERKUNDE 
Herausgegeben von Dr. jur.G.A. E.Bogeng 

Berlin-Wilmersdorf * Kaiser-Allee 168 


Alle Rechte 
einschließlich des 
Übersetzungsrechtes Vorbehalten 
Nachdruck auch im Auszug 
verboten 


BEZUGSPREIS 
Jahrgang. 


M 20.— 


ANZE 1 GEN-PRE 1 SE 

Ganze Seite.M 50.— 

Halbe Seite.M 30.— 

Viertel Seite.Mi 8.— 

Achtel Seite.Mio.-— 


Verlag von 

Max Harrwitz- Nikolassee bei Berlin 
Postscheckkonto Berlin Nr. 1423 
Deutsche Bank Berlin Dep.-Kasse C 


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EIN QEBURTSTAGSGED 1 CHT AUF L. BUFFS SCHWESTER 


EIN GEBURTSTAGSGEDICHT 
AUF DIE SCHWESTER DER LOTTE BUFF 

1 N WETZLAR. 

Vor einigen Jahren fand ich in einem Sammelband der Universitäts¬ 
bibliothek Gießen (E 20150 4 0 ) durch Zufall den lange vergeblich ge¬ 
suchten Druck von Heinrich Leopold Wagners Abschiedsgedicht an 
David Friedrich Döllin „Apolls des ersten Bänkelsängers Leben und 
Thaten auf dieser Welt“ (Straßburg bei Jonas Lorenz o. J. [1772]) 
und, an zwölfter Stelle, ein anderes Gedicht, das mich im ersten Augen¬ 
blicke nicht weniger interessierte: 

Das 

Fest der Freundschaft 

an 

Cloens Geburtstage 

geschildert 

von 

Einem ächten Verehrer derselben. 

- - - ----- 

24. 2. 9. 26. 25. 45. 14. 5. 32. 33. 10. 10. 5. 34. 1. 9. 5. 

_ 3* 3- *5. 5 - 9 - _ 

(Druckerstock: Vase) 
den 9ten Junii 1770. 

Wetzlar, 

gedruckt bey Georg Emst Winkler. 

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HIN GEBURTSTAGSGEDICHT AUF L. BUFFS SCHWESTER 

. 

4°. 4 unbezifFerte Blatt. Am Anfang de» Textes (Bl. 2 a) eine große 
0 l zsc hnittVignette: Landschaft in Rokokorahmen, am Ende (Bl. 4 '*0 
eine Schlußvignette: Amor auf einem Rokokoornament. Das gut gemeinte, 
al>er fürchterlich geratene Gedicht, 25 Strophen zu je 4 Versen, be- 

Auf Freundin! welche uns der Himmel gegeben. 

Uns noch erhält, noch leben läßt, 

Sey frohl heut blüht Dir heiter ferneres Leben; 

Auch mich erfreut Dein schönstes Fest. 

'Wie waren die geheimnisvollen Zahlen auf dem Titel auszulegen? 
Wer ein bei Georg Emst Winkler in Wetzlar um 1 770 gedrucktes ano¬ 
nymes Buch in die Hand bekommt, wird' zuerst an August Siegfried 
von Gou€, den skurrilen Genossen des jungen Goethe, denken, der 
mehrere seiner sehr seltenen Werkchen der Wetzlarer Zeit (etwa 1768 
bis 1770) bei Winkler drucken ließ. Aber Gou& schaltete von vorn¬ 
herein aus. — Die heilige Wiborada, die Schutzpatronin der Biblio¬ 
philen, war es wohl, die mir nach vielen mit Drehen und Deuteln der 
Zahlenkabbala verbrachten ruhenlosen Tagen eines Abends den Ge¬ 
danken eingab, die Buchstaben des Titels abzuzählen und statt der 
Zahlen in der Reihe die auf sie treffenden Buchstaben zu setzen, lind 
siehe da: 

Carol i neBu f fECDressl er 
* 4 - *• 9 - 26. 25. 45. 14. 5. 32. 33. 10. 10. 5. 24. 1. 9. 5. 33. 25. 5. 9. 

(Diese Methode der Demaskierung trägt vielleicht dazu bei, ähn¬ 
liche, hinter dunklen Zahlen verborgene Autorschaften aufzuhellen; 
möglicherweise ist sie anderen schon längst bekannt gewesen, mir war 
sie neu. ]. Cor. 13,9.) 

Das Werk ist also ein Geburtstagsgedicht des Musikers, Sängers 

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EIN GEBURTSTAGSGEDICHT AUF L. BUFFS SCHWESTER 


und Komponisten E. C. Dressier für Caroline Buff, die älteste, am 9. J uni 
1751 geborene Schwester des Urbildes von Werthers Lotte. 

Dieser Ernst Christoph Dressier (geb. 1734 zu Greußen in Schwarz- 
burg-Sondershausen, gest. als Opernsänger zu Cassel am 6. April 1779, 
vgl. Eitner, Quellenlexikon der Musiker Bd. 111 , Leipzig 1900, S. 251) 
war ein Vetter der Mutter Carolinens und Lottens, der Frau Amt¬ 
männin Magdalene Ernestine Buff geb. Feyler, und damals Kapell- 
direktor bei dem Fürsten Karl Egon zu FUrstenberg, kaiserlichen ersten 
Visitationskoipmissar in "Wetzlar. Er suchte durch Gelegenheitsgedichte 
zu glänzen: Am 6. Oktober 1768 besang er seine kurz vorher ver¬ 
storbene Gattin, schon am 28. März des folgenden Jahres rühmte er 
in einem langen Gedicht an J. Chr. Kestner die Vorzüge Lottchens 
und der verehrten Caroline (Eugen Wolff in Nord und Süd Bd. 66, 
>893, S. >91); in einem andern Loblied auf die Mutter „Frau Amt¬ 
männin Buff“, datiert vom 10. April 1769, widmet er jedem, von den 
12 Sprößlingen der „Mutter der vielen schönen Kinder“ eine Strophe, 
von Caroline bis herunter zu dem kleinen Louys (Herbst, Goethe in 
Wetzlar, Gotha 1881, S. 207). Im Jahre 1774 gab Dressier eine Samm¬ 
lung von 12 eigenen Liedern mit den in Kupfer gestochenen Melo¬ 
dien heraus unter dem Titel: „Freundschaft und Liebe in melodischen 
Liedern von Ernst Christoph Dressier. (Vignette in Kupferstich: Brust¬ 
bild Petrarcas) Nürnberg bey Gabriel Nicolaus Raspe «774.“ (KI.-4 0 . 
8 Bll., 48 SS. — Wiederholt, aber nicht als neue Ausgabe bezeichnet: 
Ebenda 1779. K).-4°. XVI, 48 SS.) Jedes Lied ist einem berühmten 
Manne oder einem Freunde geweiht: dem Dichter A. R. Utz in 
Ansbach, den Professoren Raspe in Cassel, Feder in Göttingen, Cas- 
persohn in Cassel, Wiedeburg in Jena, dem Sekretär Krauseneck in 
Bayreuth, dem Professor Seybold in Jena, dem Hofmaler und Pro¬ 
fessor Tischbein in Cassel, dem Dichter Boie in Göttingen, dem Le- 

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E IN GEB IIRTSTAGSGEU 1 CHT AUF L. BU FFS SCHWESTER 

. -iirmimiViniMi.ffSam 

gat ionssekretär Wetzel in Regensburg, dem Herrn Buff Obristwacht¬ 
meister und Commendanten zu ^Wezlar, dem Herrn von Einem zu 
Mannöverisch Minden. Fast alle diese Gedichte sind Hymnen auf die 
Reize Cloens d. i. der Caroline Buff. 

Trotz der glühenden Verse fand das Liebeswerben des Dichter- 
Komponisten kein Gehör. Caroline heiratete 1776 oder 1 777 den Kammer¬ 
gerichtsprokurator und Hofrat Dietz, einen Vetter von Goethes Mutter 
(Sohn aus erster Ehe einer Schwester von Goethes Großmutter, mütter¬ 
licherseits Susanne geb. Lindheimer, die später einen Geheimrat Lange 
in Wetzlar heiratete). Durch diese Ehe Caroline Buff—Hofrat Dietz 
wurde Goethe mit Lotte Buff verwandt. 

Ernst Schulte-Strathaus. 


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CEUVRES DU PHILOSOPHE DE SANSSOUCI 


CEUVRES DU PHILOSOPHE DE SANSSOUCI. 
AUDONJON DU CHATEAU AVEC PRIVILfcGE 
D'APOLLON. (PARIS: 1760.) 

Am 1. April 1760 vermerkte die Correspondance Grimm „les 
oeuvres du philosophe de Sanssouci, qui ont paru d’abord en un petit 
volume et tout de suite apr&s en deux gros volumes“. Die Veröffent¬ 
lichung der Werke Friedrichs des Großen, die der König in seinen 
Privatdrucken 1 ) nur dem eigenen Handgebrauch bestimmt hatte und 
nur dem der allernächsten Freunde hatte zugänglich machen wollen, 
durch indiskrete Nachdrucker geschah in einem Zeitpunkt, in dem das 
Bekanntwerden seiner Bemerkungen über die Kaiserin Elisabeth von 
Rußland und über den König Georg von England die Einleitung der 
Friedensverhandlungen zwischen Preußen, England und den Gegen¬ 
mächten empfindlich stören konnte. Außer der Beschwichtigung seines 
persönlichen Ärgers, dem er in seiner auf Voltaire bezogenen Ode 
& la calomnie Luft machte, mußte der König deshalb so schnell als 
möglich dem scheinbaren oder wirklichen bibliographisch-politischen 
Mannöver durch dieVeranstaltung einer abgeschwächten, geänderten, „au¬ 
thentischen Ausgabe“ seiner Gedichte 2 ) begegnen, die in weiteren Nach' 
drucken 3 ) die rascheste Verbreitung gefunden hatten. Wie denn über' 
haupt Friedrich der Große zu den am meisten nachgedruckten Schriftn 
'Stellern des achtzehnten Jahrhunderts gehörte, ein Schicksal, das er 
übrigens mit Voltaire geteilt hat. Und da Voltaire, wie wir aus den 
Pariser Polizeiberichten 4 ) wissen, auch den Nachdruck in seinen vielen 

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CEUVRE.S D U PHILOSOPH E DE SAN SSOUCI 

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Streitigkeiten als literarische "Waffe mit Geschicklichkeit handhabte, ist 
^ CY fjj St zur Gewißheit erhobene Verdacht 8 ), er sei der eigentliche Ver¬ 
anstalter der einen der beiden i n der Correspondance Grimm erwähnten 
Ra«t> aus g a b en » um 80 weniger von der Hand zu weisen, als er mit ihr 
nictat nur seine persönliche Rache an dem König; für die beim Ver- 
las» en Preußens in Frankfurt am Main, freilich teilweise ohne dessen 
ScJruld, erduldete Behandlung nehmen, sondern auch als diplomatischer 
l nrr jg U ant sich in die hohe Politik mischen konnte. Das aber gehörte 
bekanntlich zu den Lieblingsbeschäftigungen Voltaires. Die bibliogra¬ 
phische Duplizität der Ereignisse wollte es indessen, daß seine auch 
(twa s politischen Spekulationen von den bloß kommerziellen eines 
Buchhändlers gestört wurden, der ebenfalls eine Ausgabe der "Werke 
des Philosophen von Sanssouci vorbereitet hatte. So kamen die beiden 
Unternehmungen von Anfang an in eine gewisse Verbindung und wenn 
auch der (am 17. Januar 1760 erschienene) Lyoner Nachdruck 6 ) einen 
Vorsprung gewann, so konnte dafür der (am 31. Januar 1760 erschie¬ 
nene) 7 ) Pariser den Anspruch erheben, gewissermaßen eine diploma¬ 
tisch-offiziöse Publikation der französischen Regierung zu sein. Unter 
diesem Gesichtspunkte wird er auch heute noch die Teilnahme der 
Büchersammler finden dürfen, die sonst wohl die zahlreichen, sich gegen¬ 
seitig befruchtenden Nachdrucke der Schriften Friedrichs des Großen 
gleichgültig lassen werden. Hat doch bereits Sainte-Beuve, als er in seinem 
Lundi vom 2. Dezember 1850 den Anteil der französischen Regierung an 
diesem Nachdruck zuerst bekannt machte, damit ihn seines literar¬ 
historisch-politischen Charakters wegen der Bibliographie derjenigen 
Nachdrucke zugewiesen, die für die Biographie des Autors durch die Art 
ihrer Verbreitung von dessen Werken wesentlich wurden und nicht 
selten auch noch für deren Textgeschichte. 

Als der Pariser Buchhändler Saillant (am 4. August J759) sich an 

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CE U VR ES DU PH 1 LOSOPHE DE SANSSOUCI 


den Leiter der Pariser Zensurbebörde, Malesherbes, mit' der Bitte um 
die Erlaubnis eines Nachdruckes der drei gleichzeitig vorgelegten 
Quartanten: M6moires pour servir ä l’histoire de la maison de Brande- 
bourg und Oeuvres du philosophe de Sanssouci, Tomes 11 & 111 in 
der Ausgabe von 1750 8 ) gewendet hatte, um eine stillschweigende 
Druckerlaubnis zu erlangen, da er in diesem Falle auf die Erteilung 
eines öffentlichen Privilegs nicht rechnen konnte und ein gleiches Ver¬ 
fahren bei den der Regierung sonst genehmen, von ihr aber aus irgend¬ 
welchen Gründen nicht für die Aufnahme in die Register geeignet ge¬ 
haltenen Büchern üblich war, machte Malesherbes seine Antwort von 
der des Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, des Herzogs von 
Choiseul, abhängig. Der Minister entschied nach Durchsicht der drei 
Bücher einige Wochen später, daß der Druck zu genehmigen sei unter 
der Bedingung, daß die von ihm angegebenen Änderungen und Aus¬ 
lassungen vorgenommen würden und daß vor allen Dingen auch jeder 
Anschein vermieden werden solle, der auf Frankreich als das Ursprungs¬ 
land des Nachdruckes und auf eine Beteiligung der französischen Re¬ 
gierung an ihm hinweisen könne. Diese Entscheidung und auch die 
anderen bisher bekannt gewordenen Akten lassen nicht mit Deutlich¬ 
keit erkennen, in. welchem Umfange das damalige französische Kabi¬ 
nett auch als Urheber der Veranstaltung eines Nachdruckes der Werke 
Friedrichs des Großen in Betracht kommt. Mündliche Verhandlungen 
dürften sowohl dem Gesuche Saillants an die Zensurbehörde wie der 
Entscheidung des Herzogs von Choiseul vorangegangen sein. Jeden¬ 
falls läßt die Form der Druckerlaubnis und auch die weitere amtliche 
Haltung der französischen Regierung bei dem unerwarteten Verlauf 
der ganzen Angelegenheit erkennen, daß sie wenigstens als Mittel zum 
Zweck an eine diplomatische Benutzung des Nachdruckes gedacht 
hatte. Gegen Ende des Jahres war es nämlich durch diskrete Indis- 

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CE U VR ES DU PH 1 LOSOPHE DE SANSSOUCI 


kretionen bekannt geworden, daß in Paris die Werke des Philosophen 
von Sanssouci gedruckt werden sollten und der Lyoner Buchhändler 
Bruyzet teilte daraufhin Saillant mit, daß auch in seinem Verlage dem¬ 
nächst eine Ausgabe dieser Werke erscheinen würde, deren Druck¬ 
vorlage (es war der Band der Oeuvres von 175 a) 9 ) er von einem Herrn 
de Bonneville 10 ) gekauft habe. Saillant reichte den Brief Bruyzets der 
Zensurbehörde ein, worauf eine amtliche Untersuchung veranlaßt und 
nach Vernehmung Bruyzets in deren Verlauf de Bonneville verhaftet 
und nach Pierre Encise, einem als Gefängnis benutzten Schloß an der 
Saone, gebracht wurde. Inzwischen waren aber sowohl die Lyoner wie 
die Pariser Ausgabe erschienen, diese ohne die ursprünglich von dem 
Herzog von Choiseul geforderten Änderungen und Auslassungen (es 
blieben nur 6 Epigramme fort), da ja die Lyoner Ausgabe vollständig 
war, wohl aber vermehrt um alles das, was der Druckvorlage der Pariser 
Ausgabe gefehlt hatte und was die Lyoner mehr enthielt. Über die ab¬ 
weichende Textgestalt der beiden Ausgaben wurden zwar mancherlei 
Betrachtungen der Neugierigen laut, da ja die Ursache dafür, die Ver¬ 
schiedenheit der beiden Textredaktionen, die als Druckvorlagen ge¬ 
dient hatten, dem Publikum nicht bekannt war. Aber ernsthafte Zweifel 
an der Echtheit des Textes konnten trotzdem ‘ nicht aufkommen. Und 
die auch äußerlich sehr ansehnliche, vollständigere Pariser Ausgabe 
war rasch die beliebtere geworden, weshalb auch die zweite Lyoner 
Ausgabe 11 ) sie zugrunde legte, nachdem Bruyzet schon das, was Saillants 
Ausgabe mehr gehabt hatte, in dem zweiten Bande, mit dem er 
seinen ersten Band noch ergänzte, nachgetragen hatte. Er tat damit 
Saillant kein Unrecht, denn dieser hatte ja seinerseits, wie bereits er¬ 
wähnt wurde, nach der Lyoner Ausgabe, von der er ein Exemplar 
zwei Wochen vor der Fertigstellung seiner eigenen Ausgabe erhalten 
hatte, diese ergänzt, indem er, mit eingeklammerter Seitenzählung [(311) 

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CEUVRES DU PH1LOSOPHE DE SANSSOUCI 


bis (357^] die Nachträge anreihte und mit neuer Seitenzählung eben¬ 
falls nach der Lyoner Ausgabe die L'Art de la guerre wiederdruckte. 
So war bereits aus dem wechselseitigen Nachdrucken der beiden ersten 
Nachdrucke der Werke des Philosophen von Sanssouci der bibliogra¬ 
phische Rattenkönig entstanden, der wegen seines raschen Wachstums zu 
immer weiter voneinander abhängigen Nachdrucken auch insofern ein 
Literaturwunder genannt werden kann, als die Nachdruckverwirrung 
schließlich dazu führte, daß die Zeitgenossen Friedrichs des Großen 
den Originaltext seiner Schriften ganz und gar in Vergessenheit kommen 
ließen. 

1 ) Eine ausreichende Bibliographie der Schriften Friedrichs des Großen fehlt. 

- Für die eigenen Ausgaben des Königs ist zu verweisen auf den „Katalog der 

zweiten Ausstellung für die Maximilian-Gesellschaft. Berlin: 1913.'* 

2 ) Außer der augenblicklichen Störung der politischen Geschäfte durch die un¬ 
zeitgemäßen Veröffentlichungen seiner Werke mußte der König, zumal wegen dar 
in ihnen vertretenen Weltanschauung, Nachwirkungen befürchten, die er verhüten 
wollte. Doch kamen die »Oeuvres* des Philosophen von Sanssouci bereits am 
12. März 1760 auf den Index librorum prohibitorum. Die Druckleitung der »au¬ 
thentischen* Berliner Ausgabe führte nach einem vom König im Freiburger Feld¬ 
lager durchgearbeiteten Exemplar des Amsterdamer Nachdrucks des ersten Bandes 
der ersten Lyoner Ausgabe (Oeuvres du philosophe de Sans-Souci. Pots¬ 
dam, et se trouYC ä Amsterdam chez J. H. Schneider. 308 S. Tltelvignette 
von Philips M te - d'Argens), ihren Verlag erhielt der Buchhändler Voß. Bereits am 

29. März ließ d'Argens ein von ihm verfaßtes ,Avis du Libraire* in den Berliner Zei¬ 
tungen erseheinen und sorgte auch für dessen Verbreitung in London und Peters¬ 
burg. Der Druck der ersten privilegierten Berliner Ausgabe war am 12. April 1760 
beendet worden, nachdem Friedrich der Große bereits am 9. April den ersten fertigen 
Abzug erhalten hatte. Die Ankündigung durch die Vossische Zeitung erfolgte am 
17. April. Auf das Verhältnis der Druck Verschiedenheiten der Poesies diverses. 
Berlin, Chretien Voss: MDCCLX 8° [322 bez. 308 bez. 306 Seiten] braucht hier 
ebensowenig näher eingegangen zu werden wie auf die Ende Mai begonnene, am 

30. September für die Herbstmesse angezeigte Quartausgabe, die veranstaltet wurde, 
weil die Ausführung der Oktavausgabe nicht den Beifall des Königs gefunden 
habe« Auch die im gleichen Jahre bei Voß erschienene deutsche Übersetzung der 
»Vermischten Gedichte* ist nur kurz zu erwähnen. Die seit Mai 1760 erschienenen 
Nachdrucke sind leicht daran kenntlich, daß sie die Bereicherungen der Berliner 

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CEUVRES DU PHILOSOPHE DE SANSSOUCI 


Ausgabe, die ,Ode ä la calomnie* und die »Paraphrase de l'Ecdesiaste* mit ver¬ 
werten. 

*) Die Poesien Friedrichs des Großen. Chronologisch-bibliographische Über¬ 
sicht der Ausgaben von 1760 und 1761 und Ihrer Übersetzungen. Von Johannes 
Sembritzki (Memel) [Forschungen zur Br andenburgischen und Preußischen Ge¬ 
schichte. 25 (1913) 2, 233 ff.]. 

4 ) B. Llouzon le Duc, Voltaire et la Police. Paris, Bray: 1867. 

*) Der bibliographische und historische Sachverhalt ist aufgedeckt von Lemoine 
et Lichtenberger, Frldlric II. po&te et la censure fran^aise [Revue de Paris 8 
(1901) 1, 287ff.] und dann ausführlich erörtert worden von Hans Droysen, Fried¬ 
richs des Großen Po^sies diverses von 1760 [Forschungen zur Brandenburgischen 
und Preußischen Geschichte 24 (1911) 1, 227ff.]. 

Ä ) Oeuvres du Philosophe de Sans-Souci. Seconde Edition. A Potz- 
dam MDCC. LX 1 [Lyon, Bruyzet] VI (Vlll), 298 S. 8°, Titel in Rot- und Schwarz¬ 
druck, Holzschnitt Vignette auf dem Vortitel, aufgeschlagenes Buch über zwei ge¬ 
kreuzten Merkurstaben, darüber ein Lorbeerkreuz, darunter zwei Füllhörner. Als 
Titelvignete ein Medaillonporträt Friedrichs des Großen. Die Bezeichnung Se- 
conde-Edition soll den Anschein erwecken, daß die Ausgabe eine' berechtigte 
Neuauflage ihrer Vorlage, der »Oeuvres du philosophe de Sanssouci* von 1752 
sei. Der Tome 11 (IV, 148 S. 8 8 ) hat einen Titel im Schwarzdruck mit gleicher 
Vignette. 

*) Oeuvres du Philosophe de Sans-Souci. Au Donjon du Chateau. 
Avec Privilfcge d'Apollon. MDCCL [Paris, Saillant: 1760] XIV (XVI), 416 S.; 
357 (358)' 62 S. 8° [Bandbezeichnungen nur auf den Vortiteln, jeder Titel mit ab¬ 
weichender Holzschnittvignette]. 

8 und *) Die ausführliche Beschreibung dieser Originalausgaben u. a. in dem An¬ 
merkung 1 erwähnten Kataloge. 

10 ) Rent Comte Hyacinthe de Bonneville, ein 1755 aus preußischen Diensten 
desertierter Offizier, der noch andere Abschriften oder Drucke von nicht der 
Öffentlichkeit zugänglich gemachten Werken Friedrichs des Großen bei seiner 
Flucht mitgenommen hatte. 

11 ) Polsies du ph ilosophe de Sans-Souci. Nouveile Edition considt- 
rablement augmentle et ä laquelle on a joint des variantes trös- 
curieuses qui ne se trouvent dans aucune de tditions publiles jus« 
qu' ä prlsent. A Sans-Souci. MDCCLX und mit vermehrten Umdruck des 
Schlußbogens des ersten Bandes ... Nouvelle Edition conforme ä celles 
avoules par l'auteur et plus ample d'un tiers, avec des variantes... 

lf ) Im Anschluß an die Lyoner Ausgabe^erschien auch noch Oeuvres du phi¬ 
losophe de Sans-Souci. Tome Troisilmc. 1761. [(10), 194S.] Die Dmck- 

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OEUVRES DU PH1LOSOPHE DE SANSSOUCI 


Ausstattung dieses dritten Bandes weicht aber erheblich von der des Lyoner Nach¬ 
drucks ab. Sembritzki vermutet wohl mit Recht, daß das Buch seiner inneren Über¬ 
einstimmung mit der sogenannten Thüringer Übersetzung des Oeuvres wegen in 
Sachsen oder Thüringen erschienen sei. Auch für den Pariser Nachdruck gibt es 
Anlehnung an seine Buchgröße suchende ErganzungsbSnde: Oeuvres diverses 
du philosophe de Sans-Souci. Tome troisieme. A Berlin. MDCCLX 1 I. 
(X, 188 (192) S. 8° und Supplement aux Oeuvres du philosophe de Sans- 
Souci. A Berlin. MDCCLX 11 [(4), 136 S. 8°], die beide eine gleiche Holz¬ 
schnitttitelvignette zeigen und auch sonst auf gemeinsamen Ursprung, vermutlich 
französischen, weisen. Sie finden sich gelegentlich ebenso wie der Pariser Nach¬ 
druck gebunden, diesem als dritter Band zugerechnet. 


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AUFGABEN U. ZIELE EINER BIBLIOGRAPHISCHEN GESELLSCHAFT 


AUFGABEN UND ZIELE EINER DEUTSCHEN 
BIBLIOGRAPHISCHEN GESELLSCHAFT* 

Die am 19. April 1902 in Berlin begründete Bibliographische Gesellschaft be¬ 
zweckte, „den einheitlichen Zusammenschluß der die Literaturgeschichte und ihre 
Grenzgebiete betreffenden bibliographischen Arbeiten, soweit sich diese auf perio¬ 
dische Erscheinungen und Sammelwerke erstrecken* 1 . Bibliographische Veröffent¬ 
lichungen sollten den in Zeitschriften und Zeitungen, dann Überhaupt den in Sammel¬ 
werken aller Art enthaltenen Stoff der bequemen Benutzung erschließen. Ein von Hein¬ 
rich Hub.Houben bearbeiteter »Entwurf zu einer Deutschen Bibliographie* bestimmte 
die Richtlinien des groß angelegten Planes einer erschöpfenden Bibliographie der deut¬ 
schen Zeitschriften des 19. Jahrhunderts. Dieser Gedanke eines Generalindex der deut¬ 
schen periodischen Literatur, zunSchst des 19. Jahrhunderts, hatte allgemeinen Beifall 
bei den maßgebenden Vertretern der deutschen Literaturwissenschaft gefunden und die 
Teilnahme der Forscher und Sammler ermöglichte das Entstehen und die Ent¬ 
wicklung eines Vereins, der aber nach einigen Veröffentlichungen seine Arbeiten 
unterbrach. 'Warum das mit Erfolg begonnene Werk der Bibliograpischen Gesell¬ 
schaft keine Fortsetzung gefunden hat, ist hier nicht zu prüfen. Wohl aber ist 
darauf hinzuweisen, daß der in dem .Entwurf* bestimmte Leitgedanke der Biblio¬ 
graphischen Gesellschaft, die auch die Gründung einer Zeitschriftenbibliothek 
plante, sich mit ähnlichen Gedanken kreuzte, die auf die Schaffung einer allge¬ 
meinen deutschen Zeitschriften- und Zeitungsbibliothek hinlenkten, also den um¬ 
gekehrten Wieg zu einem im Grunde gleichen Endziele einschlagen wollten. Eine 
bibliothekarische Stimme von bestem Klang, diejenige Dziatzkos, ließ sich bereits 
damals vernehmen, die zu einer Begrenzung des Planes aufforderte, umfangreiche 
Zeitschriften, die über eigene gute Indices verfügten, zunächst unberücksichtigt 
gelassen wissen wollte und verlangte, daß die alphabetischen Sachregister nicht 
nur Titel-, sondern überhaupt Inhaltsangaben bringen müßten. Andererseits ließ 
sich nicht verkennen, daß die geschickte Art der Bearbeitung und die Auswahl 
des Stoffes in manchen Veröffentlichungen der Bibliographischen Gesellschaft viel¬ 
fach benötigt gewesene brauchbare Hilfsmittel geschaffen haben. Aber das ferne 
Ziel war und ist doch in absehbarer Zeit nicht zu erreichen, die Arbeitsleistung, 
die die Vollendung des Weges zu ihm voraussetzt, wird wohl nur auf einem 
günstigeren Boden gelingen, als ihn die immerhin beschränkten Mittel eines Ver- 

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eins schaffen können. Auch hier dOrfte die Zentralbibliothek der deutschen Zeit¬ 
schriften und Zeitungen zum Mittelpunkt aller derjenigen Bestrebungen werden, 
die die Bibliographische Gesellschaft mit kühnem Anfang zu verwirklichen be¬ 
gonnen hat. f> In England und auch in den Vereinigten Staaten von Amerika ist 
es ähnlichen bibliographischen Vereinigungen in höherem Maße, als es bisher der 
deutschen Bibliographischen Gesellschaft beschieden war, gelungen, ihren Wirkungs¬ 
kreis zu sichern. Freilich haben die in jenen Ländern blühenden bibliographischen 
Vereine von vornherein darauf verzichtet, sich Aufgaben zu stellen, die von der 
Entsagungsfähigkeit ihrer Mitglieder, sowohl der arbeitenden wie der nur bei¬ 
tragenden, allzu große Opfer verlangten, haben, der Mehrzahl ihrer Mitglieder 
sich anpassend, den Charakter von bibliophilen Klubs angenommen. Und wenn 
darin auch ganz gewiß ein geringerer Idealismus lag und liegt, so gab und gibt 
ihnen der praktische Erfolg recht. Ein Verein, dessen Hauptzweck es sein soll, 
seinen Mitgliedern Vereins Veröffentlichungen zu bieten, kann nur bestehen, wenn 
er die regelmäßigen Beiträge mit regelmäßigen Vereinsgaben vergütet. Denn nicht 
allein die wenigen, die auch ohne eine solche Entschädigung dem Verein und 
seinen Zielen treu bleiben, schaffen ihm die Mittel, die er zur Lösung seiner Auf¬ 
gaben braucht, sondern die immer in der Mehrzahl bleibenden Mitglieder, die, 
um es einmal mit schroffen Worten auszudrücken: für ihr Geld etwas verlangen. 
Das mag bedauerlich sein, aber es ist auch eine Tatsache, an der man nicht vor¬ 
übergehen kann, wenn man die Möglichkeiten einer deutschen Bibliographischen 
Gesellschaft erörtert. ® Da das Bestehen einer deutschen bibliographischen Ge¬ 
sellschaft daher im hohen Maße auch davon abhängig erscheint, ob die sie bil¬ 
denden Mitglieder von den Gesellschaftsleistungen befriedigt werden oder nicht, 
gehört die Bestimmung ihrer in Angriff zu nehmenden Veröffentlichungen zu den 
wichtigsten Grundlagen des Planes. Denn darüber dürfte sich niemand einer Täu¬ 
schung hingeben, allein mit allgemeinen, fernen Zielen läßt sich kein Verein grün¬ 
den dessen Mittel aus regelmäßigen Beiträgen zusammenfließen sollen. Und unter 
dieser Voraussetzung wird man leicht zu Vorschlägen für erwünschte Veröffent¬ 
lichungen gelangen können, wenn man prüft, welche bisher nicht vorhandenen bi¬ 
bliographischen Handbücher und Nachschlagewerke als ein Bedürfnis des buch- 
freundlichen Deutschland, nicht allein einiger engerer fachwissenschaftlicher Grup¬ 
pen, gelten können. Ob dann, wenn erst die Bedürfnisfrage einmal geklärt ist, der 
Aufbau einer deutschen Bibliographischen Gesellschaft sich als Ausbau der noch 
bestehenden alten Gesellschaft vollziehen wird, ob eine Neugründung Anschluß 
zu suchen hätte an die anderen Bibliophilen- und Bibliothekarvereine Deutschlands 
oder nicht, das zu überlegen, mag späteren Erwägungen Berufener anheim gestellt 
werden. ® Man wird wohl die Abgrenzung der Aufgaben, die sich eine deutsche 
Bibliographische Gesellschaft stellen müßte, am besten so vornehmen, daß man zu¬ 
nächst einmal feststellt, welche Aufgaben der deutschen Bibliographie gegenwärtig 
schon in ausreichender Weise (das ausreichend muß freilich betont werden) gc- 

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löst werden oder doch wenigstens in Angriff genommen sind. Es kann sich da¬ 
bei für diese kurzen Ausführungen selbstverständlich nur darum handeln, auf 
einige bekannteste Werke allgemeiner Art zu verweisen, um zu zeigen, daß be¬ 
reits der gesicherte Fortgang groß angelegter deutscher bibliographischer Unter¬ 
nehmungen eine Bibliographische Gesellschaft von vornherein entlastet und ihre 
Arbeiten erleichtert. SpSter wird es sich dann darum handeln, einmal genau fest¬ 
zustellen, welche alten eingestellten Vorarbeiten sich weiter führen, welche bereits 
vorhandenen Untersuchungen und Werke sich verbinden ließen, so daß gewissermaßen 
auch im Rahmen einer deutschen Bibliotheca bibliographica ein einheitlicher Arbeits¬ 
plan aufgestellt werden kann. Denn darüber muß man sich von vornherein klar 
sein, daß viele altere und neuere bibliographischen Quellen ganz und gar ver¬ 
schüttet sind, erst von neuem erschlossen werden müssen, weil sie sich an allzu 
abgelegenen Stellen befinden, in Sammel- und Zeitschriften, in denen sie niemand 
sucht, in ephemeren Monographien usw. o Eine Zusammenstellung der im deutschen 
Buchhandel erschienenen Bücher, Zeitschriften und Landkarten liefert seit 1911 
das von der Bibliographischen Abteilung des Börsenvereins der Deutschen Buch¬ 
händler bearbeitete, mit einem Stich- und Schlagwortregister versehene „Deutsche 
Bücherverzeichnis'*. Als eine allgemeine Bibliographie nach dem Autorenalphabet an¬ 
geordnet, durch seine enge Verbindung mit der Deutschen Bücherei gefördert und 
in seiner größtmöglichsten Vollständigkeit gesichert, mit selbstverständlicher Sorg¬ 
falt ausgeführt, bietet das Verzeichnis eine abschließende bibliographische Kodi¬ 
fikation des deutschen Schrifttums auch über dessen Buchware-Erscheinungsformen 
hinaus und ist eine erneuerte Fortführung der bisher wichtigsten buchhändlerischen 
Hilfswerke (Kaysers Bücherlexikon, Hinrichs Mehrjahrskataloge, Georgs Schlag¬ 
wortkatalog) für das zwanzigste Jahrhundert. Da auch für das neunzehnte Jahr¬ 
hundert (und das erste Jahrzehnt des zwanzigsten) von den eben genannten Wer¬ 
ken der bibliographische Rohstoff auf bewahrt wird, ist das Bedürfnis nach anderen 
allgemeinen deutschen Bibliographien des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhun¬ 
derts nicht vorhanden und seine erneuerte Befriedigung müßte zu unnützen 
Wiederholungen führen. Wohl aber könnte man daran denken, durch Berichti¬ 
gungen und Ergänzungen, auch durch Schlüsselwerke, die Benutzung jener großen 
Sammlungen zu erleichtern, sie zu einer festeren Einheit zu verbinden, Arbeiten, 
die dem Aufgabenkreise der „Deutschen Bücherei" und des „Deutschen Bücher¬ 
verzeichnisses" zufallen würden. O Inwieweit Gesamtkataloge des Bestandes der 
deutschen öffentlichen Bibliotheken nötig und nützlich sind, das zu entscheiden 
ist zunächst die Aufgabe bibliothekarischer Praxis und der Bibliothekswissenschaft. 
Daß aber, ganz abgesehen von seiner Bedeutung als Arbeitsmittel, ein Gesamt¬ 
katalog aller großen deutschen Bibliotheken, zumal für die ersten Buchdruckjahr¬ 
hunderte, ein nicht zu unterschätzendes Quellenwerk wäre, braucht kaum hervorge¬ 
hoben zu werden. Wie dem indessen auch sei, der Aufgabenkreis, dessen Mittelpunkt 
ein solcher Gesamtkatalog sein würde, bleibt der Bibliotheken-Zentralisatior\ vor- 

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behalten und wird für die Wiegendnickzeit dazu noch durch die Arbeitender Guten¬ 
berg-Gesellschaft, der Gesellschäft für Typenkunde und des vorbereiteten großen 
Inkunabeln-Kataloges gefördert. f> Wenn demnach für die Aufnahme des Bestandes 
an Büchern deutschen Schrifttums weder für die Vergangenheit noch für die Zukunft 
eine deutsche bibliographische Gesellschaft zu sorgen hat, so gibt ihr diese Ent¬ 
lastung von allen Arbeiten der reinen Bibliographie (im Ebertschen Sinne) die 
Möglichkeit, die Nutznießung jener allgemeinen Bestandsaufnahme für die ange¬ 
wandte Bücherkunde zu versuchen, wobei sie ebenso die Bedürfnisse des For¬ 
schers wie diejenigen des Sammlers berücksichtigen kann, um so eher, als ja * 
Forschen und Sammeln sich nicht gegenseitig ausschließt. Auch größere bibliogra¬ 
phische Spezialwerke allgemeiner Tendenz sind seit geraumer Zeit im Werden und 
Wachsen. Ein deutsches »Anonymen-Lexikon* verdanken wir der Gesellschaft 
der Bibliophilen. (Es wird durch den — Leipzig: 1906 im Akademischen Verlag 
erschienenen Entwurf eines »Pseudonymen-Lexikons* ergänzt.) Wenn dieses Lexi¬ 
kon noch Lücken hat, an deren Ausfüllung gearbeitet wird, so ist es trotzdem 
eine dankenswerte Bereicherung unserer bibliographischen Literatur und ohne 
den schönen Wagemut der Gesellschaft der Bibliophilen hätten wir höchstwahr¬ 
scheinlich bis heute überhaupt kein Anonymen-Lexikon. Das muß einmal nach¬ 
drücklich gegenüber den häufigen Klagen betont werden, die vergessen, welche 
äußere und innere Schwierigkeiten das Unternehmen bis zu seinem Zustande¬ 
kommen zu überwinden verstand. Wie der weitere Ausbau des Anonymen-Lexi- 
kons durch die Gesellschaft der Bibliophilen gewährleistet wird, sind andere bi¬ 
bliographische Einzeluntemehmungen auch von anderen Stellen geplant, in Vor¬ 
bereitung oder bereits in der Ausführung begriffen. Darüber einen sich nicht nur auf 
das bereits Erschienene beschränkenden genauen Überblick zu gewinnen, müßte eine 
der ersten Arbeiten einer Bibliographischen Gesellschaft sein, damit sie wenigstens 
für die Verwirklichung ihrer eigenen Pläne einen sicheren Ausgleich schaffen 
kann. Sie wird dabei auf der Grundlage der Vorarbeiten, zunächst für den eigenen 
Arbeitsbereich, zur Anlage eine Bibliotheca bibliographica (mit Beschänkung auf 
die Deutschtum-Grenzen) gelangen und den so gewonnenen Stoff vorteilhaft in 
einem kurzen »Führer durch die deutsche bibliographische Literatur* verwerten, 
dessen dauernde Erneuerung durch Nachträge oder Neuauflagen notwendig, aber 
bei sachgemäßer Verwertung der Stereotypie und keinem allzugroßen Umfange, 
nicht allzu schwierig würde, f) Ein allgemeines bio-bibliographisches Hand¬ 
wörterbuch der hervorragendsten Schriftsteller erscheint vielleicht weiterhin vor 
allem als wünschenswert, ein Vorhaben, dessen planvolle wissenschaftliche Lösung 
eine Hauptaufgabe einer Bibliographischen Gesellschaft werden könnte. Erwägt 
man aber, ganz abgesehen von der Auswahl, der Sammlung und der Sichtung der 
Stoffmasse, deren gewaltigen Umfang, so versteht es sich beinahe von selbst, daß 
ein solchas Unternehmen, wenn es sich eine abgeschlossene Bandreihe zum Ziel 
setzt, kaum Aussicht auf eine befriedigende Verwirklichung hat. Der »Goedeke*, 

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der freilich auch an inneren Schwächen leidet, kann hier trotz aller seiner Ver¬ 
dienste ein warnendes Beispiel sein. Man wird deshalb zunächst die äußere Buch¬ 
gestaltung wohl überlegen wollen. Vielleicht, daß man dann dazu gelangt, das 
Monographien-System für das zweckmäßigste zu halten, das heißt jeden Ver¬ 
fasser gesondert auf einem Blatt oder Bogen zu behandeln. Dadurch wäre die 
äußerste Beweglichkeit des Ganzen gewonnen, von den ersten Anfängen an ließe 
sich die Ausdehnung beliebig weit begrenzen, Ergänzungen durch Ersatzblätter 
oder Bogen ließen sich leicht vornehmen usw., kurz, ein Veralten des Werkes 
würde ausgeschlossen sein. Die Annäherung an den Zettelkasten wird manchem 
mißfallen. Doch ließe sich die alphabetische Anordnung des entstehenden Werkes 
bequem in Buchkästen durchführen, es ließen sich zwei Ausgaben herstellen, die 
eine auf Druckpapier für diejenigen, die sich einzelne Teile zusammenbinden lassen 
wollen, die andere auf Karton für diejenigen, die eine Kastenordnung wählen. 
Auch die Möglichkeit, die Arbeit von allen Seiten in Angriff nehmen zu können, 
ungehindert von den Rücksichten auf die Bandform, darf nicht unterschätzt wer¬ 
den. Und die bequeme Erscheinungsweise würde schließlich noch eine bequeme 
Kostenreglung herbeiführen. Daß die Benutzung der Vorarbeiten ebenso wie die 
Leitung der Ausführung den Zusammenhang des Ganzen nicht aus dem Auge 
lassen dürfte, daß ein sorgfältiger Grundplan vorhanden sein müßte, versteht sich 
von selbst. Er würde eine bestimmte Gliederung des Werkes erforderlich machen, 
bestimmte Arbeitsregeln, die jeder Mitarbeiter zu befolgen hätte. Die bio¬ 
graphischen Daten könnte man am besten in Annalenform bringen, die die Lebens¬ 
geschichte nach den besten Quellen genau und kurz aufzuzeichnen gestattet. Die 
bibliographischen Daten, die die Werk (und Buch-)geschichte enthalten sollen, hätten 
sich auf die für die Textgeschichte maßgebenden Ausgaben zu beschränken. Das 
setzt eine strenge bibliographische Methodik und Systematik voraus. Und damit 
ist auch detjenige Arbeitskreis der Bibliographischen Gesellschaft bezeichnet, der 
ihre allgemeinen Aufgaben als Voraussetzung ihrer besonderen Aufgaben be¬ 
stimmt. o Man müßte zunächst einmal einen Leitfaden der bibliographischen 
Methodik und Systematik auf literaturwissenschaftlicher Grundlage schaffen, das 
Verhältnis eines Schriftwerkes zu seinen Buch- (und überhaupt Druck-)Gestaltungen 
in allen ßeziehungen zu klären suchen. Mit Hilfe eines solchen Leitfadens.wäre 
es dann leicht möglich, ein bibliographisches Formelnsystem aufzustellen, dessen 
Benutzung es erlauben würde, durch Abkürzungen bibliographische Tatbestände 
auf kleinem Raum darzustellen. Ein derartiges Formelnsystem hätte nicht allein 
den Vorzug, ein erwünschter Arbeitsbehelf zu sein, es würde auch bei selbstän¬ 
digeren Untersuchungen, z. B.^uf dem Gebiete der bibliographischen Statistik, 
nutzbringende Verwertung finden, wie überhaupt den Unternehmungen einer Bi¬ 
bliographischen Gesellschaft nach den verschiedensten Richtungen hin eine grund¬ 
sätzliche Einheitlichkeit sichern, m Schließlich* mögen noch einige Nebenarbeiten 
einer Bibliographischen Gesellschaft Erwähnung finden, deren Fortführung, meisten- 

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teils als Handlisten, ihren Arbeitskreis erheblich erweitern oder sie zu gemein¬ 
samer Tätigkeit mit verwandten Gesellschaften verbinden könnte. Eine Aufstellung 
der bedeutenderen ungedruckten oder unvollkommen gedruckten Urhandschriften 
hervorragender Werke könnte eine Übersicht vermitteln, die vielleicht die Be¬ 
strebungen, die in den zahlreichen, häufig mehr oder minder überflüssigen, Neu¬ 
drucken ihren Ausdruck finden, auf wichtige Desiderata hinweisen, die die Ein- 
und Zufälle, die oft einen Neudruck veranlassen, zugunsten einer mehr notwen¬ 
digen Drucklegung ausschalten könnte. Auch die Nachbildungen von Urhand¬ 
schriften ausgezeichneter Schrifttums werke, die durchaus nicht als Ausstattungs¬ 
wunderwerke die geringfügigen Einzelheiten ihrer Vorlage bis auf die Exemplar¬ 
flecken der Vorlage zu wiederholen brauchten, wenn sie nur das wesentliche, die 
schriftliche Aufzeichnung selbst, richtig wiedergeben, würde dahin gehören. • 
Bei dieser Gelegenheit darf die Frage aufgeworfen werden, ob nicht auch die 
Begründung einer Gesellschaft für neue deutsche Literatur, die die Arbeiten des 
Stuttgarter Literarischen Vereins ergänzen würde, nützlich sein könnte. Es gibt 
Handschriften, deren Drucklegung ebenso den Forschern wie den Liebhabern 
höchst willkommen sein müßte, ohne daß doch ihre wissenschaftliche Ausgabe 
von einem Verleger, der die geschäftliche Seite seiner Unternehmungen nicht 
vergessen will, zu erhoffen stände, Handschriften, die bei allem ihren Wert auch 
in absehbarer Zeit kaum der Gegenstand von Akademiearbeiten werden dürften 
und die deshalb, vielgenannt, entweder gar nicht oder nur unvollständig gekannt 
sind. Wir haben, um nur einige berühmteste Beispiele anzuführen, weder einen 
vollständigen Abdruck der Reimarusschen Schutzschrift noch der Tagebücher Vam- 
hagens von Ense. Es ließe sich leicht ein Überblick dessen finden, was allein in 
den öffentlichen Sammlungen von solchen Handschriften noch der Drucklegung 
oder der Druckemeuerung harrt, und damit die Grundlage schaffen für die Tätig¬ 
keit einer Gesellschaft, die gewiß überall eine weitgehende Unterstützung finden 
wird, wenn sic durch ihren Arbeitsplan und diejenigen, die ihn verbürgen wollen, 
die Gewähr gibt, daß sie der Wissenschaft dienen will. Vielleicht, daß einmal da¬ 
zu Berufene die eben angedeutete Frage unter ihren verschiedenen Gesichts¬ 
punkten prüfen, o Daß bisher vorwiegend von praktischen Zielen die Rede war, 
liegt in der Natur der Sache; die Haupt- und die Hilfswerke, die eine Biblio¬ 
graphische Gesellschaft veröffentlichen wird, haben eben bestimmte praktische 
Zwecke zu erfüllen und nach diesen haben sich so Anlage und Ausführung zu 
richten. Dadurch wird aber ebenso selbstverständlich nicht ausgeschlossen, daß 
auch bibliographische Arbeiten, die einen engeren fachwissenschaftlichen oder 
einen mehr bibliophilen Charakter haben, die mit aller Ausführlichkeit bestimmte 
Teilgebiete behandeln, von einer Bibliographischen Gesellschaft veröffentlicht wer¬ 
den können. Einen bequemen Rahmen dazu böte die regelmäßige Sammlung der 
Schriften einer Bibliographischen Xlesel]schaft, in deren Reihe alljährlich eine 
illustrierte Monographie oder ein ähnliches abgeschlossenes oder wenigstens in 

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einigen Fortsetzungen abgeschlossenes Werk erscheinen könnte. Das hätte den 
Vorteil, den Mitgliedern mit einer Jahresgabe dienen zu können, die immer eine 
Gegenleistung für ihren Beitrag sein würde, auch dann, wenn größere Werke 
Sonderzuschüsse erforderlich machen müßten, das heißt unabhängig vom Mitglieds¬ 
beitrag zu bezahlen waren. Kürzere Abhandlungen und Beiträge ließen sich in 
einem Jahrbuch, in einer Zeitschrift oder in zwanglos erscheinenden Blättern 
sammeln, sobald erst das Bedürfnis bestände, dergleichen Nebenarbeiten bekannt 
zu machen. Daß die Ausdehnung auf die Biblio-Ikonographie ebenso wie eine 
etwa erforderliche Illustration durch Faksimile-Reproduktionen usw. nicht ausge¬ 
schlossen sein sollte, braucht kaum betont zu werden. Sie wäre, wie die Lösung 
aller Ausstattungsfragen, in erster Linie natürlich von den Mitteln abhängig. 
Immerhin müßten sich alle Gesellschaftsveröffentlichungen auf einer gewissen typo¬ 
graphischen Höhe halten, um neben den ihnen verwandten bestehen zu können. • 
Es ist schon darauf hingewiesen worden, daß eine Bibliographische Gesellschaft 
sich durch die Förderung derjenigen Arbeiten, die die Ausbildung der biblio¬ 
graphischen Methodik, Systematik und Terminologie bezwecken, Verdienste um 
die Wissenschaft erwerben könnte. Ebenso verdienstreich wären diejenigen Arbeiten, 
die der Bibliographie als Kulturstatistik dienen würden. (Wobei die Bezeichnung 
Kulturstatistik hier im allgemeinen Sinne verstanden werden und nicht etwa sich 
für bestimmte als staatswissenschaftliche vielleicht noch streitige Theorien erklären 
soll.) Dabei wäre ein Anschluß an die gesellschaftswissenschaftlichen und volks¬ 
wirtschaftlichen Untersuchungen ähnlicher Art, die bereits vorhanden sind, ge¬ 
geben, die Verbindung mit den insbesondere für die geistes- und geschichts¬ 
wissenschaftlichen Gebiete bestehenden Einrichtungen und Vereinen. Wenn es an 
dieser Stelle im allgemeinen noch vermieden wurde, bereits besondere Aufgaben 
als lösenswert hinzustellen, gewissermaßen Buchtitel erwünschter, noch fehlender 
Werke vorweg zu nehmen, so geschah das deshalb, weil die eben gemachten Aus¬ 
führungen absichtlich das Festlegen auf ein fertiges Programm vermeiden wollen, 
auf ein Programm, das seine Grundlagen erst durch die eingehendere Erörterung 
aller an ihm Interessierten gewinnen kann. Die Andeutungen, die über die Auf¬ 
gaben und Ziele einer Bibliographischen Gesellschaft gemacht wurden, sind also 
ganz gewiß weder vollkommen noch vollständig. Aber sie könnten doch einige 
Anhaltspunkte geben für die Bestimmung des Arbeitskreises einer solchen Ge¬ 
sellschaft, wobei dann von vornherein auch zur Erörterung stehen müßte, ob nicht 
einzelne der Sonderaufgaben besonderen Gesellschaften oder anderen Arbeitsunter- 
nchmui\gen vorzubehalten sein würden, die in Verbindung mit der Hauptgesell¬ 
schaft oder auch selbständig ihre Sonderziele zu erreichen suchen sollten. Das 
selbst ein Spezialthema, das nur die Teilnahme eines kleinen Kreises findet, auf 
der Grundlage einer wissenschaftlichen Organisation unter Überwindung großer 
Schwierigkeiten zu einer achtunggebietenden Darstellung gelangen kann, beweisen 
die Veröffentlichungen der »Gesellschaft für Typenkunde*. Wie viel mehr müßte 

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es da, wo das Gebotene weitere Kreise zur materiellen Förderung eines ideellen 
Zweckes veranlassen würde, möglich sein, zum Ziele zu kommen. Allerdings, es 
setzt die Beteiligung arbeitsfreudiger und arbeitskundiger Männer voraus, eine 
innere Kraft des Unternehmens, die bisher noch nicht in die Rechnung eingestellt 
wurde. Ob sich solche Kraft erwecken und aufrecht erhalten läßt, wird hoffent¬ 
lich die Zukunft im bejahenden Sinne entscheiden. 

Die vorstehenden Ausführungen waren einer Anzahl von Herren, die sich be¬ 
reits früher um die Ausgestaltung einer Deutschen Bibliographischen Gesellschaft 
bemüht hatten, im Fahnenabzug mitgeteilt worden. Im Anschluß an die von mir 
gemachten Vorschläge, die lediglich die Möglichkeiten einer solchen Gesellschaft 
zur neuen Erörterung stellen, aber nicht ihren endgültigen Plan vorzeichnen wollten, 
werden im folgenden zunächst die Äußerungen der Herren Dr. Fick, Direktor 
an der Preußischen Staatsbibliothek und Leiter des Gesamtkatalogs, Dr. ]. Has- 
hagen, Professor an der Universität Bonn und Hofrat Dr. Sauer, Professor 
an der deutschen Universität Prag, zum Abdruck gebracht. Ergänzend sei bemerkt, 
daß Herr Direktor Dr. Fick mit Herrn Öberbibliothekar Dr. J. Saß, ständigem 
Mitarbeiter im Auswärtigen Amt, bereits im Sommer 1914 ein umfassendes Re¬ 
ferat über die Wiedererweckung der Deutschen Bibliographischen Gesellschaft 
vorbereitet hatte, das durch den Ausbruch des Krieges verhindert wurde. Herr 
Bibliothekar Dr. G. Schneider arbeitet seit etwa 12 Jahren an einem Handbuch 
der allgemeinen und nationalen Bibliographie, dessen Abschluß bevorsteht und 
dessen erster Teil eine Theorie der Bibliographie enthalten wird, so daß in ab¬ 
sehbarer Zeit auch der Wunsch nach einer den gegenwärtigen Stand der For¬ 
schung berücksichtigenden Begründung der Bibliographie als Wissenschaft erfüllt 
werden dürfte. Auf einzelne der von den Herren im Zusammenhänge mit meinen 
Darlegungen aufgeworfenen Fragen gedenke ich späterhin genauer-zurückzukommcn. 
Wenn auch über die Aufgaben und Ziele einer Deutschen Bibliographischen Ge¬ 
sellschaft die Meinungen noch vielfach abweichen, so besteht jedenfalls über den 
Nutzen einer derartigen Gesellschaft keine Meinungsverschiedenheit. 

G. A. E. Bogeng. 

Dr. Richard Fick, Abteilungsdirektor an der Preußischen Staats¬ 
bibliothek. Aufgaben und Ziele einer deutschen bibliographischen Gesellschaft 
müßten meines Erachtens wesentlich anders gefaßt werden, als dies Herr Dr. Qogeng 
in seinen Ausführungen tut. Bogeng ist anscheinend zu sehr in Vorstellungen ge¬ 
fangen, die seinerzeit bei Gründung der Bibliographischen Gesellschaft von 1902 
maßgebend gewesen sind. Damals handelte es sich um den einheitlichen Zusammen¬ 
schluß der die Literaturgeschichte und ihre Grenzgebiete betreffenden bibliogra¬ 
phischen Arbeiten. Eine deutsche bibliographische Gesellschaft sollte ihre Ziele einer¬ 
seits weiter stecken, andererseits schärfer abgrenzen gegenüberVereinigungen literatur¬ 
geschichtlichen Charakters und so auf rein bibliographische Aufgaben beschränken. 

Man wird dem entgegenhalten, daß sich, wie auch Bogeng sagt, mit solchen 

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allgemeinen Zielen kein Verein begründen läßt und daß es aus praktischen Gründen 
unerläßlich ist, nicht nur bestimmte Veröffentlichungen in Aussicht zu stellen, sondern 
auch bibliophilen Neigungen entgegenzukommen. Dieser Einwand hat seine Be¬ 
rechtigung, doch glaube ich, daß sich die finanziellen Schwierigkeiten — wenn man 
von den augenblicklichen, allen bibliographischen Unternehmungen ungünstigen 
ZeitverhSltnissen absieht — bei Aufstellung folgender LeitsStze überwinden lassen. 

i. Die D. B. G. erstrebt den Zusammenschluß aller in Deutschland auf dem Ge¬ 
biet der Bibliographie und Bibliophilie tStigen Vereine und Gesellschaften. 

i. Bibliophile Klubs, die sich der D. B. G. anschließen, verfolgen ihre besonderen 
Ziele wie bisher. Die D. B. G. übernimmt cs, in ihrer Zeitschrift einen Mittelpunkt 
für alle bibliophilen Vereine zu schaffen, über deren Tätigkeit zu berichten und 
eine laufende Bibliographie aller auf dem Gebiet der Bibliophilie erscheinenden 
Veröffentlichungen herauszugeben. 

3. Die D. B. G. veröffentlicht außer ihrer Zeitschrift nur Arbeiten rein biblio¬ 
graphischer Natur. Als erste Veröffentlichungen sind die Ncu-Bearbeitung einer 
Bibliotheca bibliographica (ohne Beschränkung auf die Deutschtum-Grenzen) so¬ 
wie die Schaffung eines Handbuchs der bibliographischen Methodik und Systematik 
ins Auge zu fasqfn. ln der Zeitschrift wäre an der Hand des vom Bibliothekar 
Dr. Schneider für die Bibliotheca bibliographica bereits fertiggestellten Materials 
eine Aufstellung der Wissenschaftsgebiete zu machen, über die bisher keine, un¬ 
genügend bearbeitete oder zeitlich im Rückstand befindliche Bibliographien vorliegen. 

4. Es muß dahin gestrebt werden, daß die deutschen Regierungen und wissen¬ 
schaftlichen Körperschaften, behördliche wie private, sich der Förderung der Bi¬ 
bliographie annchmen und sie mit Geldmitteln kräftig unterstützen. Bibliographien 
sind für die Wissenschaft ebenso wichtig wie Bibliotheken. Ohne Bibliographien 
können auch die Bibliotheken ihre Aufgaben nur unbefriedigend lösen. 

5. Die D. B. G. tritt ferner ein für die Schaffung einer Zentralstelle für Bibliographie, 
die entweder als selbständiges Institut oder angegliedert an eine große öffentliche 
Bibliothek (Preußische Staatsbibliothek in Berlin oder Deutsche Bücherei in Leipzig) 
zur Aufgabe hat, alle bibliographischen Arbeiten in Deutschland zu fördern und 
auf ihre planmäßige und zweckentsprechendste Organisation hinzuwirken. 

6. Die D. B. G. legt auf möglichst hohe Mitgliederzahl den größten Wert. Der* 
Beitritt aller in Deutschland bibliographisch, bibliothekarisch, buchhändlerisch, 
bibliophil, literarhistorisch interessierten Kreise ist anzustreben. Der Mitglieds¬ 
beitrag könnte tunlichst niedrig, etwa 5 M im Jahr, bemessen werden. 

Dr. Justus Hashagen, Professor an der Universität Bonn. Vorschläge 
zur Ergänzung des Arbeitsprogramms einer bü>liographisch^n Ge¬ 
sellschaft. 

A. Organisatorisches Gebiet: Fühlungnahme mit: 

]. den Ministerien, besonders dem Kultus- und Handelsministerium. 

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* 11 . den Archiv Verwaltungen. 

III . den Universitäten zwecks Heranziehung von Studenten zu ehrenamt¬ 
licher Hilfsarbeit. 

IV. den privaten Sammlungen in Museen, Theatern, Zeitungsredaktionen, 
Buchhandlungen usw. 

V. den wissenschaftlichen Gesellschaften. 

B. Sachliches Gebiet: 

1 . Allgemeines. 

i. Erweiterung des Programms auf Bearbeitung aller Wissenschaften, 
entsprechende Einteilung der Gesellschaft in fachwissenschaftliche Sek¬ 
tionen, die auch von Ortsgruppen zu unterstützen wären, 
a. Der Schwerpunkt der Arbeit der Bibliographischen Gesellschaft muß 
auf Erfassung der periodischen Literatur liegen, da die „Bücher- 
bibliographie“ bereits ausreichend entwickelt ist. 

3, Der Begriff der periodischen Literatur ist möglichst weit zu fassen. 
Größere Tageszeitungen sind einzubeziehen *). 

4. Von nichtperiodischer Literatur verdienen besonderevAufmerksamkeit: 

a) Manuskript- und sonstige Privatdrucke. 

b) Flugblätter und sonstige bibliographisch bisher nicht erfaßte Einzel¬ 
drucke. 

c) Die ausländische Literatur. 

II. Historisch-politische Bibliographie. 

1. Vorbereitung einer die neuste internationale Geschichte (Zeitgeschichte) 
erfassenden Bibliographie, die für das Ausland noch weiter zurück¬ 
gehen müßte, als eines Gegenstückes zum Dahlmann-Waitz in ähn¬ 
licher Anordnung (Herre ist unzulänglich). 

2. Bibliographie der Werke der großen deutschen Historiker. 

3. Besonderes Verzeichnis der ausländischen Zeitschriften- und Zeitungs¬ 
literatur. 

4. Bibliographie der Bibliographien: 

a) Verzeichnis aller Registerwerke, historisch-politisch wichtiger Nach- 
schlagebücher usw. 

b) Anlegung von Registern zu deutschen Tageszeitungen. 

III. Bibliographien für die Zwecke des Hochschulunterrichts, 
zur Entlastung der Vorlesungen und Lehrbücher. 

IV. Bibliographien für die Zwecke des Auslandsdienstes, des 
Auslandsdeutschtums, der Diplomatie *). 

*) Vgl. den mustergültigen Ofßcial Index to the Times, dem wir in Deutsch¬ 
land nichts an die Seite zu setzen haben. Saß. 

*;T)ie letztangeführten Bibliographien wären sehr wichtig. Wichtig wäre aüch 
ein allumfassendes Verzeichnis der Gelehrten-Nachlässe! Saß. 

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Hofrat Professor Dr. Sauer-Prag. Gern 'erfülle ich die Bitte Re¬ 
daktion und des Verlages dieser Zeitschrift mich über die lußerst anregenden »An¬ 
deutungen über Aufgaben und Ziele einer deutschen Bibliographischen Gesellschaft“ 
zu äußern. 

Der Herr Verfasser knüpft an die dem Namen nach derzeit noch bestehende 
»Deutsche Bibliographische Gesellschaft“ an, an deren Wiege ich gestanden habe. 
Da er aber den eigentlichen Zweck der damals gegründeten Gesellschaft, näm¬ 
lich die bibliographische Bearbeitung periodischer Erscheinungen und Sammelwerke 
einer (bereits bestehenden oder erst zu gründenden?) »Zentralbibliothek der deut¬ 
schen Zeitschriften und Zeitungen“ Vorbehalten will, so stellt sich der Zweck der 
neuen bibliographischen Gesellschaft wesentlich als ein anderer dar. Trotzdem wäre 
ich, falls ich als einstiges Ausschußmitglied der alten Gesellschaft meine Stimme 
abzugeben hätte, damit einverstanden, daß die alte Gesellschaft sich umbilde und 
allenfalls noch vorhandene Barbestände der neuen Gründung zugute kämen. 

Noch anderes scheidet der Verfasser aus. So will er eine Gesellschaft für deutsche 
Literatur begründet wissen, die die Arbeit des Stuttgarter Literarischen Vereins 
zu ergänzen hätte. Dabei scheint mir nur nicht scharf genug zwischen Erstdruck 
von Handschriften, Neudruck von Büchern und schlecht herausgegebenen Hand¬ 
schriften und faksimilierten Handschriften unterschieden zu sein. Vielleicht ist die 
Verwirrung ^iurch das Wort „Urhandschrift“ hervorgerufen worden, wohl einer 
Verdeutschung von Original. Er will auch das Neudruckwesen vereinheitlichen 
oder Überwachen lassen, ln der Tat hätte eine solche Gesellschaft ein großes Feld 
für eine ersprießliche Tätigkeit. Erwiesenermaßen gedeihen die sogenannten Neu¬ 
drucke in den Händen der Verleger bisher nicht sehr gut. Als auf Wilhelm Scherers 
Anregung die Deutschen Literaturdenkmale des 18. und 19. Jahrhunderts begründet 
wurden, war geplant, die grundlegenden Werke dieser Zeit, die in den alten Drucken 
selten geworden waren und doch jedem Forscher stets bequem zugänglich sein 
sollten, systematisch der Reihe nach zu erneuern und unsere Hoffnungen waren 
unbegrenzt. Noch erinnere ich mich, wie lebhaft mir August Fresenius den Wunsch 
entwickelte, die Bremischen Beiträge mit umfangreicher Einleitung und guten 
Registern möglichst bald in die Sammlung eingereiht zu sehen; andere Zeitschriften 
und die wichtigsten Musenalmanache sollten^ folgen. Die erste Auflage von Gott¬ 
scheds Poetik war ins Auge gefaßt; ebenso die Poetik der Schweizer und vieles 
andere. Wie wenig ließ sich trotz der| unausgesetzten Bemühungen der Heraus¬ 
geber von alledem durchführen. Das meiste scheiterte an dem großen Umfang, 
an den hohen Kosten, an der Teilnahmslosigkeit des größeren Publikums und wohl 
auch der Fachgenossen. Jede Kuriosität oder Aktualität war dem Verleger wich¬ 
tiger als die wissenschaftliche Notwendigkeit. Ebenso dringend scheint es mir aber 
z u sein, daß die wichtigsten Handschriften unserer großen Schriftsteller in guten, 
billigen, bequem zugänglichen (auch für Seminar-Übungen verwendbaren) Fak- 
similcausgaben vorgelegt werden. Und zwar handelt es sich zunächst nicht so- 

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CORNEILU 





AUFGABEN U. ZIELE EINER BIBLIOGRAPHISCHEN GESELLSCHAFT 


sehr um* Reinschriften, um Prunk- und Prachthandschriften wie die Marienbader 
Trilogie, sondern um alle jene Papiere, welche schwer lesbar sind, welche noch nicht 
vollständig entziffert sind oder bei denen Zweifel nicht für ausgeschlossen gelten, 
also um die Paralipomena zu Goethes Faust, um alle dramatischen Entwürfe Goethes, 
Schillers und anderer Dichter. Um die Gedichte und Aufsätze aus Hölderlins 
letzter Zeit usw. Wie aufschlußreich war Morris' Sammlung aller Dokumente von 
Goethes erster Schweizerreise. Wie aufschlußreich wäre erst ein »Junger Goethe 4 * 
in völlig getreuer Wiedergabe der Handschriften, eine Sammlung von Goethes 
dramatischen Plänen und Entwürfen wie die von Merker, aber im Faksimiles; 
man druckt gegenwärtig Goethes Gedichte in chronologischer Folge nach den 
ältesten Handschriften ab. Man gebe doch diese Handschriften selbst wieder. Von 
Spinozas Briefen soll eine Faksimileausgabe veranstaltet worden sein. Man denke 
sich Goethes Briefe an Frau von Stein in solcher Wiedergabe 1 Überläßt man diese 
Aufgaben den bestehenden Sondergesellschaften, so geht ein Jahrhundert darüber 
hin, bis sie erfüllt werden. Da wäre also für mehrere neu zu gründende Gesell¬ 
schaften Raum und Stoff. 

Der Verfasser spricht auch von Goedekes Grundriß. Dieser unser Schmerzens¬ 
kind müßte wie das Grimmische Wörterbuch von der Reichsregierung in Obhut 
genommen werden; es geht doch auf die Dauer nicht an, daß die ersten drei 
Bände nicht wieder aufgelegt werden, daß einzelne Bände in zweiter, andere in 
dritter Auflage vorliegen. Es müssen alle Bände gleichzeitig und gleichmäßig in 
Angriff genommen und gefördert werden, nach einem einheitlichen Gesichtspunkt 
bearbeitet, den man allerdings nicht so engherzig abstecken dürfte, etwa mit Hin¬ 
weis auf den Titel »Grundriß**. Goedeke selbst hat, je näher er an die neueste 
Zeit herankam, weit mehr als einen Grundriß aus seinem Werke gemacht. Ein 
Konkurrenzwerk zum Goedeke zu schaffen in einem bio-bibliographischen Hand¬ 
wörterbuch der hervorragenden Schriftsteller, schiene mir dann überflüssig; jedoch 
ist die ldee,xin solches Werk in zwangloser Folge auf einzelnen leicht auszutauschen¬ 
den Blättern a&szugeben, nicht unglücklich. 

Die bibliographischen Sammel- und Hilfswerke, die der neuen Gesellschaft als 
nächste Aufgabe zugewiesen werden, scheinen mir recht gut ausgewählt zu sein. 
Hinzufügen möchte ich eine Erneuerung von Gottscheds „Nötigem Vorrat**, und 
zwar zunächst in ursprünglicher Gestalt, weil man das Buch immer wieder zu 
zitieren hat und dann mit den notwendigen Ergänzungen, wie sie Johannes Bolte 
schon vor Jahren geplant hat. 

Aber ich warne davor, diese wichtigen und grundlegenden Nachschlage- und 
Handbücher als bloße Vereinspublikationen für einen beschränkten Kreis auszugeben, 
sondern ich schlage vor, daß durch die Vereinsmitglieder gewissermaßen ein Grund¬ 
stock von Subskribenten für diese Werke geschaffen werde, daß sie aber in größerer 
Anzahl hergestellt und dem buchhändlerischen Betrieb übergeben, wie andre Bücher 
angekündigt, wegen meiner auch angepriesen werden, daß sich ein Verlagsbuch- 

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Händler und die Sortimenter mit dem ganzen neuzeitlichen Apparat dafür ein- 
setzen und daß di$ öffentliche Besprechung dieser Werke nicht verhindert oder 
erschwert werde. Die Vereinsmitglieder mögen für ihre Jahresbeiträge durch kleine 
Monographien, durch eine Zeitschrift oder ein Jahrbuch entschädigt werden, wie 
es übrigens der Herr Verfasser jenes Aufsatzes selbst vorschlägt. 

Ich j>in nämlich an der Zweckmäßigkeit solcher Vereine irre geworden. Für 
wen arbeiten wir eigentlich? Für den Antiquariats-Buchhandel, der die Preise 
für solche Vereinspublikationen, besonders in allerletzter Zeit, übermäßig empor¬ 
schnellte. Das mag für rein bibliophile Werke, für Luxusdrucke, für Vorzugsdrucke, 
für illustrierte Bücher, für Kuriositäten u. dgl. gleichgültig sein, aber notwendige, 
unentbehrliche Werke, wie ein Anonymenlexikon, sollten auf diese Weise nicht 
hergestellt werden. Die Anschaffung der vollständigen Publikationsreihe des Stutt¬ 
garter Literarischen Vereins ist heute fast unerschwinglich und doch enthalten sie 
die bedeutendsten Werke unseres Schrifttums für das 15., 16. und 17. Jahrhundert. 
Man schadet der Sache mehr als man ihr nützt. Die sechs Bände von Grillparzers 
sogenannten Gesprädfen, einer Sammlung aller zeitgenössischen Zeugnisse über 
den Menschen Grillparzer, für den Detailforscher unentbehrlich, kann man sich 
nur verschaffen, wenn man sechs Jahresreihen der Veröffentlichungen des Wiener 
Literarischen Vereins erwirbt. Nicht nur muß man dabei eine Reihe andere z.T. 
unvollständiger Werke mit in den Kauf nehmen, die dem Käufer vielleicht ferner 
liegen; die sechs Bände stellen sich auf den (vor dem Krieg gewiß höchst be¬ 
deutenden) Betrag von 1 20 Kronen und die Sammlung ist noch nicht abgeschlossen. 
Die Folge davon ist, daß das Verk in Deutschland fast unbekannt ist. Einzelne 
Bibliotheken haben es abgelehnt, die ganze Reihe der Veröffentlichungen zu be¬ 
ziehen und die Lücke klafft. Es ist vorgekommen, daß von zwei Münchner Dis¬ 
sertationen über Grillparzer, die bei demselben Professor gearbeitet sind, die eine 
die Sammlung kennt und benutzt; die zweite nicht, und der unglückselige Promovend 
sich aller jener Sammelarbeit unterziehen mußte, die ich ein für allemal überflüssig 
gemacht zu haben glaubte. Dergleichen wäre kaum geschehen, wenn das Werk dem 
regelmäßigen buchhändlerischen Betriebe zugänglich wäre. 

Der Verfasser unseres Aufsatzes deutet auch an, daß die einzelnen literarischen 
Vereine miteinander Fühlung nehmen sollten. Bei der gründenden Versammlung 
der alten bibliographischen Gesellschaft habe ich in meinem Berliner Einleitungs¬ 
vortrag diese Anregung seinerzeit gegeben; leider ist beim Abdruck dieses Vor¬ 
trages in der Vossischen Zeitung gerade dieser Eingang weggelassen worden. Ich 
hatte vorgeschlagen, daß alle literarischen und bibliophilen Vereine Deutschlands 
und des deutschen Österreich sowie die lokalen und provinzialen Geschichtsvereine 
(und, wäre heute hinzufügen, sowie seitdem die volkstümlichen Vereine) sich zu 
einem Bund zusammenschließen, vielleicht ein gemeinsames Anzeigeblatt heraus- 
geben sollten (da doch die von den einzelnen Vereinen ausgegebenen Blättchen und 
und Zettelchen so leicht auflebten) und vor allem eine gemeinsame Zahlstelle er- 

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richten sollten, die einen in Zukunft das auf einmal abzutun ermöglicht, was man 
jetzt zwölf und vierundzwanzigmal im Jahre tun muß. Vielleicht nimmt einmal der 
Verfasser jenes Aufsatzes diesen Gedanken auf und schafft eine solche Vereinigung, 
deren Mittelpunkt ganz wohl die erneuerte bibliographische Gesellschaft sein könnte. 

Zum Schlüsse richte ich noch die Bitte an den Herausgeber dieser Zeitschrift, er 
möchte uns in einem größeren Aufsatz über jene bibliophilen Vereine und Klubs 
in England und den Vereinigten Staaten Amerikas belehren, deren Tätigkeit er so 
gerühmt hat. Oberhaupt wäre gewiß vielen Lesern dieser Zeitschrift damit gedient, 
wenn ihnen ein Verzeichnis über alle ausländischen bibliophilen Gesellschaften vor¬ 
gelegt würde mit genauer Angabe, ob die Mitgliedschaft auch für uns erwerbbar 
ist, mit den Adressen der Sekretäre, mit der Höhe der Jahresbeiträge, ja viel¬ 
leicht auch mit einer Übersicht über ihre bisherigen Publikationen. Oder wäre 
dies schon eine der kleineren Aufgaben, welche die neue Gesellschaft zu lösen hätte? 
[Prag, 22. Februar 1919.] 


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HANDSCHRIFTEN UND HANDZEICHNUNGEN 


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HANDSCHRIFTEN UND HANDZEICHNUNGEN 

Das Blatt mit der auf der folgenden Seite gezeigten Schadowschcn 
Zeichnung entstammt dem gleichen Sammelalbum, dem das im ersten 
Bande unserer Zeitschrift veröffentlichte Berliner Bild E. T. A. Hoff- 
manns verdankt wurde. Es ist bisher nur in einer in wenigen Ab¬ 
zügen 1915 verbreiteten Wiedergabe bekannt geworden und soll eine 
Reihe von Nachbildungen bemerkenswerter Handschriften und Hand¬ 
zeichnungen eröffnen, deren Auswahl vor allem den Autogrammlieb¬ 
habern zu dienen hofft, indem sie charakteristische Autogrammproben 
zusammenstellt. f> Es darf vielleicht bei dieser Gelegenheit hervor- 
Igehoben werden, daß wir, trotzdem die Wissenschaft der Psychologie 
auch erfolgreich die Graphologie in ihren Forschungsbereich gezogen 
hat, noch immer ein Handbuch der neueren Handschriftenkunde, das 
für Sammler bestimmt ist, entbehren. Ein Handbuch dieser Art müßte 
vor allem ein brauchbares Nachschlagewerk sein, das es gestattet, an 
kennzeichnenden Beispielen, die die Altersstufenentwicklung berück¬ 
sichtigen, die Echtheit einer Handschrift zu überprüfen. Wer es weiß, 
wie schwierig es bisweilen ist, die Handschrift selbst bekanntester 
Persönlichkeiten der Geistesgeschichte in ausreichenden Nachbildungen 
aufzufinden, wie man das notwendige Vergleichungsmaterial von über¬ 
allher zusammensuchen muß, wird den Wunsch nach einem solchen 
Handbuche teilen. Auch dem Büchersammler, der Eintragungen prüfen 
will, müßte ein derartiges Werk sehr willkommen sein, wofern es in 
methodischer und systematischer Weise auf wissenschaftlicher Grund- 

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HANDSCHRIFTEN UND HANDZEICHNUNGEN 

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läge die ihm gestellte Aufgabe lösen würde, zunächst einmal für die 
bekanntesten Namen der Geistesgeschichte der Neuzeit, also etwa der 
Zeit von (1300) 1400 bis 1900, Handschriftenproben zusammenzu¬ 
stellen. Bei einer überlegten Anordnung und Auswahl (die Beschrän¬ 
kung auf 1000 Namen gäbe schon einen weiten Spielraum) ließen sich 
durchschnittlich drei Handschriftenproben auf einer Seite unterbringen, 
so daß ein Oktavband von 500 Seiten genügen könnte, wenn die 
Handschriftenproben auf kennzeichnende Ausschnitte beschränkt werden 
sollten, wie es dem Rahmen eines solchen Werkes entspräche. Der 
Aufwand einer reicheren Ausstattung dürfte überflüssig sein, so ver¬ 
lockend es auch wäre, in bunter Mannigfaltigkeit ganze kostbare Stücke 
nachzubilden. Aber diesem Bedürfnisse kommen bereits manche frei¬ 
lich meist nicht billige Sammelwerke entgegen, die Faksimilia von 
Handschriften einzelner Schriftsteller zusammenstellen und die teil¬ 
weise bereits zu jener Gruppe von Handschriftennachbildungen ge¬ 
hören, die Urhandschriften ganzer "Werke wiedergeben. Ihre Absicht 
ist dann bereits eine andere, weiterreichende, als die eines Hand¬ 
buches, das Nachschlagezwecken dienen soll. ® Daß auch Handzeich¬ 
nungen, die die Hand bildender Künstler weisen, dieser ihrer hand¬ 
schriftlichen Bedeutung wegen in die Handschriftenreihen aufgenommen 
werden, soll ausdrücklich betont werden, um einem etwaigen Mißver¬ 
ständnisse vorzubeugen, als ob hierin der Kunstwert entscheidend sei. 
[Allerdings wird man ein künstlerisch bedeutungsvolleres Stück vor¬ 
ziehen wollen, wie man ja auch ein Autogramm mit beachtenswertem 
Inhalt dem nichtssagenden Schriftstück vorzieht, sofern beide für die 
Autogrammcharakteristik ähnliches oder gleiches bieten.] Dagegen durfte 
die Technik eines Blattes, sogar dann, wenn sie nur eine angenommene, 
eine Manier ist, mit entscheidend sein, weil sich auch in ihr das Wiesen 
der Handschrift ausspricht. 

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ANMERKUNGEN ZU BÜCHERN 

Allgemeine musikalische Zeitung. Eilfter Jahrgang vom 
5. Oktober 1808 bis 27. September 1809. Leipzig, bey Breit¬ 
kopf & Härtel. 4 0 , 1 Blatt Kupfertitel, VI 11 Spalten [Inhaltsübersicht], 
848 Spalten, 48 Spalten [Intelligenzblatt] 3 Blatt musikalische Bei¬ 
lagen) 9 . . . Zwölfter J ahrgang vom 4. Oktober 1809 bis 26. De- 
cember 1810... (1 Blatt Kupfertitel, VI 11 Spalten [Inhaltsübersicht], 
1060 Spalten, 60 Spalten [1 ntelligenzblatt], XXVI 1 Seiten musikalische 
Beilagen, 2 Blatt Kupfertafeln) «... Dreyzehnter Jahrgang vom 
2. Januar 1811 bis 25. December 1811. ... (1 Blatt Kupfertitel, 
Vlll Spalten [Inhaltsübersicht], 886 Spalten, 86 Spalten [Intelligenz¬ 
blatt], 4 Blatt Kupfertafeln). « . . . . Vierzehnter Jahrgang vom 
1. Januar 1812 bis 30. December 1812 ... (1 Blatt Kupfertitel, 
Vlll Spalten [Inhaltsübersicht] 870 Spalten, 80 Spalten [Intelligenz¬ 
blatt], 4 Blatt [zu den musikalischen Beilagen], 1 Blatt Kupfertafel) • 
.Fünfzehnter Jahrgang vom 6. Januar 1813 bis 29. De¬ 
cember 1813 . . . (1 Blatt Kupfertitel, Vlll Spalten [Inhaltsüber¬ 
sicht], 856 Spalten, 48 Spalten [Intelligenzblatt], 9 Blatt musikalische 
Beilagen, i Blatt Kupfertafel)« . . . Sechzehnter Jahrgang vom 
5. Januar 1814 bis 28. December 1814 ... (1 Blatt Kupfertitel, 
Vlll Spalten [Inhaltsübersicht], 888 Spalten, 40 Spalten [Intelligenz¬ 
blatt] 20 Blatt musikalische Beilagen, j Blatt Kupfertafel) «... Sieb¬ 
zehnter Jahrgang vom 4. Januar 1815 bis 27. December 1815 
. . . (1 Blatt Kupfertitel Vlll Spalten [Inhaltsübersicht] 876 Spalten, 

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32 Spalten [Intelligenzblatt], 14 Blatt musikalische Beilagen, 2 Blatt 
Kupfertafeln) i> ... Ein und zwanzigster J ahrgang vom 6. J anuar 
1819 bis 29. December 1819.... (1 Blatt Kupfertitcl, VIU Spalten 
Inhaltsübersicht], 896 Spalten, 28 Spalten [Intelligenzblatt], 18 Blatt 
musikalische Beilagen, 1 Blatt Kupfertafel). 

1813, im Geburtsjahre Richard Wagners, schrieb E. T. A. Hoff- 
mann in seinem Aufsatz ,Der Dichter und der Komponist*: Ich be¬ 
haupte, der Operndichter muß ebensogut gleich alles im Innern kom¬ 
ponieren wie der Musiker, und es ist nur das deutliche Bewußtsein be¬ 
stimmter Melodien, ja bestimmter Töne der mitwirkenden Instrumente, 
mit einem Worte: die bequeme Herrschaft über das innere Reich der 
Töne, die diesen von jenem unterscheidet“. Mit dieser Forderung des 
Musikdramas, wie es Richard Wagner verwirklichen sollte, wurde E. 
T. A. Hoffmann dessen urmittelbarer Vorgänger, bestimmte er seinen 
Platz auch in der Musikgeschichte, für die er nicht allein mit seinen 
eigenen Tonschöpfungen, sondern vor allem mit seinen musiktheore¬ 
tischen Schriften eine Bedeutung hat, die erst in den letzten Jahren 
recht gewürdigt worden ist. Die Hauptmasse der Hoffmannschen Ab¬ 
handlungen zur Musik bergen die oben angeführten Jahrgänge der 
,Allgemeinen Musikalischen Zeitung* in ihrem ersten und teilweise ein¬ 
zigen Urdruck, der umso wertvoller ist, als die Urhandschriften nicht 
mehr vorhanden zu sein scheinen. So sind die Jahrgänge dieser Zeit¬ 
schrift mit den (von Hans von Müller, Hoffmann und Härtel. Durch¬ 
gesehener Sonderabdruck aus den Süddeutschen Monatsheften vom 
Dezember 1907, Januar und März 1908, Privatdruck. Berlin: 1908 ver- 
zeichneten) Beiträgen E. T. A. Hoffmanns für den Sammler ebensowohl 
als Schrifttumszeugnisse wie als Urkunden der deutschen Musikge¬ 
schichte wertvoll. Trotzdem aber fehlen sie vielen Sammlungen, die 
eine vollständige Zusammenstellung der E. T. A. Hoffmann Uraus- 

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gaben erstreben, vielleicht, weil ihnen die abschließende Buchform 
abgeht, obschon ihnen eine solche bei Lebzeiten des Dichters nicht zu¬ 
teil geworden ist. Ein Hinweis, den an dieser Stelle zu geben, deshalb 
nicht versäumt werden soll, weil noch im Jahre 1918 die Bände der 
.Allgemeinen Musikalischen Zeitung* mit den Beiträgen Hoffmanns beim 
Verleger nicht vergriffen waren. 

Die Religion des neuen 'Weltalters. Versuch einer kom¬ 
binatorisch-aphoristischen Grundlegung. Von G. Fr. Daumer. 
Erster Band. Hamburg, Hoffmann und Campe: 1850 (XXIV, 
331 (332), IV S. 8°) [Zweiter Band. 4, 330 (334), 11 S. 8°. Dritter 
Band. (8), 307 (310) S. 8°] 

Analekten, Anthologien, Kollektaneen erfreuen sich meist nicht der 
Hochschätzung der Buchfreunde und Schrifttumskundigen, obschon unter 
dergleichen Überschriften auch Klassiker wie Caesar und Lessing ihre 
Lesefrüchte in eigenen Werken gesammelt haben, und obschon wir den 
Auswahlsammlungen und Blütenlesen, zumal denen des Altertums, die 
Erhaltung kostbarer Literaturschätze verdanken. Das ist unschwer zu 
verstehen. Wenn derartige Sammlungen nicht schon allein durch den 
Reiz der Subjektivität wirken, das heißt wenn sie nicht von einer her¬ 
vorragenden Persönlichkeit veranstaltet wurden, deretwegen sie gelesen 
werden, um in ihnen die Denkart, den Geschmack jener Persönlich¬ 
keit wieder zu finden, bleiben sie eine bunte Folge von Auszügen, 
wofern sie eines großen Leitgedankens ermangeln, in dem als in dem 
Brennpunkt des Werkes sich die vielen es bildenden Einzelstücke Zu¬ 
sammenwirken. ^Allerdings, die Anthologie als Synthese des geistigen 
Zielstrebens von ganzen Geschlechtern, die zur Verdeutlichung eines 
geistigen Phänomens wird, gewinnt damit vielfachen Wert, wird auch 
insofern wichtig, als sie als nationale Vorarbeit einer späteren inter- 

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nationalen Sammlung, die eine Auslese der Auslesen vornimmt, be¬ 
trachtet werden kann.) Beispielsammlungen, Lesebücher dienen allenfalls 
zum Nachschlagen, Eigenwert beanspruchen sie nicht. Aber auch die An¬ 
thologien, die sich selbst einen eignen Wert beimessen, ihre Tendenz 
auf dem Titel tragen, sind nicht immer das, was sie sein wollen, weil 
das Vollbringen nicht dem guten Willen entsprach. Und deshalb finden 
auch diejenigen Werke dieser Literaturgattung nicht die verdiente Auf¬ 
merksamkeit, die sie haben sollten, wie DaumerS Versuch, auf den nicht 
als auf eine bibliographische Merkwürdigkeit hier hingewiesen wird, 
sondern als auf ein vergessenes Werk,- das das Schicksal der meisten 
Schriften seines bedeutenden Verfassers teilt, da und dort bei den 
Zeitgenossen zwar einiges Aufsehen gemacht zu haben, dann aber dem 
Gedächtnis der Leser, das heißt den Literaturgeschichten, verloren 
gegangen zu sein. Man muß freilich eine Übersicht des ganzen Daumer- 
schen Lebenswerkes suchen, um in ihm trotz seiner vielen Widersprüche 
die es verbindenden Zusammenhänge zu entdecken. Aber man lernt 
Daumer, den berühmten Dichter, doch erst recht verstehen, wenn man 
die Absichten seiner Dichtung auch in seinen unberühmt gebliebenen 
Prosaschriften verfolgt, von denen die angeführte den Vorzug hat, 
mit der Begründung einer Weltanschauung, über die man urteilen mag, 
wie man will, durch die Anordnung der sie erläuternden Auszüge, 
unter denen sich viele weniger bekannte, sowie auch Gedichtproben 
des Herausgebers finden, ein nachdenkenswertes Buch geworden zu 
sein. Man vergleiche nur die: ,DaS äußerlich abstrakt-politische Treiben 
der Zeit. Sein Wert und Resultat' überschriebenen Abschnitte mit 
gegenwärtigen Zuständen, wenn man die Daumersche Stoffsammlung 
auf ihre Benutzbarkeit in der Reihe der Gedankenbücher prüfen will. 


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English printed Almanacks and prognostltations. A biblio- 
graphical history to the ycar 1600. By Eustace F. Bosanquet. 
London, Bibliographical Society: 1917. XI, *04 S. 16 Bl. 4 0 . 
(lllustrated Monographs 17). 

Aarbog for" Bogvenner. Udgivet af Syend Dahl. Anden 
Aargang. V. Pios Boghandel. Poul Branner, Kobenhavn: 1918. 
(8), 278 { 280 ) S. 4 0 . 

Das dänische Jahrbuch für Buchfreunde, dessen zweiter Jahrgang sich dem ihm 
vorangegangenen gleich wertvoll anschließt, rechtfertigt von neuem die Aufnahme, 
die es bei seinem ersten Erscheinen gefunden hat. Es bietet einen bunten und 
sich doch glücklich zusammenpassenden Inhalt, in dem die Beiträge zur Biblio¬ 
philie-Geschichte Dänemarks ebenso wie die Abhandlungen, die in ihrer Gesamt¬ 
heit eine dänische Bibliophilie-Chronik 1918 bilden, auch der Orientierung des 
gelegentlich nachschlagenden Bibliographen dienen werden. Über Peter Nansen 
als Mitarbeiter und Leiter des Gyldendalschen Verlages macht Poul Levin manche 
Mitteilungen, die in Deutschland, wo dieser Teil der Lebensarbeit des liebens¬ 
würdigen Dichters sehr viel weniger als seine Werke bekannt geworden ist, 
schon deshalb eine erhöhte Teilnahme finden dürfte, weil sie eine literarische 
Persönlichkeit im Mittelpunkte des Betriebes eines großen buchgeschäftlichen 
Unternehmens zeigen und damit Probleme berühren, die Yon jeher zu den be¬ 
merkenswertesten in der Geschichte der vom Buche ausgehenden Kulturwirkungen 
gehört haben. Eine zu mancherlei Vergleichen anregende Übersicht der dänischen 
Bücherv^rsteigerungen des Jahres 1917 und ihrer hauptsächlichen Preise ver¬ 
mittelt Herman Lynge. Kristian Kongstad, der zu den besten Buchkünstlem 
Dänemarks gehört, würdigt das dänische Buchhandwerk nach seinen bedeutendsten 
in der Berichtszeit des Jahrbuchs hervorgetretenen Leistungen, indem er gründ¬ 
lich die technischen Ursachen der ästhetischen Wirkungen der von ihm besprochenen 
Druckwerke untersucht. Eine kurze Geschichte des öffentlichen Bibliothekswesens 
Dänemarks in den Jahren 1917 bis 1918 liefert der Herausgeber. Der Aufsatz 

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von Lauritz Nielsen Ober die Seltenheitswerte der Älteren gedruckten dinischen 
Literatur ist ein wertvoller Beitrag zur Geschichte des Liebhaberpreises. Anker 
Kysters Ausführungen Ober den Bucheinband der Holberg-Zeit haben neben 
ihrem historischen Interesse manchen praktischen Nutzen ffir den Sammler» der 
alte Einb&nde ausbessem oder alte Bficher neubinden lassen muß. Carl Dum- 
reicher* Nachrichten Ober die Büchersammlungen jütländischer Herrenhöfe er¬ 
innern an behaglichere Zeiten, in denen die Romantik noch nicht vom Büchermarkt 
verschwunden war. Victor P. Christenschs Betrachtungen über alte dänische 
Büchereizeichen, hauptsächlich Exlibris-Blätter, geben eine, ikonographisch sehr 
reichhaltig kommentierte, Liste dieser Besitzerzeichen, die für die Feststellung 
von Provenienzexemplaren auch außerhalb Dänemarks sehr brauchbar sein dürfte. 
Außerdem enthält das Jahrbuch noch eine Einführung in das Buchhandwerk und 
die Buchkunst Persiens, als deren Verfasser Arthur Christensen zeichnet, sowie 
vom Herausgeber eine Notiz über die amüsante bibliographische Mystifikation 
der Vcnte Fortsas. Die Ausstattung des in einer Auflage von 685 gezählten Ab¬ 
zügen erschienenen Bandes ist seiner Bestimmung angemessen: die Druckaus¬ 
führung auf dem kräftigen Büttenpapier, die Auswahl und Wiedergabe der Ab¬ 
bildungen sind wohlgelungen, das Format ist gewichtig, ohne schwerfällig zu 
werden, der leichte Pappband hat einen schönen, nach einem Entwürfe Th. Bin- 
desbolls in Anker Kysters Werkstatt hergestellten Buntpapierüberzug. 

Erinnerungen eines Bibliophilen. Von Leopold Hirschberg. 
Berlin-Wilmersdorf, Bibliophiler Verlag O. Goldschmidt- 
GabrielÜ: [1918]. IX (* 11 ), 207 (208) S. 8°. 

Der bekannte Berliner Büchersammler plaudert zu den Genossen seiner Leiden¬ 
schaft und Liebe frisch, bisweilen sehr frisch, von der Leber weg über seine Er¬ 
fahrungen und Erlebnisse mit den Büchern. Bibliophilen-Memoiren gehören in 
der, an sich durchaus nicht armen, deutschen Memoirenliteratur zu den »größten 
Seltenheiten* und schon deshalb wird diese Veröffentlichung den deutschen Buch¬ 
freunden sehr willkommen sein, obschon sie nicht das letzte Kunstgeheimnis eines 
glückbegünstigten Schatzgräbers offenbaren möchte, vielmehr den Neugierigen, 
die nach seiner Anleitung die deutschen Leihbibliotheken durchstreifen wollten 
(Seite 118), die Warnung zuruft: ,wo ich war, da wächst kein Gras für den Nach¬ 
kömmling mehrl* Aber nicht nur als einen Kenner alter Schriften zeigt sich der 
Herr Verfasser in seinem autobiographischen Werke, sondern auch als einen ge¬ 
fühlvollen Leser, dem sich Musik und Poesie zu edlem Kunstgenuß verbinden, als 
einen Mann, der sich mit stiller Forscherfreude halb vergessener deutscher Dichter 
annimmt, um für sie zu werben. Freilich verlockt er auch recht oft zum Wider¬ 
spruch, dem er vielleicht durch die von ihm (Seite 133) gegebene Begriffsbestimmung 
des »wirklichen* Bibliophilen begegnen wird. Schließlich dürfte wohl ein jeder Buch- 

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freund, wenn er in die Verbannung einer einsamen Insel ziehen müfite und nur 
die besten Bücher dorthin mitnehmen könnte, so wählen, daß, wenn alle Biblio- 
philengenerationen auf dieser Insel geweilt und die mitgenommenen Bücher zurück¬ 
gelassen hätten, dort längst die schönste Bibliothek vorhanden wäre. Die tiefe 
'Weisheit des Wortes: ,in meines Vaters Hause sind viele Wohnungen' gilt auch 
für den bescheidenen Bezirk des menschlichen Lebens, den die, die ihn erleben, 
»Bibliophilie' nennen, womit sie dann ihr Verhältnis zu den Vermittlern geistiger 
und künstlerischer Werte, den Büchern, umgrenzen wollen. Und deshalb sind wir 
dem Herrn Verfasser für seine den Bücherherzen gewidmete Gabe dankbar. — 
Etwas anderes ist es jedoch, wenn der Widerspruch sich gegen Einzelheiten richtet, 
sich nicht gegen Gedanken oder Gefühle wendet, sondern sich auf bibliographische 
Tatsachen bezieht. Man kann natürlich über die Aufgaben einer Büchersammler¬ 
gesellschaft voneinander sehr abweichende Meinungen als berechtigt gelten lassen 
und wenn der Verfasser dieser Zeilen dem (Seite 183 ausgesprochenen) Urteil des 
Herrn Verfassers über die Veröffentlichungen der »Gesellschaft der Bibliophilen' 
nicht beipflichten kann — denn eine solche Gesellschaft muß dem Geschmack aller 
ihrer Mitglieder Rechnung tragen, nicht nur einer Richtung einseitig folgen —> 
ist das eben auch nur eine Antwort auf eine Geschmacks frage. Aber wenn das 
Verlangen gestellt wird, die »Gesellschaft der Bibliophilen' möge sich um die »Er¬ 
gänzungsbände' vorhandener Ausgaben der »Werke* deutscher Schriftsteller sorgen, 
dann muß ihm eindringlich widersprochen werden, weil es von* bibliographisch 
irrtümlichen Voraussetzungen ausgehend um so eher Verwirrung stiften kann, als 
der Herr Verfasser an manchen Stellen seiner Erinnerungen den Verlegern wert¬ 
volle Winke gibt. Herr Dr. Hirschberg hat, nachdem er seine umfangreiche, rund 
20000 Nummern zählende Sammlung von Werken der deutschen Dichtung des 
18. und 19. Jahrhunderts der Berliner Universitätsbibliothek überlassen hat, sich 
die »Original'-Gesamtausgabe zum Gegenstand seines Sammeleifers mit bei ihm 
selbstverständlichen Erfolge gemacht. Aus seiner berechtigten Finder- und Forscher- 
freude glaubt er nun das Dogma ableiten zu können, die alte, womöglich erst ge¬ 
druckte, Gesamtausgabe sei auch dann der endgültigen und vollständigen, der 
kritischen, vorzuziehen, wenn der Verfasser an ihr keinen Anteil hatte und man 
müsse, um den »wirklichen' Bibliophilen zu helfen, das zusammenstellen, was den 
alten Gesamtausgaben fehle. Bisweilen mag eine derartige Forderung sich be¬ 
gründen lassen, zum Beispiel für die Gesamtausgabe der Werke Achim von Arnims, 
deren bessere Wiederholung doch wohl in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist. 
ln anderen Fällen indessen wäre ihre Erfüllung nur eine Empfehlung vielleicht 
zwar äußerlich schöner, jedenfalls aber durch ihre Textgestalti^ig schlechter Aus¬ 
gaben. Nicht die ersten, sondern die besten Gesamtausgaben wollen wir uns wünschen, 
es sei denn, daß die ersten Ausgaben Urausgabcn durch die Beteilfgung der Ver¬ 
fasser selbst an ihnen sind. Die Abneigung der Erinnerungen gegen die biblio¬ 
graphischen Hilfsmittel ist nicht gering und dieser allzusehr betonten biblio- 

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graphischen Selbstgenügsamkeit wegen finden sie manche längst bekannten Neuig¬ 
keiten, übersehen sie absichtlich oder unabsichtlich viele nützliche Vorarbeiten. 
Weshalb wird zum Beispiel Seite 188 die «Abrundung 4 der alten Göschenschen Aus¬ 
gabe von Wielands Werken durch Ergänzungsbände gefordert, während die (auf 
Buchschönheit leider verzichtende) Gesamtausgabe der Berliner Akademie der Wissen¬ 
schaften das Verlangen größtmöglichster Vollständigkeit schon zu erfüllen strebt? 
Selbst wenn ausschließlich ästhetische Gründe dafür maßgebend sein sollten, ließe 
sich ein solches Verlangen nicht rechtfertigen. Denn die hochgepriesene alte Oktav¬ 
ausgabe hat der gerühmte Göschen in den meisten Bänden bekanntlich durch seine 
Nachschußdrucke recht verunstaltet. Ebenso wäre Seite 44 der Doppeldrucke der 
Erstausgabe von Lessings Schriften zu gedenken gewesen. Und glaubt der Herr 
Verfasser wirklich (Seite 82), daß die von Eduard vl Bülow und Ludwig Heck 
besorgte Ausgabejder Werke Friedrich Ludwig Schröders nichts zu wünschen übrig 
läßt, bezieht er etwa (Seite 46) bei der Erwähnung der ersten Herder-Gesamt¬ 
ausgabe sein bewunderndes: «Welche Fülle edlen Fleißes 4 auf die Herausgeber? 
Auch die Empfehlung der Erstausgabe von Raimunds Werken (Seite 95) erscheint 
etwas allzu enthusiastisch, kurz, die Begeisterung für die «alten 4 Gesamtausgaben 
nur ihres Alters wegen wird von allen Bibliophilen durchaus nicht geteilt werden 
können. Dazu kommt, daß die Art der Ergänzungen und Vervollständigungen, die 
den Sammlern vorgeschlagen wird, von Willkür nicht frei ist. Seite 36 werden doch 
wohl allzu viele «Supplemente 4 der Ausgabe letzter Hand von Goethes Werken (der 
als Bestandteil auch die Illustrationen, wie schon in diesen Blättern, Erster Band, 
Seite95« ausgeführt wurde, nicht angehören) zugesprochen. Auch über dieZusammen- 
stellung der ,Original 4 -Ausgabe von Börnes Werken (Seiten 40, 137) ließe sich 
streiten. Dadurch, daß ihre Ansprüche an die bibliographische Kritik und literatur¬ 
historische Methode nicht gerade groß sind, bringen die Erinnerungen sich sogar 
einmal (Seite 37) um die Freude, die Entwicklung einer eigenen Entdeckung ^weiter 
zu verfolgen, weil sic es verschmähen, die Nachträge zu der in der «Zeitschrift 
für Bücherfreunde 4 bekanntgemachten Titelblatt-Variante der ersten berechtigten 
Ausgabe von Goethes Werken zu nennen, machen sie sich unnütze Arbeit, wie 
Seite 104 mit der Aufklärung des Verhältnisses der verschiedenen Bände von 
Fritz Reuters Werken zueinander, die in dem (im Russelschen Kataloge abge¬ 
druckten, Hinstorffsehen Verlagsverzeichnisse leicht zu finden war oder bringen 
sich um den Genuß (Seite 135), Goethes Venetianische Epigramme, die jetzt durch 
die versteckte Veröffentlichung in der Sophienausgabe, seitdem auch in einer neuen 
Ausgabe Otto Denekes nahezu vollständig zugänglich geworden sind, kennen zu 
lernen, überschätzen sie vielleicht den Wert einer Ausgabe, wie Seite 143, wo es 
sich auch um die Münchhausen-Nachschußausgabe handeln kann. Ebenso wird man 
den Seite 119 beginnenden Ausführungen über die Bedeutung der Einzel- und 
Gesamtausgaben nicht vorbehaltlos beistimmen wollen. Aber der Verfasser denkt 
vielleicht weit weniger streng, wenn er nicht wie in seinen Erinnerungen ex cathedra 

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spricht. Vergißt er sich doch soweit, daß er trotz seines (Seite 115) gegen die 
Einbandliebhaberei geschleuderten Anathema, der freilich an anderer Stelle (Seite 174) 
Ratschläge über den Bucheinband ein wenig widersprechen, die alten Maroquins 
nach Gebühr zu rühmen weiß, wenn sie ihm nur selbst gehören. Eine Beobachtung, 
<lie von den eben gemachten Anmerkungen, die gerade in diesen Blättern nicht 
fehlen durften, auch'deshalb nicht, weil die .Erinnerungen' sicherlich zum Nutzen 
und Vergnügen yon sehr vielen deutschen Büchersammlern ihrem — bibliographischen 
Apparat eingereiht werden dürften, zurückführt auf die eigentliche Bestimmung 
des angemessen ausgestatteten, mit bibliographischen Bildern gedruckten Buches, 
eine anregende Gedenkschrift für die älteren Sammler zu sein, besonders für die¬ 
jenigen, die ihrem hilfsbereiten Verfasser Bereicherungen ihres eigenen Vorrates 
aus seinem reichen Dublettenschatze verdanken und eine an nützlichen Winken 
reiche Anleitung für jüngere Buchfreunde. Allerdings ist das über Sammeltechnik, 
zum Beispiel auf den Seiten 173 und den folgenden Gesagte bisweilen allzu indi¬ 
viduell. Aber glücklicherweise ist ja der Verfasser der »Erinnerungen' selbst inkon¬ 
sequent, wenn es sich um die Bibliophilie handelt. Er, der die Menzelsammlung 
verschmäht, weil sie doch nicht vollständig wird (Seite 163), der dringend grund¬ 
sätzlich von Spezialsammlungen abrät, empfiehlt sie doch auch wieder (zum Beispiel 
auf den Seiten 147, 173) und handelt in seinem eigenem Werke im allgemeinen 
nur über eine Sondersammlung von Erstdrucken der deutschen Dichtungen der 
Klassiker- und Romantiker-Epoche einschließlich der Komponisten, so daß auch der 
Musikbibliophile manche erwünschte Aufklärungen empfängt, wie die Seite 167 
Über die Anordnung einer Notensammlung gegebenen. Wir wünschen dem amü¬ 
santen und interessanten Werk die Anwendung seiner Supplement-Theorie auf sich 
selbst: möge es der Anfang einer Ergänzungsbuchfolge sein. 

Bibliothek für Kunst- und Antiquitätensammler. Band 14. Das alte 
Buch von Dr. Karl Schottenloher, Bibliothekar an der Staatsbibliothek 
in München. Mit 67 Abbildungen. Berlin, Richard Carl Schmidt &Co.: 
J919. 280 (320) S. 8°. 

Das angezeigte Werk behandelt im wesentlichen die Buchkunstgeschichte des ge¬ 
druckten Buches bis zum Ausgange des achtzehnten Jahrhunderts und darf als die 
beste Einführung in dieses Gebiet gelten, die bisher in deutscher Sprache ver¬ 
öffentlicht worden ist. Den Mangel eines Werkes über Gutenberg und die Wiegen¬ 
druckzeit, das die wissenschaftlichen Ergebnisse der neueren Forschung zusammen- 
f?ßt, kann es seiner Kürze und der reichen Stoffülle wegen freilich nicht beheben. 
Aber es bietet doch auch für die Frühdruckzeit in seinen Abschnitten über das 
Blockbuch, über die frühesten Druckdenkmäler, über die Verbindung des Holz¬ 
schnittes mit dem Buche und über die Inkunabelnkunde reiche Anregungen und 
Belehrungen, die den Leser leicht erkennen lassen, daß der Herr Verfasser nicht 

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H l11 *- 

auf da* Studium der Bücher über die Bücher angewiesen gewesen Ist, sondern 
als Beamter der Bibliothek, die über die größte InJcunabelnsammlung der Veit 
verfügt, aus weit reichender eigener Anschauung schöpfen konnte. Vle denn über¬ 
haupt sein Verk der Beschäftigung mit den Schützen der Münchener Staatsbiblio¬ 
thek nicht allein die lebendige Art der Darstellung, sondern auch die groSzügige 
Übersicht verdankt, die sich nicht mit Ausgabenbeschreibungen begnügt, sondern 
die Buchentwicklung in ihren großen Zusammenhängen zu erfassen strebt. Leider 
muß sich der Herr Verfasser gerade bei solchen Hinweisen auf die kultur¬ 
historischen Momente der Buchgestaltung oft nur mit Andeutungen begnügen, 
die zwar den schon sachkundigeren weiterleiten, dem AnfSngcr in der edlen Bücher¬ 
kunde indessen leicht entgehen werden. Doch das ist nicht die Schuld de* Ver¬ 
fassers, sondern die der ihm für die Lösung seiner Aufgabe gezogenen räumlichen 
Grenzen. Allerdings hätte hier ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, das leider fehlt, 
den Reichtum des inhaltreichen Verkcs besser aufschließen können. Das gilt ebenso 
für die weiteren Abschnitte, die sich mit der Süßeren Buchgestalt vornehmlich 
des 15. und 16. Jahrhunderts beschSftigen, ohne sie doch als eine Ausprägung 
des Buchgehaltes zu verkennen. Vas über die Blütezeit des deutschen Holzschnitt¬ 
buches, über die außerdeutsche Buchausstattung, über das liturgische Druckwerk 
des »5. und 16. Jahrhunderts, über die Livres d'heures und Seelengärtlein, über 
die Hciltumsbüchlein, über Humanismus und Buchentwicklung, über Kaiser Maxi¬ 
milian I. und das Buch, über Druckwerke mit Farbcnholzschnitten, über Typen 
und Zierbuchstaben der Frühdruckszeit, über die Einwirkung der Reformation 
auf das Buch, über den Verfall der Buchausstattung, über berühmte Drucker und 
Verleger des 15. und 16. Jahrhunderts, über die Bedeutung der Büchermarken, 
über Buch und Kupferstich, über Balthasar Moretus und Rubens beigebracht wird, 
beschränkt sich gleichfalls nicht auf die Aufzählung von Buchtiteln mit einigen 
Füllworten, sondern versteht es, verschiedene Gesichtspunkte für die Betrachtung 
alter Bücher zu gewinnen, die bedeutenderen Entwicklungslinien in ihrer Ver- 
flpfhng und Wirkung anzuzeigen. Die eigentliche Druckwerkentwicklung nach 
«hrep technischen Grundlagen, aus der erst die Bestimmung der Buchformen und 
ihr Verständnis sich ergibt, kommt etwas zu kurz fort. Sie läßt sich ja auch kaum 
mit wenige« Worten besprechen, dazu fehlt es noch allzusehr an ausreichenden 
Vorarbeiten. Den Abschluß des ersten Hauptteil», der das alte Buch im Vandel 
Cr J* hrhun derte **»«*" bilden die Kapitel über den Tiefstand der Buch¬ 

ausstattung und ihren Viederaufschwung. über das illustrierte Buch des 18. Jahr¬ 
hunderts und über Buchhandel und Buchherstellung. Doch will es scheinen, als ob 
«e yo e Teilnahme ^ ** ***** erfasset* den neueren Druckwerken nicht mehr 

m gleichem Maße w»e den älteren gehört, , 1 , ob er. bei aller Achtung vor de« 
buchgewerblichen Leistungen des 18. Jahrhunderts, ihren Sinn sich nicht zu eigen 
machen möchte. T>c* ***** J« 1 «örtert Besonderes vom alten Buch und sollte 
wohl nach der Bestimmung der Sammlung, | n deren Reihe das Verk erscheint» 


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,S a l*^ B«ch a j s S an ™ TOc , ge st an^ ^ r S C e hen ' ,nde5 ^ J< ^ 

3tr d. Hammel praxi s sc lbS, die BlI( .. en öber ^ 

fcher, Ober de« JV\ a ,-ktwert des •»**“ * '** können *'S 1 d 
uffass«"ge^ der BibsliopHilie ver1eit en ’ Au cK über di« 
nbandes als nicht zum "Wesen des B uc k cs gehörend (5^ 
reiten- Dagegen ist das QberB uc hpfleg e - 'besondere üb 2 ^? ^ 

«ihrem ursprünglichen Platze gesagte (Seite 117) sehr beh e * p, ^ 
lie wertvollen Ausführungen über alte Misch- und Samd»^ 0 * 
>s der bibliographischen Terminologie unl ^ damit auch pf ' 

metkwördiger, unter* einer Bucheinbanddeckc zusammeng® 5 ^. 
Schriften verschiedener Art, zugute kommen, wenn man ^ 

Zusammenstellungen als TVLischbände bezeichnen, dageg ef * 
buchbinderische Vereinigungen verschiedener Werke nenn^ 1 ^ 
stimmte Einheitlichkeit (Darstellungen des gleichen Themas, 
Verfasser usw.) erstreben. D ie Anordnung der Bildbeigab^ 1 "* 
mit großer Sorgfalt: vorgenommen worden. Sie berücksichtig^ 
Bekanntes, was die: einen bedauern, die andern, die der vi ^ 
immer der gleichen Bilder müde sind, dem Verfasser danken wet 
haltigkeit wäre den Literaturangaben zu wünschen gewesen , 
gerade die eigentliche Sammlerliteratur sich meist in Zeitschri Ff 
findet. (IcH habe irr meiner Fachkunde für Büchersammler ^ 
über den Bucheinband den Versuch gemacht, auch solche Abh^ 
Zahl zu verzeichnen. Aber seitdem ist mancherlei Neues hi n ^ 
die dort angeführte ältere Literatur ließe sich noch erg^ ^ 
beiten weitläuftlg zu erörtern, erscheint überflüssig. In 
Buches, das einen großen Stoff verwertet, wird sich im^ ^ 
andere Japsus calami finden, den der Verfasser selbst sp^ 
Ehrungen einer Besprechung berichtigt. Deshalb sei am 
^HJend hervorgehoben, daß die Arbeit Schottenlohers j n 

nur ein vortreffliches Werk in w ^ scns ch^ftli c her Bez >*H u 

beha s j ichcs Buch, das e ’ n Bu ch, d dem Leser ^ 

2U dem von »hm ten Oege, n v „mitUV * 

so den Bannkreis d« alten Buche, ^ XU 

S«w aJtsam einen Kenner verw, ^ M 

Di« .ehr, BUohe. der 

Hcr ausg .b.rr ..U . ' 

Mit ^ jn cm ^ >0 

laut-.»_ nach «d«r Ss^ X . v>* 


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A N Z EIGEN _ ’ 

Des altrömischcn Baumeisters Vitruv berühmtes Werk: De Architcctura ist nach 
der Überschätzung, die ihm die begeisterten Humanisten und Künstler der Re¬ 
naissance zuteil werden ließen, gegenwärtig einer gewissen Unterschätzung anheim¬ 
gefallen, welche, wie die angezcigte bibliographische Monographie mit Recht 
hervorhebt, darin ihren eigentlichen Grund haben dürfte, daß die späteren Be¬ 
urteiler den Standpunkt Yitruvs nicht recht würdigen konnten. Dessen Absicht 
war es ja nicht, der Nachwelt ein Quellenwerk über die hellenische und römische 
Architektur zu hinterlassen, sondern den eigenen Zeitgenossen eine Darstellung 
des Bauwesens zu geben, das er, ein Praktiker, der sich an Praktiker wendete, 
in seiner Gesamtheit als eine hohe Kunst aufgefaßt wissen wollte Daß sich auch 
diejenigen Baukünstler späterer Jahrhunderte mit der Schrift ihres Vorfahren be¬ 
schäftigt haben, die nach einer vertieften Bildung auf ihrem Gebiete strebten, 
versteht sich von selbst: ist doch der Vitruv die einzige antike Architektur Theorie, 
die erhalten blieb. So verdanken wir denn ihnen, die an erster Stelle zur sach¬ 
verständigen Erklärung des alten Schriftstellers berufen erscheinen, auch die wert¬ 
vollsten Erläuterungen zum Verständnis seines Werkes, denen sich der angezeigte 
stattliche Band ehrenvoll anreiht, o Die Bedeutung der Arbeit Bodo Ebhardts 
für die Archäologie, die Architekturgeschichte und die klassische Philologie ist 
hier nicht zu prüfen, sie liefert auch diesen Wissenschaften ein willkommenes Hilfs- 
buch. Wohl aber ist mit Nachdruck darauf hinzuweisen, daß sie, ein Ergebnis 
langjährigen liebevollen Forschens und Sammelns, in buchgeschichtlicher und buch¬ 
gewerblicher Hinsicht den Buchfreunden Anregungen gibt, die sie nicht ungenutzt 
lassen sollten. Die'Überlieferung des Vitruv teilt das Schicksal fast aller illustrierten 
Werke des Altertums, die eigenen vom Verfasser seinem Werke beigegebenen 
Zeichnungen sind nicht bis in unsere Tage gelangt und die Bildsprache, die ver¬ 
bunden war mit Vitruvs Worten, ist für uns längst verstummt. Als dann die ge¬ 
druckten Ausgaben zu erscheinen begannen, allein in dem Zeitraum von 1484 bis 
• 600 rund dreißig, mußten die Herausgeber notgedrungen mit den Beigaben neuer 
Bilder einen Ersatz suchen. So zeigt die Ausgabenreihe des Vitruv die Wand¬ 
lungen der Bildsprache im Buche wie nur wenige andere Werke und ist gerade 
unter dem angedeuteten Gesichtspunkte für diesen noch lange nicht ausreichend 
genug erforschten Teil der Kulturgeschichte des Buches von hohem Wert. Daß 
außerdem die Vitruvbilder in ihrer Vielfältigkeit einen Abglanz der Formwand- 
lungen in der Baukunst widerspiegeln, für die architektonische Denkweise und 
Kunstauffass un g der wechselnden Stilepochen kennzeichnend sind, braucht kaum 
hervorgehoben zu werden. Ist doch auch die Auslegung und Erklärung des Yitruv- 
werkes selbst, ebenso wie seine allgemeine Wertung wechselnd, wobei die philo- 
ogischen lnterp/r^* a *^ ncn ^ n ^swegs immer sein Verständnis vervollständigten. 
Denn auch fü r den V«truv bestätigt sich die alte Erfahrung, daß Fachschriften 
nur von den eigentlich Fachverständigen erläutert und vor allen Dingen nur von 
solchen übersetzt werden sollten, wozu auch die angezeigte Schrift in dem S. .9 

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wähn^^ n Beispiel der vielerört^^se^ 1111 im pa^ 5 ^ 

eitr»^ «efert. Freilich, alle Gehe ' 1 *''’ 1 der v «'trU v ^ 

,ch se*^ Fachgenossen nicht wi ‘ 

iv er, selbst in amtlicher Stellung 211 Cn Überwach 
chnungen der Kriegsmaschinen verhü" te ' ® Nach einer i 

inleittxng, in der sich der Flerr Vet fasser Eigentlich * <-£* ^ - 
itruvhandschriften sogar ein wenig dev bibliophilen Ph* 21 
Zusammenstellung der dürftigen Angaben über das * 

ler erste "Feil der Bibliographie einer Darlegung des J* 1 
Itr Architectura zu, die eine klare Übersicht des nicht «a u 
sondern auch als antike Kunstphilosophie zu verstehende* 1 ^ 

manchen vortrefFliclren Minweis enthält, so zum Beispiel ^ i 

triscKe.iT Grundlagen der- .Architektur. (Ob allerdings Vitruv ^ ^ 4 
wähnten bestiae palustres Bazillen verstanden haben könnte 
Der Gedanke: an lästige Sumpfinsekten lag ihm näher und 
gerade Hier auch den Anschauungen der modernen Medizi 
folgt die ausführliche -Ausgabenbeschreibung und Würdignrr 
das auch die Vitruvliteratur im weiteren Sinne berücksichtige^ 
Ausgaben bildet:, das gleichzeitig mit der Mehrzahl seiner PvJ 
der Bodo Ebhardtschen Vitruvsammlung ist. Dieser eigentliche: V-^ 
wird trotz seiner- bisweilen in der Form der Aufnahmen, ^ 
Einbandkennzeichnungen, etwas individuellen Art dem Sa*^ 
Dienste leisten, besonders , wenn er ihn mit der ausführlich^ 
hauptsächlichen Ausgaben und Übersetzungen zusammen b ei ^ 1 


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A N Z E 1 G E N 


Handschrift zum ersten Male herausgegeben von Clemens 
Löffler. Münster, Coppenrath: 1918. VJU, 106 S. 8°. 

Die Quellen zu Gottfried Kellers Legenden. Nebst einem 
kritischen Text der .Sieben Legenden' und einem Anhang 
herausgegeben von Albert Leitzmann. Halle, Niemeyer: 1919. 
174 S. 8°. (Quellenschriften zur neueren deutschen Literatur Nr. 8.). 

Albert Köster. Prolegomeita zu einer Ausgabe der Werke 
Theodor Storms. Leipzig, Teubner: 1918. 73 S. 8°. (Berichte 
über die Verhandlungen der Sächsischen Gesellschaft der Wissen¬ 
schaften. Philosophisch-historische Klasse 70, 3.) 

Charles Baudelaire. Lettres inddites k sa mire. Pr£face, 
notes et index de Jacques Cripet. Paris, Conard: 1918. XVI. 
407 S. 8°. 

Stikordsregister til den Danske Skohliteratur for Aarene 
1841 — 1908. Udarb af H[o!ger] Ehrencron-Müller. Koben- 
havn, Gad: 1918. 81 S. 4 0 . 


Dante Alighieri. La Divina Commedia. Vollständiger Text 
mit Erläuterungen, Grammatik, Glossar und sieben Tafeln, 
herausgegeben von Dr. Leonardo Olschki, a. o. Professor an 
der Universität Heidelberg. Heidelherg, Julius Groos: 1918 
XVII (XX), 640 S. 80 . 2 Bl. 


™ l SCr * U * ! ang) n f, n ak * demiSchcn Erfahrungen entstandenen Studien- 
* U * g l e ’ 8t L Putschen Dantelesem ein Hi]f, mit t d geschaffen worden, wie sie es 

btSser 7 flnschen könne "- Gerade durch ihre zunSchst praktische Zweck- 
JSS? L5,Un * i8t die A «8»be ein bei sich gleich- 

^ D rrÄ r . z Ä k *^Tr“' db “ d ' n> " 

Dcutrchluid bdd un«.tb.Krilch «ta 

vi ,i n ^u . Uirtet .• . V * vor * ,lcm d ^alb, weil sic weder zu 

y*s <•“ — 

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MITTEILUNGEN UND NACH R 1 CHTEN 


MITTEILUNGEN UND NACH R l CHTEN 

Die Waise von Tamaris. Eine Tanznovelle vom Verfasser des 
„Schief-Levinche“ und der „Luftschlösser“. Hamburg o 

Campe: 1855. (4). 300 S. 8»), « Der Verfasser dieses und noch sehr vieler an- 
derer Werke ist durch die Bemerkung Heinrich Heines ira /• vr a 

1825 an Moses Moser gerichteten) Briefe, in der cs heißt: »»Hast Du schon 
hört, daß mein Vetter Schiff Hoffmanns ,Kater Murr* fortgesetzt? Ich h L* ^ 
dieser Schreckensnachricht fast den Tod aufgeladen?*' in eine b*bl* ,. V< ? n 

literaristorische Perspektive geruckt worden, die seine PcrsÖnliVkt. . . ” 

\/ * u . , X4 . 1 . n q * • nJicnkeit nur in starker 

Verzeichnung zeigt. Mag immerhin D. Schiff in jenem seinem w 

lingswerke (Nachlaß des Katers Murr. Eine Fortsetzung dev- 1 ^ > ^ enann ^ cn rst “ 

Katers Murr von E. T. A. Hoffmann nebst einer Vorrede H Cn f* nS,C tcn ^ cs 

Leipzig, Wilhelm Lauffer: 1826) gegen den guten Geschmack^* «rausgcbers. 

haben, so darf man dabei doch nicht übersehen wollen, daß * 1 >C n 

Dichter E. T. A. Hoffmann fast noch unbekannt war, da S e Äe cT . € ' 8 * 6 ** 

haltungsschriftsteiler viel gelesen wurde. Grund genug fQ r n - ** ^ ,e ^ te Unter- 

der in die Laufbahn des »Literaten* gelangen wollte, sicH z e,n ^ n jungen Mann, 

fremder Federn zu bedienen. Besonders feinfühlig ist ScHiff*-. Se |™ cm Anschwung 

meisten seiner späteren Schriften nicht gewesen, in denen er auc ^ * n ** cn 

nach seinem Sinn zu genießen und anderen mundgerecHt * C ^ a ^ cn ^ CS 

schmäht. Aber er hat doch bisweilen auch heute noch sehr L>ea mac ^ en n * c * lt vcr " 

zustande gebracht und hätte, wenn seine Talente andere° * ens werte Leistungen 
keiten gefunden hätten, wie sie etwa damals die Spalten d ntw,c ^ un S sm ^^ ,c ^" 
blätter boten, nicht die dritten Rollen spielen müssen, di mT * >ar,scr ß° u ^ evar ^ 
mutet hat. Man braucht nur die »Waise von Tamaris*, die k • m SC,n ^ c ^ en * U 8 C ~ 
werk Schiffs ist, zu lesen, um seine Art, wenn auch n j c ^ e,ncswc 8 s ** aS ^ e,StCr ~ 
so doch richtiger schätzen zu lernen als nach jenem ßQ c y. .^* era< * c zu bewundern 
ein Buch, das mit geringen Modernisierungen den Stoff ^ c,ncsc * icn ^ lXZi 

oder für einen Film oder gar für eine Operette mit tra •" C * ncn a ^f uc ^ en ^ oman 
könnte. Beziehungen, die durchaus nicht die SchiffscHe 5 i SC ^ cm Ausgang liefern 
sondern lediglich andeuten sollen, daß sie von lebendio e anz novelJe herabsetzen, 
andere viel berühmter gewesene Buch ihrer Zeit, an ,s * manches 

mehr das vergilbende Papier ärgert. c> Aber nicht iU^***' Uns jetzt nicht einmal 

es mehr oder minder hoch 

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TEILUN Q 


NT 


^/|,^^^^ ^VVWVVVVWWVVVWVVVVVVVVWVVvvvgc;^--^^ J t)l ^ ^ D 

^^hätzenden Eioenwm». ~"~ 


Nachrichten 



^schützenden Eigenwertes We -- - 

; ^js* hingewiesen, sondern wefi*". W * rd *" d, ‘ eser Ste,,e auf di * .Waise von 
\ v i**' ent für Heinrich Heines fr_ *’*, aUch . ein merkwürdiges literarhistorisches 
S Untersuchung wenigstens -* USt '?*' V,eHeicht < d «* einmal noch eine pe- 

fl s»^^-0ntstehung derhierhergehöri Anteil des Dicht ers selbst an 

4 C< r Verleger einige ihm von w • BucheS ,n5ofern «“Wecken wird, 

a 1 # öherlassen haben Könnt öbe rlassene Reklamenotizen Schiff zur 

0 «^ stilkritische Vermutungen « •* St,,kr,t,sche Erwägungen hier nicht 

bl^^^f^sustballet gewidmeten Seit ^* 11 wT’ ^ ie ® en sicb wob * einige Steilen der 
K f Ohren wie die Begrün du n o" ^ v^?.* . VO " Tamaris ‘ ebenso »«f Heine 

^eschen. Vom vierten Buche^S^! V * rhS)tn,sses von Heines Werk zu dem 
a^^die geplante und schließlich ( .* ’ 9) *" b ’ S zum Ende der Tanznovelle 
dl«** fj m Rahmen der GesJw T ? ^T 8 d “ He ’'"« ch « 
lete* VO n Tamaris*. « Als^in 1t ge,Stre,chen ’ schönen Tänzerin Sylvanie. 

d«* 'Tn sich die Unterhaltung 0^^ ^ fnmzösischen Ge ' 

fvka de‘« ied,rekt0r deT ,b ^ freudig beistimmenden Tänzerin vor, Mignons^Eier 
T*U «T 1fW,Ch r *"??«** vier Bände des .Wilhelm Meiner* werden so-' 

gleich a « 5 einer nahen Le.hb.bl.othek herbeigeholt. Aber Sylvanie ist enttäuscht 
nachdem sie näheres über Mignons Eiertanz erfahren hat. ..Dieser Tan,« 


nachdem s.e n U ,„„ uu „ m.gnon, Eiertanz erfahren hat. „Dieser Tanz“, sagte 
sie,.nicht erfunden. Dieser Herr (Goethe) hat nur beschrieben, was er auf 
einem Dorfjahrmarkt gesehen, und eine Ballettänzerin kann sich auf der Bühne 
nicht mit solchen Zigeunerkunststücken befassen.“ Das Gespräch dehnt sich weiter 
aus, der Theaterdirektor träumt schon von einem Komödienzettel, auf dem es 
heißen würde: „Vilhtlm Meister, nach einer Episode aus Goethes gleichnamigem 
Roman. Mademoiselle Sylvanie wird als Mignon den Eiertanz nach Vorschrift 
des Dichters mit verbundenen Augen auf wirklichen Eiern ausführen.“ Schlie߬ 
lich gibt sich aber der Direktor geschlagen, er darf es eingestehen, „denn ein 
wenig bekommt Goethe mit ab**. Der Professor der Ästhetik lenkt das Gespräch 
nun auf das Ballet-Libretto, das den ungebildeten Tanzmeistern überlassen wäre, 
weshalb es Leuten von künstlerischer und wissenschaftlicher Bildung unmöglich 
Zusagen könne. Fräulein Sylvanie kennt einen deutschen Balletmeister, der 
London für das Theater der Königin ein Libretto comme il faut gedichtet 
das sie aus dem Nachlasse ihres Lehrers Spalazzani, von diesem für sie ® rt * n ^stot. 
besitze. Der deutsche Balletmeister, Herr Anriähn, ein Gelehrter wvA «\tv ' 

soll in seinem Vaterlande sehr berühmt sein. Das Namemrätsel 
lautes Gelächter erhob sich. „Heinrich Heinel Der alte Heinrich VV 
soll in Deutschland sehr berühmt sein?* — .Das ist wahr, twu* ^'Post¬ 

meister. Der arme kranke, an allen Gliedern gelähmte TAanuV 


doch den ,Doktör Fohst* gedichtet?* — ,Jal auf dem 
nah * — Sylvanie wurde über die allzu rücksichtslose 
„Wenigstens hat er sein Libretto ein Tanzgedicht gen 

45 






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MITTEILUNGEN UND NACl-t R ] CHTEN 


toren und Professoren werden einriumen, daß Tanzgedichte dem Ballet ersprie߬ 
licher sind, als die berühmtesten. Eiertlnze deutscher Dichter." - Sylvanie wird 

erklirt, wer Heinrich Heine sei, der Professor der Ästhetik, der gerade über 
Faust liest, findet, daß ein Ballet Faust ein kühner Gedanke sei, von dem er in 
seinen Vorlesungen Notiz nehmen wolle und erkundigt sich, wie man des be¬ 
sprochenen Tanzgedichtes habhaft werden könne. Er erführt : _ „Es ist erst 

kürzlich erschienen und liegt in allen Buchhandlungen auf.*' - „Ich besitze es,“ 

sagte Doktor Krause, Redakteur der .—Zeitung*, „und werde mir ein Vergnügen 
daraus machen, es Ihnen vorzulegen. Heine hat seine Aufgabe nach Möglichkeit 
gelöst. Sein Ballet hat strenge Form, halt sich streng an die alte Sage, ist bald 
edel, bald bizarr, bald lustig, bald grBßlich, kurz, es hat alle Vorzüge bis auf 
einen. Es ist nicht aufführbar." — „Ich bitte um Verzeihung !*• Sylvanie. „Es 

ist sehr aufführbar. Die hiesige Oper ist freilich keine Pariser grande Academie 
und hat nicht den Raum und die Maschinerien. Auch die Zeit in Deutschland 
ist beschrankt, das Publikum halt bei einem Ballet nicht von y Uhr abends bis 
i Uhr in der Nacht aus. Doktor Faust kann hier nicht i n einem Abende Be¬ 
gehen werden. Aber der erste und der zweite Akt und dann wieder jeder fol¬ 
gende Akt ist ein wohl eingerahmtes Ganzes, mit abgerundeter Haltung voll 
Mannigfaltigkeit und Feerei. Geben Sie den Faust in zwei Abenden Zuerst die 
ersten drei, darnach die letzten beiden Akte. Wo nicht entw»^.. ’j . 

Abend, oder einen Akt nebst einer unbedeutenden Operette. Wo bleiben dann 
die Schwierigkeiten?“ — „ln der Tat," sagte Doktor Kraus« au f diese Weise 
würden alle Schwierigkeiten gehoben. — Man kann aus diV.U’c _ (T , lk 

machen. Heine i« kein reicher Dichter. Er gib« immer' ' F, “‘' ?* 

Aber in dleeem Bdl«. war er veeachwenderl.ch. wie er, <i|l. 
irgend wünschen kann. Erster Teil: Bündnis mit dem Te u f c j , C C * cm,c n 

flucht in die Welt. Dritter: Auf dem Blocksberg. Vierten 1« n Erste aus- 

ln den Niederlanden oder Tod des Doktor Faust . . . 1 «cHenlasna. Fünfter, 

eine Aufführung, bestürmt Sylvanie. „Sie würden die M» x*™ c 8 cistert 8,c 
fragt sie der Direktor. - „Niemals! Diese Partie ^ e P hl *topheline tan ~, 
tänzerin, die weder Bravour- noch Charaktertänzcrin ist. 1 C,ncr crstef \ 

Episoden größer als die Partien. Was ich mir aussuck^* n * c#cm * ,f ! ,C 

Wahl hätte, wäre im ersten Akte: ,Der Affe als Tänzer« ^ w **rde, wenn ic t 

„König David vor der Bundeslade/' jüdischer Grotesk-P* co, nique. ^weiten. 

* chantin, pas serieux und im fünften: ,pcr bucklig jr aS * v,crtcn c,n f. 
Schließlich verbindet man sich zu einer kleinen Konsn^^ a * s Fahnensp* e: Cr * 
direktion zu einer Aufführung des Balletes zu 2 wirio e Um 

seiner Zeitung die öffentliche Meinung interessieren, J ourna ** st Wl * 

seinen Schülern Figurinen zeichnen lassen, der AstHM*si^ r ^kademiedirektor von 

>n seinen Vorlesungen 
dem König 
«ach *w«j Tagen * ls eint 


die Studenten für den Plair gewinnenen, der franzö s j„ t, ,n 8e,nen 
berichten, e Der Feuilleton-Artikel erscheint schon * ^* esanc * tc 

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Abhandlung über den po UÄi . v, . _ _ 

' dustrie wird da. MSrehen nl. ,n T"" ff* * CT Mechan,k 

kl^ J* 1 . Knnkt.T-^» n , er ° rtcn »usgewie.en. Die Frommen ver- 

»*'*‘L* t m .’* t d« Bibel vorzubeugen, ln den Kinderstuben 


l*»** 1 es r ' u ^g swl r, 8 Un d in der Literatur für volksaufklärungsfeindlich, 
^rtgezege^e ie mg er Grazien und Musen sah sich daher gemßSigt, des 
j;|0* en i _, r _ C " S l ^ J . Änzurie hnien, ihm ein Asyl anzuweisen und ihm in 


h*^ 


< neuen Heimat Kredit zu verschaffen. Denn auch das Märchen braucht 
um *u estehen, wie ja so mancher Kredit auch nur als Märchen besteht. 


Jk ' — —- •tiHiiuivi isivuu «UVH «tut AI3 iriHi kllUl DCSTeili, 

^ i* ns S 6 **#’ ™ ^^ rc hen 'treibt sich, seit es heimatlos geworden ist, ohne 
jlifh* Erlaubnis an allen Börsen herum. — Nur eine einzige Sage hat, trotz 
pO»** ^jsenbahnanlagen, politischen Richtungen, Industrieausstellungen und nor- 
all^ und östlichen Heldentaten Ihren Kredit zu behaupten vermocht. Denn 
un< * hochgestellte Dichterexzellenz hat sich an dieser Sage 
^ Jahre lang altersschwach und lahm geschrieben . . . Heine ist nicht 
0 litischcr Literat, er ist auch literarischer Politikus und hat hier einen coup 
\A°^ !^atici uc ausgeführt. Der Deutsche heutigen Tages ist sehr auswanderungs- 
^\pio ^ ^ as deutsche Märchen, dem es, wie gesagt, heutigen Tages sehr schlecht 
s i c hvielleicht auch genötigt auszuwandem, und die größte Unbequtm- 
des Auswanderns besteht darin, daß man in Gegenden gelangt, wo fremde 


Vichhelt 


- en gesprochen werden, die uns unverständlich sind. Heine hat sein Tanz- 
Spta daher weder metrisch noch in Prosa abgefaßt. Er hat die erste und älteste 

r^ch* dazu gewählt: die* Zeichensprache, die Pantomime. Er läßt sein Gedicht 
un( j diese Sprache versteht man in allen zivilisierten und unzivilisierten 
vTuptstädten und Ländern . ' . Der deutsche Geist hat gegenwärtig nur die 
Ilahl zw ischen Freihandel und Ballet. Heine und der Faust haben sich zum 

letzteren geschlagen ... Leider unterblieb die’ Aufführung dieses Tanzgedichtes 

im Theater der Königin zu London, für das es bestellt war. Die soziale Literatur^ 
dadurch einen Fingerzeig verloren, nach dem sie sich orientieren 
fcaben würde ... Zum ersten Male hat ein Dichter sich mit dem Brt* 
faßt ... ® Ein anderer Feuilleton-Artikel führte den ersten weiter aus, ^ 

-tich die angebliche Ablehnung der Theaterdirektion erwähnt wird: ” N " a%vt * e n 
durchaus nicht abgeneigt, den Faust zu geben, sobald nur erst auf anderen 
»ich herausgestcllt habe, welch ein Erfolg davon zu erwarten *«. ^ 

deutsche Antwort. Keiner will den Anfang machen, einer vCt ; ar> 








ICUlSUlC Amnw. .. -- o CanöCtV • 

»„deren, und kommen wir wirklich einmal dahin, etwas »M» f * * %tC v»V 
finde auch gleich wieder ein deutsches. Eine Erfahrung, dm 
Kinder gemacht haben werden. Der Faust ist eine deutscV^ «***&»* 
deutschen Autor und ein deutsches Ballett. Es muß d»Vv« 
fiaris oder London gegeben werden, damit wir imstande ’ 

_Endlich erscheint dann noch ein dritter Artikel, der 

Ästhetikers berichtet, der — nach einem abspr eckend«*^ 


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ANFRAGEN -UND ANTWO R T E NT 
VWIWVVWVVWWIVVVWVW ^^ 

dichtungen Goethes und Lenaus — diejenige Heines als die uns verseile gepriesen 
und auf deren bevorstehende Aufführung hingewiesen habe. Evst aus diesem 
Hinweise erfährt der Opemdirektor von dem Plane der Fa* vis trau Ff Ohrum? dem 
es seiner hohen Ausführungskosten wegen widerstrebt. Indessen muß er seiner 
schmollenden Virtuosa nachgeben und die eingehend gescHil derten Vorher 
beginnen. (Die Bemerkungen für Dramaturgie des Heineschen Faust und zur 
Theorie der lanzkunst, die sich jn der weiterer Darstellung, besonders S 2 6 ff 
finden, könnten ebenfalls zu etwa von Heine selbst gegebenen Anregur en z B 
hinsichtlich der Abmilderung von Unanständigkeiten S. *4.3, eine Beziehun * 

haben, erscheinen aber auch ohne eine solche Beziehung; durchaus b ht r*\ 
Schon ist der Tag der Erstauffahrung herangekommen, als e j ne VQn der R iva |j„ 
Sylvanies, deren Liebhabern und dessen Helfershelfern eingelcitetc Intri ue wirkt 
Ein anonymer Brief verdächtigt den Dichter Heine und sein 'Werk bei der Pol* 
zeidirektion. (Auch diese negative Kritik des Faustballetes Vi ~ 

rmtgete.lt w.rd .st ,m Verglich m.t den vorhergegangenen Übertreibungen d« 
wertes der Dichtung insofern interessant, als sie die Einw*nj . ,. 

r* j- j . *\ 1 * • . Wenc *ungen der Heine- 

Gegner parodierend vorwegnimmt.) Die Jntriguc hat zunäch t H -u 

strebten Erfolg, die Aufführung wird des Verfassernamens w Cn L° n * * CT ~ 

aber schließlich doch statt. Es kommt zu einem TheaterskanH«i e ^ en °^ Cn ' 

T , 1 , . ,. , . « naa l* aus dem die ,Waise 

von Tamaris' zwar als triumphierende Siegerin hervorgefvt H -u 

der Apotheose ihres Schlußtanzes den Tod bringt, q Cr * r a ^ r al *^ 1 

in belletristischer Form, die Schiff dem Werke seines bcrüK ma ^ nUn ^’ CSC rit * 
widmet hat, auf eine Veranlassung des für einen Geschsi^^ Verwandten ge- 
Vcrlegcrs Campe zurückführen wollen oder nicht, jcdenFsill sart, ^ cc ^ werben en 
sonderbaren Mischung von Angriffen und Verteidigungen gehört sie in ihrer 
tiven und negativen Elementen zu den beachtenswertest- e * nes * von h° nst ™ 
Heines Schöpfung von einem Zeitgenossen zuteil geworde” - ® curtc ^ un S cn * ,C 


ANFRAGEN UND A N T w/ „ 

J w orten 

9. K. G. Lessing, in seinem Werk über «Gotth 
Leben“ berichtet: „Eine Posse erschien zu L e -° ^ Ephraim Lcssingt 

Gnissel, dem rückwärts gelesenen Namen Les ^® unter dem Titel. 

Gottschedianers wegen der Kritik über di e ^ Es war Rache eines 
die Lessing in die Vossische Berlinische Z e j ,# n einer Nuß, 

eine so kahle und geschmacklose Rache, daß ,tu w n 8 cingerückt; aber 
tun konnte, als sie zu Berlin nachdrucketi S * n 8 nichtos hafteres 
lassen.“ Jst diese Bemerkung einmal genaue*** 1 ** & rat,s austcü cn zu 
sehen Grundlagen hin überprüft worden? ** au ^ fhre bibliog r *P *“ 

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VIERTELJAHRSSCHRIFT FttR 
ANGEWANDTE BOCHERKUNDE 
Herausgegeben von Dr. jur. G.A. E.Bogeng 

Harzburg (Harz) 


Alle Rechte 
einschließlich des 
Übersetzungsrechtes Vorbehalten 
Nachdruck auch im Auszug 
verboten 


BEZUGSPREIS 

Jahrgang.M ao. 


ANZEJGEN-PRE 1 SE 

Ganze Seite.M 50. 

Halbe Seite.M 30. 

Viertel Seite.M 18. 

Achtel Seite . Mio. 


Verlag von 

MaxHarrwitz-Nikolassee bei B e rl‘ 

Postscheckkonto Berlin Nr. 1423 1 ** 

Deutsche Bank Berlin Dep.-Kasse Q 


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MHOLD SOLGEr. Der 



re, nhold solger. 

DER REICHSTAGSPROFESSOR. 1850. 

merkwürdiger Weise steht jetzt ziemlich allgemein da. Char.kterlust.piel in 

jvT <m , . M geWI ^ ird niemand leugnen, daß ein solche* Charakter- 

S ,r,*t*P iel ‘T tem Wic Mo,iir * *« Unnatürliche, oft sogar 

peinigende au.artet; der Mensch geht öfterer auf in großen Leidenschaften 

. so g anZ wn ® 8 * r ”* 8 roß «n Thorheiten und .Humours'. Trotzdem glaube ich. 

_ tT *de da« Charakterlustspiel hat jetzt eine große Zukunft. Die komischen Käuze 
sterb «* 1 nicht * u8 ’ ,m Ge 8«ntheil, sie werden sich nur um so breiter machen, je 
me yir uns eine wahrhaft menschliche Bildung befreien wird von der glatten und 
farblosen Gleichförmigkeit unserer heutigen gesellschaftlichen Sitten und Zustände. 

Und was die Hauptsache ist, das Lustspiel wird fortan nicht mehr „jene zufälligen 
Marren, welche in der Enge des Privatlebens ausgebrütet werden“, sondern „große 
j^gtren, geschichtliche Narren, Staatsnarren, historische Masken“ herausgreifen. 

Politiker, die sich in irgendeine einseitige Parteiansicht festgerannt haben und 
nun von allen Seiten durch Menschen und Ereignisse gehänselt und geprellt werden; 
Charaktertypen, deren Verspottung die Verspottung ganzer Parteien und damit 
Seht aristophanisch die Verspottung der ganzen Zeit ist; das sind fortan die ko¬ 
mischen Charaktere des modernen Charakterlustspiels. Und in diesem Sinne stch^ 
ich nicht an, die in Kolatschcks deutscher Monatsschrift 1850 (Oktoberheft) 
getheilte Posse, „Der Reichstagsprofessor,“ von Reinhpld Solger, als einen 
«us glücklichen und erfreulichen Anfang unserer politischen Komödie zu beze*^^^^ 

Die anderen Parteien mögen cs ihrerseits ebensowenig fehlen lassen 
der Demokratie. Immerzu, immer zul Je toller, desto besser.“ 

Das moderne Drama. Ästhetische Untersuchungen. BraunscYo*^ ^ 

weg & Sohn: 1852. S. 167h] ® Als der ausgezeichnete 

seine Hoffnung auf die Entwicklung einer deutschen ^o\\^ sC ^ ^ 

sprach, war der Mann, den er lobte, weil er damit ders 
macht habe, wohl bereits auf dem Wege nach 


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REINHOLD SOLGER. DER RE 1 CHSTAGSPRO PESSOH 18™ 

|W<WIVWIWV»VWWW»VWVVVWVVMWVW»VIVVWV»»^^ 

in Stettin geboren, 1866 in Washington gestorben) gehört irs der Geschichte de 

deutschen Dichtung zu den mehr als Vergessenen, zu den Verschollenen Die Nach 

richten über ihn und seine Schriften sind dürftig und ungenau. (So ist es 

Beispiel recht zweifelhaft, ob Solger der Verfasser der ihm zugeschricbencn Sat* 

,Anton in Amerika. Seitenstück zu Freytags „Soll und Habers**. JVvis dem deut h 

amerikanischen Leben, ln zwei Abtheilungen von Reinhold Solger Hromb C 

M. Roskowski: 1862* ist. Augenscheinlich ist die Ausgabe Nachdruck 

kanischen, vielleicht nur in einer Zeitschrift oder Zeitung veröffentlichten V 

Und Edward Frankel — New Yoilc — bezeichnet. (Berliner Cirrios» H ® * 

von Gotthilf Weisstein, Nr. 2. Berlin, Frensdorff: [1905} Seite als A^^d^ 

Romans Silvius Landsberger.) Zwar hat Eduard GrisebacH (ir* seinen K 

nachdrücklich auf den kennenswerten Mann hingewiesen, der» sich f 

mit wenigen kleinen Werken, als einen der bedeutendsten / nUr 

, Q . , , ,. , . . politischen deutschen 

Dichter um 1850 gezeigt und auch späterhin noch einige herv 

seiner großen Begabung veröffentlicht hat. Aber die Schrift«*« ^ e Proben 

r . . . , . , , . , t Folgers, fast immer 

Gelegenheitsschnftcn, sind zerstreut und nicht gesammelt . 

, u u iw j* wr . r< * Cn » hätten vielleicht 

auch für eine Herausgabe von vollständigen Werken nach Inh ]t 

nicht ausgereicht. Dazu kam dann wohl auch noch, daß 

zwungenheit, mit denen der Radikale Solger seine politisch ein A *** C Un< * 
trat, damals ohnehin in Deutschland nur eine lückenhafte J\^ s nschauungen ver- 
während dem zum amerikanischen Beamten gewandelten d* ^ ^ CStattCt 
Tagespolitik zu fremd geworden waren, als daß er noch an ^ ^ ra g cn deutscher 
Schriften hätte denken sollen. Der Abdruck der von h ^ e * ne ^ amm * un & sc * ncr 
(man übersehe für die Beurteilung des Stückes nicht, g er önmten Posse 

dieser dramatischer Gattung zurechnet) wird zwar keine A/t^ C * n sc ^ st cs 

von 1850 aus einem über ein halbes Jahrhundert verhör * * nna von Barnhelm 

Winkel in das Licht einer andern und ihr doch wieder ^ ® cw «enen Schlupf- 

* u ch nicht ganz wesens¬ 


unähnlichen Zeit führen, wohl aber auf eine schon ihres D ^ 
werte, vier Jahre von Freytags Journalisten* veröffentlich U ^ S wc & en bemerkens- 
keine geringe verhaltene dramatische Kraft beweist ( So • C ^izze hinweisen, die 
lisehen Untergrund mancher Szenen mit ihren anspj e j ^ em al Jegor isch-symbo- 
Die Bemühungen Solgers, den Absichten seines Scherzes n ® Src * c ^ cn Wc nc * ur ^ cn )‘ 
bar zu machen, scheinen bei dem süddeutschen Druck ^ ic Mundart ^ cns *“ 

gefunden zu haben. Aber der Neudruck folgt hier ^ e * n vo ^ cs Verständnis 

weise der Vorlage, e *uch sonst der Schreib 


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CORNELL UNIVERSITÄT 




DER R E ICH STAGSPROFESSOR. 

P Ossc in einem Akt. 


Personen. 


ffeuler, Rentier. 

Duselmann, Reichstagsprofessor. 
•Herr Oertel, vormaliges Mitglied der 

■Frankfurter linken. 


Amalie, Heulers Wichte. 

Hanne, 'Dienstmädchen. 

Ein Lieutenant. Ein Schutzmann. EinGens- 
d arm. Ein Polizeikommissär. 


Das Stück spielt in Heulers Hause in Berlin. 


(Ein Zimmer. Im Hintergrund ein Bett, rechts davon eine Thür nach der Treppe, links 
davon ein Tenster. Zwei Seitenthüren, die rechte nach Herrn Heulers Zimmer, die Unke 
nach Hannes. Ein kleiner Tisch und zwei Stühle. Ein Schrank) 


Erste Scene. 

Amalie. Hanne. Oertel. 

.nA v ' cVl 

Hanne (führt Oertel aus der linken Seitenthür herein). Hier bring,’ icb. en 
Amalie. Oertell Was soll das vorstellen, Hanne? 

Hanne. Achl duhn Se doch man nich sol 

Oertel. Mein Fräulein — s y*vA.\ 

Hanne (parodirend). Mein Freilein! Jott, des wolle** 

Amalie Hanne, gehl 

Hanne. Genier ick Ihnen? (Ab.) ^^ c ' vC " VV 

Amalie (zu Oertel). So blamiren Sie mich vor roei* 1 ^-^ 

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Zweite Scene. 

OerteL Amalie. 

Oertel. Ich bitte Sie tausendmal um Entschuldigung, mein FrSulein — dies 
war die einzige Gelegenheit, Ihnen Adieu zu sagen. 

Amalie. Adieu? Sie wollen von Berlin? 

Oertel. Von Berlin grade nicht, aber ins Geftngniß. 

Amalie. Ins Gefängniß? Vas haben Sie denn verbrochen? 

Oertel. Braucht man heute etwas zu verbrechen? Eine Anklage auf Hochver- 
rath, noch von Frankfurt her. 

Amalie. Ol da werden Sie freigesprochen. 

Oertel. Aber wann? Freilich, Sie haben Recht, es wer nicht der Mühe werth 
Sie um solche Kleinigkeit vor ihrem Mädchen zu blamiren. 

Amalie. Empfindlich? Nein, aber in Ernst, Sie haben In jeder Deziehun den 
schlimmsten Ort zum Rendezvous ausgesucht. Da ist Onkels Zimm _ ® * 

Oertel. Vas? Ist er drin? 

Amalie. Er kann jeden Augenblick kommen. 

Oertel. Vär' er denn gar nicht zu fiberreden? 

Amalie. Erl Ich habe Ihnen noch ein berfihmtes Geheim«*:*» . . 

Oertel. Erzählen Sie. nicht «*“*• 

Amalie. Nun, daß er mich schon vor Jahr und Tag an einen F vc _ . , 
tagsprofessor verschachert hat, ffir dessen Reden in der d « urtcr s “ 
schwärmte. ^»ul.kirche er danuü, 

Oertel. Und Sie haben mir nie etwas davon gesagt? 

Amalie. Sie können ganz ruhig bleiben. Mein patrioti v, 

Bedingung gestellt, daß vor meiner Hochzeit erst das * C , €T ****** ,c 

werk vollendet sein müßte. deutsche Einigung»- 

Oertel. Ahl ich athme wieder auf. 

Amalie. Sie sind mir auch ein schöner Patriot. . . 

Jungen jetzt stehn, weiß ich nicht; aber das Erfurter * r *gens die Vcr 
hängen wie Gewitter über meinem Schicksal. amcn * und die Union 

Oertel. Aber morgen sind Sie ja mündig. 

Amalie. Ja, d. h. wenn ich mich verheirathe, 
ist, so bekomme ich keinen Pfennig von ihm. chland groß und einig 

Oertel. Nun, so kann ich Ihnen keinen andern c* • 

ein Klosterl" Vas, um so eine elende Erbschaft wolle ® e k cn ' , m 

L—. Ahl ich hätte beinah gesagt: „Liebe" opfern * C *** rc J u Ä cnc * un ^ re 

Funken — w *hrli c h! wenn Sie nur einen 

Amalie. Ver hat Ihnen gesagt, daß ich um so 
opfern will? Ich will gar nichts opfern, weder mein^Y** e * c * K * c Erbschaft etwas 
aber - Jugend, noch meine Liebe, 


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| NHOLD SOLGE r. d 

^^^^ ^AMtvvvviMawwvwvvvvwvvvvvvii^^,^ R R EIG H ST 1 A.GSPR O PE SSO R 18co 

^ „Aber“ -ich versteh«. . —— 

O von Briefpapier und Ti nte ' 80 eme z,rte Berliner Seelenliebe, so eine 

jt^ch nein; so eine —• e vom P°*tdebit abhingt, die weder ja sagen 

■ - --- Ich 


Schweigen Sie. Jch 
A ft, Oertel, Sie verstehen m.-jT * e * bnen ,n Ernst *“f gut berlinisch ant- 
4/0**. ft* Soll ich denn sagen: J?* n, ^ ht * ^ oM ich mich lhne " denn an den Hals 
i>/e**^ft, Wer b5n ich? Cn " S,e el " M8dchen ohnc «»nen Heller haben 

O, Amalie 1 (Mit einer Tt . . 

N “" hi " Wn .JOr*"' > 

0 Ä<iCl ( ,larXl ,hr,näu -Arme). Amalie) (Hanne tritt auf. Sit fairen auseinander}. 

Dritte Scene. 

. _ ^ie Vorigen. Hanne. 

^,-jtne (herettutürzend). Der Herr! der Herr! — 

Ha ja, siehst de wie de bist! 

_il. Werl Onkel 1 


(Erblickt die beiden in der 


Un * Wcr * ° nkd? 

kommt eben die Treppe ruf. 

^ mÄ lie. Ich sagt* es Ihnen. 

Qcftcl. Nun, ich dächte, ich ginge ganz einfach wieder den Weg, den ich ge 
^ouYiticn bin. (Will in Hanne’s Zimmer.) 

Hanne. Ach Jottc doch, des jeht ja nich. (Hält ihn zurück.) 

Oertel. \ yffixwxi nicht? 

Amalie. J 

Hanne. Ick habe ja ooch meinen Jeliebten bei mich. 

Oertel. Verflucht 1 

Amalie. Welche Unverschämtheit! 


Hanne. So, un Sic? 

Amalie (zu Oertel). Da sehn Sfe’s. 

Oertel. Nun, zum Teufel, Ihr Geliebter wird sich doch vor mir nicht fürchten? 
Hanne. Ne, des jrade nich, aber wenn Sie sich man nich yot ihm fttrehten- 
Mein Jeliebter is Schutzjeist. 


Oertel. 1 Schutzmann? 

Amalie. J 

Hanne. Un des schlimmste is, des er Ihnen schon uf’s Korn hat. 

Oertel. Er hat mich gesehn? 

Amalie. Er weiß? 

Hanne. Er ahnigt. (Pathetisch.) ^ 

Amalie. Da ist Onkel — mit noch Jemand. (Horchend) geh* «»$• 

Oertel (sich umsehend). Verzweifelte Geschichte. ^ ttr 

hinter die Bettgardinen.) Ah hier! 

Hanne. En jroßer Jedanke. 


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REINHOLD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. >850. 


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Vierte Scene. 

Die Vorigen. Heuler mit einem Schutzmann. 

Heuler (sieb wild umsehend). Des wSre ja janz — anarchisch. 

Hanne (bei Seite). Mein Schutzjeist! 

Heuler (zu Jlmalie). Hast dun' jesehn? 

Hanne. 1 , Jott bewahre! 

Amalie (unruhig). 'Wen denn? 

Hanne. Ja, wem? 

Heuler. Wem? Ihm. 

Schutzmann. Beruhjen sich Se man, Mammsellken, ick winschte hier blos eine 
jewisse verabscheiungswidrige Persehnlichkeit, Namens Oertel, abzufangen. 
Heuler. Een Mitjlied von de Frankfurter Umsturzpartei. 

Amalie. Und den suchen Sie hier in meinem Zimmer? Das ist denn doch aber 
unerhört. 

Hanne. Un darum kömmst de in de Kiche un schwerst mich ewije Treie, feijer 
hinterlüstijer Italiäner? 

Heuler (zu Jlmalie). Nu sei doch man nicht jleich so. 

Schutzmann (zu Hanne). Erst Hinkeldei un denn Hanne! 

Hanne. 1 s jut, is jut. Sie treiben mir mit Jewalt in des republikanische Lager. 
Amalie. Onkel, wenn ich ein Mann wäre, so wüßte ich mein Haus gegen Ein¬ 
bruch zu schützen, er möchte kommen, woher er wollte. 

Heuler. Aber, liebe Male, ick kann doch nich jejen — (zum Schutzmann.) 
Entschuldjen Se man jnädigst, Herr Schutzmann; Sc wissen, Frauenzimmer sind 
mal so — et is nicht meine Schuld — ich bedaure ufrüchtig, des ich Sie mit diese 
Pestbeile der menschlichen Jesellschaft nich ufwarten kann. 

Schutzmann. Des is mich doch hechst zweideitrig. Hier um’t Haus rum is er 
verschwunden. (Ah.) 

Hanne (zum Schutzmann). Verschwinden Se selbst, schändlicher Mißbrauch. 

Fünfte Scene. 

Heuler. Amalie. Hanne. Oertel ( versteckt)• 

Heuler (geht unruhig auf und ab). 

Oertel (steckt den Kopf hervor). Sind sie fort? 

Hanne. 1 doch! 

Amalie, j 

Heuler (bleibt stehn. Zu Hanne). Eißertest du dir? 

Hanne. Jott bewahre. Jck hielt blos en kJ eenen Monopol vor mir alleene. 
Heuler (tritt vor Amalie). Höre, Male, in diesen Augenblick is der feuerlüche 
Mojiment einjetreten, wo ich dich etwas Wichtijes mitzutheulen habe. 

Amalie (erschrocken bei Seite). Meine Heirath! 

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REINHOLD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. 1850. 


Hanne. Sie versetzen mir In eine dumpfe Jdhrung. 

Heuler. Ämaliaf— hml Du wirst morjen in dasjenige Alter eintreten, welches 
man sehr passend das 2j jährige nennt. 

Hanne. En scheenes Alter. 

Amalie. Ja, lieber Onkel, ich werde morgen majorenn. 

Heuler. Diese Bemerkung von Deine Seite, Amalia, is — unmoralisch. 

Amalie. Unmoralisch? — Aber, lieber Onkel — 

Hanne. Herr Heiler, Sie treten die Jefihle von zwei weiblichen Wiesen mit 
Fießen, 

Heuler (zu Hanne). Schweuch! (zu Jlmalie.) Unmoralisch nenne ick diese Be¬ 
merkung von Deine Seite, weil sie jejen die kündliche Pijität is. Ein wohlerzogenes 
deitschjesinntes Mächen is niemals majorenn. 

Amalie. Lieber Onkel, ich werde Ihren Wünschen stets mit der Achtung ent¬ 
gegen zu kommen suchen, welche — 

Heuler. Das freit mir. Du weißt, des ick die Jrundsätze, welche jejen die Uf- 
lösung der Familie un des Eijenthums jerüchtet sind, verabscheue. Ja, wat wollt* 
ick doch ejentlich sagen — 

Amalie. Sie sprachen von meinem Alter — 

Hanne. — welches man sehr passend ein scheenes Alter — 

Heuler. Ah ja richtig, jetzt besinne ick mir: Amalia! — hm! Du wirst morjen 
in dasjenigte Alter eintreten, welches man sehr passend — 

Hanne — ein scheenes Alter nennt. 

Heuler (wüthend). Schweuch un unterbrüch mir nich; — welches man sehr 
passend das 21jährige nennt. Richtig also: das 21jährige nennt. Hm! hm! Also 
das 21 jährige Alter, welches ein Alter ist — insofern, als ich, wie ich dich frieher 
einmal jeeißert habe, auch schon die nöthijen Schritte jethan habe; welche ich, als 
ich, insofern ich, wie ich dich auch frieher schon einmal jeeißert habe, janz allein 
zu deinem Besten jethan habe, da ich ja dein Onkel bin und du auch von mir ein¬ 
mal allens zu erwarten hast, mit Ausnahme, wenn du nich Ordre parierst; sonst aber 
eine Mitgift von 10000 Thaler zu erwarten hast, außer was du später noch zu 
erwarten hast und folglich die Verlobung morgen vor sich gehen kann. 

Amalie. Morgen! * 

Hanne. Morjen? 

Heuler. Morjen. 

Amalie. Aber, lieber Onkel, haben Sie doch wenigstens die Güte mir zu erklären. 

Heuler. Da is ja nischt weiter zu erklören. Ick habe dich wönigstens schon 
dausend Mal erklärt, des ich in Herrn Professor Duselmann denjenigten erblücke, 
welcher durch seine edle und jrindliche Jrundsätze beinah die Einheit Deitsch- 
lands anjebahnt hätte. 

Amalie. Aber ich sollte ihn ja nicht eher heirathen, als bis die Einheit Deutsch¬ 
lands vollendet wäre. 


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REINHOLD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. 1850. 


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Heuler. Na ja, un des is so jetzt jrade. 

Amalie. Die Einheit Deutschlands, woher wissen Sic das? 

Hanne. Wat, is Jagern dodt? 

Heuler. Herr Professor Duselmann hat mich von Erfurt aus jeschrieben, des 
die janze Jotha’sche Partei fest vertraut. 

Amalie. Und darauf wollen Sie meine Zukunft wagen? 

Hanne. Heren Se Herr Heiler, ick bin blos en einfaches Unverdlchtrijes Dienst- 
mfichen, aber die Jotha’sche Partei — 

Heuler. Schweuch und beleudije die besten Männer von Deitschland nich. 

Amalie. Aber, lieber Onkel, Sie haben mir doch gesagt, ich sollte ihn nur 
heirathen, wenn er wirklich die deutsche Einheit zu Stande gebracht bitte, von 
Vertrauen haben Sie kein — 

Heuler. Und er hat se zu Stande gebracht; er hat sojar zwei deitsche Ein¬ 
heuten zu Stande gebracht, die Berliner und de Frankfurter un des is er und seine 
Parten janz allein jewesen, die das zuStande jebracht haben. Ibrijens verbitt ich 
mich alle weitre Bemerkungen über eine Parten, welche die ödelste Parten von 
janz Deitschland is. Herr Professor Duselmann hat mich jeschrüben, daß er jleich 
nach de Vertagung von Erfurt abreisen wollte, um mit des janze Jewicht seiner 
Parten das Unionsfest beizuwohnen. Ich wundre mir blos, wo er so lange steckt, 
er müßte schon jestern anjekommen sind. Uf jeden Fall is aber morjen Verlobung 
un damit Basta. 

Amalie. Ich muß Ihnen aufrichtig gestehn, da Sie dies wußten, mir meine 
Verlobung den Abend vorher anzukündigen — 

Heuler. Ich wollte dich blos eine heimliche Freide bereiten. 

Hanne. Ihr heimlich verheirathen un noch dazu mit den Kinderspott von janz 
Deitschland. 

Heuler. Hanne, Male! — Es is mich schon längst so vorjekommen, als ob 
eine kleune aber verwejene Partei, von Menscher, die nischt besizen — 

Hanne. Herr Heiler, wenn Se uf mir sticheln, ick bin stolz daruf Kichen- 
proletarierin zu sind. 

Heuler. Ick stichle uf keenen, ich sage blos, des eine kleune, aber verwejene 
Parteu das alte Verhältniß der Treie zwischen mir und meine Unterjebene durch 
jottlose majorenne Zeittendenzien, welche ich mit der mir von Jott verliehenen 
Jabe der Rede nich dulden will, insofern Jott mir zu deinen Onkel gemacht hat 
un Hanne mein Dienstmächen. (Türchterticb.) Keene Macht der Erde soll daran 
rittein. (Geht auf sein Zimmer zu.) 

Hanne. Ach, Se jloben woll, Se haben’t mit ne Nationalversammlung zu duhn. 
Oh, noch lange nich. ick lasse mir nich uf lösen, ick lasse mir nich injoriiren, 
ick fordre Jenugthuung. Se haben mir Mensch jeschimpft, un ick fordre Jenugthuungl 

Heuler. Ick bin Berliner Birjer, ick bin blos Jott verantwortlich. (Jtb.) 

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REINHO LD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. 1850. 


Sechste Scene. 

Amalie. Ocrtcl. Hanne, 

Hanne (ihm nachrufend). Warte nur, ick werde dir schon noch bejotten. 

Ocrtcl (tritt vor). 

Amalie. Ich bin verloren, Oertel, Sie sehn, ich bin verloren. 

Oertel. Ich bitte Sie, mit dem Schwachkopf werden wir doch wohl noch fertig 
werden. 

Amalie. O, die Schwachköpfe sind die schlimmsten, wenn sie eine fixe Idee 
haben. 

Hanne. Wenn er Ihnen blos nich inspunnt, so is allens jut. 

Oertel. Aber Sie sind ja mündig! 

Amalie. Er läßt mich durch die Polizei zwingen. 

Oertel. Die Polizei kann Sie doch nicht ein Jahr jünger machen. 

Hanne. 1 , des wäre noch nich des schlimmste, was de Polizei machen kann. 

Amalie. Die Polizei kann in Berlin alles, sag’ ich Ihnen. 

Oertel. Gut, so entführ’ ich Sie noch diese Nacht. 

Amalie. Entführen! Sind Sie toll? 

Hanne. Entführen — det is jettlichl 

Amalie. Reden Sie nicht davon, fliehn Sie ohne mich. 

Oertel. Nein, ohne Sie hätt' ich mich schon heute vor Gericht gestellt; aber 
jetzt muß ich Sie erst in Sicherheit bringen. Adieu. Ich bringe rasch alles in 
Ordnung. Die Eisenbahn geht um 1 2 , punkt s 1 Uhr bin ich mit der Droschke 
hier. (Will gehn) 

Hanne. Der jeht druf wie Blicher. 

Amalie. Halten Sie, Oertel — 

Hanne. Hören Se doch mal erst. Haben Se denn verjessen, daß de Polizei 
hier um't Haus rum schnuppert? 

Oertel. Ah richtig, richtig! Was ist da zu machen! 

Amalie. Wenn Sie einVn von Onkels Röcken — 

Oertel. Der ist ja vier mal so dick, als ich. 

Hanne. Halt ick hab’ et. Wenn Se meinem abjedankten Jeliebten seine alte 
Hundejacke anzejen. Er hat se mich zu flicken hier jelassen. (Ah) 

Oertel. Rasch, her damit. 

Amalie. Wenn Sie darin erkannt werden! 

Oertel. Es ist ja schon fast dunkel. 

Hanne (kommt mit der Jacke eines Schutzmanns zurück)* Mit diese Hundejacke 
zerreiße ick des letzte Band, welches mir noch an des specifische Preißenthum je- 
knippert hat. 

Oertel. Her damit! Her damit! (Verkleidet sich als Schutzmann, wobei er seinen 
Hock auf den Stuhl neben dem Bette legt) So, nun Adieu! Um 11 Uhr. 

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REINHOLD SOLGER DER REICH STAGSPROFESSOR. 1850. 


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Hanne. Ne! aber doch so frappant mein Jewcscner. 

Amalie. O Oertel, Oertel, was wird aus mir werden. 

Oertel. Muth! liebe Amalie, ich bin ihr Schutzmann. (Schüttelt ihr die Hand 
und will gehn.) 

Hanne. Aber so heren Se doch man. Herr Heiler schließt das ganze Haus 
alleene ab un steckt alle Schlisse! in — wie soll denn Mamsellken raus kommen. 

Oertel. Verteufelt. (Tritt ans Tenster.) Dies Zimmer geht auf den Garten — 
und da ist der Thorweg. Haben Sie keine Leiter? 

Hanne. Ja wol, sehn Se da in den Schoppen rechts, die Feierleiter. 

Amalie. Aber ich schlafe ja nicht hier — ich arbeite hier blos, sonst ist es 
unser Gastzimmer. 

Oertel. Wo ist denn ihres? 

Amalie. Mcin's geht auf die Straße, das zweite Fenster im zweiten Stock 
wenn Sie — 

Oertel. Desto besser. 

Hanne. 1 Jott bewahre. Wollen sich Sc denn Yon'n Nachtwächter als Spitz¬ 
bube uffjreifcn lassen. 

Amalie. Um Gottes willen! 

Hanne. Se kriejen ooch die Leiter ja nich riber. 

Oertel. Aber die Sache ist ja einfach — Sie kommen in dies Zimmer und ich 
hole Sic auf der Leiter herunter. (Will fort.) 

Hanne. Des wird 'ne Hauptjeschichte, wenn morjen der alte Kamarilja zu't 
Frihstick kommt und keene Male da. Herr Jes, des wird 'ne Hauptjeschichte! 

Amalie. Oertel, ich kann es nicht. 

Hanne. Dummens Zeug! 

Oertel (kommt zurück)» Notabene, Sie müssen mir ein Signal geben, das alles 
in Ordnung ist. 

Amalie (kopflos). Ein Signal? Was meinen Sie? 

Hanne. Mamsellken hat en Kopp verloren. Lassen Se mir man machen. Wenn 
ick das Licht ausblase, so setzen Sie de Leiter an. 

Amalie (heftig). Das Licht bleibt brennen. 

Hanne. So? Un wenn zufällig der Nachtwächter durch de Jartenstraße kemmt 
— damit er ooch man ja allens in de schcnste Beleichtung zu sehn kriegt, nich 
wahr? (Zu Oertel.) Machen Se jetzt, daß Se fortkommen. (Schiebt ihn zur Thür hinaus.) 

Oertel. Adieu, Amalie! 

Amalie. Ach, Oertel! (Oertel und Hanne ab durch die linke Seitenthür. Es klingelt.) 

Heuler (hinter der Scene). Hanneh! 

Amalie. Da ist Onkel. Gut, daß er fort ist. Wer kann so spät noch klingeln? 
Wenn nur Hanne zurück wäre, sonst kommt er hier herein. Ich habe keinen Muth 
mehr, ihm unter die Augen zu treten. O, wenn ich zu Bette gehn und schlafen 
könnte, wie jeden Abend. (Es klingelt.) 


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REINHOLD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. 1850. 


Siebente Scene. 

Heuler. Amalie. Hanne (etwas später). 

H euler. Hanneh! Wo ist denn Hanneh? Es klingelt ja schon seit ’ne halbe Stunde. 

Amalie (verlegen). Ich weiß nicht, sie ist — 

Hanne (außer Jllhem). Herr Heuler 1 

Heuler. Hörst de denn das Jeklingle nich? Es klingelt ja schon seit 'ne halbe 
Stunde. 

Hanne. Ick hehr et recht jut. Halten Se mir denn vor'n Staubdummen-Institut? 

Heuler. Na, warum jehst de denn nich? 

Hanne. Weil es mich hechst verdächtrig vorkommt. 

Heuler (erschreckt). Verdächtrig, wo so? 

Hanne. Erinnern sich Se nich, wenn de Polizei hier umt' Haus rum sucht? 
Wie heeßt er doch noch, Mammsellken —? 

Amalie. Wer? (sich besinnend.) Hanne, du bist toll. 

Heuler. Oertel — Herr Jes! (Es klingelt heftiger.) Wenn es des anarchische 
Princip Oertel wäre! 

Amalie. Onkel, mir ist unwohl, ich geh’ zu Bette. (Will gehn.) 

Hanne. Ick wißte nich, wer et anders sind könnte, mitten in de Nacht. 

Heuler. Male, ick bitte dir um Jotteswillen, bleubl (Ergreift sie bei der Hand.) 
Hanne komm hier (ebenso). Kommt, meine liebe Kinder, schlüßt Eich fest an Eiren 
angestammten Onkel. 

Hanne. Se wissen, Herr Heiler, de Demokraten sind Ihnen ja nich jrin. 

Amalie. Hanne, so sei doch Vernünftig. Lieber Onkel, ich muß zu Bette. 

Heuler. Ich bitte dir um Jotteswillen, liebe, liebe Male, wenn de bei mir 
bleibst, so will ick och alle deine jerechte Winsche befriedijen. 

Amalie (lebhaft). Wollen Sie mich morgen nicht verloben? 

Heuler. Aliens, Male, blos das nich. 

Hanne. Se wissen, Meichelmord is jetzt was janz Jewehnliches. (Es klingelt.) 

Amalie. Onkel, ich muß zu Bette, mir ist zu schlimm. 

Heuler. Male, Malei Jeliebte Male, einzigste Male — 

Hanne. Mammsellken is ohnmächtig. Ick muß ihr zu Bette bringen. (Beide 
suchen sich loßzureißen.) 

Heuler (hält sie fest). Bleibt doch man bei mich, liebe Hanne, liebe Male. Ick 
habe dir beleidigt, liebe Hanne, ick bitte dir ab — uf'n Knien will ick dir ab- 
bitten. 'Wat willst de denn, liebe Male? Ick will ja allens duhn — 

Amalie. Ich will nicht verlobt sein. 

Heuler. Jut, so will ick dir nicht verloben. Ick jebe dich mein heilijes Wort 
als Berliner Birjer. — (Es klingelt). Uf 1 Es klingelt schon wieder —- ick will dir 
in deinen janzen Leben nich verloben — aber bleibe man bei mich. 

Hanne. Wenn des is, Herr Heiler, so is allens jut. Jetzt verlassen Sich Se man uf mir. 

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WF1NHOLD SOLGER. DER REICH STAGSPROFESS OR. l8 

.. . ' 

Heuler. Ich vertraue mir mit jerechten Stolx «n di« «Ite Treie von meine je- 
liebte majorenne Hauajenotaen. 

Amalie. Aber Sie können doch den Menschen oder, wer e< „t, „ lcht die 
ganze Nacht klingeln lassen. 

Hanne. Ick will sehn, wer et is. 

Heuler. Hanne, du willst ihm doch nich de Dihr ulmachen. 

Hanne (reißt eich kräftig tot). I, lassen Se mir man. Ick nehm et schon mit en 
paar Mcichelmcrdcr uf. (Ab.) 

Heuler (\hr nachrufend). Hannehl O Jeses, Jeses! Hanneh. Sch wenigstens er*t 
wer't is, ehr de ihm ufmachst. Komm, Male, komm hier näher an mich, Eunig- 
keit macht selbst de schwächsten Völker stark. Jott it is ne Mannsstimme. Er 
kommt de Treppe ruf. (Sinkt auf einen Stuhl) Et is Oertcl. 

Hanne (öffnet die Thür, ahmeldend). Herr Professor Duselmannl 

Amalie. Ahl ich bin krank. (Ab nach rechts.) 


Achte Scene. 

Heuler. Hanne. Professor Duselmann. 

Heuler (springt auf). Herr Professor Duselmann. Jott, ick donke dir, daß du 
diesmal noch Anarchie un Meuchelmord von mein Haupt. — Ah, Herr Professor 
_ Se machen mir janz jlicklich mit Ihre jeheulichte Jejenwart, Herr Professor. 

Duselmann (mit einer Zopfperrücke, verstört und sehen). Bin ich hier auch recht 
sind Sic's auch? 

Heuler. Nu, wer soll et denn sonst sind, wenn ick et nich bin? Ne, aber dieses, 
Jlick. Diese Oehrel Male, so sichn’ dir doch blos — 1 , wo is denn de Male je-? 
blieben? Hanne, jeh, uf de Stelle soll se Herkommen un sich von Ihren jesetz- 
mäßigen Jeliebten in Augenschein nehmen lassen. 

Hanne (zieht Heuler bei Seite). Herr Heiler, ick erinnre Ihnen hier feuerlich an 
Ihr heilijes Wort, als Berliner Birjer, dat Se Mammsellken mit des abjetakelte 
Reichsjerippe da nich verloben wollen. 

Dusel mann (beiSeite). Was reden sie da heimlich mit einander? Sollte ich noch 
einmal — 

H eulcr (mit unterdrückter Wuth , batlt die 'Fäuste, bei Seite zu Hanne). Willst de je¬ 
horchen, Kanaille, oder soll ick dir als Uffwiejler (mit erhöhter Stimme) von de 
Polizei transportirep lassen? 

Dusel mann (schlotternd). Sie wollen mich noch einmal von der Polizei trans- 
portiren lassen 1 

Hanne. Jutl (Mit erhöhter Stimme.) Aber ick mache Ihnen vor alles unschuldig 
verjossene Blut verantwortlich. (Ab nach rechts.) 

Duselmann (hält sich an einen^ Stuhl). Alan will mein Blut! 

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Neunte Scene. 

Heuler. Professor Duselmarin. 

Heuler. Aber sagen Se, sind Se et denn wirklich der berihmte, jroße extrem- 
jemäßigte Professor Duselmann? 

Duselmann (beiSeite). Er will mich ausforschen. (Laut.) Wer ich auch sein mag, 
verlassen Sie sich drauf; ich bin extremgemäßigt, ich bin immer extremgemäßigt 
gewesen, ja ich könnte wohl sagen, und die wiederbegründete Macht und Ord¬ 
nung der Behörden, selbst dieses Staates, können Zeugniß dafür geben, ich 
bin — 

Heuler. Janz Deitschland kann Zeigniß vor Ihnen jeben, Herr Jemine! janz 
Deutschland weeß es ja, des Sie ener von de besten Männer sind. Herr Jeses ja \ 
Un ick, ick Heiler, einfacher Rentier und Birjer von Berlin soll jleuchsam mit 
de beste Männer von Deitschland in een unuflesliches Band der heulijen Ehe 
verschmolzen werden, jleuchsam mit einem Jagern, Bassermann, Ohm, Manndeibel, 
Welker, Hinkeldey, mit den unbedeitenden Namen Heiler auf öwig verflochten 
werden als Bejrinder von Deitschlands Jreße un Eunigkeit in de Jeschichte er- 
wöhnt werden. Na, des is jettlich! 

Duselmann (bei Seite). Er scheint so aufrichtig begeistert! 

Heuler. Mit Jagern sind Se wohl so janz familiär, sö wie Du und Du zu¬ 
sammen, nich wahr? 

Duselmann (beiSeite). Das ist eine Schlinge. (Laut.) Ich konnte natürlich nicht 
vermeiden, —* 

Heuler. Ach Jottl von den müssen Se mir viel erzöhlen. Er soll ja so sehr 
ödel sind. 

Dusel mann (mit Überzeugung). Jagern ist sehr edel. 

Heuler. Eine schene Erscheunung. Heren Se et war doch Deitschlands Jlanz- 
periode, wie in Deitschland allfc de jreßten Professoren von de Nation Ihre jrind- 
liche Jelehrsamkeit jejenseitig austauschten. 

Duselmann (ungewiß). Sie scheinen einen edlen Glauben an unser edles Streben 
bewahrt zu haben, edler Mann. 

Heuler (gerührt). Ach Jott, Sie schmeucheln mir. Ick hab' et Sie ja jeschrieben, 
wat ick vor Ihnen flhlte, wo Sie ihre berihmte Rede hielten, wo noch die Stelle 
von des stolze Haupt drin Yorkommt, wo Se sagten: „Wenn wir diesmal kleene 
beijeben, so is unser stolzens Haupt futsch, Se werden noch mal dran denken, 
wat ick Sie sage, futsch!“ 

Duselmann (bei Seite). Er ist es,- es ist Heuler selbst. (Laut und redselig.) Ja, 
es war kurz vor dem Waffenstillstand von Malmö, wo ich mit bekanntem Muthe 
jene thatkräftigen Worte sprach. 

Heuler. Donnerwetter, un wie haben Se desmal de siddeitsche Kanaille that- 
kräftig zusammengepfeffert! Preißen, Estreicher, Hessen, Frankfurter, so'ne Einig- 

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PH1NHOLD SOLGER. DER REI CHSTAGSPROFESSOR . ,850 
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keit unter deitsche Firsten un Pari amenter is noch ja nich da jewesen, als wie 

dcsmal, wo’t vorn Kenig von Dänemark ging. 

Duselmann. Nicht wahr, darin würden Sie uns Gerechtigkeit widerfahren 
lassen, selbst wenn Sie Herr von Hinkeldey wären, obgleich ich überzeugt bin. 
daß Sie Herr Heuler sind. Nie haben wir uns einer mißliebigen Handlung gegen 
Sr Majestät den König von Dänemark. geschweige denn gegen eines der uns 
angestammten Hohen Hfiupter erfrecht. Sollte die edle männliche Sprache, welche 
wir zuweilen zu Gunsten der Rechte und Einheit der deutschen Nation zu reden 
wagten, wirklich Anstoß erregt haben, so bitte ich zu bedenken, daß wir nicht 
blos getreue Unterthanen, sondern (mit Stotz) auch große Staatsmänner waren. 

Heuler. 1, versteht sich! darüber hab' ick mir ja eben so unjeheier jefreit. 
Wenn Se des Volk mit thatkräftige Reden erst recht besofFen jemacht hatten, wupp! 
waren Se mit de Kanonen da. Es war ne wahre Freide, wie Se’t nach un nach 
mit Uffwiejeln un Niederkartätschen de Seele ausjequetscht haben. 

Duselmann. Lassen Sie sich umarmen, edler Freund, das ist die wahrhaft 
staatsmännische Auffassung. Ja, es gibt noch Heuler in Deutschland, die unser 
edles Benehmen zu würdigen wjssen. 

Heuler. O, ick versichre Ihnen, Heuler un seine Familie haben Ihnen immer 
zu wirdijen jewußt. Ohne Ihnen wär’ et in Frankfurt un Wien un Dresden un 
überall janz anders jekommen. 

Dusel mann. Das ist keine Frage. Das bleibt unser Verdienst. 

Heuler. Aber bei uns, hören Se, bei uns in Berlin, de Steierverweijerungs- 
jeschichte — wo Se zwar eunerseuts de Krone unterthänije Vorstellungen machten, 
aber andrerseits jejen die revolutionäre Iberjriffe der Kammer erklärten, desSteier- 
verweijrung blos dazu in de Konstitution steht, des die Rejierung sich davor 
jraulen kann, wenn se will — ne, heren Se, so was Staatsmännisches is noch ja 
nich da jewesen! 

Dusel mann. Es ist traurig, wie roh diese tieferen Gedanken des wahren Kon- 
stitutionalismus im Ganzen noch immer von denen aufgefaßt werden, welche keine 
Professoren sind- 

Heuler. Na, wenigstens wir Berliner Birjer mit unsern jeist- un jemithvollen 
Kenig an de Spitze 

Duselmann. O, Sie machen eine ehrenvolle Ausnahme. 

Heuler. Wie jlorreuch haben wir de Kaiserdeportation empfangen. De janze 
Deportation zur kenichlichen Tafel gezogen, des war denn doch, wahrhaften Jott, 
keene kline Oehrel 

Duselmann. Ich werde mich ewig mit Rührung und Dankbarkeit der höchst 
geistvollen Worte erinnern, womit Sr. Majestät Herablassung uns damals vor den 
Augen von ganz Europa erhöhte. 

Heuler. Ja» un besonders, wat er zu Ihnen sagte, wie scheen war das! 

Duselmann. Es war nur ein Wort, aber es war ein herrliches, ein wahrhaft 

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REINHOLD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. 1850. 


königliches Wort. Wie ich ihm sagte, daß ich aus Leipzig sei: „Handelsmann?, 
fragten Sr. Majestät. „Handelsmann!" Der König hatte sich damit för die neue 
Zeit erklärt. 

Heuler. Herr Jes, ja, jetzt jeht mir erst en Talglicht uf: er erklörte sich da¬ 
mit vor den Handelstand. 

Duselmann. Freilich! Für den Handelsstand, für das Bürgerthum. Die ganze 
Hoffnung des Konstitutionalismus ist in dem Einen Worte enthalten und mir, mir 
war es Vorbehalten, diese Brücke der Verständigung zu werfen. 

Heuler. Jroßer Mann! Des erinnert mir lebhaft an Jagerns jlänzende Rede, 
wo er seinen ödlen Leub zwischen de jezogene Waffen warf. Heren Se, das war 
denn doch der jroßartigste Mojement in de deutsche Jeschichte, jlob ich. Er er¬ 
innerte mir lebhaft an de jroße Zeit von’t Berliner Theater. Ne, wer damals nich 
unsern Bader als Masaniello jesehen hat: „Jebt mich Waffen!" der kann sich von 
\ meine jefühle bei Jagerns ödle Rode keene Vorstellung machen. 

Dusel mann. Es war eine erhabene Zeit. Die Augen des ganzen Volkes waren 
auf uns gerichtet, aller Herzen hofften auf uns. 

Heuler. Es war trajisch, sag* ick Ihnen. Wie Se feierlich vor de janze Nation 
erklärten, unwandelbar an de Reichsverfassung festzuhalten un des jesammtige 
deitsche Volk ufwiejelten die Verfassung zur Anerkennung un Jeltung zu bringen, 
es war zwar jroßartig, aber es war trajisch! 

Dusel mann. Leider verstanden die Unreifen das Festhalten und zur Geltung 
bringen wieder in so roh thatsächlicher Weise — 

Heuler. 1 freilich, jrade wie bei de Steicrverweijrung in Berlin. 

Duselmann. Glauben Sie, daß es Menschen gab, die, wie die Linke, einen 
förmlichen Ehrenpunkt daraus machten, die frivolste Erhebung mit ihren wahn¬ 
sinnigen Beschlüssen zu unterstützen, blos, weil wir diese Erhebung veranlaßt hatten? 

Heuler. 1 s möglich? Na, wer dumm ist, muß jepriejeit werden. Aber Sie sind 
jetzt vor Ihr damalijes edles Benehmen ooch jeliebt von alle Birjer un jeehrt von 
alle Firsten von Deitschland. 

Duselmann. (Seufzend.) Ich vertraue fest auf das edle Herz unserer edlen 
Fürsten, daß sie unsre edle Aufopferung in jenen Tagen nicht vergessen werden. 
Nein, unser edles Streben war nicht vergebens, ln dem Parlament zu Erfurt, 
welches wir als das große Resultat unserer edlern Wirksamkeit ansprechen dürfen, 
werden wir die edle Aufgabe, die Fürsten und Völker von Deutschland durch 
unsere höhere Vermittelung zu ihrem Besten zu leiten, glorreich hinausführen. 

Heuler. Heren Sc, meinen Se nich, wär’ es doch nich jut, wenn Sc jetzt des 
Reichsheer dazu hätten, was de Linke immer beschließen wollte? 

Duselmann. Herr Heuler? Das von Ihnen? Haben Sie so wenig Vertraun zu 
unsern edlen Fürsten? 

Heuler. Ick, Herr Jesus woll! 1 t is blos die verfluchte Male, die mir so’n Zeig 
in’ Kopp setzt. 


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Dusclmmn. Viel Friu ’^ n die Joth.tr hxttcn ni,dit gelernt in 

Heuler. Meie I. «. ^ So n Uuni«,. JLkm St 

Ärn Sn a« <)«»*>,o« H — w - “ 

”Ju ngfrnu nic ht. E. «b. 
spä t «nd ich bin selbst, wenn Sie gütig* erlauben, so erschöpft - 

Zehnte Scene. 

Professor Duselmann. Heuler. Hanne (mit einem silbernen Leuchter undUcbt). 

Heuler. Herr Jes jt, aber sagen Se. warum sind Se denn so spät — Höre 
Hanne, — mache Herrn Professor hier das Bett zurecht. — 

Hanne (bei Seite). Das äs ne scheene Geschichte — un wenn nu Herr Oertel 

^hTu! er. Na. wat stehst'te da wie'n Ehljetze. allonsl (Hanne macht während der 
folgenden Szene das Belt, geht aus und ein usw.) Warum präsentirt sich denn 

Male nich? 

Hanne. Mammsellken is nich wohl un is zu Bette gegangen. 

Duselmann. Nicht wohl, o! ich bedaure tief — 

Heuler. 1 , des hat nischt zu sagen. Davor sind se morjen frisch, alle beede 
frisch. Aber wat ick sagen wollte, warum sind Se denn so spät gekommen, Herr 
Professor? Ick habe Ihnen schon jestern erwartet. 

Dusel mann (verlegen). Es ist — es war, weil ich bei meiner Ankunft ich 

war verhaftet. 

Heuler. Verhaftet, wo so? 

Duselmann. Es war ein Mißverständniß, wie deren in Berlin — 

Heuler. Hatten Se denn kenen Paß? Ick muß ihnen anmelden, sonst bekomm 
ick et mit de Polizeu zu duhn. 

Dusel mann. Freilich hatte ich einen Paß; allein der Gensd’arm, welcher ihn 
mir bei'm Heraussteigen aus dem Wagon abforderte, sagte, ich sei schon von 
Frankfurt her als — infamer Aufwiegler bekannt — 

Heuler. Is meglich? 

Duselmann. — Und — die ganze — Gothaer Kanaille verdiente todt ge¬ 
schlagen zu werden, wo man sie träfe. Ich muß gesteh n, ich fand diese Auf¬ 
fassung von Seiten-eines Trägers des Gesetzes und der Ordnung etwas roh. 

Heul er. Herr Jesus; aber des is nischt als en Mißverständniß; Se kennen Gift 
druf nehmen, en reines Mißverständniß. 

Duselmann (treuherzig). Das glaube ich auch noch immer, ich, der ich zu den 
edelsten Männern von ganz Deutschland gehöre, verdienen todt geschlagen zu werdenl 
Heuler. Aber was machten Se denn, wie er Ihnen so behandelte? 

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REINHOLD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. 1850. 


Duselmann. Ich protestierte. 

Heuler. Das war den Gensd’armen janz recht. Nu» un denn kSmen Se hierher? 

Duselmann kleinlaut). Ach neinl Ein Lieutenant, der es hörte, sagte, ich sei 
ein niederträchtiger revolutionärer Racker und gab mir einen Fußtritt, wodurch 
ich an einem edlen Theile, der mir um so weither ist, als ich ohne ihn gründlichen 
und bleibenden Studien unmöglich obliegen kann, aufs empfindlichste verwundet 
wurde. Ich muß gestehen, ich fand diese Andeutung von Seiten eines Retters der 
Civilisation — mindestens — nicht auf's positive Schaffen gerichtet. 

Heuler. Es war ein Mistverständniß, ick versichre Ihnen, nischt als ein un- 
sölijes Mistverständniß. 

Duselmann (wie oben). Es ist mir tröstlich, daß Sie derselben Meinung sind. 
Ich, der ich zu den ehrwürdigsten Professoren des Reichs gehöre, muthwillig vor 
das Sitztheil getreten! 

Heuler. Sie haben aber doch jleich Maßregeln ergriffen —? 

Dusel mann. Ich protestirte energisch. 

Heuler. Des war den Leutnant janz recht. Nu, un denn kamen Se hierher? 

Duselmann (schwermüthig). Noch nicht. Der Lieutenant sagte: „was, ich wollte 
mich gegen des Königs Rock empören V* und sogleich fielen der Gensd'arra, 
zwei Soldaten und drei Schutzmänner über mich her. Aber die Schutzmänner 
machten es am schlimmsten. 

H eul er.Wat, Se haben Ihre jeheiligte reichsprofessorische Person durchjepriejelt? 

Dusel mann (traurig). Sehr. 

Heuler. Na, sind Se man janz ruhig, verlassen sich Se druf, es war bloß en 
Mißverständniß. 

Dusel mann. Diese Überzeugung gießt mir Balsam in meine'Wunden. Ich, der 
den deutschen Fürsten ihre Kronen gerettet hat, dem loyalen Enthusiasmus ein 
Opfer, wie Sefelogel 

Heuler. Das haben sich Se doch aber nich so ruhig jefallen lassen? 

Duselmann. Ich protestirte auf's energischte. 

Heuler. Das war aber die verfluchten Kerle mal janz recht. Nu, un denn kamen 
Sc hierher? 

Duselmann (düster). Noch nicht. 

Heuler. Wat, habe se Ihnen noch nich in Ruhe jelassen? 

Duselmann. Sic haben mich wegen Störung der öffentlichen Ruhe und Ord¬ 
nung und versuchten Hochverraths an einem königlichen Rock ins Gefängniß ge¬ 
worfen. 

Heuler. Ick kann Ihnen aber mein heuliges Wort — 

Hanne. Jott, was 'ne Masse Mist verständnissei 

Heuler (mit Würde). Hanne, mische Dir nich in die edle Jespräche von zwei 
Staatsmänner, wovon der eine eben erst ne Tracht Priejel gekricht hat. (Zu Dusel - 
mann). Nu zeugten Se sich aber woll in Ihre janze Thatkräftigkcit? 

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„.««mn SOLGER. DER REICH STAGSPROFESSOR. ,850. 

— .* 

Du..,»«I* «*• 11TCÄKSSSSnt 

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“^TuUrEdteM^N “drr h.t lhn.n doch jl«i«h >r, p^Oulichcn Boudi 

^ 7 .:: *»• heu« Ak»d in H.ft g«i...«u »d 

mich dann in einer Art angeredet — in einer Artl 

Heuler, ln wu vor ’ne Art? ... it . . , 

Dutclmann. Er .agte, nach preuEiachen Gesetzen müßte ich eigentlich auf 

einer Kuhhaut zum Richtplatz geschleift werden. 

Heuler. Des heißt vor Hochverrat»* i« de» unter Jesetz. 

Duselmann. Ach! dss haben wir um die deutsche Polizei nicht verdient. 
Heuler. Na, nu sind Sc ja aber bei miclu Lejen sich Sc jetzt stilleken in de 
Dunen un schlafen sich Se orntlich aus — un morjen is Verlobung. 

Dusel mann. Ach ja, schlafen, schlafen 1 
.Heuler. Ja wo«, schlafen sich Se ordentlich aus, edler jepriejelter Mann. Aber 
dies Benehmen von de Polizei is mich doch hechst merkwidrig. 

Hanne (bei Seite zu Heuler ). Sagen Se lieber hechst vcrdächtrig. 

Heuler (erschreckt, bei Seite). Verdüchtrig, wo so? 

Hanne (wie oben). De Polizei wird woll ihre jute Jrindc mit den Schub/ak da 
jehabt haben. 

Heuler (wie oben). Hanne, mache mir nich jraulich. 

Hanne (wie oben). Heren Se, wenn des nich Oertel is, so will ick Mops heißen. 
Heuler (wie oben , zitternd). Oer—tel. O Jes, o Jes, jetzt erinner ick mir, wie 
ick en fragte, ob er Duselmann wäre, antwortete er durch de Blume. 

Dusel mann (bei Seite). Sie haben eine Manier zu flüstern und mich zu mustern 
Hanne (wie oben). Da sehn Se, man braucht 'en sich blos anzusehn, allens an 
ihm is Blume. 

Dusel mann (wie oben). Etwas Schutzminnisches! 

Heuler (wie oben). Was janz Blumenartijes. 

Duselmann (wie oben). Meine schrecklichsten Vermuthungen werden wieder 
regel Der Droschkenfuhrmann schien beim Abfahren der Polizei zu winken. Wenn 
jar mich statt zu Heuler — (Tixiert Heuler.) 

Heuler (wie oben). Haryie, warum hast de aber ooch den silbernen Leichter 
rin jebracht? 

• Hanne (wie oben). Sehn Se bloß, was vor blutjierije Ogen er uf Ihnen wirft. 

Duselmann (laut). Sagen Sie mal, Verehrtester, Sie heißen doch Heuler? 
H, E, U, Heu-» L, E, R, 1 er, Heuler? 

Heuler (erstaunt). Wie soll ick denn sonst heußen, als Heiler? (Bei Seite zu Hanne) 
Er hat's uf mir persenlich jeminzt. 

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REINHOLD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. 1850 


Dusel mann. Es ist nur, um noch mehr Mißverständnisse zu vermeiden — 

Hanne (wie oben). Er will Ihnen persenlich meichelmerdem. 

Duselmann. Wenn Sie wirklich der Herr Rentier Heuler sind, wegen dessen 
Fräulein Nichte ich in diplomatische^ Verhandlungen stehe — 

Heuler. Ick schmeichle mir, diese Persenlichkeit nich nur zu sein, sondern 
(mit Würde) auch zu sind. 

Hanne (wie oben). Sind Se doch nich so dumm. 

Heuler. Oder vielmehr — (bei Seite.) Hanne, mach' de Thir hinter mir uf. 

Duselmann. Sie ständen nicht zufällig in irgend einer Verbindung mit dem 
öffentlichen Sicherheitspersonale — Sie wären nicht etwa — wie soll ich mich 
ausdrücken, beispielsweise ein — Schutzmann? 

Heuler. Schutzmann!? Wer? Icke? — (BeiSeite.) Hanne, mach' de Thir hinter 
mir uf. 

Hanne (wie oben). Sehn Se, wie er sich vor de Polizei fircht'. 

Dusel mann. Ich kann mich ruhig bei Ihnen schlafen legen, ohne den Gefahren 
der öffentlichen Ruhe und Ordnung preis gegeben zu sein? 

Heuler (wie oben). Schließ' en in un hole rasch de Polizei. (Indem er rück¬ 
wärts bis dicht an seine Thür retirirt, mit gezwungener Freundlichkeit.) Na, jut Nacht 
ooch, Herr — 

Dusel mann (ebenso). Gute Nacht, Herr — 

Heuler. — Professor Duselmann! (Springt rasch zutück und schließt die Thür 
hinter sich ab.) 

Dusel mann. — Rentier Heuler 1 (Sinkt erschöpft in einen Stuhl) 

Elfte Scene, 

N Dusel/nann. Hanne. 

Hanne (beiSeite). Nu weeß ick doch wahrhaften Jott nich, wie ick’en aus diese 
Stube spediren soll. 

Duselmann (beiSeite). Sie zögert, sie scheint mir etwas sagen zu wollen. Es 
schien mir gleich anfangs, als ob mein unglückliches Schicksal ihre weibliche 
Seele rührte. 

Hanne (bei Seite). Wenn ick ihm ooch jraulich machte. Aber des hilft ja nischt, 
er kann ja nich raus. 

Duselmann (bei Seite). Ich will die Initiative ergreifen. Der Martn besiegt un¬ 
fehlbar das schwache Geschlecht durch Schmeichelei — dies wird durch die ge¬ 
schichtliche Erfahrung aller Völker und aller Zeiten bestätigt. (Nähert sich gecken¬ 
haft und will ihre Hand ergreifen.) Schönste der Schönen 1 

Hanne (gibt ihm eine Maulschelle). Wat, Sie alter ausjemerjelter ejiptischer 
Reichsmumie wollen noch so ne Jedanken haben? (Jlb in ihr Zimmer, weiches sie 
hinter sich verschließt.) 


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REIN HOLD SOLGER- OER REICHSTAGSPROFESSOR. 1850. 

t . .. 

Zwölfte Scene 

Dutclmann (allein). 

Duselmann (entkleidet eich während der folgenden Scene hit zu dem Grade, welchen 
die Prüderie de* betreffenden Publikum* erlaubt, legt aber in jedem Talle J{pck und 
Zopfyerrücke auf den dem Bette entfernter stehenden Stuhl nieder). Noch ein M18- 
verständnißl Noch eins, das schrecklichste von allen! (Exaltirt.) Mein Ruf als 
moralischer Mensch und Professor, mein Charakter — (plötzlich beruhigt) doch, 
an dem ist ja nichts mehr zu verlieren. — (Nachdenkend.) Nannte sie mich nicht 
eine ägyptische Reichsmumie? (Setzt sich eine Schlafmütze auf.) Das läßt wenigstens 
auf einen in der dienenden Klasse ganz ungewöhnlichen Grad von klassischer Bil¬ 
dung schließen. Es ist offenbar, sie ist nicht, was sie scheint. Alles in diesem Hause 
athmetein fürchterliches Geheimniß; aber ich bin so müde, so zerschlagen (setzt 

sich auf den Stuhl neben dem Bette und dabei auf Oertel* zurückgetasienen Hock). — 
Was ist das? — ein fremder Rock. Schauerlich! Umlauert von fremden Röcken 
{Einnickend.) Wenn dieser Heuler ein Schutzmann wäre? (Auffahrend) Ich träumte, 
dtf Genius von Deutschland gäbe mir einen Tritt in das Sitztheil. Ich sollte wach 
bleiben, aber ich bin zu sehr zerprügelt. Wenn mich die Linke in dieser grä߬ 
lichen Lage sähe, sie würde ein furchtbares Gelächter an st im men. (Auffahrend.) 
Schon wieder dieser verfluchte Genius. (Einnickend.) Sie würde sagen, dahin kann 
einen die Staatsmännischkeit bringen. Die Linke ist (bläst da* "Licht au*) roh. 
(Es schlägt elf. Er schläft ein.) 

Dreizehnte Scene. 

(Man hOrt eine Leiter ametzen. Allmählich erscheint Oertel am Tenster.) 

Duselmann. Oertel (noch in der Jacke des Schutzmanns.) 

Oertel. Amaliel Pstl — Amalie! Pstl (Steckt den K°pf hinein, horchend.) Nie¬ 
mand! (Steigt vorsichtig ins Zimmer.) Daß auch Hanne nicht hier ist, sie hat doch 
das Licht ausgeblasen. Geduld! sie werden kommen. (Borebend.) Schläft da nicht 
Jemand? Ja — es holt Athem — et schläft — es ist Amalie. Die Aufregung, das 

viele Weinen ohne Zweifel hat sie ermüdet_sie hat sich vorher etwas ausruhen 

wollen, und ist auf dem Bette eingeschlafen. (Nähert sich dem Bette.) Armes Kindl 

-Holdes, liebliches Geschöpf. (Sentimental.) Sie schlummert! (Ergreift Vusel- 

manns Band, um sie zu küssen.) 

Duselmann (auffahrend). Laß doch, Genius. 

Oertel. Hölle und Teufel! Es ist Heuler. 

Duselmann (wach, springt auf, indem er mit der einen Band den Leuchter, mit 
der andern Oertels Hock ergreift. Mit Angstgebrüll:) Ich protestire. 

Oertel. Schreien Sie nicht so, oder _ 

Duselmann (wie oben). Ich protestire energisch. 

Oertel. Kerl, wenn du nicht aufhörst zu protestiren — (Tritt ihm näher.) 

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REJ NH OLD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. 1850. 


Duselmann. Komm mir nicht zu nah, oder ich senke dir diesen Leuchter in 
den Busen. 

Ocrtel. — So prügle ich dich todt. 

Duselmann (retirirend, während Oertel ihn verfolgt Schreit). Ich bin genug 
geprügelt, ich bin über die Natur geprügelt, ich bin in meinen empfindlichsten 
Interessen verletzt — 

Oertel (zündet ein Strßichhölzchen an). Jetzt drehe ich dir den Hals um. 
Duselmann (erblickt ihn und reißt aus). Ein Schutzmann! Ich protestire aufs 
energischte! (Springt zum Tenster hinaus.) 

Vierzehnte Scene. 

Oertel. Hanne (mit Licht). 

Ha nne (hält Oertel, der dem Professor durchs Tenster nach will, am Beine fest). 
Halt! So schießen de Preißen nich. 

Oertel (wüthend). Wer hält mich! Ah, Hanne. Sage, was ist das für 'ne ver¬ 
fluchte Geschichte, daß ich den alten Heuler hier — 

Irlanne (lachend). Den alten Heuler, hahaha! Es is Duselmann. 

Oertel (wüthend). Der Professor Duselmann! (Plötzlich lachend.) Hahahal 
Hanne. Er hat seinen Rock un seine Perrücke in Stich gelassen. Hahaha! 
Oertel. Und mit meinem ist er davon gegangen, hahaha. 

Beide. Hahahaha! 

Oertel. Wb ist das Fräulein? 

Hanne. 1 ! Bedenken Se man vor's Erste, wo Sie sind. Heren Se denn den 
Mordspektakel nich? Herr Heiler is uf de Straße runter jelaufen un hat das janze 
Viertel zusammengetrommelt. 

Oertel (Horchend). Sie kommen. Ich steige wieder zum Fenster — bah! die 
Leiter ist fort. 

Hanne (von einem plötzlichen Gedanken ergriffen). En jettlicher Jedanke! En 
jettlicher Jedanke! (Nimmt Duselmanns 7 {ock und Perrücke.) Richtig! da is noch sein Paß. 
Oertel. Aber was meinst du denn? 

Hanne (ihn fortziehend). Jeschwindekenl Jeschwindeken! Se jehn die Hinter¬ 
treppe als Schutzjeist runter un kommen de Yordertreppe als Professor wieder ruf. 
Oer,tel. Hanne, laß dich umarmen. 

Hanne. Später. (Beide ab in Hanne’s Zimmer.) 

Fünfzehnte Scene. 

Der Schutzmann. Duselmann (hinkend). Heuler. Ein Lieutenant. Ein 
Gensd'arm (hält in der einen Hand den silbernen Leuchter und in der andern 

Oertels T{ock). 

Heuler (in Schlafrock und Schlafmütze). Halten Se'n fest, Herr Schutzengel. 
Ne, aber so’n Racker is noch ja nich da jewesen. 

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REINHOLD SO LG ER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. 1850. 


Lieutenant. Wer sind Sie, jemeincr Verbrecher. 

Duselmann. Ich bin von der Leiter gefallen. 

Lieutenant. Haben Sie diese Letter von auswendig angesetzt? 

Duselmann. Von inwendig könnt’ ich sie doch nicht ansetzen. 

Lieutenant. Des is wahr. 

Alle. Ja, da hat er Recht. 

Schutzmann. Wenn Herr Leitnant jefllligst erlauben, die Letter konnte sich 
doch nicht von selber ansetzen. 

Lieutenant. Des is wahr. 

Alle. Des is richtig. 

Heuler. Es is also ’n weitverzweigtes demokratisches Complott jejen mir un 
meinen silbernen Leichter, als Berliner Bfrjcr. 

Lieutenant. Es is klar, es is eine weitverzweigte demokratische Yerschwerung, 
Gensdarm 1 

Gensd’arm. Herr Leitnant. 

Lieutenant. Sie werden vor Tagesanbruch sftmratliche der Demokratie verdäch¬ 
tige Demokraten ins Viertel verhaften. 

Gcnsd'arm. Zu Befehl, Herr Leitnant. 

Dusel mann. Jetzt durchschaue ich’s! Ein künstliches Complott, um die ganze 
Gotha’sehe Partei mit einem Schlage zu vernichten. 

Heuler (zu Duselmann). Wollten Se mich jefSlligst ihre Ansichten entwickeln, 
warum Se vor meine jastfreindliche Aufnahme aus des Fenster jestiegen sind. 

Dusel mann. Sie hatten mich eingeschlossen und durch's Schlüsselloch ging 
ich doch nicht durch. 

Heuler. Das ist wahr. 

Alle. Da hat er Recht. 

Heuler. Aber warum haben sich Se denn diesen silbernen Leichter zu Jemiethc 
geführt? 

Alle. Ja, warum dieses? * 

Du sei mann. Erstens wußt ich nicht, daß er von Silber w#rc, und zweitens, 
wenn er auch von Gold gewesen wäre, so hätte ich ihn mir doch zu Gemüthe ge- 
führt. Wenn man ein Volk zur Verzweiflung treibt, so vertheidigt es sich mit den 
Waffen, welche die Natur ihm verliehen hat. 

Lieutenant. Anjejriffen,»von wem? 

Heuler. Ja wol, von wem? Meine Male un meine Hanne werden doch uf so 
„e Spur der Verwesung kenen nächtlichen Anjriff machen. 

Duselmann. Sehe ich nicht angegriffen genug aus? 

Alle. Das ist wahr. ö 

Lieutenant. Die Kanaille jibt treffende Antworten. Doch verflucht jescheite 
Kerle, diese Kommunisten. 

Duselmann. Ich klage jene Jungfrauen nicht an. Ich war eben etwas efnge- 

7 ° 


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REJNHOLD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. «850. 


schlafen, als mir träumte, der Genius von Deutschland erschiene und gäbe mir 
einen — einen Rippenstoß. 

Heuler. Des war sehr bieder von den Jenius von Deitschland. % 

Schutzmann. Ick trete in den Jenius von Deitschland seine Fußtapfen. (Gibt 
ihm einen J{ippenstoß.J 

Duselmann. Ich pro — 

Gensd'arm. Ich ooch. (Ebenso.) 

Duselmann. — test — 

Heuler. Ick ooch. (Ebenso.) 

Duselmann. — tire. 

Lieutenant. Ich verbitte mich alles unehrerbietige Protestiren in Jejenwart vor 
Ihre vorjcsetzte Behörde. Ibrijens mejen Sie jetzt fortfahren, sich mit anstindije 
Freimiethigkeit zu eißern. 

Duselmann. Dieses Traumgesicht erschiea mir dreimal. Beim dritten male 
erwachte ich und sah — eine Gestalt. 

Heuler. Reiberjeschichten. ln mein Haus jibt es keene Jestalten. 

Dusel mann. Ich sah eine. Und es ist Oberhaupt bekannt, daß es in Berlin 
allerdings Gestalten gibt, und daß sie auch gesehen worden sind — von Staats¬ 
männern gesehen. 

Lieutenant. 'Was vor eine Gestalt? 

Duselmann. Eine Gestalt, welche mich mit Aufrechterhaltung der öffentlichen 
Ruhe und Ordnung an mir bedrohte. 

Lieutenant. Das bejreufe der Deibel. 

Heuler. Er will bloß mein Haus in schlechten Ruf bringen. 

Duselmann. Die Gestalt machte Feuer an und ich sah, daß sie ein (mitSchauder) 
Schutzmann war. 

Schutzmann (rückt ihm auf den Leib). Ick werde dir jleich bejestalten. 

Duselmann (schreiend). So wahr ich Professor Duselmann heiße 1 

Heuler. Duselmann, ah, Duselmannl Hören Se mal, wenn Sie Duselmann heißen, 
so heiße ick Muselmann. 

Gensd’arm (hält Oertels Hock ans Licht und sucht in den Hpcktaschen). Dies is 
der authentische, jenau steckbrieflich verfolgte Rock von den berichtigten Frank¬ 
furter Parlamentskommunisten Ertel, un hier is ooch sein Paß. (Gibt ihn dem Lieute¬ 
nant.) Da, da steht et mit jroße Buchstaben: Herr Oertel. 

Duselmann. Das Schicksal will den Untergang der Gotha’schen Partei. 

Schutzmann. Er war also richtig doch hier in’s Haus, das Luder. 

Heuler. Er hatte sich untern falschen Namen einjenistet, als mein Braitijam, 
der Böstrich! 

Duselmann. Ihr Bräutigam? Die alten Griechen hatten diese Sitte, aber 
Sie hätten schwerlich eine Partie gefunden. Das schlagen Sie sich nur aus dem 
Kopf. 


7 « 


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REINHOLD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. 1850. 


Gensd arm. Die Letter is Zeije. Et war eene jroße Ober janz DeftschJand 
verzweigte Vertchwerang. 

Schutzmann. Deren Wurzeln sich in de Schweiz verlieren. 

Heuler. Karl Heunzen un Jakob Vencdeu stehen an de Spitze davon. 
Lieutenant (lorgnettirt Duselmann). Also das ist die infame Kanaille, Oerteli 
Duselmann. Oerteli Mit unsem bittersten J^einden verwechselt man uns! 
Lieutenant (wie obenj . 'ne kolossale Kanaille! Pyramidalischl 
Duselmann. Ich schwöre es Ihnen bei Jagern und den übrigen Edlen, ich bin 
nicht Oertel, ich bin — 

Gensd’arm. Schweigen Sie in Jejenwart ihrer Vorjesetzten. 

Schutzmann. Sonst spiel' ick wieder Jenius von Deitschland mit Ihnen. 
Duselmann. Nein, das ist ja aber nicht mehr zum aushalten. Ich Demokrat? 
Ich Republikaner? Ich Oertel? Oertel ich? Das ist ja aber gräßlich. Lieber wollte 
ich mich ja doch wahrhaftig zum Hofnarren hergeben — ja! zum Hofnarren — 
Schutzmann. Ma, wat haben Se denn in Erfurt jemacht? 

Sechzehnte Scene« 

Die Vorigen. Hanne. 

Hanne (kommt durch die Tfauptthür). Herr Heuler, da is en fremder Herr, der 
Ihnen sprechen will. 

Heuler. Mir, mitten um Mitternacht? Des is ja janz anarchisch. 

Hanne. Er sagt, er is Herr Professor Duselmann. 

Alle. Duselmann!? 

Duselmann. Ich? 

Heuler, Lassen jleich rin kommen. Jott sei Dank! Des is ja wie Lüde in Fabeln. 
Hanne. (Jtb.) 

Duselmann (mit wilder Ironie). Freut mich ungeheuer seine Bekanntschaft zu 
machen. 

Lieutenant. Das Unjeheuer is noch witzig! 


Siebenzehnte Scene. 

Die Vorigen ohne Hanne. Oertel (in dem 7 \ock und der Zopfperracke Duxeimanns). 
Heuler. Endlich! Endlich, mein lieber theurer Herr Professor 
Oertel. Entschuldigen Sie wirklich, mein theurer Onkel, daß ich es wage, mich 
in einer so spaten Stunde Ihnen noch vorzustellen, 

Heuler (bei Seile). En scharmanter Mann, (laut.) Jrade In’s Jejentheil _ 

Duselmann (ihn unterbrechend). Hat nichts zu sagen, ganz und gar nichts zu sagen. 

Lieutenant. So ne freche Bestie is mir aber doch in meiner Praxis nochnich 
vorjekommen. 


° trUl) - ,n ® Jejentheil, besser konnten Se ja nich kommen, um einen 
scheißlichen Betriejer zu entlarven. 


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reinhold SOL GEr 

C hi STAG * n 

»:r tiÄra?“"* p ~--“ 

jroß< Verwejenheit ieh.J . , * em b eri cK< - 

Leuchter zu stehlen. ’ " hler Unt «r * 0 nu »uni 5 t hat die kl 

Oe U rt'ej m E nn ' k*' denfcen * ich Se! a, " en ^«^hren, un'sUb^ 

ScCt^Xlr ~ Neru 

Oertel. Was? Si/ u ** Im « nn *«getuij. r> * me "? 

v«* r „ s ä ”•£?-. *,., 

c: h „;r:;;-} ». ■-• ' nd — s:x~ k - - *. 

Lieutenant. Es is kein Zweifel! 
culcr. Sie kennen ihn! 

® C T^ Natürlich, von der Paulskircu 
Charakterlosesten — c1 *« h er% p. 

Duselmann (xodthendj. Ich negativ? * * nCr dcr ^ c g at| vstcn, Unreifsten 

ichste, gelehrteste, staatsmännischte p cl * ^nre*f? 

cmzig, dieser neugebackene Professor n^ 85 Or j ,ch ' dcr *ch jedenfalls der grönd- 
st *T nicht wirklich einzig? ^^ 8 e ln\ ** Cr ^ artc *' der ich — Nein! er ist 

Schutzmann (strengj. Verbrecher ann - (Hysterisch zu den Umstehenden.) 

^crtel. lim jedem Zweifel über * 8 ^*llet 

mc,n Paß. (Überreicht ihn dem ?Jeut e ^*ne \ 

Heuler. O, verehrter" Herr Prof Entität zuvorzukommen, so ist hier 

puselmann. Allein Paß! 

c,t einen Triumph feiern — eine *** kennen Sc blos jloben — 

cdar f nichts, als meines legitim^** *** en Hosentaschen.) Jetzt wird die Wahr- 

Qcnsd'arm. Hier Is er ja, w* t ^t^jr^^Uern Tri — wo ist mein Rock? Ich 

Direkt _J_T>^_# 


®cnsd arm. j ti^t j® j«# ^viqi ^-uern m — " 

Muselmann ('stößt den 7 {pck -—. 

7" suche keinen theoretisch Se denn noch? 

öftersten Wesen verwachsenen * c £ zurück und sucht im Zimmer). Spurius. 

Lieutenant (gibt den 7 >aß Qn ***t* n# j c h suche einen natürlich mit meinem 

Zu frieden. 

^wselmann (bleibt verstört & - e * ZumnUi Is iut, Herr Professor. Ich bin 

Heuler. Jeben sich Se keine j 

Cr thm den T>aß vor die Jtugen ist cntw endetl 

V ° n Deutschland un Sie sind et* ^ ^ Leiter demokratisches Unwesen; (tndem 

Puselmann (greift nach dem _ Des hier ist der ödeJste Mann 


***rack). Is jut, 

:ndetl 

»>. Leiter, demokral.,--- 

"■»elraann (gret/r nacn a en steht’s — Des hier ist der ödeJste 

Heuler. Oho 1 So haben wir ^ j'***»^ Fslschminzcr. 

°«selmann (datier). Die a nti \ ^ ist,/ Es ist mein Paß. 

-J e,v *ttet. 

r *8&die kennt nur ein Beispiel e,ncr ^ Cr 

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»HINHOLD SOLGER. DER REICHSTA GSPROFESSO R 1850. 

artigen Verwechslung; nSmllch die Mutter de. Ödipus, Joks.te, welche von ihrem 

Sohne aus Versehen geheirathet wurde. „ . . .. _ . 

Schutzmann. Hier is weder von Juckkasten noch von Heirathen die Rede, 
sondern kommen Se jetzt mal erst vor • erste mit uf die Polizei. 

Duselmann. Sic?! Vas Sie wollen weiß ich, Schutzmann, Sie wollen meinen 

K 0 pf # _ ich sehe recht gut den ganzen Zusammenhang, ln Erfurt werde ich 

der Bubenpolemik beschuldigt, in Berlin werde ich in noch nicht zweimal 24 Stunden 
zum vierten Male von der öffentlichen Sicherheit angefallen; in diesem Hause, 
das von Schutzmännern wimmelt, werde ich von Gestalten verfolgt; dieser alte 
Seelenverkäufer verklagt mich wegen seines Leuchters, und dieser falsche Derne- 
trius erklärt mich für negativ und unreif. Den glorreichen Namen Duselmann 
nehmen sie mir, unter dem frivolen Namen Oertel werde ich mit Rippenstößen 
traktirt. Mein historischer Rock, meine letzte Hoffnung, diese gräßliche Kata¬ 
strophe zur Entwicklung zu bringen, wird mir geraubt, ein elendes Machwerk 
ohne geschichtliche Grundlage, mir willkührlich fibertragen. Es fehlt nur noch, daß 
man mir mit Blut geschriebene Briefe unterlegt. Es ist ein tiefgelegtes teuflisches 
Komplott zur Vernichtung unserer ganzen Partei. Vir haben unsem Dienst gethan, 
man braucht uns nicht mehr. Ja, jetzt sehe ich eine Reaktion! 

Oertel (bei Seite). Endlich doch! 


Achtzehnte Scene. 

Die Vorigen. Amalie. 

Amalie. Sage, lieber Onkel, was gibt es denn im Hause? 

Lieutenant (lorgnettirend). Jettlichcs Mächenl 

Duselmann. Das ist sie, ahl 

Heuler. Vat et jibt? Venn ich nich jewesen wäre, so jäb et ja nischt mehr, 
keen Eijenthum, keene Familie, keene silberne Leichter, keen mich, keen dich, 
keen jar nischt. 

Amalie. Das ist ja schrecklich. 

Lieutenant. Ich bin ewig untrestlich, mein Freilein, daß ich das Unjlick haben» 
muß. — Ich habe müssen ein kleines Exempel an einem von den unjezogenen 
Demokratenjungcns statuiren. Sie kennen durchaus ruhig sein, ich stelle mich 
janz zu Ihrer Verfüjung. Ich schmeichle mir, daß ich durch dieses unanjenehme 
Ereigniß* Jelcgenheit habe, mich janz Ihrer liebenswürdigen Ruhe und Jlickselig- 
keit zu widmen. 

Amalie. Auf ewig? 

Lieutenant. Auf ewig, auf Ehre! (Bei Seite. Geckenhaft.) Jleich wegl 

Amalie. Danke, mein Freund. (Dreht ihm den Rücken.) 

Lieutenant (ganz verlegen . BeiSeite). Mein Freund?! —Ah, sie verstellt sich, 
die Kleine, vor ihrem Breitijam. 


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Weu\cr (zu Oertel). Herr Professor, dieses ist dl ' 
eunerseits nich blos meine Popillje und Nüchte e J cn, gte, welche sich schmeuchelt* 

w er thjesch ätzte Frau J emahlin vorzustellen. -_ ^y/j SOn crn ÄUC ^ andrerseits Ihre 

Ocrtcl (trocken). Also Sie sind die jun^g^ Dam^? S ° ^ Ctra ^ c < * ,r doch hefJich. 
Ouselmann. Ich bitte um's Wort zu einer Der * 

Lieutenant. Sie Haben Hier jar nichts an* bemrrt S n r ! C €n ® cmer ^ un Ä* 

bemerken. (Galant.) Freilein allein hab 


en 


hier — 

Duselmann (schreit). IcH bitte um's 'VC r ort zu 
Ich bin der wahre Duselmann! e,ncr persönlichen Bemerkung: 

Oertel. Es scheint wirklich eine fixe Idee b^* -v 
Heuler. Ja, nich wahr? 1 m * 

Lieutenant (xoüthersd)- kennen Sie s | c |^ 

Mensch — 

Duselmann (schreit). Ich bin der wahre r> Ir . . .. 

berechtigte Duselmann. D «*eJmann; ich bin der historisch 

Lieutenant (zieht ihm mit der ^ e gen» c hei 4 e 

dich historisch berechtigen. 

Schutzmann. 


unterstehn. Sie ausverschämter 


eins über). Das bist du! Ich werde 


„ \ (Stoßen ihn.) Ick Werde ,*• 

Gensd'arm. J historisch bcrechtijcn. 

<***» — d - h! 

Amalie. Danke, mein Freund. 

Lieutenant (ganz x 'f rU *‘” T* ?*te X Sie kan n sich unje- 

heier verstellen, der kle.ne Pfiffiku, ^ Mein FreindU - Sie 

Oertel. Ich muß gründlich be«*^ blo6 Herkommen 

konnte, um mich bei Ihnen zu entschuj^ * Herr Heuler. daß * wied er abreisen. 
Heuler. Abreusen? Vo so? 1 ch mU ß im Augenblick w 

Oertel. Kaum angekommen. erHi^., . uuehe Depesche, «eiche 

mich zu einer höchst wichtigen V e „ * *cH telegraP 1 Knche P appen- 

■«dt beruft. wo wir von '**” *? de. ** 

Ouiclninn. Ir** tagen '* er falscher Waiden»» 1 

Oertel (beruhigend. «" "«a. ^.^PenstSdt, nich* ‘ * , ieber Mann. ,e 

^„rVa, .0.1 denn -her s. 

D„„, m .on- loh hloib« ja hi* v.^ Verlobung »er^ ^ Hett 

Pro,„„ r Doe.lm.no- Hei«, s jJ „ur Sch6PP "' 

Alle. Endlich * *. 

Ocrtcl. M^ in * ic cr . , ^ u «elmann f*L , n d*ß ^ 

*« diesem Augenblick von staata^A^ ich muß Jhne n wirklich gesteh«*' ^ be | 

<a *tischen Sorten so übernommen t» 11 * 

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pRINHOLD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. i. 5 o. 

. ..— 


den politischen Aussichten wahrscheinlich die nlchsten 3 bis 6 Tage so über- 
nommen bleiben werde, daß — 

Duselmann. Er will sic nicht! So begreife ich nicht» mehr. 

' Lieutenant. Der Kerl ist verrückt. Ein jettliche» MIchen mit Jeld! 

Heuler. Ah, ick verstehe. Se wollen de internationale Beziehungen zu de 
Heiler'sehe Familie abbrechen? Erst versprechen un denn Winkel zieje machen, 


un denn — 

Duselmann. Da sehn Sie, was er für ein Mensch ist. 

Heuler. Echt jothaischl 

Amalie (weint). Onkel, diese Schande haben Sie auf mich gebracht. 

Lieutenant. Mein Freilein, tresten Sie sich, ich bleibe Ihnen ewig treil 

Oertel. Man muß immer das Mögliche — das Wohl des Vaterlandes — meine 
Pflicht, als Reichsprofessor — 

Duselmann. Ich begreife nichts mehr — sie bekommt doch einmal 80000 Thaler! 

Heuler. Wat, zum Deibel, jeht mir Ihre Pflicht un des Wohl des Vaterlandes 
an. Ick will mir vor keen Vaterland vor de janze Familie blamiren. Ick hab’ et 
schriftlich, ick zwinge Ihnen, ick vereffentliche unsre janze diplomatische Korre¬ 
spondenz, ick blamire Ihnen vor janz Deitschland — 

Duselmann. Aber ich weigre mich ja gar nicht. Ich verlange ja gar nichts 
besseres — 

Schutzmann 1 (drohend ^ „ jlcich et Maul halten. 

Gensd arm J ' y 

Lieutenant (bei Seite). Zwei Verrückte! Sie schwärmt für mich allein. 

Oertel. Ich bin gar nicht abgeneigt später vielleicht — 

Heuler. Später vielleicht! Ah, Spiejelberg! Wenn det keene faule Fische sind 
mit Ihre telejraphische Depesche, jut, so nehmen Se se jetzt mit uf de Eisenbahn. 
' Amalie. Onkel! ich kann doch nicht — 

Heuler. Ick jebc dich Hannen mit, die wird en schon in Ordnung halten. 
Morjen komm’ ich nach. (Zu Oertet.) Ick jebe ihr zwanzigtausend Thaler mit statt 
zehne, wollen Se ihr jetzt mitnehmen oder nich? 

Duselmann. Er wirft sie ihm an den Halsl Es ist laokoontisch! 

Oertel (die Uhr ziehend). Ich habe nur noch eine Viertelstunde Zeit zur Eisenbahn. 

Heuler. Ihre Sachen kann ick ihr nachschicken. Wollen Se jetzt oder nich? 

Oertel. Wenn Sic mich am Ende zwingen — 

Heuler. Ja, ick zwinge Ihnen, (laufend.) Hanneh! (ln die Scene.) Hanne, rasch 
’ne Droschke. 

Amalie. Lieber Onkel, Sie haben mir doch erst 
Wort gegeben. 

Lieutenant (bei Seite). Bios meinetwejen. Jettliches Mächen! 

Heuler. Un ick habe dir erst vor zwei Stunden erklärt, des ich als Berliner 
Birjer blos Jotten verantwortlich bin. Allons, Marsch! 


vor einer Stunde Ihr heiliges 


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Duselmann. Es ist die Geschichte vo m tr • 
d«, Uokoon - „«l„! Ich hin Troja — nein f"“* “ 

Neunzehnte Sce„ e 

D “ Vot ‘8«„- H.nne 
Hanne. Die Droschke is vor de Dihr, 

Heuler. Gut, Manne, du fährst mit nach S 
den Herrn da un jibst Acht, daß Se unterw CJlÖp P en *«dt, mit Mamsellkcn und 
Morjen komm' ick nach. e 8* kene dumme Streiche machen. 

Hanne. Jut, Herr Meiler. (Stummes Spi e j 

Oertcl (ärgerlich , bietet ihr den ^ to ^ Sc hen Schutzmann und Hanne.) 

Duselmann (bei Seite , Oertel genau betrach *° kommen Sie, Fräulein. 

Amalie (umarmt Tieteler)- Adieu, grausam * en d). Ist das nicht mein Rock? 
Lieutenant (bei SeiteJ. Wie sie *ch m * c |? r °nkel. 

Heuler (weint). Adje» arme Jöre. Sei Jcttliches Mächen! 

morjen komm* ick nach. ^ **uhig. Hanne ist ja bei dich un 

Oertel (gibt JtmaUen den Jtrm und 

wenn Sie aber auch was durchsetzen Wo il * r die Adieu, Herr Onkel — 

Heuler (geschmeichelt)- Nlch wahr? tn ‘— 

Muselmann {wie oben)- Ist das nicj^ * setz* ick et durch. 

Amalie (zu diesem )- Adieu, Herr Perröcke? 

Ouselmann (bei Seite)- Ich glaube, ^ s *Or Duselmann. 
oben.) Es ist meine Perrückc mit d eitv e »nacht sich noch über mich lustig. (Wie 
Amalie. Adieu, Herr Lieutenant! e>xö nen Zopfe. 

Lieutenant (bei Seite)- Wieder e| n 

Heuler. Fort, Kinder, fort! Ad| tl glücklich je macht! (Drängt sie 

»*cA der Thür.) , \ Mor Jn komm’ ick nach. (Dräng 

Alle. Adicul Adieu 1 ( Oertel 


Zws 


Heuler. Lj » 


**nne ab.) 


Gensd'arm. 

blick. 


Duselmann, neu.er. Scene- 

Duselmann (bat sich Oer tat n«, Schut*«»* . 

dieser zur Thür hinaus gebt, dxe , ifit ihm im Augen 

Duselmann (schwingt d,e Per^ »heben und 

kommt an’s Licht. 

Heuler. Er is toll. 


Lieutenant. Was hat er den* 
Gensd’arm. Allons, marsch je t V* 
Schutzmann. Uf de Polizei. * * 


*'*t~(~ v '>Hcben una 

■^ e \ e ab), , i rj|e Wahrheit 

V Jo w„ mph zl JO tnumphtl Dtc 


Nieder? 


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PEINHOLD SOLGER. DER REICHSTAGSPROFESSOR. i8jo. 
1 . 

Duiclmann (nimmt die Schlafmülze ab und setxt ncb dte Verrücke auf). Ah! 
das dachtest du wohl nicht, du schamloser Stegreif! (Drapirt sich antik.) Bin ich 
jetzt Duselmann oder bin ich es nicht? 

Schutzmann- Ach, ja woll, nu in de Perricke kenn ick em ja wieder; des is 
ja der Professor Duselmann, der liederliche Jotha'sche Reichsvajabunde, der alle 
5 Minuten arretirt is. 

Alle. Duselmann 1 

Lieutenant. 1 versteht sich, jetzt in der Perrücke kenn ich ihn auch. Der Kerl, 
der sich jestem Morjcn jejcn mich widersetzte. 

Gensd'arm. 1 , Herr Jeminiken, ja, den ick so jepriejelt habe, der hieß ja Dusel- 
mann, jetzt er inner ick nur erst in de Perricke. 

Heuler. 1 , des wlre ja janz — anarchisch. Denn sind also zwee Duselmänner — 
Duselmann ( groß ). Es gibt nur Einen Duselmann. 

Schutzmann. Der hat Den seine Perricke jestohlen. Des is mich hechst zwei- 
deitrig. 

Lieutnant. 'Wem jehört dieser Rock? Des is jetzt die Hauptsache. 
Duselmann (zieht OerteXs 1 {ock an, der ihm durchaus nicht paßt). Ich appdlire 
an den gesunden Sinn der Bcvölkeruhg, ob diese Daperie für einen Reichspro¬ 
fessor typisch ist? 

Gensd’arm. Denn is der, der mit des Freilein abjerutscht is, Ertel. 

A 41 e. Et is Erteil Et is Erteil 

Duselmann. Die Wahrheit feiert in diesem Augenblick einen Ungeheuern Triumph. 
Heuler (uHltbeud). Erteil der Republikaner! der Kommunist 1 der Meuchel¬ 
mörder! Gensd'arm, hundert Thaler, wenn s’en mich wiederbringen. Dodt oder 
lebendig 1 

Lieutenant. Raschl Ich jebe Ihnen noch zwei Jroschen dazu. 

Gensd'arm. Zu Befehl, Herr Leutnant. (~Xb.) 

Einundzwanzigste Scene. 

Heuler. Lieutenant. Duselmann. Schutzmann. 

Heuler. O, ich alter Esel! (Setzt sich erschöpft.) 

Schutzmann. Ja. 

Lieutenant (bei Seite). Vielleicht entschließe ich mich-poch, sie zu heirathen. 
Schutzmann (hättDusetmann, der sich fortzuschleichen sucht, am Warten 

Se mal en Bisken, Sie dal 

Dusel mann. Was wollen Sie noch von mir? 

Heuler. Halten Sen fest! Er ist an allens Schuld. 

Dusel mann. Ist Euer Blutdurst noch nicht gesättigt? 

Schutzmann. Erst kommen Se mal noch mit uf de Polizei und denn wollen 
wir unsem Blutdurst settijen. 


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CORNELL UNiVERSITY 



R EJ NHOLD 


S ° L G E R. 


DER 


£5iS«STAGsp 


ÄOFBSSO 


R- 18 


Ki'rpCjrr , ,ck ** *»*«•» Ne . — 

brenn« mich als Hexe* " ’ asse "»‘ch Vo „ Afc,n » — 

T‘^ - 

H.ul.r, w „ rum „S "•' *» " "T 

««l*r. Warum hut du m «f« M ® * du mich” * ”" 4 '*”)• «™ «r ru„ t „, 
Lru.naa, (mV*/ mir <Um „l* 1 * *<*.p OI , ’ * r ' 

uaelmaan. Herr Lieutenant, w. ru *’’ en ' 

Um du H.l„,h, *>»be„ ^ « gleich runter] 

chutzmann (wirft ihm eine Schliß ed * n ken - * C d,esc Pique «uf mich? 

OuseJmann. Halt« still, Schutzm*.? ** de n £ '^«’ben, alter Sünder. 
f eutcnant. Willst du dem jettllcu * ic h Ziehst de, wie de bist! 

uselmann {indem er allmählich hm *** Mfc C h C ** 8cbon * 

dcm göttlichen Mädchen. So laß dock^^ ** cnt8a S«"* 
sa g c ja allem, was Sic wollen, ich ei*t w * r< *)» Allem, allem! Ich entsage 

■? me inen Diäten, icH entsage a!Je n <j e * ,nc V€r ^ ucbtc Schlinge — ich ent¬ 

gehen Einheiten, der deutschen Kunst ^ c Ud e deutschen Erbkaiserthum, ich ent- 
c dlichkeit, der deutschen Keuschh^* ^ cs Lebens, ich entsage allen dcut- 

e * crbc hst allen bürgerlichen, politi Sc j** j ,a «enschaft, der deutschen Treue und 
n ^ r das Mögliche anstreben — (<*uf ^ Cn * sa g c allen Tugenden, ich entsage 

m, t Ihrer verfluchten, richtig, verst < ^ ,%e ® ^ Menschenrechten — man muß immer 
Lieutenant. Ihre aufrichtige deutend) — aber bleiben Sic mir 

as *cn. Versprechen Sic mir, den h» Freiheit da vom Halse. 

r °th-joldcne Jejenwart zu beleidig *^***mt mich, Jnade vor Recht erjehn zu 

® u *elmann. Ich verspreche Ali^**' ^ J ^Schmack nie wieder mit Ihre schwarz- 

5SCn * wie einen Sarg, wenn $i e j # 


lass 


mich «1— - -'l 6 "r^H: 


w 4 , 

’ Will mich 5Cnw*»<- -- 

n * Ich will ja durchaus nur das Mögliche 


* nst reben. 

Lieutenant. Sie sollen gar n| c . 

^uselmann. Gut, so strebe 
L 'eutenant. Schutzmann, So ^^*'st r «b en 

Heuler. Ja, aber warten Se * hf c j, t ’ 

wit des verworfene Subjekt, niei n S| e atl f die Eisenbahn transportiren. 

Lieutenant. Wenn ich nicht ^ C r ^ £ nn „ach dies« nöchtliche Affäre 

* ,hre " Befehl dem vor S*Wic|^ **<^*le heimthenl . nur 

^ » daß Fräulein Amalie mich liebte « n 




e*sor — 


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REINHOLD SOLGER. DER REICH STAGSPROFESSOR. 1850. 

..... w> » 

Zweiundzwanzigste Scene. 

Die Vorigen. Oertel. Amalie. Hanne. Gensd'arro. Ein PoJizciJcommistir. 
Gensd’arra. Jlicklich attrapirt. 

Lieutenant. Mein Freilesn, ich bin zu jlicklich« daß ich Sie aus den Hlnden 

eines — _ 

Heuler. Ha. du! Herr Leitnant, ick fordre jetzt Jcrcchtigkeit als Rentier 

Onkel und Mensch. 

Dusel mann. Man vollziehe die richtig verstandene Freiheit in ihrer ganzen 
Strenge an ihm. 

Polizeikommissär (zu Vuselmann). Sie sind Herr Oertel? 

Duselmann. Ich Oertel? Bedienen Sie sich doch wo möglich anständigerer 
Ausdrücke. Ich bin der berühmte Professor Duselmann. 

Oertel. Oertel bin ich. 

Heuler (drohend). Hu! du! 

Polizei ko mmissar. Das ist gut, es gilt Ihnen beiden. Der Staatsanwalt — 
Heuler. Schutzmann. Gensd'arm. Aha! Die Kuhhaut is schon anjespannt. 
Amalie. O gerechter Himmel, mein Gustav. ( 7 fängt sich an Oerfel.) 
Lieutenant. Ah! — Sie hat mich nie jeliebt. 

Heuler. Wat? dein Justav! — O, ich alter Esel! 

Schutzmann. Ja. 

Dusel mann. Alles war abgekartet. Jetzt begreif* ich. 

Heuler. Aliens abjekartet — o, ich alter Esel. 

Polizeikommissär. Meine Herren, werden Sic mich zu Worte kommen lassen? 
Der Staatsanwalt gibt die Verfolgung gegen Herrn Oertel auf, womit zugleich 
die Weisung verbunden ist, augenblicklich Berlin zu verlassen. 

Alle. Gibt die Verfolgung auf! (Oerfel und Amalie umarmen steh.) 
Polizeikommissär. Was Herrn Professor Duselmann betrifft, welcher sich 
hier seit zwei Tagen zu hochvcrrätherisehen Zwecken aufhält, so ist der Herr 
Polizeipräsident der Ansicht, es müssen diese Wölfe in Schafskleidern, die seit 
zwei Jahren umgehen und sich gegenseitig die edelsten deutschen Männer nennen, 
erkannt werden, als das, was sie sind. 

Heuler. Er muß mit Jliehenden Zangen jekniffen werden. 

Polizei ko mmissar. Um dem preußischen Volke zu zeigen, worauf Ihre ganze 
Herrlichkeit beruht, wird man Sie morgen der Perrücke und des Zopfes ent¬ 
kleiden und Sie so in Ihrer natürlichen Nichtigkeit durch die belebtesten Straßen 
der Stadt auf die Eisenbahn bringen. 

Duselmann ( vernichtet ). Ich trete vom politischen Schauplatz zurück, ich habe 
mich abgenutzt. 

Heuler. Un wer heirathet nu meine Male? 

Lieutenant. Objleich ich mir nicht mehr schmeicheln darf, jene Jefihle — 

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REINHOLD S O L Q E R. DER 


R El CH 


>2 ^yiAJiiimiwwiiyirim>vvx^rvwtrtryvvwww n 


SXAGSPROFBSSOR. 


Oertel. Herr Heuler, lassen Sie Vernunft- ».i, , . 

majorenn - *"* ,ich red *". FrluJe/n Anudle i.t 

Heuler. Noch nick. (Es schlägt xutOtf Tlhr ) 

Hanne. Hurrah, et schilgt zwelf. ManueBke 
Heuler. Male, du willst dir jejen deinen oll” , * m *i orenn - 
Amalic. Lieber Onkel, es hat zwölf — - - *** ° n * d 


majorenniairen ? 


gemacht, ich kann sie nickt zurQckatellen, We * S f"' D ' C Zcit mich m «i«>renn 

Oertel. Und mit ikr fahren wir doch *«1«*^ j *“f h woMte * 

lT>tr Vcru * die B ««rt heim. 

(Der Vorhang ) 



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. HISTORISCH-MEDIZINISCH ES QUELLEN WERK 

♦ 


EIN HJSTOR1SCH-MED1ZIN1 CHES*QUELLEN¬ 
DER K DES ACHTZEHNTEN JAHRHUNDERTS. 

Ältere fachwissenschaftliche Werke pflegen In den Bibliophilen- 
bibliotheken meistens nicht oder nur aus Süßeren Gründen ver¬ 
treten zu sein, das heißt deshalb, weil ihre Bachgestalt oder die be¬ 
sonderen Eigenschaften eines Exemplares sie dem Sammler besitzens- 
wert erscheinen ließen. Aber auch die neuere Fachwissenschaft kommt, 
wenn es sich nicht gerade um Spezialbibliotheken handelt, gegenüber 
der hauptsächlich schönwissenschaftlichen Richtung der Mehrzahl aller 
modernen Liebhaberbüchereien nicht zu der ihr in einer nach Abrun¬ 
dung suchenden Privatbibliothek gebührenden Geltung. Darüber, als 
über eine grundsätzliche Frage der Bttcherwahl, läßt sich manches Für 
und Wider erörtern. Soweit indessen altere Werke fachwissenschaft¬ 
licher Art für die Aufnahme in eine Büchersammlung in Betracht gezogen 
werden sollen, können die Regeln, die F. A. Ebert in der Voranzeige j 
seines Bibliographischen Lexikons begründete, um die Bücher festzustellen, : 

die allgemein geschätzt und gesucht würden, auch heute noch maßgebend 
sein. Nach ihm gehörten bei einer Beschränkung auf das allgemein Interes¬ 
sante zu solchen Büchern, von den eigentlichen Fakultätswissenschaften I 
(deren Literatur dem Wesen dieser Wissenschaften zufolge größten- | 
teils ein bloß lokales, temporelles, individuelles und eben daher wandel- j 
bares Interesse und Wert hat) die Quellen dieser Wissenschaften (Aus¬ 
gaben der Bibel, Kirchenväter, Rechtsbüchcr usw.) nebst den gesuchtesten 
Auslegungen derselben; die wichtigsten Werke aus den historischen ' 


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CORNELL UNfVERSnT 









Teilen dieser Wissenschaften; diejenio c xw- 

t |, n * 4» ^ * JCC 


Teilen dieser 'Wissenschaften, welch 


denselben 


aus den dogmatischen 


geben haben und daher für die Geschichte d nCUC ge- 

sind; diejenigen ‘Werke, welche »Ich c j ( , er,e lben wichtig geworden 
und verbürgte Seltenheit oder andere P* ° Kostbarkeit, anerkannte 
An) empfehlen. Immerhin gibt ea n ' 8enad,afte " (bibliographischer 
Klassikern der Wissenschaften, „eben de - Ha “P' < I ue,,ö, « ,CTfc *" und 
tischen Teilen der Wissenschaften a nBeh " , ' n ' 8 ' n Verfc '"’ die den hi5W - 
Seltenhelten Im bibliographischen Si nn . “nd 

»Itet« Werke, die sich trotzdem ein „ auch ” och al " und «*■ 

bewahrt haben: Jene fleiblgcn gelehrte'''’ 8 '"' G ‘*'" wamb * d '"“”g 
Qelehnengenerationen eine Fu„ d di « «* '*"8* 

Sachen waren, die in Hinsich, auf « von Nachweisungen und Tat- 
.. . _ könne»» e ersteren das Durchsuchen vieler 

. 1 . Beispiele vergangenen Leben, J’' h Hi " 5i ‘ h ' *' 

sind. Zu den Büchern dieser Q„ °* hohem kulturhistorischen Wen 

bekannten, obschon keines^ ^ 8 ehütcn auebdiejetn = 

“TrjZJ? ITSTr* CXT» h—“ , 

Martin ScHurig, « ° l n ^ „ n j 1735 als 

Dresdner Physikus gestorbe* ^rf*,, A«< Wein „en Schriften 

tut Heilkunde eine mcdit,«^^ »tsat auber em'g W|ltcrhwe n, die 
hauptsächlich Öcbletc der Q yn^^ c ^ V '»ogtaphi* n ^ jiwiBCTJch , ft 
handeln, fleißige Sammlung* lo gie und der zusa mmen- 

stellten; was seine Vorgänge «U* sehr vieles von dem ^ 

stände an Meinungen und ** die V on > hm c _ tsachen Über¬ 
liefert haben. Die Kritik, rnj* Dingen aUC * n Jcht allzu 

streng und so könnte eine** jW er dab ei verfuhr, war ^ 

Selten, von denen hier di e *^Ü C h tigeren Betrachter der ^ 

weckt werden, sie seien ein e 5 _ ^d e Sein 30 j/, leicht die M« J . 


Seiten, von denen mer ai e ] 
weckt werden, sie ^en cin « j 


^de 


den Bücherwürmern zu 


flb« r,a 


ssendc 


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H 1 STO RISCH-MEDIZI NI SC H BS Q UELLENVERK 


Gewaltleistung in dem höheren Kuriositätenstil akademischer barocker 
Schriftstellerei. Aber eine solche Meinung wlre irrtümlich. Die ärzt¬ 
lichen Kenntnisse Schurigs, der nicht zu den großen Bahnbrechern 
der Heilkunde und Heilkunst gehörte, mögen, an den Maßstäben der 
modernen Medizin gemessen, gering, gewesen sein, seine Absichten 
und Ahnungen, um hier nicht schon von Erkenntnissen reden zu wollen, 
waren cs nicht und sein methodisch-systematisches Verfahren hat ihn 
jedenfalls zu einem Vorkämpfer der Anthropologie in jenem weitercnSiiuie 
werden lassen, den erst die letzten Jahrzehnte diesem Wissenszweige 
gegeben haben. Die Arbeiten Schurigs haben ihren anerkannten Platz 
in der Geschichte der ärztlichen Wissenschaften und ihre fachwissen¬ 
schaftliche Bedeutung kann und soll in dieser, kurzen Nachricht von 
seinem Lebenswerke nicht erörtert werden. Wohl aber muß ausdrück¬ 
lich die sorgfältige Art gelobt werden, mit der der Dresdner Physikus 
seinen gewaltigen Stoff in den gewichtigen zehn Bänden untergebracht 
hat. Das, was sie auch den späteren Benutzern, die sich nicht mehr mit 
den Ergebnissen ihrer Untersuchungen beschäftigen, so wertvoll macht, 
ist ihre reichhaltige Kasuistik, ihr (im guten Sinne des Wortes ver¬ 
standen) Anekdotenschatz, ihre Beispielsammlung. Die Anführungen, 
die Schurig gibt, werden in der Sprache und mit den eigenen Worten 
seiner Quelle wiedergegeben, er zitiert, wenn er sich auf irgendeine 
fremde Autorität beruft, genau. Ebenso zuverlässig sind die Inhalts¬ 
verzeichnisse, der Syllabus Autorum und der Index Rerum gearbeitet, 
kurz, er hat alles getan, was den Gebrauch seiner Handbücher für 
wissenschaftliche Zwecke erleichtern kann. Nach der gelehrten Ge¬ 
wohnheit seiner Zeit bediente sich Schurig langatmiger Titel, um den 
Stoffreichtum seiner Bücher hervorzuheben, weshalb hier nur der erste 
Band der Reihe mit seinem ganzen Titel angeführt werden soll: Sper- 
matologia Historico-Medica, h. e. Seminis Humani Consi- 

84 


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CORNELL UNfVERSSTT 












deratio Physico-A\edico-Le gaJ| 
insimuJquc Opus Generationis e *' qUa E i“* Natur, 
pertinentia, v. g. De Castra* j 0n aria de Coitu ah 
Circumcisione, Recutitione, Sc j * 1 ?' ** emi <>tomia, 

aphroditis & Scxum mutantlbus" * Eu * ati °ne, item 13 
tionibus, annexo 1 ndice locupi ctj ’ aris & seiectis C 
tlno Schuriglo, Physico Dre«d Ss,n *o, traduntur, k i 
Sumptibus Johannis Beckii : w *** ^* ranc ofurti ad M 
8 Seiten Titel und "Vorrede und gg (721 Seiten 4 

Verbesserungen.) Diesem Quartanten Cl * Cn JnhaJtsyerzeichnij 
SialoJogia Historico- Medi Ca ^ Te *hten sich die folgenc 
sideratio... Dresdae, Suntp^^ * Salivac Humanae 
Seiten, außerdem 4.1 Seiten Titel, V 0f ^ '** Haered. Miethii 172 
Medica h. e. Chylf Humanj ^ u *w.);Chylologia Histc 
Consideratio ... Dresdae, Sw^, *' Ve Succi Hominis Nui 
m anni & Joh. Nicolai ® e rla c j t .. 1 “UsJoh. Christoph. Zimi 
außer56Seiten Xitel, Vorreden' *• Anno MDCCXXV(911 S« 

hoc est Partium Genitafj^ *'* ^VuliebriaHistorico-Med 
Dresdae 8 c Lipsiae, apu^j *Aulicbrium Consideratio 

MDCCXX 1 X. (38^ Seiten ^ stophori Hekelü B. Filiu 

Parthenologia H i »torico^j^ ** Seiten Titel, Vorreden usw 

»•deratio_ Dresdae & ^<*1 Ca hoc est, Virginitatis C01 

B.PiliumJVlDCCXXIX(3 8 ^’ u d Christophori Hckel 
vDynaecologi* H i stor,c Osj^außer40Seiten'Titel,Vorredeusw. 
hris Consideratio... Dr«.^ V,fc Gl Ca hoC e st Congressus Mulie* 

Hekeliana MDCCXXX !*** ln Officina Liberia 

usw 0 ; Syllepsilogia Hist^~ ^«iten außer ** Seiten Titel, Vorrede 

Muliebri» Consideratio ^ * ^°~Medica hoc est Conc«P tion,s 

B-Christoph-Heke/üFilA^ ' £>r es dae & Lipsiae, Sum[pJ tibuS 

C c Cxxxi (656 Seiten außer ? 4 feiten 

Sc 


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HISTORISCH-MEDIZINISCHES quellen werk 

-j'jtel, Vorwort usw.); Embryologia Historico-M.edica hoc est 
] nfantis Humani Consideratio ... Dresdae 6c Lipsiae apud 
Christoph. Hekelii B. Filium, A 1 DCCXXXJ 1 . (920 Seiten außer 
35 Seiten Titel, Vorrede usw.); Haematologia Historico-Mcdicr, 
hoc est Sanguinis Consideratio . . . Dresdae 6c Lipsiae apud 
Fridericum Hekel, MDCCXL 1 V (408 Seiten außer 22 Seiten 
Titel, Vorrede usw.); Lithologia H i storico-Medicahoc est Calculi 
H umani Consideratio ... Dresdae &. Lipsiae apud Fridericum 
Hekel MDCCXL1V. (850 Seiten außer 36 Seiten Titel, Vor¬ 
rede usw.) 


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A n 2 E i ^ 

1 G H N 

Die Buchkunst Gutenbergs u 

leitenden Versuch über die Schöffers. Mit einem ein- 

von Paul Gottschalk. Berlin, q q ,c klung der Buchkunst 
Katalog der Inkunabeln der |r 1 9 1 8. 15S., i6Bl.g r . 2 o^ 

Teil]. Von Isak Collijn. St© ckK ^ * Bib,iothefc Stockholm. 
329 (332) S. 80 . 'Teil 1 . Tafel n , M CMXIV. XXXI (XXXII). 

8. 88 (90) S. J # ; Teil II: Hef, j 1 5 °* Stockholm: MCMXIV. 

Der Direktor der Königlichen Bi blio * St °ckholm: MCMXYI. 
Schwedens Herr I. Collijn setzt di« in Stockholm und Reichsbibliothekar 

t«re der großen schwedischen Büch^ * Ihn» unternommenen Inkunabeln-Inven- 
110 °] Wiegendrucke der Stockholm _ r *' r nlungen mit dem Verzeichnis der [rund 
verdient die besondere Aufmerks*^. *^**0 glichen Bibliothek fort. Sein Werk 

Collijn seit langem als Autorität d« r U der deutschen Buchfreunde, denen Herr 
« in deutscher Sprache bearbeit«,. . 1 ^^riabelnforschung wohl bekannt ist. weil 

'ich gemacht ist als manchem *ch w J^d« #omit ihne „ noch leichter zugäng- 

thoden haben von jeher dazu gen«j_, ,s ch eri n Die bibliographischen Me- 

«m ihre weitere Benutzbarkeit di« a ® Tun« bibliographischer Hilfswerke, 

«chränken und das ist auch der * Ä Sprachen z« be¬ 

hüte gekommen. Da. Fran«^***,^'«. «J^bibliographischen Terminologie 
*1* Bibliographensprache, lange «-*^H« ^ aftl,C ^ e DiSomatensprache, so auch 

freilich auch die verbreiteten h«^n «• ^ ^ang gehabt, den ihr jetzt 

biographischen Veröffentlichung gestrittenen 1 ^ md englischen bi- 

machen Wenn daher der angez«, Sünden *«" er £ „ jch weit weniger, streihg 

*0 liegt darin eine Anerkennung«*^ deutsch«* g hc bearbeitet wird. 

Inkunabelnbibliographie, deren *°® in de«*«* Bedeutung der deutschen 

nach, vermehrt. ® Mit der , n|«^^^ a; 2^** s enschaftl>c h seJb$ , se j n er Sprache 

mit der Münchener StaatsbibJi^^x^ chnet,. Leistung M ^ euntl oder gar 

»ch nicht vergleichen, obscho n k^^e iockholmer an UiJ«^ 

- «rater, die ausländischen Wieg«* ,< * rü 


r 


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Original fro-m 

CORNELL UNIVtRSITY 




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handelnder Katalogband immerhin die stattliche Zahl von 1122 Inkunabeln ver¬ 
zeichnet. Aber auch sie besitzt, abgesehen von den schwedischen Wiegendrucken, 
Kostbarkeiten, um die. sie die reichsten BQchersammlungen der Welt beneiden 
müssen wie um das Prunkstück der Hypnerotomachia Poliphili im Grolierbsndc. 
p c r Tatsache, daß in der Stockholmer Sammlung sich neben den allgemeiner be¬ 
kannten Drucken auch große Seltenheiten befinden, hat der erste Band des Ks- 
talogts in geschickter, vorbildlicher 'Weise dadurch Rechnung getragen, daß er 
jene nur kurz, diese aber aufs ausführlichste beschreibt. So ist Platz geschaffen 
■worden, um an die Stelle überflüssiger Wiederholungen nützlichere Angaben zu 
setzen und zu jeder Nummer Verweisungen in großer Vollstßndigkeit auf die 
vorhandene, sie betreffende Inkunabelnliteratur einschließlich der Reproduktionen 
zu geben. Und vor allen Dingen kommt in dem Stockholmer Inkunabelnkatalog 
neben dem buchgewerblichen auch das litcraturwissenschaftliche Element der In¬ 
kunabelnforschung zu Recht in den Angaben über die Verfasser und ihre Werke. 
Das ist nicht unwesentlich. Denn sehr lange hat man über den druckgeschicht¬ 
lichen Problemen» der Inkunabelnkunde ihre schrifttumsgeschichtlichen etwas ver- 
nachlässig*» wenigstens in der Spezialliteratur. Es ist ein anregendes Vergnügen, 
in dem stattlichen Bande zu bUttem, überall spendet er Belehrung. Von der 
Vorred* an, die als eine Geschichte der Stockholmer Inkunabelnsammlung 
zugleich' ein bemerkenswerter Beitrag zur Bibliophiliegeschichte ist. der auch 
des verdienstvollen Gönners der Sammlung, Dr. O. Smith, nicht vergißt, bis zu den 
drei ausführlichen und sorgsamen Registern, deren drittes, das Provenienzver¬ 
zeichnis, die Vorrede zweckentsprechend ergSnzt. « Eingeschaltete Bildtafeln 
bieten dabei willkommene Ruhepunkte, wie denn überhaupt die Anordnung und 
Ausstattung des Werke, sich gegenseitig auf, glücklichste erglnzen - auch hier 
dank der Beihilfe des eben erwShnten Donator, _ ,0 daß der Katalog den Ver¬ 
gleich mit verwandten amerikanischen Prachtwerken nicht zu scheuen bmucht. Ein 
Aufwand, der nicht ganz gleichgültig für den Benutzer ist. Denn mag man» was 

•*?” . ,0 " hervorgehoben worden I«. «In blbllo- 

f"V Ehmen« m d e, Mwwmd^Beho, Beteiligung mh den Wiegen- 
drudeen fin de, wollen oder mehr, d.e ß . ? £ linder em, 

freudigere Verwendung, wenn echSne, Buch i«. Zn .eine Abrichter 

durch den I^uekm uelre chruir, unter.«!«,,. ew.ekm«fi,g unter««« werden. (Und 
dann liegt auch ein Hinweis auf die Vcrk;^ s , - . . . 

Buchgertaltung, der an dieser Stelle nur vo " ^Arbeitspsychologie und 

-I v gedeutet werden kann.] Jedenfalls hat 

KntUog. meh, rum wenig««, durch m.Eh,l,e„de, ZweckbewuBrtdn. «in«, 
Bearbeitung und Drucklegung nach eine .. . 

fasser allerdings wohl kaum gedacht haben dürft Spönnen, an le sein er 
k.telog i« nimllch euegezdehne, d,„. !?? . D “ Stockholm., Inkun.bdn- 

theken, ln denen Ütere Drucke, nicht nur bic r ’ ®** ,tzern von nv ** ,0 ‘ 

drucke, reicher «men elnd, eum Bd.p,." J** ^ 

P el «ci eigenen Bücherverzeichnisses zu 


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CORNELL UNIVERSUM 



dienen. Denn das ist wohl sicher: so wertv II 
richtiger Stelle sind, beschränken sie sich bloß *“ c *' * usfii *'rliche Aufnahmen an 
denen Bibliographien, dann erschöpfen sie vi II ^Verholungen der vorhan- 
bare Arbeitskraft und A'littcJ, schrecken «für - * anc * crswo nützlicher verwert- 
der sonst wohl möglichen Drucklegung ab^ß- , ^ iren überflüssigen Umfang von 
reicherung des Kataloges ist sein Tafel band* d * nC ^ eson ^ ers zu begrüßende Be¬ 
ist wie seine Auswahl — der erste vorl| e <y e . eS *^ n Ausführung ebenso gediegen 
unter eine Probeseite des in Treviso von h” C ei ^ 150 Abbildungen, dar T 
Terentius mit prächtiger in Farben und Gold™ 1 *" 11 Lichtenstcin *477 gedruckten 
lediglich der Wiegen druck Forschung zu Äut 8 e höhfe Initiale — und der nicht 
buchgewerblicher und buchkünstlerischer H* - kommen wird; cr b,rttt *«ch in 
die Vorarbeiten der Gesellschaft für Ty pen j! nS,cht v, ’ e, ■ B *« seiner Herstellung sind 

Herr Collijn gehört, verwertet worden __ y nde » zu deren führenden Mitgliedern 

Erwähnung findet, weil eine ähnliche B^n* Umstand « der deshalb ausdrückliche 
nicht überall, wo sie ebenfalls leicht mö Jl? l *cksichtigung des vorhandenen leider 
läge des zweiten, den schwedischen Wie ’ Cl ' Sein wör de, stattfindet. « Die An- 
bisher die erste Lieferung veröflFentli c | l ^‘ en< ^ ru<dcen bestimmten Bandes, von dem 
weitert, daß er zu einer Geschichte d ^urde, ist dadurch sehr gründlich en- 
gewesenen Frühdruckeeit Schwedens * nit der norddeutschen eng verbunden 

Beschreibung der hierher gehörigen Us 8«staltet wurde, in deren Rahmen die 
des Kataloges, auf dem nach seinen* l n . *8«i\drucke erscheint. So ist derjenige Teil 
größten Wert legen werden, eine * * *Uch die nichtschwedischen Benutzer den 

worden, wie sie im Katalog ger^^rtlche schwedische Inkunabelnkunde ge- 
es sich um wenige Werke und n „r in diesem Ausnahmefalle, m dem 

notwendig war, weil es bisher handelt, möglich aber deah *"* *“ 

zul 'oßen Teil den Unter, uch *me r die neue sten Forschungsergebnnse.^e 

berücksichtigenden schwedische^ de s Herrn Collijn **^ S * VC Auch die Ein¬ 
teilung des zweiten an es »n d« n _S«ndruckge« c h' c h te * Monographien 

ergab sich sinngemäß aus S«ti n n *«Wn Druckern gewi Abteilung 

behandelt den -1- *** jener- Die ^f^^nen skandi- 

navischen Prototypograph * »Seht als Nied«und Wanderdrucker 

ein ihn weder geschäftlich 1 * 0 ^ d er ab Buchbinder hatte und 

seinen Ruhm allein ^*1”, ™ St * n <4 ^^er’blich empo rfül ' r * ndc * jn Odense das 

erste dänische und im folgenden j et im J ah « \ 4 J ruC kth«t.Au^ 

gehend von den vorhan d en H^ *^%JZ**^ hcr _ 

gestelltcn Drucken Snd«, j rC | 1483^484 ,n vcr a 1 ichcn 

finden sollen, Druckschrift un<* > e Xt * ^ jtn Atlasbande « ,n * ^ r , Sut emd 

veranschaulichen, wir *t», Si e usW - die Ausführung Gegen¬ 
drücke in irgendeiner Bezl^^J^^ gn ^ abe t die schwedi»«* " d dim j t 

«ine sehr reichhaltige kasuish,^^ «estelfte Frag«" beantworten k* nr V der ln- 

T akt; S ch e Einführung in die Metho 


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. . 


kunabelnforschung geboten. Der Betrieb der von Snell geführten Buchdruckereien 
kann eich ja freilich nicht mit dem der berühmten Werkstätten seiner Zeit ver¬ 
gleichen. Dafür ist er um so bezeichnender für die Arbeit der Wanderdrucker, 
bei denen sich bisweilen Abenteurertum und Bürgerlichkeit seltsam verbanden. 
Wer eine leichtbeschwingte Phantasie hat, dem werden sich die Katalogsciten, die 
in konzentrierter Form die Ergebnisse langer und mühevoller Forschungen ver¬ 
mitteln, immer wieder zu lebensvollen Bildern aus der Geschichte der Wiegen¬ 
druckzelt erweitern. Und mehr kann sich ein Katalogleser kaum wünschen, als 
die wissenschaftliche Zuverlässigkeit, die ihren Stoff, seiner scheinbar trockensten 
Yerarbeitungsweisc zum Trotz, in buntester Vielgestaltigkeit erscheinen lißt. 


Kungl. Bibliotekets Handlingar. Bilagor Ny Följd i. [Ma¬ 
nuale llpsalense. Utg. efter det nyrekonstruerade Exem- 
plaret i kungl. Biblioteket.] Uppsala, Almquist & Wiksell’s 
Boktryckeri A. B.: 1918. Ylll (Xll), XXXVJ, 128 S. 8°. 

Bibliographische Rekonstruktionen gehören zu den reizvollsten Aufgaben der 
Buchforschung. Ist doch die Entdeckung eines Exemplarcs aus Fragmenten, die 
bibliographische und tatslchliche Wiederherstellung eines verloren geglaubten 
Druckwerkes, die praktische Probe auf dem Exempel der Theorien. Allerdings, 
die Gelegenheit zu ihrer Ausführung bietet sich den Büchersammlem weit weniger 
als den Verwaltern öffentlicher Bibliotheken, weil es diesen eher gelingen wird, 
an verschiedenen Stellen, etwa in anderen Öffentlichen Bibliotheken, aufgefundene 
Bruchstücke zu verbinden, wihrend sich der Büchersammler vielleicht mit den 
gelungenen Nachweisungen begnügen muß. ohne aus ihnen das entdeckte Exemplar 
gewinnen zu können. Trotzdem wird der Reichsbibliothekar Schwedens seinen 
Erfolg be. der Zusammenstellung des Manuale Upsalensc, Stockholm: 1+87 
nicht «dlzu besehe en dem Glück allein beizulegen brauchen. Gewiß begün¬ 
stigten • e > n Unternehmen, aber der alte Spruch behilt 

rotzdem sein • « r g hat nur der, der zu suchen versteht. Und solches 
Suchenkönnen ^d.rf »ußer d cr Begabung „ nd Begeisterung für bibliographische 
For.chungen. audi der Beherrschung aller hier notwendigen bibliographischen 

^ *"*«**«' Schrift auch alT auf einen 

W verwiesen werden soll Tic Aw^T^^ 

, j- -h.« Stift atdrurW«, . ,. Aus gsbe des Manuale, des ersten für ein 

rÄ*» vÄsrsÄ'■* aa? 

gebt». Denn es ist jedenfalls leichteT Jnen ‘ '. lnkun>b ^ Sports' dürfte es kaum 

handen ist. zu edieren, als ihn sich’ ej, t d «* en V ° rI *** V ® r ' 

* mit bibliographisch-technischen Hilft-’ 

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CORNELL UNIVERSITY 



ANZEIGE N 


Verlagsartikel von der Logik aio, von dem Ewigen Frieden 680, von dem Streit 
der Fakultäten 1100 und von der Pädagogik 1460 unabgeaetaste Exemplare sich 
auf dem Lager vorfanden. 

„Der letzte Federstrich'* Immanuel Kants. Veröffentlicht 
von Arthur Warda. Königsberg i. Pr., Ferd. Raabe’s Nachf.: 
,919. 4 S. (8°). 

Druck des Protokolls vom so. Dezember 1803, in dem der Philosoph seinem 
Freunde E. A. C. Wasianski Generalvollmacht erteilte, mit Nachbildung der kan- 
tischen Namensunterschrift, der letzten von ihm niedergeschriebenen Worte. 

Der Verlag von Johann Friedrich Hartknoch, Buchhänd¬ 
ler und Verleger. Mitau, 176a—1767. Riga, 1767—1804. Ein 
bibliographischer Versuch von Dr. Arthur Poelchau. Riga, 
Häcker: 1918. 70 S. 8°. 

Das Verzeichnis ist nicht vollständig, wird aber als Vorarbeit zu einem end¬ 
gültigen Katalog der Veröffentlichungen des Klassiker-Verlegers Johann Friedrich 
Hartknoch willkommen sein. 


Leonardo Ulschki. Die Literatur der Technik und der an¬ 
gewandten Wissenschaften vom Mittelalter bis zur Renais¬ 
sance. Heidelberg, Winter: 1919 (19,8) XU, 459 S. 8°. (Olschki, 
Geschichte der neusprachlichen wissenschaftlichen Literatur. Band 1.) 

Statistische Untersuchungen über die Zeitungen Deutsch¬ 
lands 1885—i 9 > 4 - Von Gerhard Muser. Leipzig, Reinicke: 

1918. 173 S. 8 . (Abhandlungen aus dem ] nstitut für Zeitungskunde 
an der Universität Leipzig. 1, ,.) 

English Translations from the Greek. A bibliographical 
survey by Finley Melville Kendall Fester. New York, Co¬ 
lumbia University Press: ,9,8. XXIX, 146 S. 8». (Columbia 
University Studies in English and comparative literature.) 
Prinzessin Brambilla. Ein Capriccio nach Jakob Callot von 

E .T. A. Hoffmann. Mit 8 Kupfern nach Callotschen Original¬ 
blättern. Leipzig, 1 nse,-Verlag: Jv> ^ S . ge. 

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CORNELL UNiVERSHY 








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CORNELL UNfVERSmf 



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kann durch seine Erhaltung und Vollständigkeit das Original, neben diesem auf¬ 
bewahrt, ergänzen und neben ihm gebraucht, das seltene Stück, auch auf Reisen, 
beim Vorzeigen an neugierige Bibliotheksbesucher und bei Shnlichen buchgefShr- 
denden Gelegenheiten schonen. s> Dergleichen Erwlgungen, die sich sehr viel 
weiter ausführen ließen, beweisen, wie schwierig die Frage: Nachbildung oder 
Neudruck, jeweilig zu lösen ist und wie vielerlei Lösungen von Fall zu Fall über¬ 
prüft werden wollen. Mögen daher die gar nicht genug zu verspottenden Lichcr- 
iichkeiten, mit denen gerade in letzter Zeit einige modernen Luxuspublikationen 
auch die mechanische oder typographische Faksimilereproduktion als Buchgt- 
schlftsmittel angewendet haben, denen überlassen bleiben können, denen sie Ver¬ 
gnügen machen, so brauchen deshalb doch die begründeten Angriffe- gegen mi߬ 
lungene oder mißverständliche Nachbildungen, ihren Überfluß und ihre Qber- 
flüssigkcit sich nicht auch noch gegen Bibliophilie und Buchgewerbe überhaupt 
zu wenden. Und nur deshalb, weil auch das des öfteren in letzter Zeit geschehen 
ist, darf auch hier einmal darauf hingewiesen werden, daß weder Bibliophilie 
noch Buchkunst gesetzlich geschützte Bezeichnungen sind, und daß sie jedermann 
so anwenden kann, wie es ihm paßt, ohne daß er deshalb schon die Bibliophilie 
oder die Buchkunst verpflichtet. • Der Insel-Verlag hat in der Wahl und in der 
Art seiner Nachbildungen oder eine Nachbildung erstrebenden Neudrucke fast 
immer sehr viel Geschmack und Kennerschaft bewiesen, so daß es eine reizvolle 
Aufgabe ist, an den Beispielen seiner hierher gehörigen Veröffentlichungen die 
Probleme, die eine mechanische oder typographische Faksimile-Edition stellt, 
prüfend zu vergleichen. Es kommt eben auch bei einer solchen Ausgabe, die für 
den weniger genau Unterrichteten scheinbar überhaupt keine Verschiedenheiten 
zufißt, ganz abgesehen von den technischen Voraussetzungen, auf ein Individu¬ 
alisieren, nicht auf ein Typisieren, an. Die angeregte, lehrreiche Vergleichung an- 
zustellen und au ** u f Qhren ' b,eib « den Buchfreunden überlassen. Die hier¬ 

her gehörigen Yerö ^chungen de« auch ,o vielfach tonangebend gewesenen 
verdienten Verlage, smd ,a weithin bekannt geworden. • D.s interessante Pro¬ 
blem, i«doch mit leistungsfähigeren neuen Mittel«, 

die alte Drucke, getreulM, nicht aber bi, auf ihre 

Fauiwr. zu wiederholen, wird besonder« j. t. 

auf de» Verfasser de. Werkes aurtclc«M "T* SCl "' W ° 

form selbst den Ausdruck seinesWerkes V u einer S*" 2 Stimmten Buch- 

iehnung *«>* Nachfahlen und Nach.ch.fFe,? ^ D * bei k,nB d * BB ** 

. JL Hersteller der Vorlaa. *™ en werden, dem Neudruck erst gelingen. 

Prinzessin Brambill. E. T. A. Hofttam«*^* D« b «»d hundertjährige Buch, die 
gestalt wieder erweckt hat, verdient die 'nf ** lnseI - Ver,a 8 J etzt ln ihrer Ur ' 

futeil gewordene liebevolle Sorgfalt toh t yP°8 r «P hf * ch « n Ze,tnötC 
Erstausgaben Hoffmannscher Schriften hu* * nbe,ine,nde Eigenart, die « ,n *g* 

auf der Kuriosität, daS ihr Urheber a„ ch £“}i durchau * nlcht > edl * ,l ‘* 

n ihr Umschlagzeichner war, sondern vot^ 


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A N Z E 1 G E N 


allem darin, daß er bei «einer buchgewerblichen Arbeit, die ihm immerhin eJnc 
Honorarerh&lvung einbringen mochte, der von ihm geschaffenen Phantasieweit eine 
noch deutlicher« Beziehung zur Wirklichkeit gegeben hat. Und mag es auch 
dilettantische INaivität gewesen sein, (wie manche meinen, ohne daß sie Recht zu 
haben brauche«), die den Kater Murr auf die Einbanddecken des nach ihm be¬ 
kannten Buches zeichnete, die Behäbigkeit biedermeierischer Philistrositit des 
edlen Kater«, hat sein geistiger Vater in vollendeter Weise festgehalten, er, der 
auch von seinem andern Wundertier, dem Meister El oh, das bei der ersten Ver¬ 
öffentlichung «ehr »pikant 4 wirkende Porträt entwarf, mit dessen Zügen der kleine 
Treufreund des Herrn Peregrinus Tyß allen seinen Bewunderern wohlbekannt ist 
und bleiben wird. Wenn Hoff mann der Prinzessin Brambilla, dem unter seinen 
Dichtungen in. vielfacher Hinsicht künstlerisch am Höchsten stehenden Werke, 
keinen eigenen Bilderschmuck gegeben hat, so ist das durch den Untertitel dieses 
Werkes ohne weiteres erklärt: die Callotblätter, deren, freilich eminente, Para¬ 
phrase es ist, gestatten keine andere »Zugabe 4 , wenn die Einheit von Bild und 
Wort nsclvfc gestört werden soll, gehören aber wiederum auch zu der Dichtung, 
als ein aus ihr nicht beliebig herauszulösender Bestandteil. Darin,liegt die be¬ 
sondere Rechtfertigung der Erneuerung des alten Buches, in seiner Urgestalt, die 
so durch geführt worden ist, daß sie denjenigen, die die Urausgabe selbst nicht 
besitzen, «inen erwünschten Ersatz vermittelt, denjenigen aber, die bereits den 
Orig* na ^al><i 1ruc k ihren Bänden cinreihen konnten, trotzdem aus den angedeuteten 
Gründen bisweilen ebenfalls recht willkommen sein wird. Die Ausgabe folgt wort- 
und Wz getreu dem ersten Druck (Breslau: 1811), nach deren Fchlcrverzeichns* 
p^ifehlcr verbessert worden sind. Die alte Art des Erstdruckes ist bis 
bedruckten Pappband getreulich wiedergegeben, doch nicht in allen gc- 
^ingtügi gen Kleinigkeiten kunstlos wiederholt worden, da sonst einige Vorzüge 
er Reuausgabe, zum Beispiel das bessere Papier, sich nicht hätten gewinnen 
»säen* Insbesondere erscheinen die Callotreproduktionen »eit 1821 zum erstenmal 
so * w ie sie in dem Hoffmannschen Buche stehen. Allerdings, die alte Aus- 
War unbeschnitten in ihrem Pappbande veröffentlicht worden, die Neuaus- 
^ e bat einen Farbschnitt erhalten und damit eine, nicht erhebliche, Fbrmatver- 
e ***erung erfahren. Eine Geringfügigkeit, die neben den Verdiensten des Neu- 
TUc b nicht in Betracht kommt, die aber die Einbandherstellung; sofern das Buch 
Cln dauerhafteres, schönes Gewand erhalten soll, erschwert. 

ANFRAGEN UND AN T. WORTEN 

10. Die Handschrift Napoleons 1 . ist nicht gerade leserlich, in ver¬ 
schiedenen Zeiten wechselnd, weshalb die ganz gelegentlichen Nach¬ 
bildungen eines Schriftstückes seiner Hand-, geschweige denn die 
häufigeren eines Unterschriftzuges nicht ausreichend sind für 

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ANFRAGEN UND ANTWORTEN 


flauere Autogrammuntersuchungen. Gibt es gröBcrc Veröffent¬ 
lichungen Ober die Handschrift Napoleons 1 .? lind wo finden fick 
Nachrichten über Napoleons Randschriften? 

Von selbstindigen Werken über die Handschrift Napoleons sind anzuführen: 
Fac-similes of all the different signatures of the Emperor Napoleon 1 . London, 
W.Tegg & Co.: 1875. [44 S. +*\; Jean Hippolyte Michon, Histoire de NapoKon 
l«t daprts son feriture. Paris, E. Dentu; J. Leouier; Marpon et Flammarlon; 
Bureau de la graphologie. Tours, P. Bouserez: 1879. [XIV. ai6S. ia f mit Hand¬ 
schriftnachbildungen.]; Federico Miradc y Carbonell: Napoleon I y 11 escritura 
seguido de un nuevo sistema obstruccionista en la esfera oficial . .. Barcelona, 
A. J. Bastinos: [1892] [258 S. 8°] — Ober Napoleons Randschriften wird in den 
Abhandlungen über seine Bibliotheken manches mitgeteilt. Antoine Guillois, Lei 
bibliothfeques particuliires de l'empereur Napoldon. Paris, Ledere: 190Ö [*3 S. 
8# aut: Bulletin du bibliophile 1899]; Antoine Guillois, Napoleon. Lhomme.lt 
politique. l orateur D aprbt n correapondancc et tet oeuvret. Pari«, Perrin et 
Cie. 1889. 11 . 8» [Darin, Band 11 S. 548—571 Catalogue de la bibliothique du 
cabinet particulier de S. M. l’empereur et roi aux Tuilcries; S. 588-603 Cata- 

f* Vr ** i* 1 T ' nct de ^* non l • Gustave Mouravit, Napoleon bibliophile. 
Recherchet «pteiale. de ptychologie napoltonienne. Avec documentt inddits. Ptris. 

. * ** # * Au * : Revue biblio-inconographlque 1903, 1904, 

.»05 ): Victor Advidk. 1 . bibllothkquc d« N.pa<on k S.lot.-HaT« P.H., 

* C f'thlTlibrarv # ***. * k® ®®J- [Mit dem Neudruck von: A cata- 

o e 1 0 t c J* te Emperor Napoleon removed from the Island of 

s, Hd. . «hieb ..II b. .old by .uctlon by Mr. Sothby.. . th« ,}«• ol 
lulv 1W3.J J 


July >813.] 

, Wann und wo erschien zu 

Setzung? 


er,t Benjamin Franklins Cicero Ober- 


Gemeint ist wohl: Ciceros Cato M . . . 

Phil»d«1p*w*’ Printed and Sodh Ln ° T h ’* Dl,cour,e of ° ,d 
d«. berühmteste Erzeugnis von BenUm^ « F ” nk,,n: '744- 4°- Der Dn.ck.st 
von amerikanischen Büchersammlern Z h” Fr * nk,ln • Prewe und dc,h * lb b«° ndc ” 
geschrieben, in der er unter Jderem *JT“ 1 " *"* *"? 7. 

fLd M» Cnaracter, that those who iJ d “ W<rk Sel « edruckt: * V g 

(which sddom happens tili their Sioh^ 8 ’" t0 thmk ° n the Sub ? ckt of ° ,d Ag * 
Zy not. in Reading. by the Pai^n ^ ^ 

of the Mind in the least allayed.- Di ” Lettrc * 8 ,ve the E y cs > feel the Plcasure 
eines antiken. Klassikers ist in dessen '“.V”** *" Amerika 8 edruckte ‘ Übersetzung 
Chief justice James Logan. der sie K . VOn FranWin *«•*»« sondern von dem 

ereits 1734 gefertigt hatte. 


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CORNELL UNfVERSm' 









VI 


E. RTELJAHRSSCHR1FT 

FÜR 

ANGEWAN DTE 

BXiCH ER KUNDE 

HERAUSGEGEBEN VON 

G. A. E. B O G ENG 

JJIMiGJmG ZWEI • HBTT DJ{EJ 

1 NH ALT: Ctrl Heinrich Freiher von Gleichen und seine 
Lebenserinnerungen. — Über ein bibliographisches 
Siglen-System II. — Mitteilungen und 
Nachrichten. — Anzeigen. — 

Anfragen und Ant- 




Worten. 


1919 


MAX HARRWITZ VERLAG 

NIKOLASSEE bei BERLIN 


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CORNELL UNiVERSITY 






VIERTELJAHRSSCHRIFT FÜR 
ANGEWANDTE BÜCHERKUNDE 
Herausgegeben von Dr. jur. G. A. E.Bogeng 

Harzburg (Harz) 


Alle Rechte 
einschließlich des 
Übersetzungsrechtes Vorbehalten 
Nachdruck auch im Auszug 
verboten 


BEZUGSPREIS 

J * hr «* n 8 .. jo - 

ANZE 1 GEN-PRE 1 SE 

Ganze Seite. M „ 

Halbe Seite. ™ 5 °- 

Y“"*??« 1 «. 'm£i 

Ach ** 1 S« 1 «.. 


M H VerI * 8 V ° n 

MaxHarrwitz-Nikolassee bei Berlin 

Postscheckkonto Berlin Nr. .413 
Deutsche Bank Berlin Dep.-KasseC 


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CORMELL UNIVERSITY 









FREIHERR VON GLEICHEN UND SEINE LEBENSERINNERUNGEN 


VllWV W IWMWVVWWWlVVVWVVVVI^^ 


CARI^ HEINRICH FREIHERR VON GLEICHEN 
ÄXlxiD SEINE LEBENSERINNERUNGEN. 

Das achtzehnte Jahrhundert hat unter seinen Alerkwürdigkeiten auch 
die Ersehe! rvving des Kosmopoliten hervorgebracht, der besonders oft 
in der glänzenden Hülle des Parisers seine Verwandlungen erlebte. 
Paris, nicVvfc allein die Hauptstadt des französischen Geistes, sondern 
auch der fHranzösischen Moden war der Mittelpunkt, um die sich für 
alle diese^ Hlerren aus verschiedenen Ländern die Erde drehte, aber 
nicht für- alle aus gleichen Gründen. Den Abenteurern, den Cagliostro, 
Casanova, Saint Germain und den vielen, deren Glücksrittertum sich 
mit beseHeideneren Verdiensten begnügen mußte, gab Paris die Hal¬ 
tung Und den Hintergrund ihrer Persönlichkeit, den Ruhm, der sie 
auf ihren europäischen "Wanderfahrten ernährte. Anderen, die nicht wie 
diese lCosmopoIiten der Tat die Gastrollen in der Gesellschaft des 
Hofes von Versailles, sondern den Wohnsitz in seiner Vorstadt Paris 
erstrebten, mag die Konzentrationssphäre französischer Kultur und 
Zivilisation, Paris, mehr als ihre geistige Heimat erschienen sein. Aber 
aUc ^ sie lebten nicht nur in Paris, sondern auch von Paris, wo Ämter 
und. Beschäftigungen ihren Ansprüchen einen besseren Lebensunter- 
gewährten als den, den ihnen die Heimat geben konnte. Man 
nun freilich das Bemühen so vieler Nicht-Pariser des achtzehnten 
3 nhrhunderts, eine Anstellung in den fast unzähligen diplomatischen, politi¬ 
schen oder sonst irgendwie geschäftlichen Vertretungen, wie sie auch von 
den damaligen deutschen Höfen in Paris unterhalten wurden, zu er- 

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CORNELL UNfVERSSTf 





FREIHERR VON GLEICHEN UND SEINE LEBENSERINNERUNGEN 


langen, nicht lediglich für ein Streben nach der guten Versorgung 
halten, ebensowenig wie man der Mehrzahl von ihnen einen Kosmo¬ 
politismus beilegen sollte, der vielleicht weit hinter ihren engeren Hori¬ 
zonten lag. Aber andrerseits darf man auch, wenn man gerade einigen 
der hervorragendsten Deutsch-Pariser Persönlichkeiten des achtzehnten 
Jahrhunderts den Vorwurf machen will, sie hatten ihre deutsche Eigen¬ 
art aufgegeben, ohne dafür die französische eintauschen zu können, 
und ihr Kosmopolitismus, den sie bisweilen zur Schau trugen, sei nichts 
weiter als eine schlecht sitzende Maske gewesen, die Beantwortung 
der einen Frage nicht übersehen, die für die Beurteilung des Cha¬ 
rakters jener vielbeleumdeten Männer die entscheidende ist: Welche 
nationalen Interessen ideeller oder politischer Art sollten sie denn in 
Frankreich verteidigen? Der eben erblühenden neuen deutle» Dich¬ 
tung war» sie durch ihr Alter ebenso fern wie ihr. in Deutschl.nd 
lebende Generation, während politisch di« den KI.insUs.en meist 
Süddeutschlands stammenden dem eben entstehende» preußischen Ein¬ 
heitsstaatsgedanken wenn nicht feindlich, so doch gleichgültig gegenüber. 

standen. Für sie bedeutete Deiit*rt.i , , _ 

utschland als Staat bestenfalls eine von 

ihnen ihres Berufes wegen bisweilen „„„ , 

8 «>Jen sogar recht gut gekannte juristische 

Theorie. Diese Vertcidiouno . 

... 88 n es noch ungenannt Gebliebenen gegen 

„och gar ntch, erhoben« Anklage» will „ich. ein Vorurteil »ufkonun.« 

da, ictcht d,e flüchtige Kenntnis des Lebenslaufes Carl Hein- 
richs von Gleichen beorüntU« l. ' 

, . p.. önnte. Denn dieser deutsche Diplo¬ 
mat, der aus den Diensten sein». \a>* . . 

j • . j * Vaterlandes in dänische übergetreten 

war und sie wiederum mit fran-,*„- , * 

Pckpr «s„wi ... zös >sehen vertauschen wollte, ist durch¬ 
aus kein Peter Schlemihl gewesen wn , _ , 

* /«n »in^m sm.- -L 8 cn * aber ein Mann, den Dide¬ 
rot («n einem Schreiben an Mil» -vr , , , 

einem feinen Wort seinen 0.0,., VOro ‘ 5 - Mai ’«») <“* 

kundiger, dem die Anwendung h '’'?“"“*"'’^ Ei " Leb “‘‘ 

& er Lehre des jüngeren Plinius (epist. 


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FREIHERR VOTM GLEICHEN UND SEINE LEBENSERINNERUNGEN 


].V]]]. i6.)s «st enim quaedam ctiam dolendi voluptas wohl gelang, 
über dessen glänzender Lebensgeschichte aber trotzdem in Geheim¬ 
schrift das JVlotto: Resignation steht. — Carl Heinrich Baron von 
Gleichen, 1733 zu Nemersdorf in Franken geboren, kam, nachdem er 
schon als Page am Bayreuther Hofe gedient hatte, 1750 zur Leip¬ 
ziger Univo-rsität, an der er in Christian Fürchtegott Gellerts Kreise 
zwei anreg«.^^ Jahre verbrachte. Im Frühjahr 1752 nach Bayreuth 
zurückgelcolvrt un d a j s Kammerjunker wieder dem markgräflichen Hofe 
angehörend, begab er sich schon im Herbst des gleichen Jahres, be¬ 
gleitet von seinem Freunde Johann Friedrich Freiherrn von Chronegk, 

auf die Kavalierstour. Er besuchte Italien und Paris, ein genaues 
Reiseta g ^ lilIch (über das AJcxander 

von Gleichen-Rußwurm berichtet) 
wurde ihm zur Ausnutzung der von Geliert empfangenen Lehre, bei 
allem gebührlichen Respekt, den man vor dem Vergangenen empfinden 
müsse, doch die Dinge mit den Augen eines Kritikers anzusehen und 
nicht fclind für j brc Schäden zu sein. Und die von Rabener ihm an¬ 
vertraute Stammbuchweisheit: Es gibt Narren in allen Ständen, eine 
feine Rcg e ] für jene Art der Menschenbeobachtung und Beschreibung, 
aUS ^ er im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert die großen Meister 
^ es •Aphorismus jetzt klassische, in ihren Tagen aber mondäne Lite¬ 
ratur gemacht haben, bis dann Lavater, freilich noch der Zeitgenosse 
^ c Htenbergs, den La Bruy&re und La Rochefoucauld in seiner 'Weise 
•nterpretierte, indes die Chamfort und Rivarol schon der Zeitenwende 
Zu sahen, in der die Masse den Menschen aufnahm. Gleichen, bei dem 
ki sw ei len die Gründlichkeit an den Landsmann Lavaters erinnert, ist 
Sc ^° n seines Berufes wegen Menschenkenner. Als aide memoire haben 
seine Aufzeichnungen für ihn selbst etwas vielleicht einmal Brauch¬ 
bares, etwas Zweckmäßiges und sind sodann für ihn noch angenehme 
Unterhaltungen, wie sie die Zeit liebte, die die Silhouette durch das 

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FREIHER R VON GLEICHEN UND SEINE LEBENSERINNERUNGEN 

literarische Porträt ergänzte. Der Ehrgeiz des Schriftstellers, auch der 
des heimlichen Schriftstellers, der nicht mit dem Druck, wohl aber 
mit dem Leserkreise rechnete, blieb ihm bis zum späten Alter fern. 
Aber man schrieb damals gut, weil man damals gut sprach und auch 
der esprit war Stil. Die Pariser Salons, in denen die Schule des 
Weltmanns Gleichen vollendet wurde, lehrten nicht lediglich die gar 
nicht, genug zu preisende Kunstfertigkeit, gesellschaftliches Gleichge¬ 
wicht zu haben, waren weit mehr als Pflegestätten de, esprit. Wenn 
eine hübsche Kupferstichkarte Gleichen einlud: on causera ce soir chez 

Madame de Graffigny, zwang sie Geliert, Hörer in den Bannkreis 

jener Gedankenwelt, deren Denkmal ft**,,, f . 

d,e Encyclopddie ist und dessen 
Zauber sich auch diejenigen, die ihm -u « 

. . * * mm mit »J» r en philosophischen Grund- 

ansichten nicht angehören wollte« - 

. * , ,en " 8« r » geftngen gaben. Die Kon- 

sequene de, Denken,, bi, zum P„ r!>doxon ■ die 

vergessen läßt, daß dieser Material; g ’ 

•ii n k„ e i, Materialismus an der Metaphysik vorbei 

will, ohne sie zu erkennen «- «. J 

m.r nhilonnnh- . " ,ncs klaren Denkens, das keines¬ 
wegs nur philosophierend den , . • 

Antwnrr siirh* a cn Und * etzten Fragen des Lebens 

eine Antwort suchte, das oft ; m _ , . . ° 

bei Probleme auffaBte. die er« Jb“ L ' b '" “" d d! " 

Wissenschaften and den Naturwissens T SPä ' er ** G ' S “- 

Bedeutung gelang, sind. Es „ äre d e h ,1 Z “ r ,,lg ' mei " er 
einmal in den deutschen Schriften Gl u ' l<>h " ende Auf « at '’ 
ihre mitunter seltsamen Verzw.- Clchens nachzuspüren, inwieweit 

wir jetzt neue Ziele erreichen wollen'" f “ hre "’ denCn 

Als Gleichen nach Bayreuth z •• 

Her der Markgräfin Wilhelmine. ^ W3r ’ WUrdc Cr Hofkava " 

ähnliche Schwester des Köni * * , ? rem £ roßen Bruder nicht un- 

Persönlichkeit des schon viel^f a ^" Preußen schätzte die geistreiche 
ebenso wie seine Beziehung« enen * weitgereisten jungen Mannes, 

nach Paris, die ein lebhafter Brief- 


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FREIHERR 'VOW GLEICHEN UND SEINE LEBENSERINNERUNGEN 


wechsd aufr«clvt erhielt, durch den Gleichen auch zum Mittelsmann 
seiner Fürstin Bei den Pariser Freunden wurde und dem er eine seiner 
ersten diplomatischen Missionen verdankte, als "Voltaire infolge eines 
mißverstandenen Befehls in Frankfurt a. M. schmählich verhaftet war 
und die ^Vstirkgräfin sich um seine Befreiung bemühte. 1755 zum 
Kammerheir-m ernannt, begleitete Gleichen dann die Markgräfin auf 
einer über 'V/'enedig und Florenz nach Rom führenden Reise, über deren 
Ereignisse ein dünnes Heft: Souvenirs de Rome, dict€s par Madame 
la Margrav^ berichtet, das sich in Gleichens Nachlaß erhalten hat. 
(Thoughts fot Enthusiasts at Bayreuth collected in memory of 1882 and 
1883 by tVa.^. Honourable Mrs. Burreil. Chapter IV: Unpublished journal 
„Voyage d* ] talie“ . . . of the Margravine of Bayreuth . . . Privately 
printed, OHiswick Press, London: 1891. 2 0 .) Daneben hat Gleichen 
noch eirv eigenes Reisebuch gehabt, das in der Reihe seiner anderen 
TagebüeHer steht und viel weiter reicht, da Gleichen der Markgräfin 
auf der Rückreise nur bis Florenz folgte, um dann noch einmal 
nach Rom zurückzukehren, wo er für die Bayreuther Schaukästen 
Kunstsachen sammeln und gleichzeitig als politischer Agent tätig sein 
sollte, in j en Berichten und Briefen, die er in die Heimat schrieb, 
benutzte und ergänzte der deutsche Diplomat diese Aufzeichnungen , 
über seine römischen Eindrücke und Erfahrungen, die einen sehr hohen 
Ran g unter den ähnlichen Schilderungen jener Zeit einnehmen, soweit 
das nach den bekannt gewordenen Bruchstücken erkennen läßt, 
man darf die Aufzeichnungen Gleichens, in einer Epoche der Ka- 
^itvettpolitik entstanden und von einem Manne herrührend, der manches 
^Ötte, was auffälligeren Figuren des diplomatischen Schachbrettes nur 
auf längeren Umwegen zukam, sogar in einem gewissen Sinne den 
bemerkenswerten geschichtlichen Quellen zurechnen. 

Im Frühjahr 1757 verließ Gleichen seinen römischen Posten und 

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FREIHERR VON GLEICHEN UND SEINE LEBENSERINN ERUNGEN 



reiste über Avignon, Genf und Stuttgart nach Bayreuth, um sich bald 
der engen Heimat und dem kleinen Hofe entfremdet zu finden. Um 
so mehr mußte ihn eine nicht ungewöhnliche Verlegenheit der Bay- 
reuther Politik, ein verdrießlicher Geldmangel, entzücken, weil man 
daraufhin einen Gesandten in Paris ernennen wollte, der die Ansprüche 
auf die französischen Subsidiengelder zu vertreten hatte. Der Ge¬ 
sandte wurde Gleichen, nachdem er noch in Bayreuth an den Trauer¬ 
feierlichkeiten für die am 14. Oktober 1758 verstorbene Markgräfin 
teilgenommen hatte, und er fand in Paris bei seinem alten Freunde, 
dem eben zum Herzog von Choiseul ernannten Grafen von Stainville 
vor allem bei der Herzogin, deren anerkannter amoureux er war, eine 
Aufnahme, die cs ihm leicht machte, sich wieder in Paris einzuleben. 
Bine Änderung der Bayreuther Politik, die ohnehin seine Abberufung 
herbeigeführt haben würde, legte es ihm jedoch nahe, schon im Früh¬ 
jahr »759 seinen Abschied zu nehmen und nach diesmal nur neun¬ 
monatlichem Aufenthalt Paris zu verlassen. Die freundschaftlichen Be¬ 
ziehungen Gleichens zu seinem .Markgrafen, der ihm noch lange sein 
Gehalt schuldig blieb, wurden dadurch zwar nicht gestört, zumal der 
König Ludwig XV. von Frankreich in eigener Person für Gleichen 
eintrat. Immerhin mußte der jetzt Beschäftigungslose sich eine neue, 
seinen Ansprüchen und Leistungen genügende Stellung suchen. Er ging 
August 1759 nach Kopenhagen und fand eine Anstellung in dänischen 
Diensten, die freilich seine Hoffnung auf den Pariser Posten nicht 
erfüllt«* Er wurde 1760 zum dänischen Gesandten in Madrid ernannt, 
wo c* drei Jahre blieb, bis man sich nach Beendigung des sieben- 
jährigen Krieges beeilte, den Freund und Hausfreund Choiseuls ,763 zum 
Minister in der französischen Hauptstadt zu machen. Der dänische 
Gesandte hatte 1er die gleiche Aufgabe zu lösen, wie damals der 
Bayreuther, nämlich die Dänemark von Frankreich geschuldeten Sub- 

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FREIHERR VON GLEICHEN UND SEINE LEBENSERINNERUNGEN 


sidiengelder «.inzuziehen. Aber die Erfolge Glelchens, die auch solche 
seiner Persönlichkeit gewesen waren, als er dem König von Dänemark 
bei dessen Pariser Besuche näher treten konnte, schützten ihn nicht 
gegen höfiscKe Intrigen in Kopenhagen. Im Oktober 1770 wurde er 
abberufen und nach Neapel versetzt. Daß fast gleichzeitig Choiseul 
in Ungnade, fiel, war für Gleichen ein böser Zu fall, denn wie es scheint, 
wollte es ihm gerade damals gelingen, durch diesen seinen Gönner in 
den französischen Staatsdienst zu gelangen, ln Neapel blieb Gleichen 
nur ein 3 ®hr, eine erneute Herab Versetzung nach Stuttgart lehnte er ab 
und schied, aus seiner dänischen Stellung, auch diesmal, ohne zunächst 
das ihm ^«schuldete Ruhegehalt erhalten zu können. Doch hatte er 
durch den 1761 erfolgten Tod seines Vaters eine größere wirtschaft¬ 
liche Selbständigkeit erlangt. Die Jahre 1771 bis 1 779 verbrachte Gleichen 
mit Reisen in Europa, nämlich in Italien, der Schweiz, Holland, Eng¬ 
land und Frankreich, vorzugsweise aber in Paris. 1779 nahm er dann 
seinen "Wohnsitz in Regensburg, wo bis zur Auflösung des Reiches 
im Jsdvre 1806 die Reichsversammlung einen Diplomatenkongreß bil¬ 
dete \ind von wo aus er noch wiederholt die französische und die 
österreichische Hauptstadt aufsuchte, bis ihn Krankheit und Kriegszeit 
aift ^-^isen verhinderten. Er scheint schon vorher sich keiner gerade 
robusten Gesundheit erfreut zu haben, wenigstens heißt cs in einem 
® r *^fe Voltaires an Madame du Deffand vom 1 8- Mai 1772 über ihn: 
^raiment madame, je me suis souvenu que je connaissais votre danois. 

Tavais vu, il y- a longtems, chez Mde. de Bareuth; mais ce n’etait 
S^’en passant. Je ne savais pas combien il £tait aimable. 11 m’a 
s ^mbl6 que Bernstorff, qui se connaissait en hommes, 1 avait plac& ä 
^aris; et que ce pauvre Struens&e, qui ne se connaissait qu’en Reines, 
1 ’avait envoyd ä Naples. Je ne crois pas, qu’il ait beaucoup ä atten- 
dre actuellement du Danemarc, ni du reste du monde. Sa santfc est 

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FREIHERR VON GLEIC HEN UND SEI NIE LEBENSERlNNERUNGHlsr 

dans un 4 tat depiorable, j| voyage avec deux malades qu'il a trouvfa 

“ chemin - J* me 5ui> mi» en quatriime et leut ai halt servir un plat 
de pilul«, ä Souper, apri, quoi je les ai envoyts che* Tisso, ,„i 

jamais guM personne et qui est plus mal qu’cux tous, en husa„, de 
petih Ilm. de mtdecine. Die loteten Lebensjahre erheiterte sich 
Gleichen durch Betrachtungen philosophischer Ar,, die manche, 
Verwandte mi, den ähnlichen Untersuchungen, wie sie der einam, 
Casanova in Du, .„tu,,„len liebte, xeigen. Am. 5. April ,8o 7 is, „ 

m Regensburg gestorben. Gleichen hin.erließ seinen Leuten hin. 
reichende Vermächtnisse, um ihre Zukunft zu .. 

Munde, die er sehr liebte, vergaß er nicht ,. n A u * 

~ „ .. „ * " ,cm und bestimmte eine jähr¬ 

liche Summe für ihren Unterhalt. 

Der Marquis de Mirabeau (1714;__ „ . 

Briefe, den er am 30. Oktober , 7 6 0 ^ Bi “ T “ 

Kopenhagen schrieb, ihn karikierend porträtiert 0 " d" " 8Gh 

mopolitischen Diplomaten mit einer Inkarnat' a^ l"* ** °*~ 

•1 -« , „ fCa ^nation der Politik verolich* 

il me semble, quelle serait longue et maic«-.» ^ 

la r^verenrp nrn f n , , , ^* re * ^ ar ri£re main trainante. 

Ja reverence profonde, la voix douce et h 

aant «, parfoi, allumf, ro„l „,,,iq„ e et . '* ,eint parfois 

«t toujours dans des coins, tcoutant h ca . *** Tapproch * € ’ P ar) »nt peu 
G. A. W.Weckerholz beendete seine dem a °7 .“ > °‘ ,pira ' rt P " Ms - 
widmeten Notice, biographique, mi, eine, «c ^ g *~ 

die die ausführlichste ,„n dürfte, die sl ch „ Ch, ' deru "S «<“ Verewigten, 
erhalten hat: ° n dcm ei 8 enarti g en Manne 

„Baron Gleichen hatte eine lange und l 

Züge, ohne schön zu sein, hatten den Ausrf ° Gesta,t * Seme 

heit, welcher dem Beobachter schon bei m ^ Mi,de Und Fei "‘ 

ging, ln seinem Gange erkannte man den AnbJ,cke nicht ent “ 

CJrade einen beobachtenden und analytische ** ^ höchsten 

n Geist. Seine Unterhaltung 

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FREIHERR VON GLEICHEN UND SEINE LEBENSERINNERUNGEN 


^wwvwwwwyvwvywvvwwvvvyvvvwwwvv^^ 

war mit der l^znntnis der besten älteren und neueren Schriftsteller 
ausgestattet; sie. war, nachdem er mit den unterrichtetsten und talent¬ 
vollsten Personen seiner Zeit in Verbindung gestanden, nachdem er 
viel gesehen, und viel verglichen hatte, unterrichtend, angenehm, reich¬ 
haltig in scHnirfsinnigen Bemerkungen und interessanten Anekdoten. 

Man ermüdete nicht, ihn zu hören und selbst seine Wiederholungen 
waren geschmackvoll, da er diese stets mit neuen Bemerkungen aus¬ 
schmückte. Zu diesen Eigenschaften gesellte sich die größte Nachsicht, 
so daß sich jedweder in seinem Umgang befriedigt fühlte. Man ver¬ 
ließ ihn s^ltren, ohne etwas gelernt, öder seine Begriffe vervollständigt 
und bereicViert zu haben. Allem Neuem im Felde der Wissenschaft 
fühlte er sich angezogen, ln Regensburg einheimisch geworden, war 
sein größter Genuß, ein oder zweimal wöchentlich 5 bis 6 Personen 
bei sich zu Xi sehe zu vereinigen, wo die interessantesten Fragen der 
Philosophie, der Geschichte, der Medizin und der Wissenschaften 
überhaupt: behandelt wurden. Sowohl der Geist als die Sinne wurden 
durch eine lebhafte Unterhaltung und durch eine vortreffliche Küche 

befriedi 

•^bsiebtlich sind die biographischen Daten dieses Diplomatenlebens 
ausführlicher gegeben worden, da sie sich in den meistbenutzten Nach¬ 
schlagewerken nicht finden. Aber die Jahreszahlen, die als Meilensteine 
^■*^* c hcns Lebensreiseweg bezeichnen, deuten auch den Umfang seiner 
M-^rrvoires an, in denen Begegnungen mit Friedrich 11 » un< ^ Napoleon 1 . 
erwähnt werden, in denen die erste Bekanntschaft mit Beaumarchais 
kis in dessen Uhrmachertage zurückreicht und die Freundschaft mit 
Mirabeaus über ein halbes Jahrhundert französischer Geschichte, 
^»cht etwa, daß der lange Zeitraum, den Gleichens Souvenirs um¬ 
fassen, auch durch eine lange Bandreihe wie bei berühmteren Memoiren 
repräsentiert würde. Wenigstens kennen wir bisher weder den ganzen 

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FREIHERR VON GLEICHEN UND SEINE LEBENSERINNERUNGEN 

\ 

Gleichenschen Nachlaß, noch wissen wir, wie viel von ihm erhalten 
blieb, so daß Friedrich Schlegels Meinung auf das davor bekannt 
gewordene vortrefflich paßt: Ein Dialog ist eine Kette oder ein Kranz 
von Fragmenten. Ein Briefwechsel ist ein Dialog in vergrößertem Ma߬ 
stabe, und Memorabilien sind ein System von Fragmentenl Gleichen 
selbst hat, wie es scheint, nur Schriften in deutscher Sprache veröffent¬ 
licht, die „Metaphysischen Ketzereien“ (1791), in deren zweiter Auf¬ 
lage (1796) aufgenommen wurden die „Glaubensmethode ftlr Glaubens¬ 
bedürftige“ (1793), die „Schöpfung durch Zahlen und Worte, etwas 
über Magie, Cabala und geheime Gesellschaften“ (1792); „Etwas über 
die Tiere“; „Tonkunst, Melodie und musikalische Expression“ und die 
„Gedanken über verschiedene Gegenstände der Politik und freien 
Künste“ (1797), die enthalten die „Anthropologische Diatribe eines 
Menschenkenners“ (1797), „Über den Despotismus“ (1794), „Lob¬ 
sprüche und Bemerkungen über die vornehmsten Meister der itali- 
änischen Musik“ (1797); „Über die Baukunst“ (1797); „Anmerkungen 
über die Malerei (1797); „Versuch zu einem ewigen Frieden“ (1796). 

Inwieweit die anscheinend nicht zu einem endgültigen redaktionellen 
Abschluß gelangten Gleichenschen Lebenserinnerungen und anderen 
Nachlaßpapiere sich bei einer für die Veröffentlichung vorgenommenen 
Bearbeitung zu einem oder zu mehreren Werken zusammengefunden 
hätten, läßt sich auch nicht vermuten. Denn die bisherigen Ausgaben, 
bringen nur Bruchstücke, die zudem, wie eine schöne durch mancher¬ 
lei Inedita bereicherte Studie von Alexander von Gleichen-Rußwurrn 
(Aus den Wanderjahren eines fränkischen Edelmannes. Neujahrsblätter. 
Herausgegeben von der Gesellschaft für fränkische Geschichte. 11 . 
Würzburg, H. Stürtz: 1907) erkennen läßt, in einer Auswahl gegeben 
wurden, die nach ihren handschriftlichen Unterlagen willkürlich be¬ 
stimmt zu sein scheint. Es sind, abgesehen von einem in Pariser Mer- 

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FREIHERR VON GLEICHEN UND SEINE LEBENSERINNERUNGEN 


eure £tranger >810 erschienenen Fragment, die „Mdmoires de M. le 
Baron Charles, Henri de Gleichen, Ministre de Danemarc & differen¬ 
tes cours depuis 1760—1771“ (die A. von Gleichen-Rußwurm auch 
in einer anscheinenden Sonderausgabe Sulzbach: 1813 als „publiis 
par A. W.“ anführt). Sie finden sich nach den noch zu erwähnenden 
Denkwürdigkeiten in einem niemals in den Handel gelangten Privat¬ 
druck, dem Jahrgang 1811 und 1812 der alljährlich von einem Freunde 
Gleichens, G. A. ¥., herausgegebenen „Andenken für Freunde“; ihr 
Bearbeiter ist neben Weckerholz ein damals in Regensburg lebender 
Graf de Bray. Auch die nur in einer kleinen Auflage gedruckten: 
Denkwürdigkeiten des Barons Carl Heinrich von Gleichen. Eine Reihe 
aus seiner Feder geflossener Aufsätze über Personen und Verhältnisse 
aus der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts. Leipzig, Druck 
von J. B. Hirschfeld. 1847. (6), 234 S. 8°), die nach des ungenannten 
Herausgebers Vorrede auf ihm von dessen Sohne überlassenen hand¬ 
schriftlichen Sammlungen jenes ebengenannten G. A. W. beruhen, bieten 
in ihrer Verbindung spärlicher deutscher Erläuterungen mit den fran¬ 
zösisch wiedergegebenen Auszügen Gleichenscher „M&moires“ (Fer¬ 
dinand VI. et Charles ]]].; 11. Le duc de Choiseul; 111 . Sur le Dau¬ 
phin; IV. Le Masque de fer; V. Le Mar6chal de Brissac;.Vl. La 
Familie des Mirabeaux; VILNecker; Vlll. Saint Germain; XL Cag- 
liostro; X. Lavater; XL Saint Martin; Xll. Madame de la Croix; 
XI 11 . Les convulsionnaires; XIV. Alchymie; XV. Madame de Geoffrin 
et sa fille; XVI. Joseph 11 . et Leopold 11 ; XVI 1 . Le prince Kaunitz; 
XVI 11 . Anecdotes et petites histoires) keinen Ersatz. Ganz auf sie 
gegründet ist der vergriffene Neudruck: Souvenirs de Charles— Henri 
Baron de Gleichen. Pr£c£d6s d’une Notice pas M. Paul Grimblot. 
Paris, Techener: 1868. Man möchte deshalb wünschen, daß der Brief¬ 
wechsel und handschriftliche Nachlaß Gleichens, soweit er seinen Lebens- 

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erinnerungen zugehörf, durch eine gute, neue Ausgabe allgemeiner 
bekannt werden könnte. 

Doch bleiben die immer an Episoden eigener Erlebnisse a iknüpfen- 
den Essais Gleichens, so wie wir sie jetzt haben, diese biographischen 
Charakteristiken und historischen Studien, immerhin abgerundete Kapitel 
eines formvollendeten geist- und inhaltsreichen Lebensbuches, deren 
lose Reihe die Anschauung, in der sie sich bieten, bindet. Dem Mensch¬ 
lichen als Skeptiker sich nähernd, so weit es geht, hat der liaron von 
Gleichen dem „'Naturwunder" gegenüber die große Neugier, hat er die 
Lust zum Übersinnlichen, welche in seiner Zeit keine bloße Mode ge¬ 
wesen ist. Denn nicht Atheisten, sondern Deisten waren ja fast alle 
die als Aufklärer in den Geschichtsbüchern verewigten Männer, an ihrer 
Spitze der große Voltaire, ln den Geheimorden pflegte man neben dem 
sinnlichen Vergnügen (wozu auch das der Macht gehörte) die über¬ 
sinnlichen, die Kabbala behandelte man als ein noch unerforschtes Ge¬ 
biet höherer Mathematik. Und den neuen Erscheinungen, ob es sich 
nun um eine Mißgeburt oder die Offenbarungen eines Propheten handelte, 
trat man mit jener weltmännischen Gelassenheit gegenüber, die ihren 
Ausdruck in den von Gleichen notierten höflichen Worten fand: Je le 
crois, puisque vous l’avez vu, mais si je le voyais, je ne le croirais pas. 

Alltagsbeobachtungen und Weltweisheitbemerkungen, die Kunstfertig¬ 
keit einer auf das Leben, wie es nun einmal ist und den Lebendigen 
sich zeigt, angewendeten galanten Psychologie (wobei aber der eigent¬ 
liche nicht der einseitige Sinn, den man jetzt dem Wörtchen galant 
gibt, gemeint ist), übt der Baron von Gleichen als ein Amateur der 
singularit£s humaines in seinem Schreibbuche, dessen notwendiges Sup¬ 
plement die Brieftasche ist und das man wie die ähnlichen Aufzeich¬ 
nungen vieler seinerZeitgenossen ein offiziöses Tagebuch nennen könnte, 
weil $s auch einer von der Gelegenheit veranlaßten Veröffentlichung 

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dienen könnte, weil es der Condensator von Esprit und Material für die 
Unterhaltung war. Erst die Confessions von J. J. Rousseau, die Selbst¬ 
bespiegelungen eines künstlerischen Temperamentes, haben jener Me¬ 
moirentechnik des Rokokko, die ein Bestandteil seiner mondänen 
Bildung gewesen ist, als welche sie auch in ihren schriftstellerisch 
höchsten Leistungen ihre großen "Wirkungen hatte und noch hat, ein 
etwas plötzliches Ende bereitet. Nicht etwa, als ob man in den „ga¬ 
lanten“ Memoiren ein Blatt und gar ein Feigenblatt Yor den Mund 
genommen hätte. Aber man blieb, die Gefühlsausbrüche sorgsam vermei¬ 
dend, in den Grenzen des guten Tons, verabscheute das ethische Pathos 
und verehrte den "Witz. Man höre nur einmal zu, mit welcher klaren 
Nüchterheit, mit wie viel verhaltenem Lachen und wie wenig geäußerter 
Verwunderung der Baron von Gleichen sich die berühmte Geschichte 
von der Perücke des Herrn de Sartine wiederholte. 

M. de Sartine, ministre de la marine, Itait fort soigneux de sa coiffure; i! 
avait des perruques merveillcuses pour ia quantitl de leurs boucles. La veille d'un 
jour qu’il devait aller de grand matin k Versailles, on avait fort recommandl chez 
le perruquier d'arranger la perruque le mime soir, parce que Ton viendrait la 
prendre k Taube du jour. 

En conslquence eile fut arrangle et placle dans sa bofte. Pendant la nuit la 
femme du perruquier accoucha d'un enfant mort, qu'on mit, faut de cercueil, dans 
une bofte k perruques, pour pouvoir l'enterrer tout de suite. Un moment aprls 
que le petit convoi d'enterrement fut parti, un domestique de M. de Sartine vint 
chercher la perruque. Mais on fut bien Itonnl, en ouvrant le bofte, d'y trouver 
un enfant mort. On s'ltait trompl de bofte, et on avait enterrl la perruque de 
M. de Sartine, qui fut obligl de retarder son d£part jusqu'k ce que chaque chose 
eüt Itl remise k sa place. 

Gleichens Anecdotes et petites histoires, deren Verfasser sich ein¬ 
mal notierte, daß er leider den Namen des die Hauptrolle einer solchen 
kleinen Begebenheit spielenden Herren vergessen habe: car on devrait 
toujours savoir nommer les personnages d’une anecdote: cela ajoute 
au caract&re de v£rit£, sind kennzeichnend für die Kunstfertigkeit des 

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Memoirenhistorikers, aus den eigenen Erlebnissen und den angehörten 
Geschichtchen eine Geschichtserzählung zusammenzustimmen. Auch dafür 
seien einige Proben gegeben, kurze Aufzeichnungen von Begegnungen 
und Gesprächen. „ 

Un 6chantillon pr£cieux de la politeste du bon vieux temps, qui mdrite d’6tre 
consery£, sont les compliments que firent le duc d'Ormont et son ami le Chevalier 
d’Airagne en se quittant pour toujours. 

Ce duc, apr&s avoir terminl son röle de favori de la reine Anne, s'ltait retirl 
ä Avignon, ou il tenait un grand £tat, et le Chevalier s’ltait fait son commensal 
complaisant et son ami intime. Malgrl cela, ils Itaient ensemble sur le pied 
c£r£monieux de l’ancienne cour, et ne cessaient de se faire des compliments. 
Apprenant que son patron allait expirer, le Chevalier accourt, entre pr£cipitam- 
ment, et le duc agonisant lui dit d'une voix obligeante: Hllas! mon ami, je vous 
demande pardon d'fctre obligl de mourir devant vous. L'autre, plnitri et confon- 
du de tant de politesse, rdpliqua: Ah, milord, pour l’amour de Dieu, ne vous 
gtnez pas! 

Ähnliche Ironie in den Betonungen und Redewendungen hat der 
kurze Bericht, in dem ein gröberer Erzähler sich das Aussprechen 
des Thunfischvergleiches nicht hätte entgehen lassen und der ebenfalls 
ein Muster der auf die galante Formel gebrachten Groteske ist. 

Le baron de Thun, qui a iti longtemps ministre de Wurtemberg k Paris, £tait 
un homme assez singulier, tr£s-aimable pour ceux qui Tont connu aussi particuli&re- 
ment que moi, mais excessivement sp£culatif pour l’lconomie. 11 avait mis toute 
sa fortune en rentes viagfcres, car il £tait fort Igoiste. 

Ayant la fantaisie de vouloir £tre enterrä dans son Heu natal en Pomlranie, 
mais trop juste pour causer autant de d£penses qu’aurait exig£es le transport de 
son cadavre, k son neveu, auquel il ne laissait rien du tout, il ordonna en mou- 
rant de le couper en pi&ces, de le bien saler, de le mettre dans un tonneau, et 
de lembarquer ainsi sur le premier vaisseau qui partirait pour aller en Pomlranie. 
Durant la route, les matelots Yisitfcrent le tonneau, et, croyant que c’£tait du boeuf 
sa \i, ils mangfcrcnt la moitte du baron de Thun. 

C'est son neveu qui ma racont£ cctte histoire. 

Diese drei Stücke lassen erkennen, wie fein das Gefühl des Barons 
Yon Gleichen für den Humor war, das, so sehr es dem Engländer 
eigentümlich zu sein pflegt und dem Deutschen verständlich wird, den 

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FREIHERR VON GLEICHEN UND SEINE LEBENSERINNERUNGEN 


romanischen Völkern meist ganz und gar abzugehen pflegt. Aber der 
Kosmopolit ist auch hellhörig wie ein Pariser aus Paris, als welcher 
er lebt, för die jeux d’esprit und er kann an keinem guten Witzwort 
vorüber, sogar dann nicht, wenn es nur aus der Geschicklichkeit des 
Wortspieles hervorging. Daß aber das, was er sich aufschrieb, auch 
heute noch funkelt und (bitterböse) gleißt, ist eine Bestätigung, wie 
sehr er Kenner und Kind seiner Zeit gewesen ist, deren Geist und 
Gemüt ln diesen beiden Anekdoten konzentriert sind. 

Voici un mot bien philosophique del’abb£ Galiani: Le chien qui s’imagine qu'il 
toume le r6ti, ne sait pas que c'est le röti qui le fait tourner. 

La faveur du duc de Choiseui avait attir£ tant de cousins, qui portaient son 
nom, que, pour les distinguer, on leur avait donn£ des sobriquets. 11 y en avait 
un qu’on appelait Choiseul-bon Dieu. On importunait ä outrance le mardchal de 
Belle-lsle pour faire avoir un rdgimcnt k ce cousin de son ennemi. Ce ministre 
^tant & Ja mort, on lui apporta le viatique, et on lui annon^a le bon Dieu, comme 
c’est l’usage ä Paris, ou le valet de chambre, qui est la porte, nomme toujours 
les arrivants ä haute voix. Le marlchal agonisant crut que c'6tait ce Choiseui qui 
venait le relancer, et cria de toutes ses forces: Qu’il s’en aille, qu’il me laisse en 
reposl ditcs que je lui donne un r£giment. 


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Ober ein bibliographisches siglen-system 


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ÜBER EIN 

BIBLIOGRAPHISCHES SIGLEN-SYSTEM II 

Die Aufnahme eines Druckwerkes für seine Beschreibung im Ver¬ 
zeichnis geht nach den Katalogisierungsordnungen grundsätzlich vom 
Titelblatt als von derjenigen Buchstelie aus, an der Herausgeber und 
Hersteller seit dem sechzehnten Jahrhundert, also seit der Umwand¬ 
lung der 'Wiegendruckbuchgestaltung in die jetzt noch übliche, die 
Buchherkunftsvermerke anbringen und nach ihren beiderseitigen Ge¬ 
sichtspunkten bestimmen, wie sie sich die Geltung des Buches in der 
Buchwelt gedacht haben. Darauf, daß der Verfasser eines Werkes die 
ausdrückliche Bestätigung der dessen Umwandlung in die Buchform 
vollziehenden Tatsachen nicht allein vornimmt, daß er mit und neben 
den Buchherstellern (und -händlern), daß häufig diese und fremde 
Herausgeber ohne ihn die Aussagen des Titelblattes über die Buch¬ 
geschichte machen, und daß deshalb nicht selten die Angaben eines 
Titelblattes einseitig sind, oder aber eine nach außen hin nicht ohne 
weiteres erkennbare Verbindung verschiedener Wünsche für die Buch¬ 
einführung haben, darauf nimmt die Aufnahme des Titelblattes keine 
Rücksicht. Vielmehr erstrebt die Kollation nach den Angaben des 
Titelblattes dessen Korrektur, die im Grunde nur ein Vergleichen ist, 
ob alle Angaben des Titels stimmen. Dabei wird freilich auch voraus¬ 
gesetzt, daß diese Angaben vollständig sind, und daß sie alles an¬ 
geben, was hier wissenswert erscheint. Bekanntlich ist das aber bei 
den meisten Buchtiteln durchaus nicht der Fall. Während es zum Bei- 

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Ober ein bibliographisches siglen-System 

spiel in der Wiegendruckzeit aus praktischen Rücksichten noch üblich 
war, in der Schlußschrift eine Kollationsforme] einzubringen, die Druck¬ 
umfang und so auch die Vollständigkeit erkennen ließ, beschränkt 
sich das Buch der Gegenwart im Regelfälle darauf, den Druckvermerk 
durch die Bezeichnung der Druckerei zu ersetzen und allenfalls in 
der Inhaltsübersicht die Beilagen des Buches zu nennen, das heißt die 
beigefUgten Blätter, meist Bilder- oder Kartentafeln, die durch Sonder¬ 
druck hergestellt und den Bogen des Buches angefügt wurden. Be¬ 
strebungen, die Titelblattangaben zu verbessern und zu vervollständigen, 
haben zwar schon wiederholt die hier bestehenden Mißstände be- 
seitigen wollen, sind aber bisher zu keiner allgemeineren Durchführung 
gelangt. Vielleicht, daß die gerade gegenwärtig mit Eifer betriebenen 
Normalisierungs- und Typisierungsversuch'e auch eine Buchtitelwand¬ 
lung herbeiführen werden, auf die am Ende dieser Untersuchungen 
ausführlicher zurückzukommen sein wird. Vorerst muß der Hinweis 
darauf genügen, daß im Regelfälle auch ein richtiger Titel unvoll¬ 
ständig sein und deshalb bei einer genaueren bibliographischen Fest¬ 
stellung zu ergänzen sein wird. Beschränkt sich der Buchtitel auf die 
Überschrift eines Werkes, etwaige Anmerkungen über dessen Heraus¬ 
gabe durch andere als den Verfasser, sowie die Geschäftsvermerke 
(Verlag, Erscheinungsort und -zeit), so kann man zwar annehmen, daß' 
der Titel nicht immer genau den Inhalt eines Werkes bestimmen wird 
- (insbesondere gilt das auch für die Trennung des Bild- und Text¬ 
teiles, obschon doch vorauszusetzen ist, daß die Bilder eines Buches 
ebenfalls in engster Verbindung mit seinem Texte stehen, daß auch 
das Bild ein Ausdrucksmitte] des Verfassers sein sollte wie das Wort, 
wovon späterhin noch ausführlicher die Rede-sein wird), daß ^r in¬ 
dessen nach der Absicht des Verfassers als richtig hingenommen 
werden soll. Ausnahmen bestehen auch hier natürlich, teils insofern, 

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Ober ein bibliographisches siglen-system 

als der Verfasser in der 'Wahl seines Titels aus bestimmten Gründen, 
zum Beispiel denen der Zensur, nicht frei war, teils deshalb, weil 
spätere Herausgeber den ersten Titel verändert haben. Aber im all¬ 
meinen kann der Bibliograph doch den Buchtitel, soweit er den 'Werk¬ 
titel wiedergibt, als richtig betrachten und braucht ihm nur in Sonder¬ 
fällen, in denen bereits die Fassung des Werktitels Zweifel veranlaßt, 
eine erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Weit weniger ist ein solches 
Vertrauen dem Geschäftsvermerke gegenüber angebracht, weil mancherlei 
Geschäftsgewohnheiten absichtlich seine Angaben von vornherein (Vor¬ 
datierung und Zurückdatierung später veranstalteter neuer Auflagen) 
oder weiterhin (Titelausgabe) unrichtig werden lassen, wobei dann 
dergleichen Unregelmäßigkeiten die verschiedenartigsten Ursachen 
haben können, die zum Beispiel die Änderungen des Titels durch 
eine Auflagenreihe, die ähnlichen oder gleichen Titel verschiedener 
Werke, die abweichenden Auflagentitel der sich auf mehrere Verleger 
verteilenden Abzüge einer durch Verlagsteilung verbreiteten Auflage, 
die Neuauflagen vom gleichen, aber umbrochenen Satz, die ganz ge¬ 
nau übereinstimmenden verschiedenen Auflagen, die eine Täuschung 
beabsichtigten, die Übereinstimmung verschiedener Auflagen bis auf 
bestimmte Einzelheiten des Titels veranlaßten. Bereits diese wenigen 
Stichproben beweisen, daß der Buchtitel alles andere als ein verlä߬ 
licher bibliographischer Zeuge ist und daß ihm deshalb eine bibliogra- N 
phische Untersuchung mit Mißtrauen entgegentreten wird. Aber er 
ist nun einmal auch für die bibliographische Kennzeichnung eines 
Druckes die gegebene Buchstelle und damit sind seine Angaben schon 
aus praktischen Gründen diejenigen, von denen die bibliographische 
Probe ausgehen wird, um sie erforderlichenfalls zu ergänzen und nach- 
zuprüfen. Dabei ist, wie schon früher gesagt worden ist, die Druck¬ 
legung derjenige Vorgang der Buchgeschichte, der den Maßstab aller 

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Ober ein bibliographisches siglen-system 


notwendigen Vergleiche gibt, indem er die Druckvorlage und die 
Druckwiedergabe nebeneinander betrachten läßt. Denn das Autogramm 
(die Urschrift des Verfassers) oder das Apograph (eine Abschrift, die 
ihrerseits vom Verfasser anerkannt, vielleicht auch berichtigt oder 
wenigstens durchgesehen sein kann, ohne daß der Verfasser wesent¬ 
liche Veränderungen vornahm, oder schließlich eine Abschrift, die 
nicht approbiert ist, die nicht auf den Verfasser selbst zurückgeht, 
gut oder schlecht sein kann), ist die Voraussetzung seiner fehlerhaften 
oder fehlerfreien Druckwiedergabe. Wobei es sich für die Beurteilung 
des Handschriftenverhältnisses nicht allein um diplomatische (Echtheit 
der Handschrift) und kritische (endgültige Fassung der Handschrift, 
insbesondere ihre Bestimmung zur Druckvorlage durch den Verfasser) 
Fragen handeln wird, sondern auch darum, inwieweit der Verfasser 
selbst bei der Drucklegung beteiligt war und etwa noch während des 
Druckes Änderungen vomahm. Von solchen Fragen der eigentlichen 
Textkritik wird insbesondere die letztgenannte häufiger in den Bereich 
einer bibliographischen Untersuchung gezogen werden müssen, die das 
Verhältnis von Werk und Buch für eine bestimmte Ausgabe vergleicht, 
um dann das Ergebnis der Untersuchung durch ein Sigel auszu¬ 
drücken. Es versteht sich dabei wohl von selbst, daß Drucke und 
Handschriften durch die beiden benutzten Hauptarten der Siglen 
unterschieden werden, wobei allerdings auch der (bereits angeführte) 
Fall zu berücksichtigen ist, daß ein Druck die unmittelbare Vorlage 
späterer Drucke wurde, wenn ihn der Verfasser oder der Verleger 
dazu benutzte, wenn die Handschrift unzugänglich oder verloren war. 
Mit gedruckten Siglen läßt sich nun zwar eine derartige Unterscheidung 
auch bei gleichen großen oder kleinen Buchstaben insofern leicht ge¬ 
winnen, als etwa verschiedene Schriftgattungen (Antiqua, Fraktur, 
Kursiv, wie im früher angeführten Beispiel) und Schriftgrade, Fett- 

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ÜBER EIN BIBLIOGRAPHISCHES S1 G L E N - S YSTE M 


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druck, Halbfettdruck usw. an und für sich eine klare Übersicht ver¬ 
mitteln werden. Aber für ein bibliographisches Siglensystem, das lange 
Untersuchungen in knappe Formeln konzentriert, ist noch etwas anderes 
wichtig. Es muß alle vermeidbaren Fehlerquellen beseitigen und dazu 
gehört die leichte Möglichkeit des Verdruckens oder Verschreibens 
um so mehr, als die Ableitung auch einer bibliographischen Formel, 
wenn der Irrtum nicht rechtzeitig bemerkt wurde, aus einem kleinen 
Fehler grobe Unrichtigkeiten entstehen lassen kann. Es wäre deshalb 
die Vereinfachung desjenigen Siglensystems wünschenswert, das, ent¬ 
sprechend den Ergebnissen der Handschriftforschung, die Druckvor¬ 
lage kennzeichnet, wobei gleichzeitig die Beteiligung oder Nichtbe¬ 
teiligung des Verfassers an der Drucklegung anzugeben sein wUrde. 
Am einfachsten erscheint dazu das Unterstreichen der Buchstaben, 
von denen die großen die Autogramme und die ihnen gleichwertigen 
Apographen, die kleinen die Apographen, an denen der Verfasser 
keinen Teil hatte, bezeichnen würden oder für die eine ähnliche Kenn¬ 
zeichnung wie A = Autograph, a 1 = approbiertes Apograph, a t = Apo- 
graph usw. zu wählen wäre. Selbverständlich ließen sich mit einer der¬ 
artigen Unterscheidung nicht alle Feinheiten textkritischer Hand¬ 
schriftenforschungen veranschaulichen. Aber jene werden ohnehin nicht 
leicht ohne ein von Fall zu Fall begründetes Siglensystem zu ver¬ 
stehen sein und für die Zweckbestimmung des bibliographischen Siglen¬ 
systems reicht es aus, wenn erkennbar wird, ob die Druckvorlage un¬ 
mittelbar auf den Verfasser zurückging oder ihm fremd war, da damit 
die Begriffsbestimmung der Urausgabe gewonnen wird. Inwieweit und 
ob überhaupt ein Verfasser an der Drucklegung seines Werkes durch 
Korrekturlesen usw. beteiligt war, läßt sich besonders bei älteren 
Drucken freilich meist gar nicht, oft nicht genau bestimmen. Denn 
diese Frage bezeichnet auch insofern die vom Bibliographen ange- 

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ÜBER EIN BIBLIOGRAPHISCHES S1 GLEN-SYSTEM 


nommene Grenze zwischen der individuellen Niederschrift eines Werkes 
und seiner Mechanisierung durch die Buchform, als der Eifer und 
die Geschicklichkeit des Korrekturenlesens sowie ähnlicher Druck¬ 
herstellungshilfen bei den verschiedenen Autoren sehr verschiedenartig 
waren. Weshalb ein diakritisches Zeichen, vielleicht ein Stern, aus¬ 
reichen dürfte, um den Sachverhalt anzuzeigen, da dann die weiteren 
Folgerungen aus der Teilnahme des Verfassers an der Drucklegung 
den Verweisen auf die Belege, zum Beispiel dem Briefwechsel 
zwischen Verfasser und Verleger überlassen bleiben kann. Hierüber 
ließe sich mancherlei noch ausfUhren. Für unsere Zwecke ist es aus¬ 
reichend, daß die allgemeine Feststellung, ob die Druckvorlage nach 
den Anschauungen des Verfassers eine berechtigte war und ob er 
selbst an der Drucklegung teilnahm, der Bewertung einer jeden Auf¬ 
lage nach anderen bibliographischen Gesichtspunkte vorangehen sollte. 
Wobei dann ohnehin denjenigen Fragen eine Antwort gesucht werden 
muß, die sich hier sogleich aufdrangen, insbesondere auch der, ob die 
berechtigte Druckvorlage auch eine gute Druckvorlage war. Was keines¬ 
wegs immer (wie zum Beispiel die Ausgabe letzter Hand von Goethes 
Werken zeigt) der Fall zu sein braucht. Indessen ändern dergleichen 
Mängel nicht, so bedeutsam sie auch für die Textkritik sein werden, 
den bibliographischen Tatbestand, wenn das Buch derart fertig ge¬ 
druckt worden ist, wie es der Verfasser gewünscht hat. Fehler, die 
er hier selbst, sogar solche, die er unbewußt, veranlaßte, sind be¬ 
dauerlich als Fehler der Buchformgestaltung seines Werkes, ändern 
jedoch nichts an der bibliographischen Anerkennung einer Auflage, 
die in allen Stücken nach dem bei ihrer Drucklegung bestimmenden 
Verfasserwillen eine rechtmäßige ist. 


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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 


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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 

Dr. Julius Harrwitz 1819 —1919. Am 3. Oktober fährt sich 
zum 1 oosten Male der Geburtstag eines Mannes, der auch in der Ge¬ 
schichte des deutschen Buchhandels, insbesondere des Verlages, ver¬ 
dient, nicht vergessen zu werden. 

Dr. Julius Harrwitz, geb. zu Breslau am 3. Okt. 1819, hatte als 
einstiger Mitinhaber der angesehenen Ferd. Dttmmlerschen Verlags¬ 
buchhandrung zu Berlin eine hervorragende und verdienstvolle Tätig¬ 
keit entwickelt und die altberQhmte Firma zu einer der ersten Deutsch¬ 
lands emporgehoben. 

Als ältester Sohn einer nicht begüterten Familie hatte er mit eisernem 
Fleiß und unter besonderen Schwierigkeiten das akademische Studium 
durchgesetzt, indem er durch private Lehrtätigkeit sich die Mittel 
dazu beschaffte. Seine Berliner Doktordissertation vom 23. Juli 1845 
Ober Pilze hatte den Titel: „De dadosphario herbarum“; sie ist seinem 
Lehrer, dem Botaniker S. Kunth, gewidmet. Ed. Cauer, der Mathema¬ 
tiker, Leopold Kronecker und der Mediziner Hugo Ruehle waren seine 
Opponenten. — Kein Geringerer als Alexander von Humboldt empfahl 
ihn in einem noch im Harrwitzschen Familienarchiv aufbewahrten Brief 
dem Grafen Harry von Arnim als Hauslehrer. Auch die Dissertation 
und das Studien-Material ist noch im Besitz der Familie. 

Als 1848 die Revolution zum Ausbruch kam, stellte sich H. zur 
Herstellung der Ordnung und zum Schutz der Bevölkerung der damals 
geschaffenen Bürgerwehr zur Verfügung. 

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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 


Im Kreise seiner Studiengenossen war u. a. der berühmte Arzt 
Moritz Traube, dessen Dissertation vom Jahre 1847 mit handschriftlicher 
Widmung „Amicissimo J. Harrwitz auctor“ mit anderen interessanten 
Reliquien aufbewahrt ist. Im Revolutionsjahr 1848 wandte sich H. dem 
Buchhandel zu, zu dem ihn seine stete Liebe zu schönen Büchern be¬ 
sonders hinzog. — Er kaufte den im Jahre 1808 von Jul. Ed. Hitzig be¬ 
gründeten und im Jahre 1816 von Ferd. Dümmler fortgeführten, nun 
Ferd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung genannten Verlag. Neben her¬ 
vorragenden Werken wissenschaftlicher und schöngeistiger Richtung 
waren es besonders die Abhandlungen der Kgl. Akademie der Wissen¬ 
schaften, die Berichte der chemischen Gesellschaft, beide zu Berlin, 
die Zeitschrift für vergleichende Sprachforschung und die Zeitschrift 
für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft der Professoren Lazarus 
und Steinthal, welche dem Verlage zur Zierde gereichten. Neben letzt¬ 
genannten, ihm befreundeten Gelehrten seien noch als Autoren des 
Verlages Fr. Adami, Verf. der Biographie der Königin Luise, C. Abel 
(„Koptische Untersuchungen“), Gisela v. Arnim (Dramatische Werke), 
Genera] v. Clausewitz („Vom Kriege“, usw.), Emil Du Bois-Reymond, 
Herrn. Grimm, Th. Mommsen, der Egyptologe Brugsch-Pascha, der 
Botaniker Pringsheim, A. Weber (der „Sanskrit-Weber“), der Ethno¬ 
loge Bastian erwähnt, während in dem übernommenen Verlag beson¬ 
ders das Ehepaar Fouqu£, Chamisso, der Romanist Mahn, der 
Philologe Zumpf, der Geologe Leop. v. Buch, der Sprachforscher Frz. 

. Bopp, der Astronom Bode, Alex, und Wilhelm v. Humboldt, E. T. A. 
Hoffmann, der Egyptologe Lepsius vertreten sind. Ein noch im Fa¬ 
milienbesitz befindliches Album von Original-Photographien zeigt einige 
dieser Männer in getreuen und selten gewordenen Porträts, so Her¬ 
mann Grimm mehrfach, ebenso den Bildhauer Reinhold Begas, den 
Maler Gustav Dor6 und andere. Auch Berthold Auerbach und Paul 

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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 


Heyse gehörten zu seinem Bekanntenkreis. Professor Steinthal Über¬ 
nahm die Patenschaft bei einem seiner Söhne. 

Die buchhändlerische Tätigkeit erschöpfte keineswegs seine große 
Arbeitskraft; vielmehr fand er Zeit und Lust zu einer regen außerbe¬ 
ruflichen und dem Wöhle seiner Mitbörger gewidmeten Tätigkeit, teils 
als langjähriger Bezirksvorsteher, dann als Mitbegründer des großen 
Vereins gegen Verarmung und Bettelei, des Asylvereins für Obdach¬ 
lose und des Vereins für das Wohl der aus der Schule entlassenen 
Jugend. Besonders letzterer lag ihm sehr am Herzen, und ich erinnere 
mich noch lebhaft, wie wir Kinder große, gerahmte Bilder aus unserer 
Wohnung am Sonntag in das betreffende Versammlungslokal schleppten, 
die dann vorgeführt und erläutert wurden. 

ln der Erfüllung solcher dem öffentlichen Wohl gewidmeter Arbeit 
kam er, auf einer Recherche bei einer armen Familie am 12. März 
des Jahres 1875, plötzlich durch einen Unglticksfall im besten Mannes¬ 
alter ums Leben, kräftig und gesund, so daß er noch viel Gutes zu 
leisten und zu schaffen imstande gewesen wäre. 

Hier interessiert besonders, was er als Bibliophile im besten Sinne 
darstellte, als Bibliophile nicht nur bei der Herstellung von Büchern, 
indem er stets Wert auf gute Ausstattung legte und mit feinem Ge¬ 
schmack und großer Sorgfalt Papier und Typenart auswählte, lllustra- 
tionsmaterial mit Liebe und Verständnis herbeischaffte — er besuchte 
zu diesem Zweck auch den Maler Schwind, dessen „Sieben Raben“ 
dazu die Anregung gaben, um ihn für Illustrierung der Grimmschen 
Märchen zu gewinnen — sondern auch als Besitzer' einer geschmack¬ 
voll zusammengestellten eigenen Bibliothek, die zumeist noch erhalten 
ist. „Zu meinen Büchern sage ich Sie,“ pflegte er zu sagen, wenn er 
jemandem, und wie gern tat er dies, etwas von seinen Lieblingen zeigte 
und der Betreffende dieselben nicht sorgfältig anfaßte oder darin 

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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 


blätterte. — Für die größeren Illustrationswerke hatte er besondere, 
weiche Pappunterlagen vom Buchbinder machen lassen; manches be¬ 
sonders kunstvoll gebundene Werk mit ziseliertem Goldschnitt und 
Ornamenten findet sich in dieser kleinen, aber gewählten Haus-Bibliothek. 

Es war ein Vergnügen, ihn vorlesen zu hören, er tat es gern und 
mit besonderem Verständnis und guter Wirkung auf die Zuhörer. 

Auch kunstwissenschaftliche, besonders architektonische Studien, be¬ 
trieb er einst mit Eifer; nicht nur die in dieses Gebiet gehörenden 
Werke legen Zeugnis davon ab; sondern auf Reisen suchte er beim 
Besuch von alten Städten und Kirchen sein Wissen praktisch zu be¬ 
reichern. 

Zahlreich waren bei seinem durch die Tragik des Unfalls besonders 
erschütterndem Tode auch die Beileidsäußerungen Fernstehender, be¬ 
sonders aus der Gelehrtenwelt, aber eine der schönsten war doch die 
ehrende Widmung, die Prof. Steinthal der zwei Jahre nach dem Tode 
(1877) erschienenen „dritten, abermals erweiterten Ausgabe“ seines be¬ 
rühmten Werkes „Der Ursprung der Sprache ...“ beifügte. Die wegen 
ihrer inhaltreichen Worte noch jetzt lesenswerte Zueignung sei hier 
wiedergegeben: „Der Erinnerung an Dr. phil. Julius Harrwitz gewidmet 
vom Verfasser.“ „Dies ist das erste Buch, welches ich nach Deinem 
Hinscheiden veröffentliche: so ist es natürlich der Erinnerung an Dich, 
verewigter Freund, gewidmet. Ein plötzliches Geschick, nicht wie es 
aus der Natur des Menschen folgt, sondern wie der Zufall es schafft, 
bat Dich uns unerwartet entrissen. Ist also unser Leben, sein Ende 
wie sein Anfang, Zufall? Vielleicht. Und unser Wirken? Vielleicht. 
Doch können wir uns zu unserer Beruhigung sagen: unter den Mächten 
des Zufalls findet sich zufällig auch die dem menschlichen Selbstbe¬ 
wußtsein entsprossene Idee. 

Dieser Idee waren auch Deine Kräfte gewidmet: in der Jugend — 

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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 


der Idee des Wahren, im beginnenden Mannesalter — der Idee des 
Schönen, im reifen Mannesalter — der Idee des Guten. Dies ist ja 
wohl die normale Entwicklung der HumanitSt im menschlichen Individium. 

Wenn ich nun meinen Blick auf dem Gewirr der Erscheinungswelt 
ruhen lasse; wenn mir schwindelt vor dem rastlos rasenden Zufall, der 
im selben Augenblicke Millionen Wesen schafft und zerstört, zerstört 
und schafft, wenn mir Atem und Besinnung vergeht vor dieser wider¬ 
standslosen Notwendigkeit, die nicht stark ist und nicht schwach, nicht 
gewaltsam und nicht sanft, die eigenschaftslos, nur das ist was sie ist, 
die wir wohl kennen, aber die unser nicht achtet; wenn ich mich frage: 
träume ich, ich idealer Tor? höre ich das Kichern neckischer Dä- 
mone? — dann bricht wohl bald in mir Erinnerung an wie dämmern¬ 
der Morgen, der schnell zum goldigen Tage wird, Erinnerung an alle 
idealen Geister, die mich belehrt, erbaut, erfreut, und darunter bist 
auch Du, der ideale Buchhändler, der es weiß und will, daß er am 
Webstuhl der Geister sitzt und das Schifflein hin und her schickt, auf 
daß die mannigfach angesponnenen Fäden der Denker sich unterein¬ 
ander und mit dfem Geiste des Volkes verflechten können. Schnell 
schwinden dann die Schatten vor mir, und die Erinnerung steigt als 
hell beleuchtende Sonne, daß ich immer klarer und klarer sehe: Ja, 
alles ist Zufall, und doch sind die Ideen kein leerer Wahn. 

Auch das vorliegende Buch, wie es zuerst erschien, war von Dir 
veranlaßt, auf Deinen Wunsch gemacht; Du freutest Dich, als 
es abermals ausgesandt ward mit erweitertem Inhalte. Immer noch war 
es, das andere wie das erste Mal, ein Heft; jetzt ist es ein Buch. 
Aber wie verschieden ist meine heutige Stimmung von der ersten! So 
wäre es gewiß auch die Deinige gewesen. Sind wir noch das Volk des 
Idealismus? — Doch fern bleibe Trübsinn. Trotz all dem — die Idee 
der Humanität ist kein leerer Wahn. Der Verfasser. 

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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 


Diese Worte des Gedenkens eines der bedeutendsten Autoren des 
Verlagas zeugen von der Art des Verlegers, der sich nicht nur damit 
begnügte, 'Bücher gut auszustatten und zu verbreiten, sondern häufig 
die erste Anregung dazu gab, daß sie geschrieben wurden. 

Trotzdem war seine Bescheidenheit groß; er scheute jedes Heraus- 
treten in die Öffentlichkeit, so daß er weniger bekannt wurde als mancher 
kleinere Geist, der sein Licht gern hell leuchten läßt; aber für ihn 
gilt der Spruch, der auf seinem auf dem alten jüdischen Friedhof zu 
Berlin stehenden Grabdenkmal, das in gotischem Stil nach einem be¬ 
sonderen Entwurf von Adalbert Müller gefertigt ist, eingemeißelt wurde: 
„Sein Leben war dem Edelsten geweiht. 

Für hohe Zwecke ward ihm hoher Sinn.“ 

M. H. 

A. v. Chamissos Schlemihl Handschrift. In der. April-Gesamtsitzung 
der Berliner Akademie der Wissenschaften legte Professor Dr. Roethe eine Mit¬ 
teilung von Dr. Helmuth Rogge in Charlottenburg über: „Die Urschrift von 
Adalbert von Chamissos Peter Schlemihl*' vor. ln dem Besitz von Dr. Rogge 
befindet sich aus dem Nachlaß seines mit Chamisso befreundet gewesenen Ur¬ 
großvaters, des Botanikers Dietrich Franz Leonhard v. Schlechtendal, ein von dem 
Dichter geschriebenes Heft, das für die Kapitel i—3 und 6—11 vermutlich die 
erste Aufzeichnung, für die Kapitel 4 und 5 eine eigenhändige Reinschrift des 
ersten Schlemihltextes bietet. Datiert ist das Manuskript: „Cuncrsdorf, den 
24. Fbr. 13**. Der ohne Chamissos Wessen veranstaltete erste Druck beruht auf 
einer jüngeren vom Herausgeber Hitzig redigierten Handschrift. Abgesehen von 
Einzelheiten, enthält die ursprüngliche Fassung eine später stark gekürzte große 
Reiseschilderung des Siebenmeilensticfel-W r eltreisenden. 

Eingedruckte Exlibris. Die Sitte, das Bucheignerzeichen auf 
der Innenseite .des Einbandes einzukleben, geht bekanntlich bis auf das 
fünfzehnte Jahrhundert zurück. Hin und wieder, und zwar nicht gerade 
selten trifft man auf Bücher, die von einem Vorbesitzer mit einem 
auf der Rückseite des Titelblattes aufgeklebten Bibliothekszeichen ver¬ 
sehen sind. Von den verschiedenen anderen Arten, das Buch als Eigen- 

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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 


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tum einer bestimmten Person kenntlich zu machen, wie z. B. durch 
das primitive Einschreiben des Namens auf dem Innendecke] oder auf 
dem Titelblatt mit oder ohne einen Spruch, oft auch mit Angabe des 
Kaufpreises und des Datums, oder durch Aufdruck auf der Außen¬ 
seite des Einbandes (Super-Exlibris), Angabe des Besitzers auf- dem 
Schnitt oder auf den Schließen, letztere Art eine der ältesten Bezeich¬ 
nungsweisen, soll hier nicht weiter eingegangen werden. Mancherlei 
hierüber findet sich in den ersten Jahrgängen der jetzt selten gewor¬ 
denen Exlibris-Zeitschrift. , 

Hingegen dürfte kaum bekannt sein, daß einige wenige Bibliophilen 
in älterer Zeit die gewiß sehr umständliche und kostspielige Methode 
angewandt haben, ihr Kupferstich-Exlibris in dem neuerworbenen Buch 
auf einer weißen Seite gleich vor dem Einbinden eindrucken zu lassen. 
Nur so waren sie ganz sicher, daß ihr Bucheignerzeichen niemals ent¬ 
fernt werden konnte. Die eingeklebten Exlibris lassen sich loslösen 
und tatsächlich trifft man, seit das Exlibris-Sammeln Mode geworden 
ist, selten noch auf Bücher, die ein altes Exlibris enthalten; meist 
sieht man nur noch die Anzeichen, daß ein solches einmal eingeklebt 
war oder Reste desselben. Auch haben oft Nachfolger im Besitz des 
Buches das des Vorbesitzers überklebt. Auch die Super-Exlibris waren 
bei Ilmbinden des Buches vor einem Verschwinden nicht geschützt. 
Das eingedruckte große Exlibris konnte nur entfernt werden, indem 
man das Buch selbst unvollständig machte. 

Bisher sind mir in etwa 35 Jahren nur 1 Fälle bekannt geworden, 
in denen ich diese sichere Methode des Eindruckens feststellen konnte. 
Ich sehe dabei natürlich von einem Einbinden des Exlibris als ganzes 
Blatt ab, da auch dieses sich leicht herausnehmen läßt und eine solche 
Anwendung nur erforderte, daß man das Blatt dem Buchbinder zu¬ 
gleich mit dem noch nicht gebundenen Buch übergab. 

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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 


Die zwei Bibliophilen, welche ihr Exlibris in jfe einem mir bekannt 
gewordenen Falle eindrucken ließen, haben dies auch nicht immer ge¬ 
tan; hierzu wird ihnen oft die Möglichkeit natürlich gefehlt haben. 

Der Nürnberger Buchhändler Fr. Roth-Scholtz, geboren 1687 (ver¬ 
gleiche über ihn Joechers Gelehrten-Lexikon 111 , Spalte 2253), war 
ja als Sammler bekannt. Er muß, als er das in Nürnberg im Jahre 1629 
in Quartformat erschienene Buch von B. Leuber: Quaestiones de 
reductione monetali . .. erwarb, doch wohl dasselbe „in albis“, also 
in rohen Bogen, noch erlangt haben, da er es auf der Rückseite 
des Titelblattes mit der Kupferstichplatte (seines von 'Warnecke 
Deutsche Bücherzeichen unter Nr. 1797 beschriebenen) Exlibris 
bedrucken ließ. (Das interessante Exemplar ist jetzt im Besitz der 
Stadtbibliothek Nürnberg). Unlängst fand ich ein zweites derartiges 
Buch, das von einem anderen deutschen Bibliophilen Kunde gibt, der 
dieselbe Methode des Eindruckens anwendete. Es ist der Philosoph 
und Arzt G. J. F. Thomasius (ebenfalls!) in Nürnberg, der mehrere 
Exlibris besaß und einklebte. Merkwürdigerweise trägt das von mir 
unlängst erworbene "Werk von Wilhelm Bates: Vitae selectorum aliquot 
virorum qui doctrina, dignitate aut pietate inclaruere, das in London 
im Jahre 1681 (Joecher gibt irrtümlich 1687 an) in Quartformat ver¬ 
öffentlicht wurde, auf der letzten, sonst weißen Blattseite das schöne 
große Exlibris des genannten deutschen Gelehrten, welches Warneke 
unter Nr. 2176 richtig beschreibt. Das Schlußblatt des Werkes ist 
auf Seite 749 voll bedruckt und schließt mit „Finis“. Während Warneke 
die Bildgröße richtig mit 130x168mm angibt, ist die Blattgröße 
185x234 mm. Das schöne Exlibris ist von dem Nürnberger J. B. Ho- 
mann nach einer Zeichnung J. J. de Sandrarts gestochen und es ist 
nur fraglich, wie es möglich war, das große Nürnberger Exlibris in 
dem Londoner Druckwerk einzudrucken. Der einfache alte Perga- 

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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 


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mentband konnte deutsche Arbeit sein. Vielleicht hat auch Thomasius 
ein Exemplar des Buches in ungeheftetem Zustand erhalten und vor 
dem Binden sein Exlibris auf das letzte Blatt drucken lassen. Das Ein¬ 
drücken in das gebundene Exemplar scheint mir angesichts der Größe 
der Kupferstichplatte und des scharfen Abdruckes mit eingepreßtem 
Plattenrand, von dem keine Spurauf den vorhergehenden Seiten zu 
bemerken ist, ausgeschlossen. 

Heutzutage bei den bedeutend erleichterten Verkehrsverhältnissen 
wäre es natürlich leichter, bei Erwerb eines Buches dem Buchdrucker 
durch Vermittlung des Verlegers, seinen Exlibris-Druckstock zum Ein¬ 
drücken zu übersenden oder einfacher ein ungeheftetes Exemplar des 
Buches zu erwerben und bedrucken zu lassen. Meines 'Wissens wendet 
kein moderner Bibliophile diese etwas umständliche Methode, sich 
sein Eigentum zu schützen, an, obwohl doch die Herstellung von eigenen 
Einbänden Gelegenheit bietet, auch diese Maßregel zu treffen. Für 
öffentliche und ständige Büchereien wäre sie gewiß von nicht zu 
unterschätzender Bedeutung. M. H. 


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Houston Stewart Chamberlain. Lebenswege meines Den¬ 
kens. München, F. Bruckmann: 1919. V 1 IJ, 41a ( 420 ). S. 8°. 

Chamberlains Persönlichkeit gehört mit ihrer selbstsicheren Eigenwilligkeit (um 
nicht das leicht mißverstandene Wort Originalität anzuwenden) zu den in Politik 
und Wissenschaft der Gegenwart stark umstrittenen, so daß die Annahme, sein 
neues Werk sei ähnlich den augenblicklich sehr beliebten Anklage- und Ver¬ 
teidigungsschriften in der Form von Lebenserinnerungen, schon gegeben wäre. 
Indessen brauchen auch diejenigen, die Chamberlains Hauptwerken nicht immer 
zustimmen wollen, weder Aktualitäten noch Polemiken zu befürchten, wenn sie 
sich dem reizvollen Buche zuwenden, das, wie sein Titel besagt, sich den besten 
Memoiren anschließen möchte, die aus den Erlebnissen das geistige Erlebnis 
machen wollen, das für eine geschichtliche Betrachtungsweise immer der Brenn¬ 
punkt aller verworrenen Lebenslinien eines Menschenschicksals sein wird. Von 
den in die Briefform gekleideten, um Aussprache und 'Widmung zu rechtfer¬ 
tigenden fünf Abschnitten ( 1 . Meine Herkunft, 11 . Meine Erziehung, 111 . Meine 
Naturstudien, IV. Mein Weg nach Bayreuth, V. Mein Buchgaden — ein sechster 
und Hauptabschnitt: Meine religiösen Erlebnisse, soll später veröffentlicht werden) 
ist der fünfte derjenige, um dessentwillen das Werk auch hier Erwähnung finden 
muß: es ist die Autopsychologie eines bedeutenden Bücherkenners, die sich den 
hervorragendsten Schriften ähnlicher Art, die die Bibliophilie-Literatur aufzählt, 
gl eichstellen kann. Die Auseinandersetzung Chamberlains mit seinen Büchern ist 
so geist- und kenntnisreich, ist vor allen Dingen von einer solchen freien Künstler¬ 
schaft der Anschauung und ihres Ausdruckes, daß die ausführlichere Wiedergabe 
ihres sachlichen Inhalts (die schließlich doch nur zu einer kritischen Tabelle ver¬ 
schiedener Titel werden würäe, der die Begründung fehlte, wie sie in den Cham- 
berlainschen Erläuterungen gegeben ist) den Leser um einen Genuß bringen würde, 
den ihm die unmittelbare frische Wirkung dieser Lebensbetrachtungen in jedem 
Falle verschaffen wird. Um einen Genuß, den sich kein Buchfreund entgehen 
lassen sollte. Wir möchten wünschen, daß in recht vielen selbsterzählten Lebens¬ 
geschichten ein solches Kapitel sich fände, wie es Chamberlains Lebenswege 

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schmückt, wir besäßen dann Vergleichungsmaßstäbe für das literarhistorische 
'Werturteil, die sich nicht besser ausdenken ließen. Allerdings kommen bei Cham» 
berlain eine Anzahl glücklicher Umstände zusammen, die der Selbständigkeit 
seiner Urteile ihre eigene Bedeutung gibt: durch seine Bildungsgeschichte ge¬ 
hört er drei Völkern an und ist mit ihrem Schrifttum nicht nur vertraut, sondern 
derart verwachsen, daß er cs gefühlsmäßig begreift, nicht erst es verstehen zu 
lernen braucht. Sodann ist für sein künstlerisches Temperament und für seine 
naturwissenschaftliche Betrachtungsweise das Buch kein Gegenstand des Lebens» 
sondern ein in seiner Anwendung und Verfeinerung wechselndes Werkzeug des¬ 
jenigen, der es geschrieben hat. Demgemäß sind die Buchgrenzen, die er zieht» 
abhängig davon, inwieweit die Vermittelung eines geistigen und künstlerischen 
Werkes überhaupt durch Buchformen gelingt, demgemäß unterscheidet er von 
den Büchern in ihrer Vollendung diejenigen Buchüberlieferungen, die mehr und 
die weniger als Bücher sind. Die Bibliophilie Chamberlains, denn sein Verhältnis 
zu den Büchern ist weit mehr Bibliophilie als jener blinde Bücherglaube, der 
von der Angst vor derAutorität des gedruckten Wortes bis zu der Ausgabenver¬ 
ehrung mancher Sammler reicht, die überhaupt nichts mehr davon wissen wollen, 
daß alle Bemühungen um ein Buch letzten Endes nur dem in ihm verkörperten 
Werk gelten, und daß dieses wiederum nur das Mittel eines geistigen und künst¬ 
lerischen Verkehrs mit dessen Verfasser ist, diese Bibliophilie eines Mannes mit 
eigenem Kopf ist in jeder Hinsicht kennenswert. Und gerade diejenigen Buch¬ 
freunde, die mehr noch in ihren Büchern selbst zu finden vermeinen als Cham¬ 
berlein, der gelehrte und genießende Leser, die mit begeisterter Leidenschaft» 
mit bibliographisch - Jiterarwissenschaftlicher Gründlichkeit, das Buch als einen 
Gegenstand handhaben können, aus dessen sinnlicher Greifbarkeit ihnen eine be¬ 
wußte Verfeinerung jenes Verkehres mit hohen Geistern erwächst, sie werden am 
ehesten das Beispiel beherzigen wollen, das ihnen Chamberlain gibt, mit ihren 
Büchern zu leben, indem sie zu erkennen streben, weshalb sie gerade mit dem 
einem oder dem anderen Buche vertrauter wurden, ln einer Epoche des litera¬ 
rischen Experimentes muß die ausführlich begründete Bücherliste in Chamberlains 
Erinnerungen allein durch ihr Zustandekommen wertvoll erscheinen. Chamberlain ist 
einen sehr breiten und sehr freien Bildungsweg gegangen. Seine Begegnungen mit 
den Klassikern waren nicht gesucht sondern zufällig und zwingend. Und nicht lite¬ 
rarischer oder gar literarhistorischer Art, eher schon die eines sich leicht be¬ 
geisternden Künstlertemperamentes, dessen Phantasie aber doch auch wiederum 
durch den Verstand des von naturwissenschaftlicher Fachbildung zurückgehaltenen 
gezügelt wurde. So ist die mächtige Namenssuggestion der Klassikerautorität 
dem eifrigen und geschickten Leser gegenüber weit weniger wirksam gewes£h 
als anderen mit und zu bestimmten Büchern erzogenen. Wenn trotzdem also dieses 
oder jenes verehrte Werk auch im Bücherschatz Chamberlains glänzt, mag man 
darin eine neue Bestätigung seiner Echtheit finden. 

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Illustrations of one hundred manuscripts in the library 
of Henry YatesThompson. Vol. i—7. London, Chiswick Press: 
j 907—1 8. 8°. 

Catalogue of twenty-eight illuminated manuscripts and 
two illuminated printed books, the property of Henry Yates 

« 

Thompson. London, Dryden Pr.: 1919. VI, 61 S* 4 0 . 8°. 

Wiegendrucke und Handschriften. Festgabe Konrad Hae¬ 
bler zum 60. Geburtstage dargebracht von Jsak Collijn (u. a.) 
(Herausgeber: Erich v. Rath.) Mit 1 Bildnis, 26 Tafeln und 
16 Abbildungen. Leipzig, Hiersemann: 1919. 206 S. 4 0 (8°). 

Dansk Bibliografi 148z —155°* Med saerligt Hensyn til 
dansk Bogtrykkerkunsts Historie. Af Lauritz Nielsen. K 0ben- 
havn & Kristiania, Gyldendal: 1919. XLV 11 , 247 S. 4 0 . 

Nederlandsche Bibliographie van 1500 tot 1540 door 
Wouter Nijhoff. Met Medewerking van M. E. Kronenberg. 
’S-Gravenhage, Martinus Nijhoff: 1919. 

Die erste Lieferung der Niederländischen Bibliographie von 1500—1540, eines 
auf etwa 15 Lieferungen yon je 64 Seiten berechneten 'Werkes, verspricht nach 
seinen sehr sorgfältigen Vorarbeiten eine wertvolle Bereicherung der bibliogra¬ 
phischen Literatur. Anschließend an die „Annales“ M. F. A. G. Campbeils, die 
die in den Niederlanden (Holland und Belgien) bis zum Jahre 1500 gedruckten 
Bücher verzeichnen und für die Druckerzeichen und Holzschnitte unter Verwei¬ 
sung puf Wouter Nijhoff's, L'Art typographique dans les Pays-Bas 1500—1540, 
die das stenographische Material sammelte, sollen etwa 2200 Bücher eine aus¬ 
führliche Beschreibung finden, c Eingehender auf Bearbeitung und Inhalt des 
neuen Handbuches zurückzukommen, wird das Erscheinen der fortsetzenden Lie¬ 
ferungen Gelegenheit geben. Aber schon jetzt sei darauf hingewiesen, daß der in 
ihm behandelte Zeitraum literarisch vielfach erheblich interessanter als die Inku¬ 
nabelnepoche ist. Wenn auch in der Wiegendruckzeit viele editiones principes 
hervorragender Schriften veröffentlicht wurden, so ist die erste Hälfte des sech¬ 
zehnten Jahrhunderts, auch wenn man ihre Bedeutung für die Reformationslite- 
ratur außer Betracht läßt, für die bibliographische Literaturgeschichte deshalb so 
wichtig, weil in ihr die Opera humaniora gegenüber den im fünfzehnten Jahrhun- 
. dert bevorzugten operibus divinis durch die Verbreitung und Vermehrung der 

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Buchdruckereien eine erheblich gesteigerte Vervielfältigung fanden, was den Aus¬ 
gaben vieler Literaturdenkmale zugute kam. Aber selbst dann, wenn man dieses 
literaturhistorische Moment für die Notwendigkeit eines genauen Verzeichnisses 
aller bis etwa 1550 hergestellten Druckwerke, das sich aus regionalen Spezial¬ 
bibliographien zusammenschließen muß, nicht für ausschlaggebend hält, so ist jeden¬ 
falls der Umstand, daß die Grenze der Wiegendruckzeit mit dem Jahre 1500 nur 
aus äußeren Gründen willkürlich gezogen wurde und daß die Buchdruckentwick¬ 
lung sich eigentlich erst in einem ganzen Jahrhundert zu derjenigen Stufe voll¬ 
endete, in der die Buchgestaltung, wie sie noch unserer Gegenwart eigen ist, einen 
in ihren Grundzügen festen Abschluß fand, notwendigerweise bestimmend dafür, 
die vollständige Inkunabelnbibliographie bis zur Mitte des sechzehnten Jahr¬ 
hunderts auszudehnen. Man darf hier schließlich auch nicht den inneren Zu¬ 
sammenhang übersehen wollen, den die Buchdruckerfindung und die Reformation 
als Erscheinungen der großen Geistesrevolution haben, aus der die in unsere 
Gegenwart hineinreichende Neuzeit hervorging. Und nicht nur mit der äußeren 
Buchform hat sich in den Anfängen der Neuzeit eine bedeutende Veränderung 
vollzogen. Beruhte doch die Buchwandlung letzten Endes auf einer inneren Um¬ 
gestaltung der Schriftwerke, die mit der Neuordnung der Wissenschaften einzu¬ 
treten begann, indem sich durch sie auch das Verhältnis von Werk und Buch 
änderte. Woraus für die Bibliographie die Lehre abgeleitet werden könnte, daß 
die im ersten Buchdruckjahrhundert entstandene Büchermasse als Gesamtheit ihre 
noch mögliche Inventarisierung finden muß, während für die bibliographische Er¬ 
fassung der späteren Bucherzeugung aus praktischen Gründen die bibliographische 
Spezialisierung eintreten sollte. Nicht lediglich deshalb, weil der zu behandelnde 
Stoff allzu umfangreich wurde, sondern schon deshalb, weil die sich ändernde 
Art des literarischen Betriebes auch im Buchgewerbe die Buchware vom litera¬ 
rischen Produkt schied, das geistige und gewerbliche lirhebertum eines Werkes 
scharf trennte, obschon beim fertiget gedruckten Buche die Trennungslinien ver¬ 
wischt zu sein pflegen und somit ihre Aufdeckung häufig eine Aufgabe der Bücher¬ 
kunde wird. Für die geschichtliche Erkenntnis solcher Vorgänge ist aber der 
Zeitraum von 1500 bis 1550, in dem sie sich auszubilden begannen, ebenfalls sehr 
wichtig. Ein Gesichtspunkt, der die Bedeutung der Nijhoffschen Arbeit als Bei¬ 
trag zur Buchdruckentwicklungsgeschichte auch über das enge Fachgebiet hinaus 
erkennen lassen wird. 

Die hochdeutschen Schriften aus dem 15. bis zum 19. J ahr- 
hundert der Schriftgießerei und Druckerei von Joh. En¬ 
schede en Zonen in Haarlem: (1919). (200) S. 8°« 

Die berühmte Haarlemer Offizin, auch in Deutschland seit einem Jahrzehnt 
durch viele wohlgelungene von ihr hergestellte Liebhaberausgaben allgemein be- 

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kannt geworden, verfügt über einen Vorrat alter Schriften, der nach Bedeutung 
und Umfang vielleicht sogar von den Sammlungen der wenigen hier in Betracht 
kommenden Staatsdruckereien (der Imprimerie Nationale in Paris, der Druckerei 
der Propaganda in Rom, der gewissermaßen halbamtlichen Oxford Press) nicht 
übertrofFen wird. Zielbewußte Vermehrung und glückliche Zufälligkeiten haben 
diese Schriftensammlung geschaffen, über die außer einigen größeren wissenschaft¬ 
lichen Arbeiten eine Anzahl Schriftprobenbücher von der Enschede-Offizin ver¬ 
öffentlicht wurden, die ebenso wertvoll für die Bereicherung der Buchdruckge¬ 
schichte, wie für die der Buchkunst sind. Ihnen reiht sich das angezeigte letzt¬ 
erschienene Werk dieser Reihe ebenbürtig an, es befriedigt mit seinem praktischen 
Zweck, Anwendungsmöglichkeiten der in ihm behandelten Schriften zu veran¬ 
schaulichen, gleichzeitig auch die Ansprüche, die der Buchgeschichtsforscher, der 
Buchkunstfreund an eine Probe alter Druckschriften nur immer stellen mögen. Das 
lange Register der in der Probe enthaltenen alten Schwabacher und Fraktur¬ 
schriften läßt sich an dieser Stelle nicht wiederholen. Man muß schon die An¬ 
wendung der Schriften in dem Bande selbst studieren, der neben einer, von dem 
bekannten Grimmelshausen Forscher Prof. Scholte-Amsterdam besorgten, kleinen 
Anthologie älterer deutscher Literatur die folgenden Abhandlungen enthält: G.Mori, 
Christian Egenolff, der erste ständige Buchdrucker in Frankfurt a. M.; Ch. Mün¬ 
den, Von den ersten Frankfurter Buchdruckern; ]. Enschede, Notiz über die erste 
Frankfurter Druckerei; G.Mori, Geschichte und Entwicklung des Schriftgießerei¬ 
gewerbes in Frankfurt a. M.I Ch. Enschede, Die Druckerei der Elsevier und ihre 
Beziehung zu der Lutherischen Schriftgießerei, dazu die J. F. Ungerschen Ver¬ 
öffentlichungen über seine Fraktur: Inserat Ungers in der Staats-und Gelehrten- 
Zeitung 1791 Nr. 67 und Antwort von J. G. J. Breitkopf auf das Inserat in der 
Beilage dieser Zeitung 1791 Nr. 1 ao mit der dazu gehörigen Nachricht Ungers; 
Vorwort der „Neuen Cecilia“ (Berlin: 1794); Probe einer neuen Art Deutscher. 
Lettern (Berlin: 1795). Ebenso wie zu den Elseviers hat die Luthersche Schrift¬ 
gießerei auch zu Unger eine geschichtliche Verbindung. Wenn daher heute die 
Enschedl-Offizin die historische Tradition dieser ihrer Vorgänger (denn sie be¬ 
wahrt und verwendet Schriften, die ihr aus diesen drei weiland weltbekannten 
Betrieben zugekommen sind) hochhält wie das durch ihre neue schöne Probe ge¬ 
schieht, kann sie des Dankesr aller derjenigen sicher sein, die über den Erfolgen 
der Gegenwart auf buchgewerblichem Gebiete die Verdienste der Vergangenheit 
nicht vergessen wollen. 

Sonnet auf das yon Ihrer koenigk Hoheit der Churprin¬ 
zessin zu Sachsen selbst verfertigte, in Musik gesetzte und 
abgesungene Pastorell 11 trionfo della Fedelta. Womit zu¬ 
gleich eine neue Art Noten zu drucken bekannt gemacht 

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wird. Die Musik ist vom Herrn Kammer-Secretair Graefen 
in Braunschweig. Leipzig Aus den Breitkopfischen Offi¬ 
zinen 1755. (Neuauflage: 1919.) 8 BL quer 2°. 

ln der Druckwerkentwicklungsgeschichte hat die 1754 gemachte Erfindung 
Johann Gottlob Immanuel Breitkopfs, den Satz mit beweglichen und teilbaren 
Notenlettem zu verbessern, auch heute noch ihre hohe Bedeutung, weil die da¬ 
mals erreichte Vollkommenheit des Notensatzes bisher nicht übertroffen worden 
ist. Die Leistungsfähigkeit seines neuen Verfahrens bewies Breitkopf durch die 
Veröffentlichung einer dreibändigen Prachtpartitur des Dramma pastorale per 
musica: 11 trionfo della Fedeltä der Kurprinzessin, spätereren Kurfürstin Marie 
Antonie Walpurgis von Sachsen. Vorangegangen war diesem Werk als erste Druck¬ 
probe des neuen Notensatzes das jetzt in Faksimilenachbildung zu Ehren des 
fünfzigjährigen Geschäftsjubiläums von Dr. G. O. J. von Hase in einer Auflage 
von 300 Abzügen neugedruckte Heft, das als Denkmal der Druckkunst seine 
sorgsam ausgestattete Erneuerung verdient hat. 

„Sende-Schrcibcn, in welchem erwiesen und dargetan, daß 
die öffentlichen Bücherauktionen denen Gelehrten nicht 
allein schimpflich, sondern auch höchst schädlich und nach¬ 
teilig sind; Worinnen zugleich die List und der Betrug so 
dabey yorgehet, offenbaret und an Tag geleget wird. (Der 
Gott und Menschen wohlgefällige christliche Kauffmann. 
1718. (Cap. 11.) Mit einem Nachwort Yon F. von Zobeltitz. Dem 
„Berliner Bibliographischen Abend“ gewidmet. Berlin- 
Friedenau, Rauthe: 1919* 12 Bl. 8°. 

Die, unter diesem Titel dem „Berliner Bibliophilen»Abend“ gewidmete hübsch 
ausgestattete Spende, muß als ebenso aktuell wie interessant bezeichnet werden, 
ln dem lesenswerten Nachwort sagte v. Zobeltitz, daß diese Abhandlung einem 
größeren Werk eines unbekannten Autors entnommen wurde und das betreffende 
Werk nur noch in einem zweiten Exemplar, das sich auf der preußischen Staats¬ 
bibliothek befindet, bisher nachg^wiesen werden konnte, wo es ohne Verfasser¬ 
namen registriert ist. f> Allerdings widerspricht dieser Angabe eine andere Notiz 
der Firma Rauthe in seinem Antiquariatskatalog 75, da dort bei gleichzeitigem 
Abdruck jener Abhandlung und unter Hinweis auf die betreffende Nr. 75 des 
Kataloges, wo das Werk selbst angeboten wird, dem jene Abhandlung entnommen 
wurde, ein Vermerk beigefügt ist, „Auch über den Verfasser konnte bisher nichts 
Genaues nachgewiesen werden. Die Bezeichnung des Verfassemamens in dem Ka- 

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taloge der Preußischen Staatsbibliothek dürfte wohl irrig sein“. Nun nennt das 
Deutsche Anonymen-Lexikon in Band 2 unter Nr. 11 783 den Verfasser bei An¬ 
führung des Werkes, das nach Rauthes Katalog „Der Gott und Menschen wohl¬ 
gefällige Christliche Kauffmann!" betitelt ist, Conrad Mell (Mel); als Quelle wird 
die Bibliotheca Anonymorum et Pseudonymorum detestorum des Chr. Mylius, 
Hamburg 1740, angegeben, allerdings mit Fragezeichen, wie auch das Erschein 
nungsjahr des Werkes (ohne Ort 1711) als fraglich bezeichnet wird, f> Es scheint 
jedoch diese Verfasserschaft wohl begründet zu sein. Rauthe gibt als ungefähren 
Zeitpunkt des Erscheinens ca. 1720 an. Mylius dürfte über dieses zu seiner Zeit 
erschienene Werk wohl unterrichtet gewesen sein, da er den Verfasser bestimmt 
bezeichnet. 

Joecher, der sein Gelehrten-Lexikon ungefähr in der gleichen Zeit bearbeitet 
hat, führt in der großen (neuen) Quart-Ausgabe Band 3 Spalte 401/1 den von 
Mylius genannten Autor Conrad Mell auf, und zwar mit folgenden Angaben: „ein 
reformierter Prediger, geboren 1666 den 14. August zu Judensberg in Nieder- 
Hessen, all wo sein Vater Jo. Mel, Metropolitan der Stadt und Classe dieses 
Nahmens war ... Er starb zu Hersfeld den 3. May 1733 und hat in seinem 
Ehestand 24 Kinder erzeuget, auch ebenso viel gedruckte Schriften hinterlassen". 
Unter den nun aufgeführten Titeln findet sich auch „der christliche Kauffmann". 
Solange kein stichhaltiger Grund dagegensteht, kann man also ruhig Mell (Mel) 
nach Mylius und Joecher als den Verfasser des christlichen Kaufmann gelten lassen. 

Übrigens sei bei dieser Gelegenheit erwähnt, daß MeJl einen Vorgänger in 
Ahasver Fritsch hat, der bereits im Jahre 1685 auch einen „Christlichen Kauf¬ 
mann" erstehen ließ. Er hat aber denselben seinerseits als Anhang zu einem zwar 
sehr kleinen, aber doch größeren Büchlein verfaßt, das ich besitze und das den 
Titel führt: Mcrcator peccans sive tractatus de peccatis mercatorum et negotia- 
torum. Lipsiae 1685. 103 Seiten Duodez. Auf Seite 95 bis 103 ist „Der christ¬ 
liche Kauffmann" behandelt. Von Auktionen ist darin nicht die Rede, solche waren 
damals wohl noch nicht so häufig, daß Auswüchse zu Klagen Anlaß gaben, wie 
sie Mell so drastisch schildert und auch heute noch Vorkommen sollen, wenn auch 
das Nachwort zu Rauthes Neudruck es liebenswürdigerweise bezweifelt. M. H. 

Hundert Jahre A. Marcus und E. Webers Verlag 1818 — 
1919. Bonn am Rhein (A. Marcus und E. Weber): 1919. VI 11 , 
392, 48 S. 8°. 8 Bildtafeln. 

Die 1818 gleichzeitig mit der Universität begründeten Bonner Verlagsanstalten 
von A. Marcus und E. Weber, jetzt mit dem Verlage von Albert Ahn verbun¬ 
den, haben einen angesehenen Namen in der Geschichte der Wissenschaften, den 
eine nicht geringe Zahl ausgezeichneter fachwissenschaftlicher Standwerke tragen. 

Wenn die Festschrift zu ihrer Hundertjahrsfeier keine ausführliche Verlagsge- 

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schichte geworden ist, so mag die Ursache davon vielleicht auch das Fehlen eine» 
geordneten Verlagsarchivs sein — wie bei anderen altberühmten Verlagen, die 
nicht im Familienbesitz geblieben sind. Um so erfreulicher ist es, daß der Ver¬ 
lag trotzdem 'seinen Vorgängern ein Buchdenkmal errichtet hat und dafür die¬ 
jenige Form wählte, die für Ehrenschriften zu Gelehrtenjubiläen allgemein üblich 
ist, diejenige eines Sammelwerkes mit Beiträgen der dem Verlage nahestehenden. 
Von den in neun Hauptgruppen (Aus der Geschichte des Verlages; Allgemein 
Kulturelles, Hochschulwesen; Theologie und Philologie; Rechtswissenschaft; Me¬ 
dizin; Naturwissenschaften; Volkswirtschaftliches; Zur politischen Literatur- und 
Kunstgeschichte; Erziehung und Bildung) vereinigten 80 Abhandlungen, die den 
stattlichen Band bilden, seien an dieser Stelle nur diejenigen hervorgehoben, die 
dem in der Vierteljahrssduift für angewandte Bücherkunde gepflegten Gebieten 
angehören. Es sind, außer den sieben Beiträgen zur Verlagsgeschichte (in denen, 
Seite si, von K. Hessel aus der Überlieferung des Verlages Weber eine wohl¬ 
begründete Heine-Anekdote mitgeteilt wird, die des Dichters Verstimmung gegen 
A. W. v. Schlegel erklären könnte) vor allem die folgenden: E. Schultze, Kauft 
man in Deutschland genug Bücher? W. Staerk, Einleitung oder (biblische) Lite¬ 
raturgeschichte? A. Baumstark, Die Textüberlieferung des „Hymnus angelicus“; 
E. Diehl, Poetae veteres und lateinische Inschriften; A. Ludwich, Nachwort zu 
Musaios; C. Hosius, Zu Vcrgil; P. Wenner, Zu den Liviuszitaten bei Priscian; 
Th. Meyer-Steineg, Der Ärzteeid in der hippokratischen Schriftensammlung; E. 
Schröder, Ein Urkundenbüchlein zur altdeutschen Literaturgeschichte; A. Leitz- 
mann r Zu Schillers „Taucher“; W. Stammler, Zur Geschichte der deutschen Phi¬ 
lologie (Briefe von Jacob und Wilhelm Grimm); Th. Rumpf, Suggestion und Ver¬ 
lag; W. Wygodzinski, Die Kulturmittelpunkte Deutschlandsund das Verlagswesen; 
M. v.,Hagen, Vater Arndt als Lobredner Englands. 

Cambridge Stationers, printers, bookbinders &c. By 
H(enry) P(aine) Stokes. Cambridge, Bowes & Bowes: 1919* 
36 S. 8°. 

Bibliographie sommaire des chansonniers fran$ais du mo- 
yen äge. (Manuscrit;s et dditions) Par A(lfrcd) J eanroy. Paris, 
Champion: 1918. V1U, 78 S. 8°. (Les CJassiques iran^ais du moyen 
äge. 18.) 

Bibliografie pfsemnictvf slovenskeho od doby nejstargi 
do konoe roku 1900. S pfipojenym knihopisem archaeolo- 
gickym, historickym, mfstopisnym a pfirodovödnym. 1-ho 

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dfcn, öast i. Prag, Ceskä Akad. Cis. Frant Jos. 1917. 4 0 . 
(Bibliographie des slovenischen Schrifttums von den ältesten Zeiten 
bis Ende des Jahres 1900. Mit angefügter archäologischer, geschicht¬ 
licher, ortskundlicher und naturwissenschaftlicher Bibliographie. Band 1, 
Teil ift) 

Theodor Storms Sämtliche Werke (in acht Bänden. Her- 
ausgegeben von Albert Köster), (Erster—dritter Band.) Leip- 
zig, Insel-Verlag: 1919. 

Daß Dichter nicht ihre eigenen kritischen Philologen sein können, ist aus einem 
einfachen psychologischen Grunde leicht verständlich: der Fassung ihres Werkes 
können sie nicht entfremdet gegenübertreten, können nicht als Diener an ihrem 
eigenen Wort die einmal gegebene endgültige richtige Textfassung vergleichen, 
weil sie dann immer zum Weiterführen gelangen werden. Wollen Dichter aber 
doch einmal auch den eigenen Schöpfungen textkritische Teilnahme beweisen, so 
pflegt dabei meistenteils nicht gerade günstiges herauszukommen. Man braucht, 
hält man den Autophilologen Voß für eine Ausnahme, nur an die Redaktion der 
Ausgabe letzter Hand von Goethes Werken zu denken, wofern man ein Beispiel 
haben möchte, wie einem Dichter die mit olympischer Ruhe durchgeführte Text¬ 
bearbeitung seiner gesammelten Schriften geglückt ist. Oder aber, um den Dichter 
und Selbstphilologen bei der Arbeit zu beobachten, die verschiedenen Lesarten 
gegeneinander zu halten, mit denen Eduard Grisebach bei den Neuauflagen seiner 
Tannhäusergedichte, unter denen er recht frühzeitig sogar schon eine Editio ne 
varietur herausgab, sie nicht zu ihrem Vorteil änderte. Wenn daher der bedeutende 
Dichter der Gegenwart, der halbe Klassiker, selbst bei der Drucklegung seiner 
Werke, auch wenn er sorgsam deren erste Auflagen überprüfte, sich um die 
späteren Auflagen, soweit diese unverändert blieben, von demselben Verleger ver¬ 
öffentlicht wurden, nicht weiter kümmerte, wird es die Pflicht seines Verlegers 
sein, dafür zu sorgen, daß die richtige Textüberlieferung nicht verloren wird, 
eine Pflicht, deren Erfüllung mft der Fürsorge für eine angemessene Ausstattung 
das eigentliche Verlegerverdienst ist, das sich der Buchhändler um einen „seiner' 4 
hervorragenden Verfasser erwerben kann. Daß die Schriften Yon Storm in dieser 
Hinsicht bei ihrem „Originalverlage" gut aufgehoben gewesen sind, läßt sich nicht 
behaupten. Ober die Ausstattung der Stormschen Werke ist häufig von Buch¬ 
freunden geklagt worden, ihren Text nahm man, da es sich ja um einen neuen 
Dichter handelte, für richtig hin und dachte nic]^ an die eingeschlichenen Fehler, 
die sich nicht allein in Stormschen Werken, sondern auch in denen anderer mo¬ 
derner Autoren (ein bekannteres Beispiel wurden in letzter Zeit Richard Wagners 
Schriften) fröhlich vermehrten. Wenn daher beim Freiwerden wertvoller Besitz¬ 
es 


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tümer der Dichtung nicht «11 ein die Nachdrucker sich regen, sondern auch kri¬ 
tische Neudrucke lange vernachlässigt gewesenes wieder gutzumachen suchen, 
dann darf man das als durchaus erfreulich und ein bemerkenswertes Zeichen der 
Buchkultur ansehen. Zwar ist es besser, wenn die Ehrenschulden, die toten Dich¬ 
tern gegenüber so allseitig anerkannt zu werden pflegen, schon bei ihren Leb¬ 
zeiten bezahlt werden. Da es aber meistens doch nicht geschieht, muß wenigstens 
das nachträgliche Buchdenkmal genügen, wie es eben Albert Koester und der 
Insel-Verlag Theodor Storm in vorbildlicher 'Weise zn errichten beginnen. Die 
angezeigte Ausgabe der Werke, über deren textkritische Grundlagen der Heraus¬ 
geber in der Seite 42 dieser Blätter angezeigten Schrift alle wünschenswerten 
Aufklärungen gibt, soll acht Bände umfassen, die in rascher Folge erscheinen 
werden. Den ersten Band eröffnet eine (meisterhafte) Einleitung des Herausgebers, 
die Licht und Schatten im Stormbilde nach ihrer natürlichen Lage verteilt, wo¬ 
mit kein geringer Vorzug dieser biographischen CharaKteristik genannt wird. Denn 
die Gefahr, in die Literaturgeschichte als der „weiche“ Lyriker überzugehen und 
in seiner epischen Kunst bald über- und bald unterschätzt zu werden, bedroht den 
berühmten Imraensee-Dichter jetzt fast mehr noch als zu seinen Lebzeiten. Daß 
diese endgültige Stormausgabe auf der Höhe moderner Editionstechnik steht, 
dafür ist der Name ihres Herausgebers, der für sie 220 Drucke und Handschriften 
verglichen hat, hinreichende Bürgschaft. Immerhin wird es als Kuriosum inter¬ 
essieren, daß allein der Text der Novellen an mehr als 1550 Stellen berichtigt 
werden mußte. Die Ausstattung der Bände ist dem Verlage durchaus gelungen 
und diese Äußerlichkeit wird deshalb doppelt wohltuend empfunden, weil die alten 
Ausgaben auch darin sehr viel vermissen ließen. Auch der Bandpreis ist verhältnis¬ 
mäßig wohlfeil und bei den jetzt bisweilen üblichen Bücherüberteuerungen lehr¬ 
reich. Mitten bis zu Kriegsbeginn erschienenen ähnlichen Veröffentlichungen des 
Verlags verglichen dürfte sich eine Preis Verdopplung ergeben, mit der wohl noch 
auf lange Jahre hinaus zu rechnen sein wird. Trotzdem aber gibt es für die neue 
Stormausgabe keine bessere Empfehlung als diese: billig und gut. Die Ausgabe 
ist auf acht Bände berechnet, von denen der erste die Gedichte und die Novellen aus 
der Frühzeit und den Potsdamer Jahren sammelt. Der zweite Band bringt die 
Heiligenstädter Novellen, der dritte (bis fünfte) die des zweiten Husumer Aufent¬ 
haltes. Im sechsten und siebenten werden die Novellen aus Hademarschen ver¬ 
öffentlicht werden, im achten werden neben den Abhandlungen Storms die An¬ 
merkungen und der kritische Apparat enthalten sein. 

Briefwechsel zwischenTheodor Storm und Eduard Mörike. 
Mit 25 bisher unveröffentlichten Bildnissen und 17 weiteren 
Beigaben. Herausgegeben Yon Hanns *Wolfgang Rath. Stutt¬ 
gart, Julius Hoffmann: [1919] (8), 190 S. 8°, 24 Bildtafeln. 

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Die Verbindung der beiden Dichternamen in einem Briefbande bleibt auch 
dann eine dankenswerte Gabe, wenn er nicht das Gewicht eines großen Brief¬ 
buches hat, das aus einem regelmäßigen Briefaustausche hervorgegangen ist. Die 
Beziehungen Storms zu Mörike sind, obschon sie auf einer inneren Seelenvcr- 
wandtschaft ihrer poetischen Naturen beruhten, obschon sie sich nicht auf den 
literarischen Verkehr beschränkten, sondern von Haus zu Haus reichten, obschon 
sie ohne äußere Trübung blieben, doch nicht von jener fröhlichen Herzlichkeit 
gewesen, die ebenso dem Norddeutschen wie dem Süddeutschen eigen war, und 
die sie alle beide anderwärts bezeugt haben. Als Bächtold im Jahre 1891 zum 
ersten Male den Briefwechsel Storm- Mörike herausgab, hat er dessen Geheim¬ 
nis ebensowenig gekannt wie Storm selbst, der immer wieder mit äußerlich und 
innerlich gewichtigen Schreiben dem seine Briefe verzögernden Mörike nahetrat. 
Der Schleswiger ist dem schwäbischen Freunde von Anfang an achtungs- und 
liebenswert gewesen und geblieben, indessen in manchen Zügen seines Wesens, 
die vielleicht eine einzige kurze persönliche Begegnung im falschen Lichte gezeigt 
hatte, das grobe Wort ist doch vielleicht treffend, unsympathisch geworden. 
Ein wichtiger Zusammenhang, den aufgedeckt und ohne Beschönigung dargestellt 
zu haben das Verdienst des neuen Herausgebers ist, der überhaupt in seiner 
Ausgabe durch Bereicherungen verschiedener Art ein kleines biographisches 
Quellenwerk aus dem schmalen Briefpaket gemacht hat, indem er die weiten räum¬ 
lich und zeitlichen Abstände der einzelnen Briefe durch die zu ihrem Verständ¬ 
nisse notwendigen Ergänzungen verband, indem er vor allen Dingen, bisher nicht 
Veröffentlichtes nutzend, auch die Weiterführung des Briefwechsels nach Mörikes 
Tode zwischen dessen Witwe und Storm wiedergab, die erst das biographische 
Doppelbild abrundet. Mit dichterischem Feingefühl hat der als Mörikeforscher 
wohlbekannte Herausgeber es verstanden, seiner mancherlei Neues bietenden 
Arbeit eine Form zu geben, die ein Briefwerk trotz aller Schwierigkeiten des 
Stoffes Zustandekommen ließ und damit recht eigentlich erst den Briefwechsel 
Mörike-Storm seinen Lesern erschlossen. Der Band klingt menschlich rührend 
in den Briefen beider Witwen nach Storms Tode aus, Familienbildnissc und solche 
aus dem Freundeskreise Mörikes (auch, unter ihnen manche Erstveröffentlichung) 
bereichern ihn, er spendet eine freundliche heitere, dem Wesen der beiden 
Dichter genehme Wirkung und ist zugleich ein schätzenswerter Beitrag zur 
Geschichte der deutschen Dichtung. Von bibliographischem Interesse ist das 
Faksimile des Mörikeschen Spiegelverses, eines Einblattdruckes, der übrigens 
wohl auch im Handel war, ob im Nachdruck oder Urdruck bleibe dahinge¬ 
stellt, weiterhin die Anmerkung, die den Irrtum berichtigt, daß die 5. Auflage 
der Gedichte Mörikes (1873) eine Titelausgabe der 4. Auflage (1867) gewesen 
sei, während allerdings die 6. Auflage (1875) eine Titelausgabe der fünften war. 
Schließlich wird der im Anschluß an einen Brief Storms gegebene Hinweis, 
daß von der JriV (1839) wenigstens ein Teil der Auflage mit dem 1826 von 

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J. GL Schreiner gezeichneten Bilde Mörikes ausgestattet wurde, den Sammlern 
wichtig sein. 

Linnds Minnesbok (Caroli Linnaei Libellus amicorum) Utg. 
av Felix Bryk. Stockholm (Cederquist): 1919. 20 S., 56 Bl. 8°. 

Die Kunst der dramatischen Darstellung. Von Heinrich 
Theodor Rötscher. Mit einem Geleitwort von Oskar Walzeh 
Berlin, Erich Reiß: 1919* XVI, 299 (304) S. 8°. 

Heinrich Theodor Rötscher hat seine Kunst der dramatischen Darstellung in 
drei Bänden 1841 bis 1846 herausgegeben. Allein der erste Band konnte, 1864» 
in einer Neuauflage erscheinen, während der zweite und dritte als Festschrift zur 
Dreijahrhundertfeier von Shakespeares Geburt noch einmal nur in einem Auszug 
mit der Überschrift »Shakespeare in seinen höchsten Charaktergebilden* veröffent¬ 
licht wurde. Das ist die nicht gerade glänzende Buchgeschichte eines Werkes von 
unbestreitbarem geschichtlichen Wert, eines Werkes, das nach seinen philoso¬ 
phischen Grundlagen, über deren Richtigkeit freilich manche Meinungsverschieden¬ 
heiten bestehen möchten, die einzige deutsche Dramaturgie sein dürfte, die den 
Anspruch strenger Wissenschaftlichkeit für sich erheben kann. Vielleicht wird ge¬ 
rade das auch heute noch als ihre beste Empfehlung bei denen gelten können, 
denen die Feuilletonleichtigkeit, die auf dem Gebiete der Theaterkritik und 
Theaterkunde unbestritten vorherrscht, bisweilen von allzu beweglicher Raschheit 
erscheint. Aber es würde dann den seine Vorgänger in der Ausstattung weit 
überragenden Neudruck nur einem sehr kleinen Kreise empfehlen, zumal Rötscher 
seine Beispiele dem klassischen Repertoire entnimmt und bereits seinen Zeitge¬ 
nossen Hebbel ausläßt. Indessen liegt des Neudrucks Wichtigkeit, die ein beinahe 
vergessenes und jedenfalls ganz vergriffenes Werk wieder zugänglich macht, doch, 
nicht allein in der Bereicherung der Büchersammlungen von Kennern der Bühnen¬ 
dichtung und des Bühnenwesens, sondern auch in den noch wirkenden praktischen 
Tendenzen des ehemals als Autorität berühmten, deshalb allerdings nicht not¬ 
wendigerweise viel gelesenen Buches. Warum Rötschers Werk für den Schau¬ 
spieler unserer Zeit eine brauchbare, vielmehr eine außerordentlich empfehlens¬ 
werte Kunstlehre sei, begründet ausführlicher die Vorrede Walzels. Aber nicht 
lediglich dem denkenden Schauspieler, ebensosehr auch dem denkenden Zuschauer 
ist ja Rötschers schätzenswerte Bühnenweltdarstellung bestimmt, gerade ihm ver- 
hilft sie zu einem befestigten Standpunkt seiner kritischen Selbständigkeit in der 
Beurteilung einer Rolle, und der »Auffassung* dieser Rolle durch sie verkörpernde 
Schauspieler. Das ist nicht ganz unwichtig in einer Zeit, in der vielleicht die Epoche 
des Virtuosentums vorüber ist, in der aber doch Mode und Reklame und Star¬ 
system eine Art von dramaturgischen Taylorismus ausgebildet haben. Wobei alle 

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Schuld nicht allein der Bühnenkunst und den Bühnenkünstlern zugemessen werden 
sollte. Denn die analytische Fähigkeit des Zuschauers muß der psychologischen 
des darstellenden Künstlers entsprechen. Ein Erzieher zum gebildeten Zuschauer 
ist der alte Rötscher sicherlich, mag auch seine Hegelei, wie Schopenhauer sagen 
würde, manchen von dieser Ästhetik mit ihrer methodischen Systematik ab- 
schrecken, die schließlich doch etwas ganz anderes ist als ein geschickter Leit¬ 
faden der Mimenpraxis. Aber das sind Unterscheidungen, über die sich noch 
vieles anmerken ließe. Jedenfalls dient die Kunst der dramatischen Darstellung 
von Rötscher schließlich auch dem Leser, der sich die Interpretation klassischer 
Rollen vergegenwärtigen will. So ist auch die literarhistorische Bedeutung von 
Rötschers Kunst der dramatischen Dichtung für die Büchersammlung angedeutet, 
in der bei einiger Vollständigkeit schönwissenschaftlicher Schriften älterer Zeit 
die hervorragendsten kritischen Werke der Vergangenheit nie fehlen sollten, weil 
allein sie die bequeme Möglichkeit geben, rasch sich über die alte «Meinung*, 
die vielleicht von der neuen stark abweicht, zu unterrichten. Wobei dann in der 
Regel noch der Vorteil zu gewinnen ist, das Ganze von einer Höhe zu übersehen, 
in die man erst gelangt, wenn man sich durch die verschiedenen Wolkenschichten, 
die die Zeitströmungen über die Gipfel der Schrifttumsentwicklung zusammen¬ 
treiben, hindurchgearbeitet hat. 

Allgemeine Bücherkunde zur neueren deutschen Literatur¬ 
geschichte. Von Robert F[ranz] Arnold. Zweite, neu bear¬ 
beitete und stark vermehrte Auflage. Berlin und Straßburg, 
Trübner: 1919. XXIV, 428 S. 8°. 

Es ist immer eine angenehme Pflicht, die Neuauflage eines bereits bewährten 
Handbuches zu begrüßen. Man erhofft eine Verbesserung seiner Fehler und eine 
Verminderung seiner Schwächen, wie sie stets der Erstauflage eines solchen 
Werkes anhaften müssen. Worüber sich gerade die Autoren guter Handbücher 
am wenigsten zu täuschen pflegen, während der kompilierende Dilettant (man 
verzeihe die folgende Bereicherung deutscher Redensarten, aber sie soll in dieser 
Zeit falsch angewendeter Fremdwörter und mißverstandener Zitate nicht unter¬ 
drückt werden), über das von ihm glücklich gelegte Kolumbusei sehr selbstbewußt 
zu gackern pflegt, weil er weder von den Schwierigkeiten noch von dem Um¬ 
fange der Aufgabe, die er zu lösen wünschte, eine Ahnung hat. Arnolds Buch 
hat die Feuerprobe ,überstanden, nicht nur die mehr oder minder berechtigter 
Kritiken, sondern vor allem auch die seiner praktischen Verwendbarkeit, es ist 
den Benutzern eines großen bibliographischen Fachapparates längst ein hauptsäch¬ 
liches Hilfsmittel, den Neuling in den Bereichen des Gebietes, das er erschließen 
soll, ein Führer von zuverlässiger Genauigkeit zum Auffinden des richtigen Weges 
geworden, wenn auch wie bei jedem bibliographisch-literarischen Reiseführer in 

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seinen Anfängen da und dort eine bemerkenswertere Stelle nicht angegeben, die 
Aussicht auf eine andere vielleicht nicht in ihrer besten Entfernung abgeschätzt 
gewesen ist. Aber man darf auch nicht jedes etwa fehlende Werk, das man hier oder 
da angeführt gewünscht hätte, als dem Verfasser unbekannt voraussetzen, wenn 
man nicht, was merkwürdigerweise oft übersehen wird, die kritische Arbeit nicht 
unterschätzen will, die in der Nutzbarmachung bibliographischer Sammlungen für be¬ 
stimmte Zwecke steckt und die, obschon sie allein erst das Zustandekommen der 
Sammlung selbst ermöglichte, in deren Gestaltung nur den genaueren Kennern 
ihres Inhaltes verständlich zu werden pflegt. Mit ihrer zweiten Auflage beginnt 
Arnolds Bücherkunde nun dasjenige Stadium ihrer Entwicklung, in dem ein in 
allen Einzelheiten fertiges, unentbehrliches Handbuch sich mit der Wissenschaft, 
der es dient, fortschreitend bereichert. Man könnte die ,Bücherkunde* vielleicht 
kurz und bündig das unentbehrliche Goedeke-Supplement nennen, wenn nicht 
mit dieser Bezeichnung die selbständigen Verdienste Arnolds allzusehr geschmälert 
würden. Arnold hat bereits in der ersten Auflage seines Werkes ein weites Neu¬ 
land erschlossen und ohne gerade die Absicht eines Anti-Goedeke zu haben, die 
bibliographischen und, was sehr viel wichtiger ist, auch die methodischen Jrrtümer 
dieses angesehnsten Handbuches der deutschen Literaturgeschichte berichtigt. • 
Die Goedeke-Mängel und -Nöte sind also Arnold natürlich nicht entgangen, ob¬ 
schon er für ihre Beseitigung nicht diejenige Forderung stellt, die auch in der 
Konsequenz seiner Ausführungen über sie zu liegen scheint: die Forderung einer 
Umwandlung des Werkes in ein bio-bibliographisches Wörterbuch, dessen Mantel- 
artikcl erforderlichenfalls das ganze Goedekcsystem aufrechterhalten könnten. 
Dafür macht Arnold durch seine sehr notwendige Einführung in die Benutzung 
des Goedeke (mit einem Goedekeschlüssel in Tabellenform) auch Geübteren diese 
Arbeit — denn es ist eine Arbeit, die mit kritischer Methodik vollführt werden 
will — leichter. War Arnolds Zurückhaltung gegenüber der trotz aller ihrer 
Fehler bestehenden Goedeke-Leistung indessen durchaus berechtigt, so erscheint 
sie gegenüber einem mißratenen Goedeke-Sprößling allzu bescheiden, m Die 
Bartels’sche Bibliographie ist zwar nach ihren Ableitungen gekennzeichnet. Immer¬ 
hin hätte ein Bibliograph von den Qualitäten des Herrn Bartels, die eine leider 
wenig bekannt gewordene kritische Warnung vor der ersten Auflage des Bartels* 
sehen Werkes durch Otto Deneke genugsam kennen lehrte, doch mit einem recht 
großen Fragezeichen versehen werden sollen. Ganz gewiß ist auch R.M. Meyer 
kein Beispiel bibliographischer Exaktheit, immerhin aber hat sein Handbuch den 
Vorzug, eilte eigene Richtung zu suchen und deshalb methodisch zu interessieren. 
Wenn aber das Bartels'sche Handbuch in Verlegervoranzeigen und Waschzettel¬ 
darlegungen gewissermaßen als der kleine Goedeke gefeiert wird, so müßte gegen 
solche Ansprüche der große Goedeke in Schutz genommen werden. ® Ein Ein¬ 
gehen auf die Einzelheiten des Werkes ist leider aus Raumrücksichten unmöglich 
und erübrigt sich auch deshalb, weil die Sieuauflage des Amoldschen Hand- 

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ANFRAGEN UND ANTWORTEN 


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buche« ohnehin wenigstens in der Benutzung, wenn nicht im Besitz aller Leser 
unserer Vierteljahrsschrift, sein wird. Nur zu dem Abschnitt VI 5 Bibliophilie 
(in dem in der Ex-Libris Literatur das beste deutsche Handbuch, das des Grafen 
K. E. Leiningen-Westerburg, Deutsche und österreichische Bibliothekzeichen. 
Stuttgart, ]. Hoffmann: 1901 nachzutragen ist) seien noch einige Worte über die 
Begriffsbestimmung der Bibliophilie gestattet. Man wird sie wohl am ehesten 
gewinnen, wenn man darunter im allgemeinen das Verhältnis des Einzelnen und 
dasjenige bestimmter Gesellschaftsgruppen verschiedener Zeiten zum Buche ver¬ 
steht, im besonderen aber das private Büchersammelwesen. Ohne dergleichen feste 
Abgrenzungen gehört zum Bibliophiliegebiet sonst schließlich alles was gerade 
gewünscht wird. Die Definitionen des Bibliognosten, Bibliographen, Bibliomanen, 
Bibliophilen (und Bibliotaphen), die der Abb£ Jean-Joseph Rive in seiner Chasse 
aux Bibliographes et Antiquaires mal advisls gibt und die G. Peignot in seinem 
Dictionnaire de bibliologie aufnimmt und verbessert, werden meistenteils zutreffen, 
besonders dann, wenn man berücksichtigen will, daß Bibliophilie nicht für sich 
allein, sondern in Verbindung mit anderen Neigungen oder Wissenschaften vor¬ 
handen zu sein pflegt. Wb das nicht der Fall ist, ist Bibliophilie Bibliolatrie. 
Die Bibliophilie im allgemeinen Sinne ist keine Unterabteilung des bestehenden 
oder geschichtlichen Buchwesens, der Wissenschaft vom Buche, vielmehr ein 
geistiges Phänomen, das deren Auffassung bestimmt und das vielleicht mit einem 
anderen von Th. Fr. Dibdin freilich in engerer Fassung vorgeschlagenen Worte 
Bibliosophia heißen könnte. 


ANFRAGEN UND ANTWORTEN 

12. Alte einfache Kalb- und Schaflederbände sollen aufgefrischt 
werden. Wie geschieht das? 

Da die Anfrage ausdrücklich hervorhebt, daß es sich um die bekannten ein¬ 
fachen Ganzlederbände handelt, die als Verlegerband des achtzehnten Jahrhunderts 
viel hergestellt wurden und deren Einbandwert meist, deren Kunstwert regel¬ 
mäßig nicht allzugroß zu sein pflegt, werden im folgenden, unter Benutzung der 
vortrefflichem Anleitung von L. Garidel, einige Winke gegeben, die auch dem 
Büchersammlcr selbst bei einiger Sorgfalt dergleichen Auffrischungsarbeiten mit 
Erfolg vorzunehmen gestatten werden Aber'ausdrücklich soll dabei doch betont 
werden, daß er die Auffrischung alter kostbarerer Kunsteinbände lieber solchen 
Buchbindern anvertrauen möge, die Bibliatrikspezialisten sind. Denn dergleichen 
Arbeiten haben mancherlei Schwierigkeiten, die nur von einem Sachverständigen 
überwunden werden können, und ein Einband ist sehr viel rascher zu verderben 
als wieder herzustellen. • Hat man von alten Kalb- oder Schaflederbänden den 
Staub im Groben entfernt (wobei die Schnittflächen zu schonen und der Staub 

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ANFRAGEN UND ANTWORTEN 


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nicht durch sie in den Buchblock hineinzublasen ist) und ist der Goldschnitt mit 
einem weichen Wölltupfen, der Farbschnitt mit einer weichen Bürste unter Be¬ 
obachtung der oben angedeuteten Vorsichtsmaßregeln (hart läßt sich ein glatter 
Buchschnitt Oberhaupt nicht reinigen) abgestaubt worden, dann ist die Einband¬ 
decke einer dreifachen Behandlung mit Kleister, mit Eiweiß und mit Firnis zu 
unterwerfen. (Haben die häufigen Rücktitelschilde sich gelöst, so daß sie zu er¬ 
neuern oder nach^uvergolden sind, oder ist der Röcken sonst beschädigt, sind die 
Ecken abgestoßen, so müssen die notwendigen Ausbesserungsarbeiten dem Buch¬ 
binder überlassen werden, auch wenn man die Auffrischung des Einbandes selbst 
vornimmt, was hier deshalb ausdrücklich erwähnt wird, weil dergleichen kleine 
Reparaturen beim Herumbasteln den Schaden stark zu vergrößern pflegen). • 
Als Handwerkszeug für die Auffrischung von Einbänden werden zwei Schalen, 
die eine für den Kleister und die andere für das Eiweiß, eine Untertasse und 
zwei kleine Schwämme benötigt. (Die Absicht dieser Aufzählung ist der Hinweis 
darauf, daß man sich bei den im folgenden beschriebenen Verfahren an eine ge¬ 
naue Reinlichkeit zu gewöhnen hat, die auch in der ständigen Unterscheidung 
der verschiedenen gebrauchten Gefäße und Geräte zum Ausdruck kommt. Ver¬ 
gißt man das, dann gibt es leicht neue Verschmutzungen zu den alten.) Das 
Kleisterwasser stellt man aus einem Teil reinen Kleister und vier Teilen Wasser, 
die tüchtig gequirlt werden, her. Das Eiweiß, indem man es in ein Wasserglas 
zu ebensoviel Wasser schlägt und (für Bock- und Schafleder, sowie Schweins- und 
Ziegenleder) einen Kaffeelöffel Essig, vier Tropfen Glyzerin und eine Messer¬ 
spitze Salz zusetzt, (für Kalbleder sowie Juchten- und Rindleder nur vier Tropfen 
Essig, vier Tropfen Glyzerin und eine kleine Messerspitze Salz). Das Ganze muß 
gut gequirlt werden, dann eine Stunde stehen und schließlich in eine Flasche 
filtriert werden. Bei flockigem Bodensatz ist nochmals durch Filtrierpapier zu 
filtrieren. Den Firnis erhält man gebrauchsfertig, doch gebe man ausdrücklich den 
bestimmten Benutzungszweck an, da nicht jeder Lederfirnis geeignet und einige 
Vorsicht gegenüber etwaigen Nachwirkungen eines nicht geeigneten Firnisses 
durchaus berechtigt ist. f> Um die alten Kalb- oder Schaf]ederbände mit Kleister 
auszuwaschen, nimmt man den einen der kleinen Schwämme und tränkt seine Spitze 
gut mit Kleister, während man mit der anderen Hand den Band hält, den man 
nun leicht drückend und reibend schnell mit dem Schwamm überfährt, wobei be¬ 
sondere Vorsicht für die Golddruckstellen (Rückentitel, Stehkanten, usw.) zu be¬ 
obachten ist. Ist der Kleister zu dick, setze man etwas Wasser hinzu und wenn 
der Schwamm nicht mehr genügend Kleister enthält, ersetze man ihn sogleich 
durch neues Eintauchen in die Kleisterschale. Denn es kommt hier, trotz des an¬ 
scheinend sehr einfachen Verfahrens, vor allem darauf an, daß das Leder eine ganz 
gleichmäßige Kleistergrundierung für das Aufträgen von Eiweiß und Firnis be¬ 
kommt. Die eingekleisterten Bände werden etwa zwei Stunden getrocknet. • 
Nach dieser Zeit kann man mit dem Aufträgen des Eiweißes beginnen, da indessen 

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das Austrocknen des Kleisters wichtig ist, wird es bei einer größeren Anzahl von 
Bänden vorteilhafter sein, bis zum nächsten Tag zu warten. Beim Herstellen des 
Eiweißes rechnet man ein Ei auf etwa zehn Bände. Man tränkt den leicht an¬ 
gefeuchteten sauberen Schwamm an der Spitze mit dem Eiweiß und überstreicht 
ohne Aufdrücken den Band lagenweise in der Längsrichtung, dabei möglichst die 
einzelnen Lagen aneinanderschließend. Man beginnt dieses Überstreichen bei den 
Deckeln und beendet es am Rücken. Hat der Rücken erhabene Bände, so ist der 
Schwamm quer durchzuziehen, weil die Bände das Eiweiß zum Aufschäumen 
bringen würden. Wenn trotz aller Vorsicht das Eiweiß kleine Blasen hinterlassen 
sollte, so sind der Mischung drei oder vier Tropfen Milch hinzuzufügen. Der 
^iweißauftrag muß ganz gleichmäßig den Band überzogen haben und trocken 
werden. ® Man bringt dann, wenn das Wetter trocken ist, den Firnisüberzug an. 
Würde man einen Band ohne die bereits besprochenen Vorbereitungen firnissen, 
so würde der Firnis alle »abgegriffenen*, abgeriebenen oder sonst beschädigten 
Stellen beflecken. Wenn man dagegen nach zweimaliger Kleisterbehandlung aber 
ohne Eiweißauftrag firnissen würde, dann würde das Ergebnis vielleicht zufrieden¬ 
stellend werden, der Firnisüberzug jedoch weit weniger glänzend. Um zu firnissen, 
wähle man einen warmen und vor allem trockenen Ort, denn die Feuchtigkeit 
widerstrebt den Firnis Wirkungen. Man muß deshalb sich auch vergewissern, daß 
die Bände vollkommen trocken sind, indem man sie ganz leicht mit den Finger¬ 
spitzen betastet. Ein Likörglas Firnis, in eine Untertasse gegossen, genügt, um 
mit einem zwischen den Fingerspitzen gehaltenen Wattebäuschchen den Firnis 
aufzutragen, wobei den Spuren des Eiauftrages zu folgen ist. Der Fimisauftrag 
muß sehr dünn sein, zumal ap den vergoldeten Stellen. Er trocknet sehr rasch.' 
Ist er völlig trocken, so kann man den Band zur Beendigung der Arbeit mit 
einem Flanelltuche abreiben, das man mit ein wenig im Sandbade geschmolzenen 
Jungfernwachs getränkt hatte, o Die alten (Chagrin oder Maroquin, Saffian) 
Ziegenlederbände finden sich in den beiden Arten, die auch heute noch die üb¬ 
lichen sind, und bei denen entweder das Korn des Überzugsleders erhalten blieb 
oder künstlich niedergedrückt wurde. Das Abscheuern der geglätteten Ziegen¬ 
lederbände ist ihr Nachteil, dem sie ebenso wie die anderen glatten Lederbände 
ausgesetzt waren, während die Lederbände mit natürlicher Narbung leichter Staub 
fingen und da dieser sich in der Körnung festsetzte, so sind sie vielfach sehr viel 
weiter »ergraut 1 als die glatten Lederbände. (Abgesehen von der Lederoberflächen¬ 
behandlung war die Färbung der alten Ziegenlederbände häufig nicht lichtecht, 
weshalb sie ausbleichten oder ihre ursprüngliche Farbe verwandelten, zum Beispiel 
blau in grün. Ausgebleichte Bände, deren Färbung stellenweise an den dem 
Licht besonders ausgesetzt gewesenen Teilen, wie dem Rücken, gebleicht ist, 
lassen sich wohl nachbleichen, indem man sie der Sonnenstrahlung aussetzt und 
dabei 4 ie schon gebleichten Teile schützt, bis einige Farbengleichmäßigkeit wieder 
erreicht ist. Indessen ist das ein langwieriges Verfahren, das von Fall zu Fall 

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auf seine Zweckmlßigkeit geprüft werden muß und das nicht immer zu dem ge¬ 
wünschten Ziele führt). Glatte Ziegenlederbinde, die verstaubt sind, werden im 
Trockenverfahren gereinigt, es genügt, wenn sie gut mit einem Flanelltuch abge¬ 
rieben werden. Llßt ihre Erhaltung sehr zu wünschen übrig, müssen sie mit ganz 
klarem Kleister abgewaschen werden, um eine Auffrischung des Leders zu er¬ 
reichen und ihm Festigkeit zu geben. Allerdings handelt es sich dabei dann mehr 
darum, das Fortschreiten ihres Verfalls aufzuhalten, als um eine Verbesserung 
ihres vorhandenen Erhaltungszustandes. Alte gekörnte Ziegenlederbinde sind ab¬ 
zuwaschen, um ihre Flrbung wieder aufzufrischen. Das geschieht mit Hilfe eines 
reinen Schwammes und einer zur HUfte aus Essig, zur Hllfte aus Wasser be¬ 
stehenden Lösung. Nachdem ein derart zu behandelnder Band durch Abblascn 
des Staubes vorllufig gereinigt ist, wird er unter leichtem Ausdrücken des Schwammes 
gewaschen, wobei die goldgedruckten Titel und die anderen Vergoldungen nicht 
zu waschen sind. Dafür ist es wichtig, daß die Form des Schwammes seine be¬ 
queme Handhabung Ihn!ich der eines fein gespitzten Pinsels erlaubt. Der Schwamm 
ist hlußg auszudrücken oder besser noch auszuspülen, damit sich in ihm keine 
Staubreste festsetzen, die durch den Arbeitsfortgang dann von neuem dem Bande 
aufgetragen werden. Schwarze Ziegeniederbinde kann man an kleinen abge¬ 
scheuerten oder abgestoßenen Stellen mit schwarzer Tinte oder chinesischer Tusche 
nachflrben. Ober die ausgetrockneten Stellen der Tintenflrbung wird mit der 
Fingerspitze oder dem Papiermesser etwas Mehlkleister aufgetragen. Alte ge¬ 
körnte Ziegenlederbinde sind keiner Behandlung mit Eiweiß oder Firnis zu 
unterwerfen, sie dürfen lediglich eine Waschung, nötigenfalls eine Planierung mit 
ganz klarem Kleister erhalten. 


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VIERTELJAHRSSCHRIFT 

FÜR 

ANGEWANDTE 

BÜCHERKUNDE 

HERAUSGEGEBEN VON 

G. A. E. B O G E N G 

JAHJ(GJnVG ZWEI * TiETT V1ET{ 


INHALT: Barclay« Satyricon. | Buchform und Buchge¬ 
staltung 1. | G. Chr. Lichtenberg, Ober Bücher-Formate. 
Gabriel Peignot, Ober die Bibliothek Voltaires. (Mit einem 
Schattenriß.) | Cornelis Adrfaensens Predigtenbuch. 
Mitteilungen und Nachrichten. | Anzeigen. 
Anfragen und Antworten. 


19 2 0 

MAX HARRWITZ VERLAG 

NIKOLASSEE bei BERLIN 


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VIERTELJAHRSSCHRIFT FÜR 
ANGEWANDTE BÜCHERKUNDE 
Herausgegeben von Dr.jur.G.A. E.Bogeng 

Harzburg (Harz) 


Alle Rechte 
einschließlich des 
Übersetzungsrechtes Vorbehalten 
Nachdruck auch im Auszug 
verboten 


BEZUGSPREIS 

Jahrgang.M 20. 

ANZEIGENPREISE 

Ganze Seite.M 75, 

Halbe Seite.M 40.- 

Viertel Seite.M 15.- 

Achtel Seite.M 15. 


Verlag von 

Max HarrwitZ' Nikolassee bei Berlin 
Postscheckkonto Berlin Nr. 1423 
Deutsche Bank Berlin Dep.-Kasse C 










BARCLAYS SATYRICON 


BARCLAYS SATYRICON 

Weil die Nationalliteraturen die Weltliteratur bilden, sind die Au¬ 
toren der großen internationalen Literaturgruppe, die man als die mittel- 
und neulateinische zu bezeichnen pflegt, allzuoft von den Literatur¬ 
geschichten, die national orientiert wurden, Ubersehen oder wenigstens 
nicht ihrer Bedeutung gemäß behandelt worden. Denn sie hatten ja in 
einer fremden Sprache geschrieben. Und auch Darstellungen der Welt¬ 
literatur fanden ihnen keinen angemessenen Platz. Denn sie hatten ja 
in einer toten Sprache geschrieben. Dazu kam, daß viele dieser Schrift¬ 
steller auch in ihrer Muttersprache Werke hinterließen, neben denen 
ihre lateinischen Schriften Erwähnung linden konnten. Kurz und gut, 
fUr die gegenwärtige Literaturgeschichte (wobei hier nicht zu prüfen 
ist, inwieweit schon die gegenwärtige Literaturgeschichtsschreibung 
Literaturwissenschaft ist) sind die meisten Namen <jer Mittel- und Neu¬ 
lateiner vergessen und verschollen. Leider sind damit BUcher dem Ge¬ 
sichtskreise der Leser entschwunden, die ein anderes Schicksal verdient 
hätten. Allerdings hat die Entwicklung des Lateinischen als Literatur¬ 
sprache vom Mittelalter bis zur Neuzeit sehr viele Erzeugnisse hervor¬ 
gebracht, die einer Philologie Poesie angehören, keine lebendigen Litera¬ 
turwerte sind und es auch in der Vergangenheit nicht waren. Dazu kommt, 
daß da, wo die edle Form Genuß gewährt, dieser Genuß nicht jedermann zu¬ 
gänglich ist, worauf bereits Jacob Burckhardt in seiner „Kultur der Renais¬ 
sance“ hinwies. Doch bleiben neben den Werken wissenschaftlichen Wertes 
manche mittel- und neulateinische Prosaschriften, die sich kein des 

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Lateinischen kundiger Leser entgehen lassen sollte. Zu ihnen gehört 
auch das Büchlein, dessen Titel an ein klassisches Meisterwerk erinnert 
und dessen Verfasser, Barclay 1 ), durch seine ,Argenis\ die Leibnizens 
Lieblingsbuch war, sehr viel berühmter geworden ist, obwohl diejenigen, 
die beide Bücher gelesen haben, das erst angeführte dem letztgenannten 
vorziehen dürften. — Bardays Satyricon ist ein Schlüsselroman und 
Euphormion, sein Held, ist Bardey selber. Aber das Autobiographische 
ist derart mit anderen Beziehungen, zum Beispiel solchen auf den 
_ Vater des Verfassers, und mit erdichteten Geschehnissen vermischt, daß 

man die Schrift nicht den eigenen Lebensbeschreibungen zurechnen 

\ 

kann. Euphormion, aller Mittel entblößt, kommt in eine Seestadt, an 
die Gastfreundschaft der Bewohner ihres Landes glaubend, weil in 
Lusinien, seinem Vaterlande, die Gastfreundschaft keine 'Ware ist. Aber 
er wird bitter enttäuscht und muß sich, um die Herberge zahlen zu 
können, dem Callion, einem großen Herrn, verkaufen, der ihn als 
Narren verwendet. Sein Mitsklave Percas ist der einzige, der ihm 
verständnisvolles Wohlwollen zeigt, sie schließen Freundschaft und ihr 
Herr schickt sie nach Basilea (Orleans oder Paris) zu seinem Bekannten 
Fibullius. Die Abenteuer der Reise sind grotesk und passen in ihre 
pittoreske Schilderung. Die Ankunft in Basilea bringt die Reisenden 
mit einer Persönlichkeit zusammen, die eine erhebliche Rolle in dem Ro¬ 
man spielt, mit Acignius (der durch ein Anagramm des lateinischen 
Namens ihres Begründers die Gesellschaft Jesu andeutet und sie ver¬ 
körpert). Der Auftrag der beiden, dem schwer kranken Fibullius ein 
Heilmittel zu überreichen, wird von Euphormion derart vollzogen, daß 
er den Kranken durch ganz andere Mittel heilt, wobei die Ärzte für 
den Spott nicht zu sorgen brauchen. Dankbar will Fibullius den Eu¬ 
phormion verheiraten, doch ist seine Erkenntlichkeit nicht ohne Neben¬ 
absicht, er möchte auf diese Weise eine Geliebte los werden. Zu Eu- 

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BARCLAYS SATYRICON 


phormions Glück ruft sein Herr ihn und Percas zurück und sie treffen 
vor ihm in llium (Ostende) bei Labetrus (Albertus, Erzherzog, Gou¬ 
verneur der Niederlande) ein. Dieser hat eine aus Käse modellierte 
Büstengallerie, in der jeder Besucher zum Bier sich ein tüchtiges Stück 
Ohr abbeisen darf. Aber er hat auch in seiner Umgebung gelehrte 
Pedanten, deren Unterhaltungen über die Dichtkunst und die Wissen¬ 
schaften ohne Anfang und ohne Ende sind. Euphormion erhält nun 

\ 

den Befehl, nach Italien aufzubrechen, um dort für seinen Herrn und 
dessen Gefolge die Unterkunft vorzubereiten. Dabei kommt er eines 
Tages in eine Stadt, mit deren Bewohnern er in Streit gerät, weil 
er durch einen Steinwurf einen leichten Unglücksfall veranlaßt hat. Et 
wird vor den Ortsrichter gebracht und zum Tode verurteilt. Das Urteil 
soll vollstreckt werden, als sein Herr gerade noch zur rechten Zeit 
ankommt, um ihn zu retten. Dessen Besuch bei dem Beamten, einem 
Fleischer, der eben in seinem Schlachthause ein Kalb verarbeitet, ist 
eine Wirklichkeitsschilderung, wie sie dieser neulateinische Roman auch 
in anderen Partien zeigt. Inzwischen hat Fibullius den Callion getroffen, 
den er am nächsten Tage beleidigt, so daß sie beide auf der Stelle in 
einen Zweikampf geraten. Fibullius unterliegt, wird aber von Callion 
durch eine sorgfältige Pflege besänftigt. Er kann es jedoch dem Eu¬ 
phormion nicht vergeben, daß dieser ihn vorher anders, als ihm von 
seinem Herrn befohlen wurde, geheilt hat, und Euphormion empfangt 
deshalb die klassische Sklavenstrafe: ein Brandmal auf der Stirn und 
Peitschenhiebe. Dazu muß er noch erleben, daß es gerade sein Freund 
Percas ist, der sich zum Henkerdienste drängt und diesen mit aller 
Strenge vollzieht. Das benutzt der Verfasser, um in der Art des 
Petronius eine Schmährede auf die falschen Freunde zu halten. Nun¬ 
mehr taucht ein gewisser Archoropus auf (die Schlüssel vermuten hier 
eine Beziehung auf einen Kurfürsten von Brandenburg, die nicht gerade 

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wahrscheinlich ist). Auch sein Auftreten ist prunkvoll und sein Gefolge 
zahlreich. Er hat den Fibullius gesucht, um ein diesem zugefügtes 
Unrecht wieder gut zu machen. Einen gefällten Geldsack von gewaltigen 
Ausmessungen überläßt der freigebige Herr dem Zugriff der Diener¬ 
schaft des Callion und des Fibullius, wodurch auch Euphormion die 
ihm bisher fehlenden Mittel zur Flucht gewinnt, die er ergreift, nach¬ 
dem er sich bei einem Schminkwarenhändler sein Gesicht maskiert hat. 
Vorher hatte er schon einen Neapolitaner in Verona kennen gelernt, der 
sich in eine Großstadt Norditaliens begeben will. (Daß diese aliqua 

civitas hier liegen muß, darf daraus geschlossen werden, daß einer ihrer 
% 

Bewohner den Fibullius einen transalpinus homo nennt.) Auch Gelon, 
wie sich Euphormion jetzt nennt, hatte schon lange den Wunsch, diese 
Stadt zu besuchen und sie machen die Reise zusammen, die ebenso aben¬ 
teuerlich wie die froheren verläuft. Kaum angekommen, muß Euphor¬ 
mion dem Fibullius weiter entfliehen. Euphormion rettet sich nach 
Alexandria (Bar-lc-Duc), wo Callions Herrschaftsrechte unbeschränkt 
sind, wo man aber nach des Entsprungenen kluger Meinung ihn ge¬ 
rade deshalb nicht suchen werde. Aber er wird hier von einem angeb¬ 
lichen Alchimisten betrogen, der ihm sein ganzes Geld abnimmt und 
ihm dafür Edelsteine und Goldstangen übergibt, die sich schließlich 
als Glasfluß und als eine Kupferzinkmischung erweisen, da Euphormion 
sie verkaufen will, wobei er beinahe festgenommen wird. Er gerät zu 
allem Unglück auch noch in einen Streit mit seinem Wirt und begegnet, 

als er sich einen Rechtsbeistand sucht, dem Percas, der ihn in Callions 

\ 

Namen als entflohenen Sklaven zurückfordert. Doch die Bewohner 
Alexandrias retten ihn, indem sie sich dem Percas entgegenstellen und 
Euphormion durch eine Hinterpforte entschlüpfen lassen, damit er ein 
neues Asyl suche. Hiermit schließt der erste Teil, der zweite beginnt 
mit den Dankesbezeugungen Euphormions über die von ihm gefundene 

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BARCLAYS SATYR ICON 


Zufluchtsstätte. Glücklich und zufrieden kann er nach aller Trübsal in 
Scolymorhodien (Großbritannien, nach der Distel Englands und der Rose 
Schottlands) verweilen und auf sein früheres Leben zurückblicken, 
dessen Ereignisse er von da an erzählt, wo er aus Alexandria ent* 
kommen, in Delphi (Pont-ä-Mousson) aufgenommen wurde. Hier wollte 
er nachholen, was er früher nicht gelernt hatte und bat die Acignier 
(Jesuiten) um ihre Unterweisung, die damals mit der Delphischen Uni¬ 
versität in Fehde lagen. Er machte die Bekanntschaft des Themistius 
(Wilhelm Barclay), eines ehrwürdigen Greises aus Scolymorhodien, der 
ihn zu seinen Erben einsetzte und von dem Jüngling nicht stets be¬ 
folgte weise Ratschläge gab. Seine Absicht, das geistliche Gewand zu 
wählen, die er mit einem andern Schüler, Anemon (dem Einführer des 
diplomatischen Korps bei Heinrich 1 Y. von Frankreich, de Bonville?) 
teilte, wurde ihm durch Theophrastus (dem Kardinal du Perron) aus¬ 
geredet, doch wünschte er nun einige Zeit in einem Lande Marcien 
(Venedig, die Stadt des Heiligen Marcus), zuzubringen, in dem die 
Acignier keinen Zutritt hatten. (Von jetzt ab wird die Allegorie mit 
ihren bisweilen sehr deutlichen Anspielungen, die bisher in der Hand¬ 
lung des Romans weniger hervortrat, viel weiter in den Vordergrund 
gerückt, so daß die Anknüpfung des zweiten Teils an den ersten die 
Absicht des Autors zeigt, der in jenem nach dem Beispiel des Petronius 
gebotenen Gesellschaftssatire die auf bestimmte Einzelgeschehnisse und 
Einzelpersönlichkeiten in für ihn bequemer und möglicher Weise an¬ 
zuschließen. Doch beweist es seine Geschicklichkeit, daß er seinen 
Helden keineswegs in dem allegorischen Sumpf ertrinken läßt, sondern 
ihn auch als Mitspieler auf dem vergrößerten Schauplatz zur Geltung 
kommen läßt.) Aus dem Streit zwischen den Bewohnern Marciens und 
dem Gephyrus(dem Papst), den Protagon (Heinrich IV. von Frankreich) 
zu schlichten strebte, wird Euphormion durch einen alten Mitsklaven 

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BARCLAYS SATYR 1 CON 


(Pedon) nach Eleutheria (Frankreich) gebracht, wo man glücklich unter 
Protagons Herrschaft lebt, llium (so heißt Paris in diesem zweiten 
Buche) hat einen Fortunatempel, in dem Doromisus (Sully) der Göttin 
Gunstbezeugungen vermittelt. Euphormion sucht das Heiligtum selbst¬ 
verständlich gleich nach seiner Ankunft in llium auf und gelangt nach 
vergeblichen Versuchen auch- vor den mächtigen Priester Doromisus. 
Euphormion und ein Mitbewerber bieten ihre Opfergaben, doch muß 
Euphormion nun erfahren, daß Wissenschaft hier nicht gilt, sondern 
nur das glänzende Gold, das allein die Blicke des Doromisus anzieht. 
Euphormion verläßt verzweifelt dessen Palast (das Arsenal), ohne über¬ 
haupt sein Anliegen vorgetragen zu haben. Immerhin waren seine Be¬ 
suche nicht ganz und gar ohne Gewinn. Beim ersten hatte er eine 
schöne Dame kennen und lieben gelernt. Beim zweiten konnte er die 
Hochzeitsfeierlichkeiten des Olympion und der Casina anstaunen (die 
er allegorisch-realistisch beschreibt, ohne daß darunter die historische 
Treue leidet). Auch seinen Freunden Theophrast und Anemon begegnet 
er wieder, von denen der eine Prälat, der andere aus einem Asketen 
ein Lebemann geworden ist, der ihm die Freuden seines jetzigen Da¬ 
seins erschließt. Ein Abenteuer, bei dem sie vor der Wache fliehen 
müssen, bringt Euphormion in Anemons Haus, in dem er die Geliebte 
als dessen Gemahlin wiederfindet. Sie weiß ihn als Frau von Welt in 
ihre Netze zu verstricken, gemeinsam besuchen sie die Aufführung 
des Hippophilus und die Icoleontiner (der König von Spanien und 
die Vlamländer), in deren fünf Akten der Herzog Alba, der Graf 
Egmont und andere auftreten. Nach Beendigung des Schauspiels be¬ 
gleitet Euphormion die Frau des Freundes, der im Gefolge des Königs 
Paris verläßt. Daß er Anemon hinterging, beklagt Euphormion mit 
sittenstrengen Worten, aber die Entschuldigung, die er geltend macht, 
ist nicht gerade glücklich gewählt (bekanntlich hat Mirabeau zwei Jahr- 

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BARCLAYS SATYRICON 


hunderte später sie zum Hauptmotiv seines ,Libertin de qualit&‘ ge¬ 
macht): ,Praemium et voluptas corruperant meam innocentiam', und 
weiterhin, ,jam indignabar, supplicasse fortunae, cum liberalis matrona 
assiduis muneribus mutuam voluptatem cumularet*. Da die Dienerschaft 
seiner Geliebten, die sich vor ihren Leuten keine besondere Zurück¬ 
haltung auferlegt, mit Enthüllungen droht, entreißt sich Euphormion 
ihren Armen, um die Welt zu fliehen. Die Acignier sind in der Nähe 
und bei ihnen sucht der von weltlichem Treiben ernüchterte Euphor¬ 
mion die. Ruhestatt seiner Seele, gerade als sie ihre üblichen Unter¬ 
richtsstunden abhalten. Ein allegorisches Gemälde ist vor den Schülern 
aufgestellt, die es disputierend auslegen müssen. Als einer der Zög¬ 
linge dabei die Rechtswissenschaft angreift, ergreift Euphormion (und mit 
ihm Barcley, des Rechtsgelehrten Sohn) das Wort um zu beweisen, 
daß das Bild die Uni versa! Wissenschaft darstelle, entzieht sich den 
Bitten des Acignius, der ihn zurückhalten will und macht sich schnur¬ 
stracks auf den Weg nach Scolymorhodien. Am vierten Reisetage, der 
Hafen, von dem er absegeln will, ist schon beinahe erreicht, zwingt 
ihn die Nacht, vor einem reichen Hause halt zu machen und um gast¬ 
freundliche Aufnahme zu bitten. Das Haus wird erleuchtet, sein Tor 
geöffnet und ein Acignier erscheint dem erschreckt zurückprallenden 
Euphormion, der ausruft: Dies Wunder beweist mir, daß Acignius 
allgegenwärtig ist. Aber die späte Stunde zwingt ihn, dem Pater, der 
ihm den freundlichsten Willkommen bereitet, in den glänzenden Palast, 
der der Eutychia (dem Mönchsstaat) gehört, zu folgen. Das Hinaus¬ 
kommen ist freilich nicht so leicht, wie das Hineinkommen, doch glückt 
es dem Euphormion nach Überwindung mannigfacher natürlicher und 
übernatürlicher Hindernisse schließlich, der sich nun endlich am Meeres¬ 
strande findet und die- nach England, seiner Heimat, segelnden Schiffe 
freudig wiedersieht. Aber er ist noch nicht am Ende seiner Leiden. 

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BARCLAYS SATYR ICON 


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Trifartitus (der Landgraf Georg, Herzog von Leuchtenberg), von 
Aquilius (Kaiser Rudolf 11 .) als thebanischer (deutscher) Gesandter 
nach Skolymorhodien geschickt, bietet ihm die Überfahrt in seinem 
Bote an. Ein furchtbares Unwetter verschlägt sie nach Böotien (Deutsch¬ 
land). Ohne anders als durch diese Namensgebung seine Meinung Ober 
deutsches Wesen kundzugeben (in einem andern Werke, dem ,)con 
Animorum', hat Barclay seine Ansichten Ober die VorzOge und Fehler 
des deutschen Geistes ausführlicher vorgetragen) benutzt unser Ver¬ 
fasser die Gelegenheit, um das Nationallaster der Thebaner, ihre Trunk¬ 
sucht, zu verspotten. Er beschreibt die Wehklagen, die sich erheben, 
als man auch die Rhein Weinfässer dem unersättlichen Meeresgott opfern 
muß. Das Schi ff läuft den Hafen von Theben, wo Aquilius residiert, 
an. Euphormion wird dem Kaiser vorgestellt und zeichnet die ZOge 
des merkwürdigen Monarchen mit bemerkenswerter geschichtlicher Treue. 
Dabei kommt er auch auf die Mitteilungen zu sprechen, die ihm ein 
Freund im Vertrauen Ober jene Gemäldegalerie gemacht hat, in der 
der Kaiser das Ergebnis seiner geheimwissenschaftlichen Untersuchungen 
über die absolute Schönheit des Weibes untergebracht hatte. (Es ist 
die gleiche Stelle, die den Allerweltsreisenden Nicolai zu bibliographi¬ 
schen Seitensprüngen verlockte: Beschreibung einer Reise: 1781. Band V 
1798 Seite 197): „Libertatem amorum coniugio praeponit, et vagae 
voluptates ad ipsius arbitrium examinantur. Nam ut venustissimas species 
mulierum libido in animo finxit, omnia in tabellam eruditis coloribus 
transfert, et imaginationis lineamenta secutus, votum suum in pictura 
confitetur. Appellantur deinde pellicum greges, virginesque quibus 
multum est, id nomen sub Aquilio exuere. Ipse sibi probator formarum, 
vuitus mulierum ad similitudinem imaginis exigit; et quam propius 
•ad illam venustatem natura admovit, duarum, interdum trium noctium 
fortuna donatur. Etiam, si cuius amore vehementius exarsit, si in alicuius 

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BARCLAYS SATYRICON 


amplexibus dulcis animam egit, non statuam in rostris, sed imaginem, 
sua manu exaratam, in thalamo dfecernit.“ Bevor er sich von neuem 
einschifft, darf Euphormion noch an einer deutschen Festlichkeit teil¬ 
nehmen, 'deren Schilderung er gibt, ln Scolymorhodien angekommen, 
trennt sich Euphormion von Trifartitus, um mit einem Ylamen, der 
auch zu Tessaranactus (dem König Jacob, seiner vier Königreiche 
wegen, das vierte ist Frankreich, so genannt) will, in kleinen Tage¬ 
reisen weiter zu wandern. An einem Sonntage genießen die beiden 
Reisegefährten ihr Mahl in einem 'Wäldchen und würzen es sich mit 
fröhlichem Gesang. Sie werden höflich eingeladen, in ein in der Nähe 
befindliches Haus zu treten und hier von einem gravitätischen Greise 
begrüßt, der, ohne ein weiteres Wort, Tränen vergießt. Endlich erklärt 
er ihnen, er heiße Catharinus und weine nicht seinetwegen, sondern 
über sie, die nicht zu wissen schienen, wie sehr sie sündigten, indem 
sie am Tage des Herrn auf der Wanderung seien und dazu noch seine 
frommen Betrachtungen durch ihre unanständige Freude störten. Es 
ist eine meisterhafte Satire auf die Puritaner, die Barclay am Schlüsse 
seines Werkes gibt, eine Satire, die nach der Pulververschwörung der 
Regierung Jacobs 1 . jedenfalls recht willkommen gewesen sein wird. 
Euphormion und der Vlame besänftigten durch ihre bezeugte Will- 
fähigkeit schließlich den Catharinus. Sie speisen mit ihm und seiner 
jungen hübschen Frau, die der alte Quäker mit den Augen verschlingt, 
zum Abend. Dann erblickt Euphormion noch ein ungewohntes Schau¬ 
spiel. Sein Gastfreund raucht nach Tisch eine Pfeife. So kann sich 
Euphormion in Prosa und in Versen gegen den Tabak ergehen, eine 
Stelle, die Jacob ]., der selbst eine Streitschrift gegen das amerikanische 
Kraut geschrieben hat, ebenfalls wohlgefällig genug gewesen sein dürfte. 
Aber Barclay ist auch mit diesen Zeugnissen seiner Ergebenheit noch 
nicht zufrieden. Er läßt zum ^Beschlüsse den Euphormion durch Am- 

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BARCLAYS SATYRICON 


phiaraus (Cecil) in das Heiligtum des Tessaranactus eingeführt werden 
und den begeisterten mit einem, den König mit der Sonne vergleichen¬ 
den, Lobgesang das Werk beenden, von dem diese kurze Wiedergabe nur 
den Rahmen des Romans und einige wenige Episoden andeuten konnte. 

Die erste Ausgabe des ersten Teiles des berühmten Buches müßte in 
London (?) 1603 (?) erschienen sein, wenn die Titelangaben der ersten 
bekannten Ausgabe richtig sind. Da aber ein ,Euphormionis Lusinini 
Satyricon' in den Jahren 1603 oder 1604 als Druckwerk nicht nach¬ 
weisbar ist, bleibt nur die Annahme einer früheren handschriftlichen 
Verbreitung oder die eines Druckes unter anderem Titel. Ein Anteil 
Barclays an der Drucklegung des bekannten Druckes des ersten Teils 
(Euphormioniis Lusinini Satyricon nunc primum recognitum 
emendatum, et varijs in locis auctum. Parisiis apud Francis- 
cum Huby via Jacobaea. Sub signo viridis Folliculi. MDCV 
cum Privilegio Regis. 126 gez. Bll. 12°) dürfte auch deshalb zu 
vermuten sein, weil die gleiche Druckerei im gleichen J ahre ein juristisches 
Werk seines Vaters Wilhelm herstellte. Im gleichen Verlage ist auch 
die Erstausgabe des zweiten Teiles erschienen. (Euphormionis Lu¬ 
sinini Satyricon. Pars secunda. Nunc primum in lucem edita. 
Parisiis Apud Franciscum Huby, via Jacobaea, ad insigne 
viridis Folliculi, l regione Collegij de Marmoutier, Et in 
Palatio ante portam Sancti Sacrarij. MDCV]]. Cum Privilegio 
Regis. 158 Bll. i2°.) Auch eine andere Ausgabe des zweiten Teils 
dürfte, nach typographischen Erkennungszeichen zu urteilen, bei Huby 
gedruckt sein, der sich vermutlich nicht als Verleger bezeichnete, weil 
das Werk inzwischen, am 9. November 1609, auf den Index gekommen 
war. Daß. diese Auflage sich fälschlich die erste des zweiten Teils 
nennt, mag einen buchhändlerischen Grund gehabt haben. (Euphor¬ 
mionis Lusinini Satyricon. Pars Secunda. Nunc primum in 

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BARCLAYS SATYRICON 


lucem edita. MDC1X 130 [132] Bll. 12 0 .) Auch der dritte Teil des 
Satyricon erschien im gleichen Verlage wie der erste und zweite, so 
daß sie zusammen eine einheitliche Erstausgabe bilden, vorausgesetzt, 
daß der unbekannte Erstdruck des ersten Teils nicht vorhanden 
ist. (Euphormionis Satyrici Apologia pro se. Parisiis. Apud 
Franciscum Huby via Jacobaea sub signo viridis Folliculi 
MDCX cum Privilegio Regis. 78 gez. Bll. 12 0 .) Wie viele deutsche 
oder holländische Nachdrucke des Satyricon in den Jahren 1603 bis 
1607 zu zählen sind, ist für dessen bibliographische Biichgeschichte 
unwesentlich. An der ersten Gesamtausgabe scheint Barclay, wie sich 
aus den Änderungen der Widmung wohl schließen läßt, teilgenommen 
zu haben. Vielleicht hat er sie eilig auf seiner Reise nach Frankreich, 
die er 1611 (1612) der Drucklegung seiner ,Pietas' wegen gemacht 
haben soll, herstellen lassen. Ihrer DruckausfQhrung wegen ließe sich 
als Druckort für die erste Gesamtausgabe England oder Genf oder 
Lyon annehmen, Vermutungen die freilich nur Vermutungen bleiben. 
(Euphormionis Lusinini Satyricon Pars 1 nunc denuo recog- 
nita, emendata et variis in locis aucta. Anno Chri sti MDCX. 264 
(266)S. 12°; Pars! 1 nunc secundum in lucem edita. AnnoChristi 
MDCX, 226[228]S. 12°; EuphormionisSatyrici Apologia pro se. 
Pars 111 Anno MDCX! 81 Bll. 12 0 .) Da die Bibliothek des Arsenals 
in Paris ein Exemplar dieser Ausgabe mit der Chiffre (4><P II) des 
Barclay befreundeten, auch als Bibliophilen geschätzten *Peiresc auf¬ 
bewahrt, dessen handschriftlicher SchlQssel von denjandläuffgen Lesungen 
abweicht, dürften Beziehungen des Verfassers zu ihr zu vermuten sein. 
Unter den Augen des Verfassers dürfte in London von John Beale die 
nun folgende Ausgabe gedruckt sein, deren Druckschrift übrigens auch 
der Beziehungen zu Huby, dem ersten Verleger des (ganzen) Satyricon, 
nicht entbehrt. (Euphormionis Lusinini Satyricon Pars 1 . Nunc 

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BARCLAYS SATYRICON 


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denuo recognita emendata et variis in locis aucta; Pars II 
nunc secundum in lucem edita; Euphormionis Satyrici Apo- 
logia pro se. Pars III. [Auf allen drei Titeln] Anno [auf den beiden 
ersten auch noch] Christi MDCX 111 . 248 [252], 240, 78 [80] S. 
i2°.) John Beale, der später den Titel eines Hofbuchdruckers führte 
und 1620 Bacons Instauratio Magna druckte, verlegte auch die Erst¬ 
ausgabe von Bardays Seelenspiegel (Joannis Barclaii Icon Ani¬ 
morum. Londini Ex officina Nortoniana apud johannem Bil- 
lium. MDCX 1 Y. Cum Privilegio. 6 Bl. 356 S. 8°). Einen an¬ 
scheinend berechtigten Nachdruck dieser Erstausgabe veranstaltete 
Huby in Paris, der Titelvermerk dürfte eine der frühesten Anwen¬ 
dungen des bekannten ,jouxte la copie imprimde* sein. (Joannis Bar¬ 
claii Icon Animorum. Parisiis Juxta exemplar impressum Lon¬ 
dini, apud Joannem Billium. MDCXVll.4 Bl. 273 S. 12 0 .) Die 
erste unberechtigte, ohne Bardays Billigung und selbstverständlich auch 
ohne seine Mitarbeit veranstaltete Ausgabe ist eine Straßburger 
(Augustae Trebocorum, apud Joannem Hessium, Anno MDCXX 111 
653 S. 12°). Sie vereinigte willkürlich das ,lcon animorum* mit den drei 
andern Teilen des Satyricon und druckte einen äußerst mangelhaften 
Schlüssel, der von den folgenden Ausgaben, meistens mit allen seinen 
Irrtümern, übernommen worden ist. Auch die folgenden Ausgaben, die zu 
Bardays Lebzeiten veröffentlicht wurden, sind Nachdrucke ohne eigenen 
Wert. 

Der Erfolg von Bardays Satyricon bei des Verfassers Zeitgenossen 
war nicht gering. Zwar hatte der erste Teil des »Euphormion* keine 
rechte Wirkung gehabt. Aber der anspielungsreichere zweite brachte 
den Ruf des »sensationellen* Sittenromans und den Streit um dessen 
richtigen Schlüssel. Barclay selbst schrieb dann deshalb auch noch die 
bereits angeführte »Apologia Euphormionis pro se*, die späteren Aus- 

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BARCLAYS SATYRICON 


gaben als dritter Teil beigedruckt wurde. Ihren literarischen Höhe¬ 
punkt mag diese Polemik etwa zwischen 1617 und 1618 erreicht haben, 
als Bardays Landsmann William Seaton sich zum Verteidiger der durch 
das Werk angeblich beleidigten hohen Persönlichkeiten in seiner ,Cen- 
sura Euphormionis* aufwarf, der ein Kanonikus aus Vezelay, Pierre 
Musnier, mit seiner ,Censura Censurae* entgegentrat. Beide Streit¬ 
schriften, ursprünglich wohl nur handschriftlich verbreitet, sind an¬ 
scheinend zum ersten Male zusammen gedruckt worden: Censura 
Euphormionis auctore Anonymo. Parisiis Apud Ludovicum 
Boulanger. 1620; p. 21 ss.: Censura Censurae Euphormionis. 
Auctore Petro Musnierio Vezelio. Parisiis 1620. 56 (60) S. 8°. 
Die ,Apologia Euphormionis pro se‘, die bald abstreitet und bald 
zugibt, die sich gegen die falschen Schlüssel wendet und doch die 
Benutzung offenbar richtiger Schlüssel verwirft, verfehlte ihren Zweck 
vielleicht insofern nicht, als sie sich mit einigem guten Willen als eine 
Art Widerruf ansehen und behandeln ließ, so daß die Beteiligten 
immerhin, wenn sie wollten, annehmen konnten Barclay laudabiliter se 
subiecit. Von den Herausgebern wird dem Satyricon als vierter Teil 
Bardays Icon Animorum zugerechnet, ein selbständiges (erstmalig 
London, j. Beale, 1614 veröffentlichtes) Werk, dessen sieben letzte 
Abschnitte, das dritte bis neunte Kapitel, eine Art Vorläufer von La 
Bruy&rcs Caract&res bilden und ein nicht zu unterschätzender Beitrag 
zur vergleichenden Völkerkunde sind. Das bisweilen den Ausgaben 
des Satyricon als fünfter Teil angehängte Pamphlet ,Alitophili Verita- 
tis Lacrymae' mit dem Untertitel .Euphormionis Lusinini continuatio' 
hat Claude-Barthdemy Morisot zum Verfasser. Es ist erst vier Jahre 
nach Bardays Tode entstanden. Eine Widerlegung, der ,Alitophilus 

castigatus*, dessen Verfasser vermutlich der Benediktiner Bugnot war, 

/ 

gehört als sechster Teil ebenfalls nicht zu Bardays Werk. Dagegen 

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BARCLAYS SATYRICON 


ist der kurze Bericht über die Pulververschwörung (November 1605), 
Series patefacti divinitus parricidii, der sich in den Satyricon-Aus- 
gaben vorfindet, eine Arbeit Barclays die jedoch keinerlei Beziehungen 
zu seinem Jugendroman hat. 

*) Johannes Barclay, geboren 1582 in Pont-ä-Mousson, hat sich selbst immer 
als Schotten betrachtet, da Aberdeen seines Vaters Geburtsstadt und die Heimat 
seiner angesehenen Familie war. Nach Beendigung seiner gelehrten Studien in 
Pont-ä-Mousson und Leyden kam er 1603 in die englische Hauptstadt. Ein An¬ 
hänger des Königs Jacob, widmete er diesem den ersten Teil des ,Euphormion', 
den er im gleichen Jahre 1603 (?) in London (?) drucken ließ. 1604 scheint er mit seinem 
1608 gestorbenen Vater Wilhelm, der hach Maria Stuarts Sturz eine Zuflucht am 
Hofe des Herzogs von Lothringen gefunden hatte, wieder nach Frankreich zurück- 
gekehrt zu sein, 1605 sind die beiden in Angers, wo der zweite erst 1607 er¬ 
schienene Teil des Euphormion geschrieben wurde, der Robert Cecil, Grafen von 
Salisbury, gewidmet ist. Im folgenden Jahre kam Barclay nach Paris und ver¬ 
heiratete sich hier, 1606 ist er wieder in London ansässig. Er blieb nun, in der 
Stellung eines Kammerherm des Königs, etwa zehn Jahre in Ei\£^nd. Eine 1616 
unternommene Reise nach Paris führte ihn nach Rom weiter. Hier ist er, gerade 
noch seine, Ludwig XJ 1 L von Frankreich gewidmete, »Argcnis*, beendend, am 
12. August 1621 gestorben, ln Santo Onofrio, der Ruhestätte Tassos, ist er 
beigesetzt und im Büchersaal des Klosters steht neben der Büste des italienische]} 
auch die des schottischen Dichters. 

*) Ihre Aufzählung erübrigt sich ebenso wie die der späteren Ausgaben des 
Satyricon, unter denen bisher eine endgültige kritische nicht vorhanden ist. Doch 
seien wenigstens kurz erwähnt die Ausgaben ,Londini, Ex officina Joannis 
Bit (?): 1624. 12° die vielleicht doch noch irgendwie einen Zusammenhang mit 
der Reihe der berechtigten Ausgaben haben könnte und ,Lugd.Batavorum, ex of¬ 
ficina Hackiana: 1674. (T°, (Titelausgabe ,Hagae Comitum. Ex officina Hackiana: 
1707. 8°), die zu den Editiones cum notis Variorum gerechnet wird, obschon 
ihre Anmerkungen allein von Bugnot herrühren. Jules Dukas hat im »Bulletin du 
Bibliophile* (daraus als Sonderdruck Etüde bibliographique et littlraire surleSatyricon 
de Jean Barclay. Paris, L. Techener: 1880) die Ausgaben des Bardayschen Satyricon 
und ihr Verhältnis zu einander genau untersucht. 


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BUCHFORM UND BUCHGESTALTUNG 



BUCHFORM UND BUCHGESTALTUNG J. 

G. Chr. Lichtenberg: Über BOcher-Formate. 

Sollte dieser kleine Artikel manchen Leserinnen etwas zu mathematisch scheinen, 
so müssen wir ihnen zu bedenken geben, daß dieses Verfahren ganz * l’Angloisc 
ist, eine Mode, die sie sonst so sehr schätzen. Man hat bekanntlich in England 
ein Gentleman’s Magazine und ein Ladys Magazine [Bey Wilkie, auf St. Pauls 
Kirchhof], also eins für den Mann von Stand und eins für die Dame. Der Inhalt 
dieser beyden Monathsschriftcn steht nicht selten in einem Verhiltniß, das gerade 
das umgekehrte von demjenigen ist, in welchem, nach der irrigen Meinung einiger 
Herren, die F&higkeiten vön Herren und Damen stehen sollen. Um das erstere 
lesen zu können, ist bloß nöthig, daß man weicht und die Augen des Leibes auf- 
thut, die Abbildungen von alten Klöstern und halb verwesten Grabsteinen fallen 
alsdann von selbst hinein. Hingegen ist es mit den 'Wurzelzeichen und geometrischen 
Figuren des anderen nicht also, da muß noch mehr aufgethan werden — die Augen 
des Geistes. Eine so große Anstalt ist nun bey unserer Betrachtung nicht nöthig, 
sie wSre, ein kleines Wurzelzeichen abgerechnet, fast ganz für das Gentleman's 
Magazine. — Die Papiersorten, worauf unsere Bücher gedruckt werden, haben 
die Form von Rechtecken, in welchen die VerhSltnisse der Seiten sehr variiren, 
einige nShern sich der Gleichheit sehr, indessen ist mir wenigstens noch kein 
Druck- oder Schreibpapier vorgekommen, das ganz gleichseitig gewesen wire. 
In hiesiger Gegend wird aber schon ein Conccptpapier verfertigt, worin die 
beyden Seiten des ganzen Bogens sich verhalten wie 6:7, dieses giebt ein langes 
unangenehmes Folio von einem SeitenverhSltniß von 7:1a, worauf denn das 
Quarto wiederum 6:7 und das Octavo wieder 7:1a bekömmt, vorausgesetzt, daß, 
bey jedem Bruch des Bogens, allemahl die größere Seite gebrochen wird, welches 
auch gemeiniglich geschieht: Ncnhen wir also bey unserm Papier die beyden 
Seiten a und b, wo wir b größer setzen wollen als a, so sind die Verhältnisse 
der Seiten in den gewöhnlichen Formaten diese: 


Patent = 

Form, a:b — a:b 

Folio 

*/tb:a = b: aa 

Quart 

V. a:’/,b = a:b 

Octav 

U b -'lt * = b:aa 

Sedez 

*/«a: l /«b - a:b 


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BUCHFORM UND BUCHGESTALTUNG 


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Aus dem Anblick der letzten Columne erhellet, daß »ich die Formate immer ab¬ 
wechselnd ähnlich werden, und das verächtliche Sedez mit dem majestätischen 
Patent eineriey Verhältnis bekömmt. Bricht man immer bloß die kürzere Seite, 
so erhält man zuerst ein langes Folio und dann ein verhältnißmäßig noch längeres 
Quarto usw. Die Stammtafel dieser Formate ist: 1 / % znb $ 1 / 4 a:b, 7 * a: b etc. Hier¬ 
von sind die ersten noch zu gebrauchen, und kommen in Rcchmingsbfichern, 
Musterkarten, allerley Arten von Listen, als Demokraten — Listen usw. hier und 
da vor. Sehr weit geht es indessen mit dieser Reihe nicht, för Bücher wenigstens, 
sie verlieren sich bald in Schuster- und Schneider-Maße und Unterlagen für die 
Pastetenbäcker. Ein Schicksal, das freylich auch manchen anderen Büchern droht, 
aber nicht des Formats wegen. Bricht man abwechselnd erst nach der langen Seite, 
und dann nach der kurzen, so sieht das Geschlecht so aus 7sb:a; ! / 4 b:a; l / 4 bi 1 /,»; 
V 8 b : 7 * a • * • etc. ln dieser Reihe kommen einige nicht unangenehme längliche 
Formate im kleinen vor, die man hier und da zu Spruchbüchern, Beichtbüchem, 
manchen Tabellen und überhaupt solchen Hülfsbüchelchen zu nutzen pflegt, die 
man wie Terzerollcn bey sich trägt. — Hier entsteht nun die Frage: 1. könnte 
man nicht dem Papier eine solche Form geben, daß alle Formate einander ähn¬ 
lich würden? und a. wäre ein solches Format bequem und schön? Die erste Frage 
wird jeder Anfänger in der Algebra beantworten können. Wii* wollen die Auf¬ 
lösung hersetzen. 'Weil hier immer eine Seite des Bogens so groß angenommen 
werden kann, als man will, so wollen wir die kleinere wiederum a, die größere 
aber, die gesucht wird, x nennen, so wäre also bey diesem Papier, 

die Patentform a:x und folglich, x gebrochen, 

gäbe für das 

Folio ... 3 / t x: a «x:2a, wie oben. Weil nun aber diese Formate 
einander ähnlich seyn sollen, so ist a:x x:aa, also x 9 — aa 9 und x = aVa. So 
wären also diese Verhältnisse der Seiten bey der 

Patentform = a:aj/a = i :j/a 

bey Folio == : 1 = 1: Y a 

usw. ins Unendliche. Da nun bekanntlich das Verhältniß von 1 :/a das Verhältnis 
der Seite des Quadrats zu dessen Diagonale ist: so kann sich jedermann sogleich 
ein Blatt von dieser Form schneiden. Vielleicht ergeht es ihm alsdann wie mir 
vor mehreren Jahren, da ich unvermuthet gewahr ward, daß der Bogen Papier, 
den ich für das Beyspiel zuschneiden wollte, schon die Form hatte, die ich ihm 
zu geben willens war. Unser gewöhnliches Schreibpapier in klein Folio hat nähm- 
lich hier zu Lande wirklich diese Form schon, und cs war mir angenehm, zu 
finden, daß irgend jemand schon bey der ersten Bildung des Papiers, sogar die 
Figur desselben eines Gedankens gewürdigt hatte, also einer Ehre, die ihm nach¬ 
her im Dienste selbst, bald beym Schreiben, bald beym Lesen nicht selten ver- 

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BUCHFORM UND BUCHGESTALTUNG 


sagt wird. Wer dieses Papier kennt, oder sich die MChe nehmen will, ein solches 
Blatt zu schneiden, wird finden, daß es ein sehr gefälliges und bequemes Format 
ist. Soviel zur Beantwortung der beyden Fragen und nun zum Schluß noch ein 
Paar Bemerkungen. Das Beschneiden des Papiers beym Binden der Bücher setzt 
freylich der genauen Anwendung dieser Theorie große Schwierigkeiten entgegen. 
Denn man sieht leicht, daß, wenn das Verhähniß der Seiten nun auch beim be¬ 
schnittenen Buche noch Statt finden soll, worauf es hier hauptsächlich ankömmt, 
die beyden Dimensionen der Blätter beym Beschneiden auch in eben dem Ver- 
hältniß vermindert werden müßten, in dem sie selbst stehen. Indessen trifft hier 
der Umstand ein, daß sie flach der kleineren Dimension nur eine, hingegen nach 
der längeren zwey Verkürzungen erleiden, die einander nicht ganz gleich sind. 
Dieses, und daß das Auge geringe Abweichungen von der Regel nicht bemerken 
kann, trägt zusammen dazu bey, daß, wie wir aus der Erfahrung wissen, das Ge¬ 
fällige dieses Verhältnisses durch diese Buchbinderoperation nicht verloren geht, 
und alle Formate sich sehr ähnlich sehen. Wenigstens wird dadurch dem unan¬ 
genehmen Sprung von einem langen Format zu einem fast quadratförmigen, wie 
dieses der Fall bey manchem Folio und Quart ist, sehr gut vorgebeugt. Auch 
würde man bey etwas größerem Papier nicht nöthig haben, zwischen Octav und 
Sedez noch eine halbe Staffel, ein Duodez, einzuschalten, so wenig als man, um 
längliche Formate zu gewinnen, jetzt zwischen Folio und Quart noch eine Terz 
einschaltet. Denn das Sedez, das sich bey dem gewöhnlichen Papier dem Quadrat 
sehr nähert, welches die unangenehmste Figur ist, die ein kleines Format haben 
kann, würde nun in linea recta descendente, die angenehme Bildung seiner Vor¬ 
gänger erben. [Göttinger Taschen Calender 1796.] 


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Voltaire 

Silhouette von Hubert 


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GABRIEL PEIGNOT ÜBER DIE BIBLIOTHEK VOLTAIRES 


GABRIEL PEIGNOT 

Ober die Bibliothek Voltaires 

Man ist immer darüber erstaunt gewcaen, daß der fruchtbarste, der vielseitigste, 
der glänzendste und gleichzeitig auch der am meisten mit Glücksgütern gesegnete 
der Schriftsteller des achtzehnten Jahrhunderts, daß Voltaire, keine zahlreichere 
und besser in allen Wissenszweigen ausgestattete Bibliothek gehabt hat, er, dessen 
Forschungen immens waren und dessen bSndereichen Werke von Anführungen 
und Auszügen wimmeln'). Seine vollständige Büchersammlung, so wie sie sich 
nach seinem Tode im Schlosse von Ferney vorfand, zihlte nur 6210 Bände, von 
denen dazu noch die meisten, wie es heißt, Sußerst mittelmäßig waren, besonders 
diejenigen aus dem Bereiche der Geschichte und aus dem der Klassiker. Die Ab¬ 
teilung Romane fehlte beinahe ganz, es gab in ihr kaum dreißig Nummern. Woraus 
sich allerdings ihrem Besitzer kein Vorwurf machen lassen wird, da das ihn selbst 
nicht gehindert hat, in diesem Fache sehr hübsche Leistungen zu zeigen. Die 
großen und schönen Ausgaben, die Bibliotheks- und Prachtwerke, mit Ausnahme 
der ihm zum Geschenk gemachten, waren gleichfalls in seiner Büchersammlung 
recht selten. Die philologischen Werke wie überhaupt diejenigen der hohen Ge¬ 
lehrsamkeit fehlten ihr größtenteils. Kurz und gut, die Bibliothek Voltaires, darüber 
ist man einig, war weder so gewählt noch so groß noch so schön, wie das sein 
Bedarf, sein Geschmack und sein Vermögen hätten vermuten lassen müssen. Aller¬ 
dings muß man hinzufügen, daß der Gehalt und der Glanz einiger Teile seiner 
Bibliothek dadurch noch Änderungen zu ihrem Vorteile erfahren haben mochten, 
daß Voltaire bei gewissen Schriften bisweilen das übte, was seine Muse im Tempel 
des Geschmacks gesehen zu haben behauptete*). Er brachte ganze Bände auf zehn, 
fünfzehn, zwanzig Seiten zurück und ließ diese auseinander genommenen Blätter 
kartonieren oder in Sammelbänden vereinigen. Ein eigenartiges Verfahren, das 
ganz gewiß, so quintesscntiell es sein mag, niemals nach dem Geschmack unserer 
Bibliomanen und nicht einmal nach dem unserer Bibliophilen sein wird. f> Aber 
wenn auch die Mehrzahl der die Bibliothek Voltaires bildenden Bücher als mittel¬ 
mäßig anzusehen ist, eine Anzahl von ihnen ist dadurch wertvoll geworden, daß 
er sie mit eigenhändigen Randbemerkungen versehen hatte. Wenn er ein Buch 
las und dabei Anlaß zu einer Bemerkung fand, nahm er das erste beste Papier¬ 
stück, das ihm zur Hand kam und kritzelte seine Anmerkung darauf, mitunter 

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GABRIEL PE 1 GNOT ÜBER DIE BIBLIOTHEK VOLTAIRES 


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ab irato, denn Handschrift und Stil mancher solcher Zettel erweisen seine Un¬ 
geduld und seinen Unwillen. Dann klebte er mit einer Oblate die Notiz gerade 
da auf die Buchstelle hin, die sie veranlaftt hatte. Wie es heißt, sind die theo¬ 
logischen Werke am häufigsten derart mit Anmerkungen versehen worden*). # 
ln der Mitte des Bibliotheksaales standen einige Tische, die teils mit Pappmappen, 
teils mit in Staub vergrabenen Haufen nicht einmal aufgeschnittener Broschüren 
bedeckt waren. Ein Umstand, der die Höflichkeitsbeteuerungen und Lobreden 
nicht verhindert haben wird, mit denen der boshafte Greis die Verfasser abspeiste, 
wenn er sich bei ihnen bedankte i> Ein ausgestopfter Tiger war in dem Bücher- 
saal nahe bei seiner Tür aufgestellt, sicherlich, um den Eintritt zu verbieten und 
um die Klaue des Löwen für die Frlron, la Beaumelle, Nonotte usw. zu sym¬ 
bolisieren, die im übrigen wohl nicht in die Versuchung gekommen waren, sich 
hier vorstellen zu wollen, o Das war die Bibliothek Voltaires im Schlosse zu Ferney, 
als der Tod ihn in Paris am 30. Mai 4 ) 1778 um 11 Uhr abends ereilte, e Es kann 
Zweifeln begegnen ob Madame Denis, seine Nichte und Erbin, die Absicht ge¬ 
habt hat, das bemerkenswerte Denkmal, das diese Bibliothek war, zu erhaben, 
denn noch im Todesjahre ihres Onkels hat sie Ferney, angeblich für 250000 Livres, 
an den Marquis de Villette verkauft, was ihre beiden Vettern, den Abbl Mignot 
und Herrn d'Omoi, die ungehalten waren, weil sie die Bezitzung in fremde Hände 
übergehen sehen mußten, sehr gegen sie verstimmt hat 6 ). €> Sollte indessen Madame 
Denis über den Gewinn, den sie aus der Bibliothek ihres Onkels ziehen könnte, 
unschlüssig gewesen sein, so hat Katharina 11 ., Kaiserin von Rußland, ihren Zweifeln 
ein rasches Ende gesetzt, indem sie ihr durch Grimm, der damals Gesandter des 
Herzogs von Sachsen-Coburg-Gotha in Paris war, den Vorschlag machte, ihr die 
Bibliothek für 150006 Livres zu verkaufen. Es ist leicht begreiflich, daß Madame 
Denis einen derartigen, von der erlauchten Freundin ihres Onkels gemachten Vor¬ 
schlag, den eine wahrhaft kaiserliche Freigebigkeit kennzeichnete, nicht ablehnte 6 ). 
Sic nahm ihn also an und die Kaiserin ließ ihr nicht allein die 150000 Livres 
auszahlen, sondern schickte ihr zudem noch nordisches Pelzwerk von außerge¬ 
wöhnlicher Schönheit und begleitete die ganze Sendung mit dem folgenden eigen¬ 
händigen unterschriebenen Briefe. 

Pour Madame Denis, nifcce du grand homme qui m’aimait beaucoup. 

Saint-Pfetersbourg, 15. octobre 1778. 

Je viens d'apprendre, madame, que vous consentez ä remettre entre mes 
mains ce dlpöt prlcieux que M. votre onde vous a laissl, cette bibliothfeque 
que les ames sensibles ne verront jamais sans se Souvenir que ce grand homme 
scut inspirer aux humains cette bienveillance universelle que tous ses Berits, 
m&me ceux de pur agrlment respirent, parce que son ame en 6tait profon- 
dlment p£n£tr£e. Personne avant lui n'lcrivit comme lui; 11 servira d’excmple 
et d’lcueil ä la race future. 11 faudrait unir le glnie et la philosophie aux 

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GABRIEL PE 1 GNOT ÜBER DIE BIBLIOTHEK VOLTAIRES 


connaissances et ä l'agrlment, en un mot, Itre M. de Voltaire, pour l’lgaler. 
Si J'al partagl avec toute l’Europe vos rcgrets, madamc, sur la perte de 
cet Komme incomparable, vout vous ttc s mise en droit de participer ä la 
reconnaissance que je dois ä ses Berits. 11 suis sans doute tr&s-sensible ä 
I'estime et ä la confiance que vous me marquez; il m'est bien flatteur de 
voir qu'elles sont hlrlditaires dans votre famille. La noblesse de vos procl- 
dis vous est caution de mes sentimens ä votre Igard. 

J’ai chargl M. Grimm, de vous en remettre quelques faibles tlmoignages 
dotit je vous prie de faire usage. Catherine. 

Die Kaiserin wünschte, daß den Büchern alle für den Druck geeigneten Briefe 
Voltaires hinzugefügt würden und auch diejenigen, die nicht zum Abdruck ge¬ 
langen könnten. Madame Denis erbat lediglich die Erlaubnis, eine Abschrift nehmen 
zu dürfen, die ihr zugestanden wurde. Außerdem forderte Katharina die genauesten 
und vollständigsten Pläne des Schlosses von Ferney, da sie die Absicht hatte, ein 
ähnliches in ihrem Park von Zarskoje Sjelo errichten zu lassen, um dort dem 
Andenken Voltaires ein Denkmal zu weihen. Im Bibliotheksaale, der vollständig 
dem von Ferney gleichen sollte, sollten die Bücher in der gleichen Ordnung auf¬ 
gestellt werden, die sie in Ferney hatten. Die Statue des großen Mannes würde 
in der Mitte stehen und Vagnilre, der Sekretär des Verstorbenen, müsse nach 
Sankt Petersburg kommen, um dort diese verschiedenen Anordnungen zu leiten. f> 
Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob alle diese Pläne Punkt für Punkt verwirk¬ 
licht worden sind. Joseph de Maistre, der von 1803 bis 1817 am Russischen 
Hofe als Gesandter Sardiniens verweilte, berichtet in seinenen Soirles de Saint- 
Pfctersbourg (Band 1 , Seite 319, Anmerkung), daß die Bibliothek Voltaires im 
Eremitage-Palast untergebracht worden sei, dem prächtigen Nebenbau des Wlrttcr- 
palastes, den Katharina 11 , errichtete, und daß die Statue (die Büste), in weißem 
Marmor von Houdon ausgeführt, im Hintergründe des Büchersaales aufgestellt 
wäre und ihn zu überraschen scheine. Die Meinung des Herrn de Maistre über 
den Wert der Bücher, die diese Sammlung bilden, deckt sich durchaus mit der¬ 
jenigen, die bereits nach anderen Autoritäten hier vorgebracht wurde, ja, sie ist 
sogar noch etwas strenger. „Man kommt aus dem Erstaunen nicht heraus, wenn 
man die ganz außerordentliche Minderwertigkeit der Werke, die einst'dem Patri¬ 
archen von Ferney genügt haben, erkennt. Man würde vergeblich in der Bibliothek 
nach sogenannten großen Büchern oder nach gesuchten Klassikerausgaben forschen. 
Das Ganze macht den Eindruck einer Büchersammlung, die zusammengestellt wurde« 
um die Abende eines Gutsbesitzers vergnüglich zu gestalten. Besonders hervor¬ 
zuheben ist noch ein Schrank mit auseinandergenommenen Bücherh, deren Seiten 
mit Randschriften Voltaires bedeckt sind und die (d. h. die Bücher) fast alle mittel¬ 
mäßig und von schlechtem Geschmack sind . . •“ Es ist nicht nötig, das Zitat 
noch weiter gehen zu lassen, um zu beweisen, daß Herr de Maistre Voltaire nicht 

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GABRIEL PE 1 GNOT ÜBER DIE BIBLIOTHEK VOLTAIRES 


liebte und daß er von seinem Gegenstände mit Grämlichkeit sprach. €> Das mag 
auf sich beruhen, jedenfalls wird der hohe Ruhm des Verfassers der Henriade, 
der M6rope, des Charles usw. immer seine Bibliothek als ein bemerkenswertes 
Denkmal erscheinen lassen. Q Herr Ancelot, der 1826 Sankt-Petersburg besuchte, 
spricht ebenfalls von der Büchersammlung, die er in der Eremitage gesehen hat. 
Es heißt darüber in seinem Werke: Six mois en Russie. 1827, Seite 214 u. f. 
„Die Bibliothek des Philosophen von Ferney, die in der gleichen Ordnung wie 
bei ihm durch seinen von der Kaiserin nach Petersburg berufenen Sekretär auf¬ 
gestellt ist, setzt sich aus 6760 Bänden zusammen (ich möchte die oben ange¬ 
gebene Zahl für die genauere halten). Soweit ich das nach den Titeln beurteilen 
konnte, denn die Schränke waren geschlossen und ich konnte den Schlüssel nicht 
erhalten, gehören die meisten Bücher in die Fächer der Geschichte und der Philo* 
sophie. Vieles bezieht sich auch auf die Theologie und ich bemerkte, daß die 
hierher gehörigen Bände voller kleiner Papierzette) sind, die auf die Anmerkungen 
Voltaires und die Stellen, die seine Aufmerksamkeit erregt hatten, verweisen. Ich 
habe lebhaft bedauert, nicht einige der Bücher durchblättem zu dürfen, um ein 
paar der Bemerkungen zu notieren, mit denen dieser feine und tiefe Geist den 
Seitenrand bedeckte, auf den sein voller Gedankenstrahl fiel . . . Man hat mit 
der Büchersammlung Voltaires eine recht erhebliche Anzahl von Handschriften 
des großen Mannes vereinigt. Wie behauptet wird, sind mehrere davon noch un¬ 
veröffentlicht. Um so schmerzlicher war es, sie nicht wenigstens durchblättem 
zu können.“ f) Das ist der Bericht des Herrn Ancelot über die Bibliothek Voltaires. 
Ich teile sein Bedauern, daß es ihm unmöglich war, die Bände und besonders die 
Handschriften, von denen er spricht, durchzusehen. Aber befindet er sich vielleicht 
nicht im Irrtym über die Handschriften? Handelt es sich hier nicht einfach nur 
um die Sammlung der Briefe und eigenhändigen Briefentwürfe, die die Kaiserin 
von Madame Denis gefordert hatte. Wenn sich dabei noch unveröffentlichte Werke 
gefunden haben würden, ist es mehr als wahrscheinlich, daß Katharina eine Ehre 
darin gesucht hätte, sie herauszugeben oder wenigstens Abschriften davon den Ver¬ 
anstaltern der Kehler Ausgabe zu senden, die nicht verfehlt haben werden, bei 
ihrer Majestät deshalb vorstellig zu werden, weil sie nichts versäumten, um ihre 
Ausgabe so vollständig, als das damals möglich war, zu machen. §> Ich habe alles 
berichtet, was ich über die Bibliothek Voltaires in Erfahrung bringen konnte. 
Es ist gewiß eine glückliche Fügung, daß sie in ihrer ganzen Vollständigkeit er¬ 
halten worden ist. Aber wäre sie nicht besser in einem der Säle des Pariser 
Instituts als an den Ufern der Newa untergebracht? „ 

Anmerkungen: 

] ) Während der bekannte Bibliograph in seiner Schrift (Souvenirs relatifs k 
quelques biblioth&ques particuliferes des temps passls. Par Gabriel Peignot. Paris, 
Techener; Dijon, Lagier: 1836. 25 [26] Seiten 8°. 170 Abzüge), soweit er über das 

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GABRIEL PEIGNOT ÜBER DIE BIBLIOTHEK VOLTAIRES 


Schicksal der Bibliothek Voltaires in ihrer Heimat berichtet, die besten Quellen 
nutzen konnte, mußte er sich für das, was er über ihre neue AuFstellung in Rußland 
beibringen konnte, auf die Erzählungen flüchtiger Besucher beschränken. Trotzdem 
ist seine Darstellung auch heute nach fast hundert Jahren noch nicht veraltet. Denn 
wenn aucH die wissenschaftliche Durcharbeitung der Sankt Petersburger Voltaire- 
manuskripte inzwischen Fortschritte gemacht hat (zu verweisen ist hier auf die 
im Erscheinen begriffene Ausgabe der »Oeuvres inldites* Voltaires [Paris, H. 
Champion], so ist doch die Verwertung aller Hand- und Randschriften Voltaires 
für eine endgültige Gesamtausgabe seiner Werke anscheinend noch im weiten 
Felde).— Nach Peignot berichtete über die Büchersammlung Voltaires L. Llouzon 
Le Duc in dem seinem Werk »Voltaire et la police* (Paris, Ambroise Bray: 1867) 
angehängten Essai sur la biblioth&que de Voltaire. Dazu; (Llouzon Le Duc, Sur# 
les Papiers et Livres de Voltaire ä Saint-Pfctersbourg [Archives des Missions Seien- 
tifiques pre s£rie, tome 1 ]; comte de la Ferri&re, Troisifcme Rapport sur les 
Recherches faites ä laBiblioth&que Imperiale deRussie [Archives, 2« slrie, tomelV]). . 
Bei seiner Besichtigung dieses Bücherschatzes waren bereits die »anstößigen* Auf¬ 
zeichnungen Voltaires auf Befehl Nikolaus 1 . sekretiert. Im allgemeinen urteilt 
er: „La Biblioth&que n'offrc par elle-mtme d’autre int£r&t special que celui d’avoir 
ttt la propri£t& d'un grand homme. Plusieurs volumes, il est vrai, sont couverts 
de notes marginales autographes; mais la plupart de ces notes sont ou trop in- 
signifiantes, ou trop indignes, pour qu'il vaille la paine de les relever. Ce qui 
est vraiment interessant dansla biblioth&que de Voltaire, ce sont les manuscrits 
qui en font partie . . . Ces manuscrits se divisent en deux categories: la premiere 
comprend les pieces relatives ä J’histoire de la Russie sous Pierre-le-Grand; la 
seconde, un grand nombre d’ouvrages et de sujets de composition publies ou 
inedits. Les manuscrits de la premiere categorie sont renfermes dans cinq porte- 
feuilles reli£s en veau, dont deux in-folio et trois in-quarto; ceux de la seconde 
ne forment pas moins de treize portefeuilles, relies en maroquin rouge, dont 
trois in-folio et dix in-quarto**. 

*) Dies ist die frei wiedergegebene Stelle der anmutigen kleinen Dichtung, 
die ihm mehr als einen Feind gemacht hat: ln der Bibliothek des bezaubernden 
Palastes (des Temple du Goüt), sie ist nicht gerade groß, sind beinahe alle Bücher 
von der Hand der Musen verbessert und zusammen gestrichen. Man sieht da 
unter anderen Rabelais* Werk auf ein Achtel seines Umfanges vermindert; Marot, 
der nur eine einzige Schreibart versteht und in gleichem Tone alle Davidpsalmen 
und Alicens Wunder singt, hat nicht mehr als acht oder zehn Blatt erhalten. 
Voiturc und Sarrazin haben zusammen nicht mehr als sechzig Seiten. Bayles 
ganzer Geist befindet sich in einem einzigen Bande, wie er selbst zugesteht . .. 

a ) ln England verfuhr der berühmte Fox, durchaus in gleicher Absicht, dabei 
in einer für die Bücher weniger mörderischen Art. Ein geborener Feind der 
langen Phrasen, der anspruchsvollen Worte, der überflüssigen Epitheta, hatte er es 

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GABRIEL PEJGNOT ÜBER DIE BIBLIOTHEK VOLTAIRES 


«ich zur Gewohnheit gemacht, zwar nicht die Binde zu zerreißen, aber mit einem 
Bleistift alle Wendungen und Wörter auszuscheiden, die ihm überflüssig dünkten 
Dadurch brachte er in ähnlicher Weise dicke Bücher und lange Auseinander¬ 
setzungen auf einen geringen Umfang. So ist sein Exemplar der Werke Gibbons 
berühmt und nach seinem Tode zum Sammlerstück geworden; Lord Lauderdale, 
der es erwarb, hat gezählt, daß in diesem Exemplar «398 Redensarten, Stellen 
und Wörter ausgestrichen sind. 

(Die Gewohnheit Voltaires, auf besonderen Zetteln seine Zusätze zu machen, 
ist auch bei den Handexemplaren seiner eigenen Werke, zum Beispiel denen in 
der Bibliothek Friedrichs des Großen erhaltenen, erkenntlich. Allerdings dürften 
hier auch noch andere Gründe sie bestimmt haben. Einmal, daß der Rand nicht 
sausreichte, sodann, daß er, der von den Abschreibern und Nachdrucken) verfolgte, 
Niederschriften, die der Öffentlichkeit noch vorenthalten werden sollte, erst dann 
einzufügen wünschte, wenn der Band bereits vom Buchbinder zurückgekommen war.) 

4 ) Es ist der Jahrestag der Hinrichtung der unglücklichen Jeanne d'Arc, die 
1431 von den Engländern in Rouen verbrannt, 1656 von Chapelain besungen 
und' 1745 von Voltaire verspottet worden ist, drei Geschehnisse, die das Schicksal 
dieses armen jungen Mädchens wirklich beklagenswert erscheinen lassen. 

6 ). Der Marquis de Villette war allerdings dem Schlosse von Femey nicht ganz 
und gar ein Fremder, denn er hatte im Jahre 1777 Fräulein de Varicourt gehei¬ 
ratet, die Schülerin und, glaube ich, auch die Verwandte der Madame Denis. 
Und im Pariser Palaste des Marquis de Villette ist Voltaire gestorben. Er war 
weiterhin Mitglied der National Versammlung und ist in seinem eigenen am Quai 
Voltaire gelegenen Palaste in Paris am 10. Juli 1793 gestorben. Madame Denis 
war durch den Tod ihres Onkels sehr wohlhabend geworden, der sie in seinem 
eigenhändig 1776 geschriebenen Testamente (dessen Nachbildung nebst derjenigen 
aller auf den Tod Voltaires bezüglichen Urkunden in dem Werke ,Le dernier 
Volume des Oeuvres de Voltaire*. Paris, H. Pion: 186a gegeben wird) sie zur 
Universalerbin gemacht und ihr außer einem Barvermögen von 400000 Livres 
80000 Livres Rente hinterlasscn hatte. Seinen beiden Neffen, xlem Abb6 Mignot 
und Herrn d’Omoi, setzte er je 100000 Livres aus. Dazu seien noch einige weitere 
Testamentsbestimmungen erwähnt, die sicherlich nicht durch Dankbarkeit, Gro߬ 
mut und Sentimentalität ausgezeichnet sind: Vagni&re, seinem Sekretär, von dem 
er sich nicht trennen konnte, den er seinen Freund, seinen Fidus Achates nannte, 
bestimmt er letzwillig ein für allemal 8000 Livres, nichts für die Frau, nichts 
für die Kinder des Fidus Achates. f> Seinem Diener, einem gewissen Lavigne, der 
dreiunddreißig Jahre in seinen Diensten gestanden hatte, einen Jahreslohn, nichts 
weiter. Der Barbaras, der treuen Haushälterin langer Jahre, 800 Livres ein für 
allemal. Einem Herrn Durieu sechs englische Bücher nach freier Wahl in seiner 
Büchersammlung. Im übrigen keinen roten Heller an irgendwen. 

0 ) Als diese Fürstin, die die französischen Schriftsteller denen aller anderen 

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GABRIEL PEIGNOT ÜBER DIE BIBLIOTHEK VOLTAIRES 


Linder vorzog, in Erfahrung gebracht hatte, daß Diderot seine (übrigens nicht 
gerade ausgezeichnete) Bibliothek (2900 Binde) zu verkaufen beabsichtigte, um 
die Aussteuer seiner Tochter zu beschaffen, ließ sie die Büchersammlung für 
50 000 Livres für sich erwerben und überließ deren Benutzung weiter dem Philo¬ 
sophen. Ja, sie vermehrte den Kaufpreis um ein Bibliothekarsgchalt oder vielmehr 
um eine jährliche Pension von 1000 Livres, die Diderot bis zu seinem im Alter 
von 71 Jahren in Paris am 30. Juli 1784 erfolgten Tode bezogen hat. Diderot ist 
plötzlich in den Armen seiner einzigen Tochter, Frau Caroillon de Vaudrenille, 
gestorben, die ihn 40 Jahre überlebt hat, denn sie verstarb 1824. Ein einzig¬ 
artiger Umftand ist es, daß Diderot bei Tisch verschieden ist, daß zwei seiner 
Onkel, daß sein Vater und sein Großvater bei Tisch starben. Die Kaiserin von 
Rußland hatte auch die Bibliothek des Marquis de Galiani gekauft, des Bruders 
des in Paris so bekannt gewordenen Abb6, die nur etwa 1000 die schönen Künste 
und die Architektur betreffende Werke enthielt. 

*) Die Silhouette Voltaires wird, da sie von einem aufmerksamen Beobachter 
des Philosophen von Ferney herrührt, und von einem Künstler, dem seinSeichenstift 
gehorchte, wohl zutreffend, das heißt ähnlich sein. Ob sie als Karikatur, ob sie 
als Porträtskizze anzusehen ist, bleibt dafür gleichgültig. Denn die Karikatur ver¬ 
zerrt allerdings Bewegungen, Gestalt, Mienen, die wesentlichen Züge bewußt 
übertreibend; aber auch die Skizze sucht gerade solche Züge zu treffen, sie bis¬ 
weilen unbewußt verstärkend, um bei der Ausführung eines Bildnisses die Grund¬ 
linien der in ihm geschilderten Persönlichkeit aufdecken zu können. So haben 
Karikaturen und Skizzen aus jenen alten Tagen, in denen noch nicht das Licht¬ 
bild aufschrieb, wie die Berühmtheit sich räusperte und wie sie spuckte, einen 
eigentümlichen Wert. Denn sie zeigen uns den Menschen in seinem natürlichen 
Auftreten, während die Bildnismalerei oder die Bildnisgriffelkunst immer etwas 
auf die Apotheose ausging, wie das ja schon in ihrer Bestimmung lag, die ge¬ 
sammelte Persönlichkeit in aller dieser nur möglichen Vollendung zu porträtieren 
strebte. Eine Anmerkung, die hier keine umfangreiche Untersuchung über Heroen¬ 
kultur und Karikaturtypisiemng eröffnen sondern lediglich erklären soll, weshalb 
auch die weiteren Bildnisse, die in diesen Blättern sich der Voltaire-Silhouette 
anschließen werden, ihr verwandte Porträtskizzen wiedergeben. — 


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CORNELJS ADRIAENSEN’S P R E D 1 GTE N B U C H 


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CORNELJS ADRIAENSEN’S PREDIGTENBUCH 

Eine Fischart Studie Meusebach's [Fischartstudien des Freiherrn Karl Hartwig 
Gregor von Meusebach. Mit einer Skizze seiner literarischen Bestrebungen 
herausgegeben von Dr. Camillus Wendeier. Halle a. S-, Max Niemeyer: 1879. 
Seite 264 f.] beschäftigt sich mit der Cornelischen BüEung und stellt das folgende 
zusammen: „Ja es war noch auff disen Tag eyn guter heyliger Grawbruder zu 
Bruck, mit namen Bruder Cornelius der Geyssler, der durch mittel diser heyligen 
Orenbeicht eyn grosse menig Weiber jres fleysches abzusterben vnd sich zu de¬ 
mütigen, auff folgend weiss zu lehren pflag: Nentlieh dass sie zu Vollstreckung 
jrer buss, vnd absolution jrer Sünden, Muternackend auff händen und füssen zu 
jrem Heyl. Beichtvatter krochen. Vnd wann er merckt, dass das fleysch nicht genug¬ 
sam abgestorben was, so hat er eyn Rut inn der Hand (Randglosse: „O Adams 
Rutl“), vnd Capitelt sie hinden her damit, biss sie vollkommene buss gewürcket 
hatten. Dernhalben dann eyn gantz Buch von disem Meydleinfitzer 
Frater Cornely, sampt seinen Wütigen Nasenschändhurischen Pre¬ 
digen ist aussgegangen: Welchs in kürtze Jesuwalt Pickhart dem Hen¬ 
nengreifenden Frater Nasen, sampt dem Heyligen Brotkorb der Würdigen Heyl- 
thums procken wird wissen zu verehren“. Binenkorb 1580 Bl. 161. ln den 
Ausgaben [1581 ab und] 1586 Bl. 161a, 1588 und in allen folgenden s. a. Bl. 176 
heißt es in etwas anderer Fassung: „... Derhalben man eyn gantz Buch von diser 
Bruder Cornelischen neuerfundenen büsung mit Ruten fitzen vnd 
seinen wütigen Nasenschändhurischen Predigen hat beschriben: welches in kürtze 
Jesuwalt Pickhart sein Ordensbruder dem HennengreifFenden Frater Nasen, 
sampt dem Heyligen Brotkorb der würdigen Römischen Heylthumbs procken 
wird wissen zu verehren“. [1579 Bl. Xla fehlt die Angabe der Quelle sowie die 
Verheißung ihrer Bearbeitung für Nasus noch.] 

Den ,Brotkorb* hat Fischart 1583 [1580] dem Nasus wirklich verehrt, auch den 
»Cornelius*? Ein deutsches Buch „Joh. Fabri Historia von Bruder Comelio 
Adrians Sohn von Dordrecht aus Holland, Franciscaner Münch zu Brück in 
Flandern... 1613. 8°“ wird genannt in folgenden Katalogen: Bibliotheca 
Salthenii 1751 S. 449, Bibliotheca Solgeriana 1762 111 , 195, Supellcx 
libraria J. Conr. Feuerlini 1768, S. 332 (mit der Verweisung auf Vogt S. 345 
und Freytag Anal. S. 452) und Bibliotheca Ge. W. Panzeri 1807 111 , 284. 

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CORNEL 1 S ADRIAENSENS P R E D 1 G TE N B U C H 


Vulpius liefert in seiner Vorzeit 111 , 2 (Erfurt 1819 8°) S. 145—152 daraus einen 
Auszug und gibt S. 150 den genauen Titel mit der Bemerkung: „Das Original 
dieser Historie von Com. Adriansen erschien 1569, erlebte — gedruckt zu Amster¬ 
dam und Brügg — noch fünf Ausgaben: 1592, 1596, 1607, 1628 und 1640. Der 
Twede Deel erschien in zwey Ausgaben 1608 und 1639. Clement Biblioth. curieuse 1 ,54**. 
Von einem Fi schartischen Anteil wciss weder Clement noch Vulpius. Nach einer 
Bemerkung im Uterar. Wochen blatte 1 (Nürnberg 1770), S. 385 ist die deutsche 
Übersetzung vom Jahre 1613 17 Bogen stark, ln der Bibi. Thomasiana, 111 Sect. 1 1 ,127, 
befand sich: „Historie van Cornelis Adriaensen van Dortrecht, Minrebroeder 
binnen die Stadt van Brugghe. Delft 1576. 8°/* 

Die Meusebachschen Notizen über eine eigenartige Predigtsammlung, deren 
Ruf aber schlimmer ist als ihr Inhalt, verdienen wohl auch dann Beachtung, wenn 
ihre eigentliche Absicht, eine Bearbeitung dieser Sammlung durch Fischart nach¬ 
zuweisen, sich nicht verwirklichen konnte, weil Fischart anscheinend seinen Plan 
nicht zur Ausführung brachte. Denn bereits die Absicht Fischarts oder vielmehr 
die seiner holländischen Vorbilder, beweist ja? daß das von ihm benannte Buch 
ihm merkwürdig genug erschienen war, um auch seinerseits an dessen Verbreitung 
mitwirken zu wollen. Einige genauere Mitteilungen über den Inhalt und den Ver¬ 
fasser des berufenen Werkes, die in der Hauptsache auf H. S. Ashbee's gründ¬ 
lichen Untersuchungen beruhen [Pisanus Fraxi, Centuria librorum absconditorum. 
London: 1879, S. 213 ff] mögen deshalb die Aufzeichnungen des Berliner Fischart¬ 
freundes weiterführen. 

Der genaue Titel der ersten Auflage des Werkes lautet: Jßiftorie Dan 93. 6OY« 
fielt^ Sibriöfufeu vn Dorbred)t, SWinrcbroeber binnen bie ©tabt ban 93ruggbe. 3nbe 
melde waracbtelitf Derbaelt wert, be 3>i$cipltne en fecrete penitencie of geeffeltng^e, bie bb 
gbebiupcte met gpn Deuotarigen: be weide Demrfaect bebbs jeer Deel wonberlicfe ©er« 
moenen, bie bb te ©rugge geprefcict bteft, tegben ben SDtagiflraet aloaer, en tegben 
bie Diev gebe M ianti Dfi Dlaenberö: 3tcm tegen btt Dergaberen Danbe ©enerale (taten, 
en tegen bie tfamen gbeconfeberierbe ©bei lieben: met nod) Deel anbere gruwelirfe blafc 
pbemien tegben ©obt enbe be natuere: Deel bloetbortfigbe ©ermoenö tegö be @al* 

uintffen, Sutberianö en ®ooper$ Dol leelicte lengenen en abominabile rooorbe. 3nboubenbe 
ooc twee Dermaen brieuen Dan STEPHANUS LIN Dl VS, anbett feluen 93. Somelte in 
Satine gefottben, enbe nu Duergbefet in 9teberlant$: met nÖd) fommigbe 9>a*quillien enbe 
9teferepnen tu$fd>en be ©nrmoenen begrepen. ©bebruct int 3«tr 1569 . [8°. 271 bezifferte 
Blätter, der 8 unbezifferte Blätter der auf der Rückseite des Titelblattes be¬ 
ginnenden Vorreden vorangehen und 2 unbezifferte Blätter Aen den Christelicken 
Leser folgen.] Die erste Auflage ist in einer klaren gotischen Schrift wahrschein¬ 
lich in Brügge von Pieter de Clerk gedruckt worden. Als ihre Ergänzung ist 
der zweite Band von 1578, [Nu eerstmael in druck vuytgegeuen] zu betrachten. 

Andere Ausgaben erschienen: Delft, Chr^tien de Neuter: 1576 [allein der erste 
Band]; Buyten Noirdwitz: 1578 [Zwei Teile, die Ausgabe ist von den nach 

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CORNELJS ADR] AENSEN'S P R E D 1 GTE N B U C H 


Norwich in England geflüchteten vlimischen Protestanten veranlaßt worden]; 
(t* Amstelredam. Yoor Comelis Lodowycsz van der Plane. [Zwei Binde, u. 1600?]?); 
Amsterdam by Cornelia Claesz: 1607 [Zwei Binde, der zweite mit dem Vermerk: 
Tweeden boeck herdnickt by Albert Bouwmeester 1608, der erste Band mit einer 
Holzschnitttitel Vignette]; (Amsterdam: 1614?); Gedruckt ’t jaer 1618. [Zwei Binde, 
384 und 494 Seiten, Druckvermerk des zweiten Bandes: Tot Deventer By Coen- 
raet Thomasscn Boeckdrucker 1639**, Gestochene Titelblltter.]; Na de Copie van 
Brügge, t' Amsterdam, By Abraham Boekholt, Boekverkooper op de Beurssluys. 
1698 [Zwei Binde, 384 und 494 Seiten, gedruckte und gestochene Titelblltter]; 
Na de Copie van Bruggs t' Amsterdam, By Samuel Schoonwald en Christiaan 
Petzold: 1714 [Zwei Binde, 384 und 494 Seiten, gedruckte und gestochene Titel]. 

Der zweite Band der beschriebenen Ausgaben enthllt den zweiten Teil von 
Adriaensens Predigten, zwischen denen seine Disputationen mit Jacob Rore und 
Hcrman Vleckwyck stehen und denen eine kurze Vorrede von Justus van Vreden- 
dael vorangeht. 

Die Historie von B. Comelis Xdriaensen (geboren in Dordrecht 1521, Fran- 
ciscanermönch seit 1548, gestorben am 13. Juli 1581 in Brügge) berichtet über 
den Ursprung und den Beginn seines splterhin von Voetius als disciplina gymnopy- 
gica Cprneliana bezeichneten) Flagellationssystems in Brügge, über die von ihm 
angewendeten Mittel, seine Büßerinnen zu bedingungslosem Gehorsam zu bringen 
und sie zu veranlassen, sich selbst zu entkleiden, um ihre Züchtigung zu emp¬ 
fangen, wie die Öffentlichkeit und der Magistrat von seinem geheimen Treiben 
1563 durch eine Liesbeth Mars unterrichtet worden und wie er durch ein Verhör 
von dem Magistrat eines unsittlichen Lebenswandels überführt, auf Befehl des 
Bischoffs 1563 in ein Kloster zu Ypern verbannt wurde, das er nach drei Jahren 
verließ, um gegen den Willen seiner Oberen nach Brügge zurückzukehren, wo er 
in der Kirche ,Saint Sauveur* gegen den Magistrat predigte. Dem Bericht 
schließt sich eine Analyse von Adriaensens Predigten gegen die Calvinisten und 
gegen die Lauheit der Stadtverwaltungen in ihrer Verfolgung an. 

Die Predigten sind in flämischer Umgangssprache geschrieben, heftig und mit 
starken Ausdrücken untermischt, aber keineswegs so ,frei‘ wie diejenigen mancher 
seiner Zeitgenossen, allerdings auch nicht mit lateinischen Redeteilen vermischt. 
Wobei man sich, um Adriaensen nicht Unrecht zu tun, auch noch vergegen¬ 
wärtigen muß, daß in seinem Streit mit dem Magistrat in Brügge kein schlimmerer 
Vorwurf gegen ihn erhoben wird als der, er habe die Büßerinnen gezwungen 
sich vor ihm zu entkleiden, um ihre Züchtigung zu empfangen. Eine Praxis, die 
die Sanktion der Römischen Kirche hatte. Verschiedene und darunter manche noch 
jetzt bekannte Schriftsteller unter seinen Zeitgenossen haben mit Achtung von 
ihm gesprochen. Diejenigen seiner Gegner, die ihn am heftigsten angriffen,P.Mamix 
[De Bijenkorf, im Kapitel über die Beichte, Fischarts Quelle] und Emanuel 
van Meteren [in der erst lateinisch geschriebenen, dann vom Verfasser selbst ins 

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CORNEL1S ADR1 AENSEN’S P R E D 1 GTE N B U C H 


Vlämische übertragenen Geschichte der Niederlande] haben ihm ebenfalls keine an¬ 
dere «unzüchtige Handlung* nach weisen können außer der eben erwähnten. 

Aber sie waren die Quelle« aus denen P. Bayle [Dictionnaire], der Abbe Boileau 
[Histoire des Flagellants], Delome [History of the Flagellants] ihre Nachrichten 
über Adriaensen zogen« die ihn allmählich in den Begründer eines Geheimordens 
der Büßerinnen« den es vermutlich garnicht gegeben hat« verwandelten. So sind 
die Predigten eines fanatischen Mönches« in denen sich sehr viel mehr politische 
Ausfälle gegen die Fürsten und Magistrate« die nicht den Protestantismus unter¬ 
drücken wollten« als religiöse Betrachtungen finden« im Schriftenstreit der Katho¬ 
liken mit den Calvinisten und anderen Ketzern allmählich ein berühmtes Skandal¬ 
buch geworden, eine Werkgeschichte« die lehrreich ist. 

Die Frage« ob Adriaensen der Verfasser der unter seinem Namen veröffent¬ 
lichten Predigten war, ist streitig. Borluut de Noortdonck hält Hubert Goltzius 
und insbesondere Jean de Casteele oder Castelius« der sich unter dem Decknamen 
des Stephanus Lindius verborgen habe, für die Autoren. Sollte diese Ansicht zu¬ 
treffen, so würde das Buch in die Gruppe jener Streitschriften aus der Zeit der 
Reformation und Gegenreformation gehören, in der die Epistolae obscurorum 
virorum am berühmtesten geworden sind. 

Am Ende sei auch noch der vollständige Titel der deutschen Übertragung wieder¬ 
gegeben, auf die sich Meusebach in seiner Notiz bezieht: HJSTOR 1 A VOu ÜBruber 
Sornelio $lbrianö ©obn bon ©ortrecht aufc Jpolfonb, Sranciöcaner SJtünd) ju 95rugf in 
^lanbrrn. 3n welchem wabrbafftig erjeblet wirb bie ©iöriplin mmb geheime 93uß, fo er 
mit feinen 9lnbed)tigen Srawen, bnb 3 ungfrawen gebraucht bat: ©urd) weiche broiad) biel 
feltjame bierimien auch begriffene tyrebigten, bie er in gemelter Stabt Srugf öffentlich ge* 
batten, berurfaebt fein worben, ©rftlid) in glanbrifcher ©prach befd'rieben burd) Sbnflian 
SReuter, feinen (angefeit gewefenen 3nbörer: 5fun aber auf jpochteutfd) mit fonbern fleijj 
berbolmetfchet bnnb bengutberpigen Sefer jugefatten in®rucf berfertigt. ©urch lOHANNEM 
FABRUM ju ieipjigf. ©ebrudt bep tyeter ©chmibt, 3m 3 *b*/ M. DC. XI 11 . [7 Bll.« 
15a Bll.] 8°. 




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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 


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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 

Die tschechische Bibliophilenbewegung. Die bedeutende Entwicklung, 
welche die bibliophile Arbeit im tschechischen Volke, namentlich wihrend der 
letzten Jahre genommen hat, ist in den deutschen bibliophilen Kreisen so ziemlich 
imbeachtet geblieben. Es ist dies auch kein Wunder, da es den Deutschen die 
sehr schwer zu erlernende tschechische Sprache verwehrt, sich auf dem Gebiete 
der modernen Bücherliebhaberei bei dem tschechischen Volke näher umzusehen. 

Schon lange vor dem Beginne einer eigentlichen bibliophilen Bewegung in den 
ehemals österreichischen Provinzen Böhmen, Mahren und Schlesien, also noch 
vor dem Erscheinen der bisher einzigen tschechischen bibliophilen Zeitschrift und 
vor der Gründung des großen tschechischen bibliophilen Vereins sind schon ein¬ 
zelne sehr bedeutende bibliophile Veröffentlichungen auf dem tschechischen Bücher¬ 
märkte aufgetaucht. Wir wollen hier nur eine, wohl die bedeutendste dieser Er¬ 
scheinungen, herausgreifen, das prachtvoll ausgestattete Werk des verstorbenen 
Pfarrers der Königlichen Weinberge, einer volksreichen Schwesterstadt Prags, 
Ferdinand Lchner, das schon im Jahre 1902 unter dem Titel „Eine tschechische 
Malerschule des 11. Jahrhunderts 0 , selbstverständlich in tschechischer Sprache 
herausgegeben, jedoch in tschechischen Fachkreisen rücksichtlich seiner wissen¬ 
schaftlichen Resultate allgemein scharf abgelehnt wurde. Allein für den Biblio¬ 
philen hat das Buch trotz dieser allgemeinen Ablehnung ein großes Interesse, es 
ist auf prachtvollem Papier geradezu verschwenderisch gedruckt, die beigegebenen 
Abbildungen sind eine genaue farbige Nachbildung des in dem berühmten Vyfte- 
hrader Kodex der Prager Universitäts - Bibliothek enthaltenen reichen Bilder¬ 
schmuckes. o Der Vygehrader Kodex, dessen romanische Bilder den Bibliophilen 
natürlicherweise weit mehr interessieren, als der beigegebene Text Lehners, war 
lange Jahrhunderte hindurch, von der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts an bis 
zum Jahre 1728, im Besitze des Domkapitels auf dem Berge VySehard bei Prag, 
kam in letzterem Jahre in den Besitz der Bibliothek des fürsterzbischöflichen 
Priesterseminars in Prag und erst spSter in jenen der dortigen Universitäts- 
Bibliothek. Die ungemein kostbare Handschrift fällt schon beim ersten Anblicke 
durch ihren uralten, byzantinische Einflüsse zeigenden Einband auf. Die beiden 
Holzdeckel des Manuskripts sind nämlich mit einem mit kostbarer byzantinischer 
farbiger Stickerei bedeckten Leinwandstücke überzogen, das allerdings nur schlecht 
erhalten ist, aber in dieser seiner mangelhaften Erhaltung einen der ältesten, über¬ 
haupt erhaltenen Reste der mittelalterlichen Textilindustrie darstellt. Der Qberzugdes 
zweiten Buchdeckels der Handschrift ist Übrigens besser erhalten und stellt den 
mit der Mandorla geschmückten, auf einem Thronsessel sitzenden und die Welt 
segnenden Christus in noch teilweise gut erhaltener Goldstickerei dar. Ist schon 
dieser Deckelüberzug von immensem Werte, so erhöht sich dieser Wert noch 

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zweifellos durch den reichen Bilderschmuck der Handschrift, welche eigentlich 
ein Meßbuch war und als solches die Meßperikopen aus den Evangelien enthalt. 
Der handschriftliche Text ist in Kapitalschrift geschrieben, und zwar erscheinen 
die Buchstaben in schwarzer, und nur fünf Meßperikopentexte mit goldener 
Farbe niedergeschrieben. Der Text ist mit 105 prachtvollen farbigen Initialen und 
mit einer größeren Anzahl von Bildern geschmückt, welche zuerst die Abbildungen 
der vier eifrig schreibenden Evangelisten, dann den aus 53 Bildern von Urvätern 
bestehenden Stammbaum Christi und schließlich die Lebens- und Leidensgeschichte 
des Erlösers illustrieren sollen. Unter den großen Initialen ist die erste, die ganze 
Seite einnehmende L-Initiale die schönste; die kleinere Wenzelinitiale, als eine der 
wenigen erhaltenen figuralen Initialen, die interessanteste. In der Mitte dieser 
letzteren Initiale, welche die Meßperikope am Wcnzelfeste einleitet, erscheint das 
Bild des heiligen Königs; am Rande des Pergamentblattes sind, um ja keinen 
Zweifel zu lassen, noch die Worte: „S. Wenceslaus rex“ beigesetzt. Der eigentliche 
Bilderkreis des Kodex umfaßt auf a6 Seiten 33 Bilder, die mit der Geburt Christi 
beginnen und mit der Sendung des heiligen Geistes abschließen. Die Bilder ge¬ 
hören der romanischen Zeit der Malerei an und zeigen wohl einen einheitlichen 
Stil, doch eine nur wenig gelungene Nachahmung der Natur. Die dargestellten 
Häuser, Kirchen, Altäre und Wohnungseinrichtungen zeigen den reinen byzan¬ 
tinischen Stil. Die dargestellten Naturgegenstände zeigen noch wenig Natursinn 
und Naturkenntnis, die menschlichen Gesichter erscheinen ebenso ausdruckslos, wie 
unnatürlich; nur auf dem die Auferstehung der Toten schildernden Bilde zeigen 
die Gesichter der Toten mancherlei charakteristische Züge, welche ein Streben 
des Malers nach Charakterisierung und Differenzierung seiner Gestalten zeigen. 

Dem kostbaren Nachdruck des VySehrader Kodex mit seinem reichen malerischen 
Schmuck hat nun der Herausgeber seine wissenschaftlichen Erläuterungen voran¬ 
gestellt, die auch mir, wie be'reits erwähnt wurde, ganz verfehlt zu sein scheinen. 
Lehner läßt sich durch einzelne an der Handschrift gemachte, ganz richtige 
Beobachtungen dazu verleiten, viel zu weitgehende, und deshalb schiefe Schlüsse 
zu ziehen. Er hat in rastloser Arbeit noch drei weitere Handschriften, welche 
aus derselben Zeit stammen und dieselben charakteristischen Merkmale an sich 
tragen, wie der VySehrader Kodex aufgestöbert, die sich derzeit in der Bibliothek 
des St. Veiter Domkapitels auf dem Hradschin in Prag, im Museum des Fürsten 
Czartoryski in Krakau und in der erzbischöflichen Dombibliothek in Gnesen 
befinden. Der VySehrader Codex, besitzt einen reicheren Bilderschmuck, als diese 
drei weiteren, angeblich von derselben Malerschule hergcstellten Handschriften, 
nur zeigen diese letzteren allein den Perikopentext durchweg mit goldenen Buch¬ 
staben hergestellt. Wie weit der Bilderschmuck des VySehrader Kodex den der drei 
verwandten anderen Kodices übertrifft, mag man daraus ersehen, daß die Krakauer 
Handschrift nur fünf, die St. Veiter 91, die Gnesener Handschrift 92 und der 
VySehrader Kodex 103 Initialen aufweist. Die Krakauer Handschrift enthält nur 

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einen Teil des Perikopcntcxtes, und nur die erste Hilfte der Bilder des Vy$e- 
hradcr Kodex, während der Gnesener die 2. Hilfte dieses Bilderzyklus bietet. 
Der künstlerische Stil ist in allen vier Handschriften zweifellos ganz einheitlich, 
die Malertechnik ist ein und dieselbe, in allen werden dieselben Symbole ver¬ 
wendet, wird Gott Vater durch eine aus den Wolken hervorgestreckte, segnende 
Hand, Christus durch den Kreuznimbus auf dem Haupte dargestellt. 

Da mag nun Lehner, ob mit Berechtigung oder nicht, immerhin frohgemut eine 
im 11. Jahrhundert blühende tschechische Malerschule statuieren, deren Arbeiten 
eben teilweise in den angeführten vier Handschriften erhalten sind. Viel schwieriger 
wird es jedoch für uns, Lehner zu folgen, wenn er, weiter schließend, den VySe- 
hrader Kodex zum Krönungsevangeliar der böhmischen Könige stempelt. Weil 
nämlich in diesem Kodex die Perikopentexte nur zu den höchsten Feiertagen und 
zum Meßevangelium „in die ordinationis regis“ mit goldenen Lettern geschrieben 
sind, so schließt er frischweg, daß dieses letztere Evangelium nur deshalb so reich 
ausgestattet wurde, weil der neugewlhlte König auf dieses Blatt seine Schwur¬ 
finger haltend, den Krönungseid zu leisten hatte. Und da nun nach Cosmas in der 
a. Hälfte des s 1. Jahrhunderts, aus welcher nach dem ganzen Stilcharakter der 
Handschrift dieselbe stammen muß, nur eine einzige Königskrönung in Böhmen, 
und zwar am 15. Juni 1086, stattfand, an welchem Tage der Erzbischof von Trier 
Egilbert Wratislaw zum Könige krönte, während die nächste derartige Krönung 
erst wieder im Jahre 1158 stattfand, so muß der Vy&ehrader Codex partout bei 
der Krönung dieses Wladislaw als Krönungsevangeliar gedient haben. Das sind 
kühne, sehr kühne Schlußfolgerungen, denen wir ebensowenig folgen können, wie 
den weiteren Ausführungen. Lehner sucht in denselben die Frage zu beantworten, 
wer denn der hervorragende Künstler war, welcher den Bilderzyklus des VySe¬ 
hrader Kodex geschaffen hat. Da ist Lehner sofort wieder mit neuen unbeweis¬ 
baren Konjekturen zur Hand. Das größte und wegen seiner künstlerischen Er¬ 
zeugnisse berühmteste Kloster in Böhmen war das große, heute längst verschwundene 
Benediktinerkloster an der Sazawa, einem südlich von Prag in die Moldau mün¬ 
denden Nebenflüßchen, ln diesem Kloster galt der Mönch Bo£et£ch, der nach 
dem Ableben seines Abtes der Nachfolger desselben in der Leitung des Klosters 
wurde, als der begabteste und fleißigste Maler, wie uns ebenfalls der schon ange¬ 
führte Chronist Cosmas berichtet. König Wladislaw galt als besonderer Gönner 
dieses Klosters, also war Abt Boäet&ch sein Freund und selbstverständlich auch 
jener Künstler, welcher in des Königs Auftrag den malerischen Schmuck des Kodex 
ausführte. Auch die anderen drei Kodices dieser selben Malerschule hat der fleißige 
Abt illustriert und die beiden heute in Gnesen und Krakau, also in polnischem 
Besitz befindlichen Handschriften sind ohne Zweifel durch Wratislawa, die Gattin 
des polnischen Königs Wladyslaw Hermann, nach Polen gekommen. So konjiziert 
Lehner hurtig weiterl • Aber von diesen unbegründeten Theorien Lehners ab¬ 
gesehen, ist seine Publikation ein wirkliches Prachtstück, ein echt bibliophiles Werk, 

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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 


dessen Kosten sehr hoch sein mußten. Wie Lehner selbst in der Einleitung zu 
seinem Werk mitteilt, wurde die Publikation nur durch die werktätige Unterstützung 
der Stadt Prag, welche 6000 K beisteuerte, der tschechischen Akademie, welche 
2000 K hergab und der Schwesterstädte Prags, Kön. Weinberge mit 2000 K, 
Karolinental mit 4000 K und Smichow mit 2800 K überhaupt ermöglicht. Die 
Tschechen hatten überhaupt seit jeher für nationale und künstlerische Zwecke eine 
offene Hand und so fand Lehner mit seinen Bestrebungen überall die beste Auf¬ 
nahme. Erst im Jahre 1908, also sechs Jahre nach dem Erscheinen des eben aus¬ 
führlich besprochenen Werkes, erfolgte die Gründung des Spolek cglstych biblio- « 
filft, des Vereins der tschechischen Bibliophilen, und erst seit 1917 erscheint die 
einzige tschechische bibliophile Zeitschrift, der Knichomil, der Bücherfreund. Der 
Verein gibt seit 1908 eine große Sammlung von slavischen literarischen Erzeug¬ 
nissen unter dem Titel: Knihy spolku bibliofilü, Bücher des Vereins der Biblio¬ 
philen, heraus. Diese apart und ganz modern ausgestattete Sammlung enthält u. a. 
ein Gedenkbuch an Prag aus dem Jahre 1913, Praga caput regni betitelt, ein Ge¬ 
denkbuch an den großen Reformator Johann Hus, Ausgaben von Werken Komenskys, 
Puschkins und des im Voijahre verstorbenen jungen Prager tschechischen Lyrikers 
und Bibliotheksbeamten Ottokar Theer,'der sich mit einem „Faäthon“ auch im 
Drama erfolgreich versucht hat u. a. Die Zeitschrift, welche von dem Haupt¬ 
verleger der tschechischen Bibliophilie, dem Buchbinder Ludwig Bradäg in den 
Kön. Weinbergen verlegt wird, gibt in ganz schmuckloser Aufmachung ein gutes 
Bild der ganzen tschechischen bibliophilen Bewegung. Neben Originalgedichten 
von Baudelaire, Verlaine, Puschkin und tschechischen Lyrikern, neben allerlei Be¬ 
richten und Kritiken enthält dieselbe gute bibliophile Aufsätze, die teilweise auch 
von bekannten Gelehrten, wie dem Privatdozenten an der Prager tschechischen 
Universität, Arne Noväk, dem Statthalterei-Archivdirektor MiloS Klicman u. a., 
herrühren. Doch auch außerhalb des Vereins der tschechischen Bibliophilen er¬ 
scheinen zahlreiche bibliophile Büchersammlungen, die meist Erzeugnisse der 
neuesten tschechischen Literatur in kostbarer Ausstattung enthalten. Aber auch 
anderssprachige literarische und literarhistorische Werke erscheinen in solchen 
tschechischen bibliophilen Sammlungen, von denen als die bedeutendste neben den 
Knihy spolku bibliofilü die Edice krasn^ch keih, die „Ausgabe prachtvoller 
Bücher“ zu bezeichnen ist, in welcher Werke von Heine, Wilde u. a. erschienen 
sind. • Dem Verfasser des vorliegenden Aufsatzes lag es nur daran, zu zeigen, 
wie umfangreich die Zahl der tschechischen bibliophilen Veröffentlichungen in den 
letzten Jahren geworden ist. Daß in den Kriegsjahren die ganze Bewegung etwas 
in den Hintergrund getreten ist, darf ja nicht Wunder nehmen, ist es ja doch 
zweifellos, daß dieselbe diesen selbstverständlichen Rückschlag bald überwunden 
haben wird. Der rührige Eifer des Verlegers Bradäg ist Gewähr für diesen bald 
zu erwartenden neuerlichen Aufschwung der jungen, kraftvollen Bewegung. 

Richard Kukula. 


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MITTEILUNGEN UND NACHRICHTEN 


Daß die bibliographische Kasuistik keineswegs eine ausgeklügelte Theorie 
ist, sondern ihre Bestätigung immer von neuem durch Bücherschicksale findet, zeigt 
der Diebstahl der Kupferplatten von Max Slevogts Radierwerk zu Mozarts «Zauber- 
flöte 4 . Der Dieb hat, im Oktober 1919, acht Platten beim Drucker gestohlen und 
dann beim Altwarenhändler für den Kupferwert, 6 Mark für die Platte, verkauft. 
Die Platten gelten als verloren, vorläufig wenigstens, und das fertige Werk ist 
vor seiner Drucklegung zerstört worden. Vorhanden sind nur die gerade ausge¬ 
stellt gewesenen fertigen Probedrucke, so daß immerhin eine fertige erste Auf¬ 
lage vorhanden ist. Die Probedrucke werden jetzt für eine zweite Auflage, die 
die geplante erste ersetzt, photomechanisch vervielfältigt, so daß die veröffentlichte 
erste Auflage nicht mehr den ursprünglichen Wert der eigentlichen ersten Auflage 
hat. Wenn aber die Platten wiedergefunden werden und auch in ihrer Frische 
nicht gelitten haben sollten, bleibt trotzdem die veröffentlichte erste Auflage, 
soweit sie von den nicht gestohlenen Platten gedruckt ist, mit diesen Radierungen 
erste Auflage und die Drucke der gestohlen gewesenen acht Platten könnten sie 
zwar ergänzen, aber nicht mehr eine selbständige erste Auflage bilden, da ja die 
ersten Drucke der anderen Platten bereits hergestellt und veröffentlicht wurden. 
Absichtlich ist dieses Beispiel, das als einen bibliographischen Rattenkönig sich 
weiter auszudenken der Bibliophilenphantasie überlassen bleibe, hier vermerkt 
worden. Denn es ist ja keineswegs einzigartig und ähnliche bibliographische Ver¬ 
hältnisse oder Verwirrungen bestehen für eine ganze Reihe anderer berühmter 
BilderWerke, es sei nur an die Bücher des Kaisers Maximilian ). oder an die 
Folgen Goyascher Radierungen erinnert. 

Die Reformationsbibliographie entbehrte bisher eines eigenen Hand¬ 
buches, das als Mittelpunkt der ihr gewidmeten Forscher- und Sammlerarbeit 
gelten konnte. Ein Mangel, der um so stärker empfunden werden mußte, als 
einerseits die Beschaffung der hierher gehörigen bibliographischen Spezialliteratur 
oft ohnehin schwierig ist, andererseits aber gerade die Reformationsschriften in¬ 
folge der zahlreichen Doppeldruckausgaben, Nachdruckausgaben usw. bibliogra¬ 
phisch genaue Feststellungen häufig nur auf der Grundlage umfangreicher Druck- 
und Textvergleichungen zulassen. Die Bereitstellung erheblicher Mittel zur För¬ 
derung der Reformationsgeschichte, die der Preußische Landtag bewilligt hat, 
ermöglicht nun auch die Inangriffnahme einer wissenschaftlichen Bücherkunde des 
gedruckten und handschriftlichen Schrifttums der Reformation und Gegenrefor¬ 
mation. Abgesehen von der Unterstützung der bereits bestehenden gelehrten Ge¬ 
sellschaften des «Vereins für Reformationsgeschichte 4 und der «Gesellschaft zur 
Herausgabe des Corpus Catholicorum 4 ist jetzt die Begründung einer besonderen 
«Kommission für die Geschichte der Reformation und Gegenreformation 4 durch¬ 
geführt worden, die katholische und protestantische Forscher zu ihren Mitarbeitern 
zählt und die zunächst, neben einer Ausgabe der Humanistenbriefe und einer großen 
Biographie der Reformatoren und ihrer Gegner die Reformatsonsbibliographie in 

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Angriff genommen hat. Diese soll nicht auf eine Beschreibung der älteren Drucke 
und Handschriften beschränkt bleiben, sondern auch die Literatur Über die kirch¬ 
lichen Bewegungen in Deutschland in der Zeit von 1500—1585 verzeichnen. Von 
der Aufnahme der Bestände der in der Münchener Staatsbibliothek befindlichen 
Rcformationsliteratur ausgehend, werden allmählich auch diejenigen der anderen 
über Reformationsliteratur verfügenden Sammlungen in die Aufnahme einbezogen 
und damit Unterlagen geschaffen werden, die einen nach allen Seiten sicheren 
Ausbau der Bibliographie gestatten. Dabei dürften dann manche bisher nicht recht 
gewürdigte oder übersehene Einzelheiten bekannt werden und, an der richtigen 
Stelle verzeichnet, nicht wieder verloren gehen. So sollen die Einblattdrucke des 
sechzehnten Jahrhunderts systematisch überprüft werden, die druck-, kunst-, 
lebensgeschichtlichen Beziehungen sollen aufgeklärt werden, die Exemplareigen¬ 
tümlichkeiten (cingeklebte Blätter, Eintragungen, Einbände mit religiösen Ver¬ 
zierungen) sollen untersucht werden. Das alles läßt sich natürlich nur in jahre¬ 
langer angestrengter Tätigkeit leisten und das Erscheinen der Reformationsbiblio¬ 
graphie ist vorläufig nur eine Hoffnung, aber doch eine Hoffnung, deren Erfüllung 
einigermaßen gesichert scheint. Zudem wird das Anwachsen der Aufnahmen Aus¬ 
künfte aus ihnen gestatten und also noch vor der Drucklegung der Reformations¬ 
bibliographie der Forderung zugute kommen können. 


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Aarbog for Bogvenner. Udgivet af Svend Dahl. Trcdic 
Aargang. K0benhavn, V. Pios Boghandel, Poul Branner: 
1919. 8, 280 (284) S. 4 0 . ' 

Der dritte Band dieses Jahrbuches ist gleich seinen Vorgängern vorzüglich ge¬ 
lungen, er hat, bei sonst gleicher Ausstattung, seinen Bilderschmuck und seinen 
Inhaltsumfang noch vermehrt und beweist damit das gesunde Wachstum eines 
lebenskräftigen Unternehmens, dessen nicht verschwenderische aber vornehme Weise 
das beste Zeugnis ablegt für den gediegenen Gehalt der Bibliophilie in Dänemark, 
die in den letzten Jahren dort auch mit ihren äußerlichen Erkennungszeichen, 
begünstigt durch die für einen im Weltkriege neutralen Staat günstigen Zeitum¬ 
stände, eine sie verbreiternde Entwicklung genommen hat. Die Reihe der Beiträge 
eröffnet eine bibliosophische Plauderei von Einar Christiansen, der sich eine Ab¬ 
handlung von Johannes Dam über Petrarca und die Bücher anschließt. Dann folgt 
Robert L. Hansens anekdotenreiche, auf das bekannte Werk von Octave Uzanne 
zurückgreifende, für die Bibliophiliegeschichte interessante Darstellung des Lebens 
und Treibens an den Pariser Bücherkais im Wandel der Zeiten und ein Essai von 

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J. Christian Bay über BQchcrsammlcr und Büchersammlungen in den Vereinigten 
Staaten von Amerika, der auf eigener Sachkunde beruht und schon deshalb einen 
besonderen Hinweis verdient, weil die amerikanische Reportergeschwätzigkeit, die 
gern von den europiischen Zeitungen aufgenommen wird, nicht gerade zu rich¬ 
tigen Vorstellungen Ober die berühmten amerikanischen Privatbibliotheken beitrfigt. 
Auch die Bilder dieses Aufsatzes werden die europiischen Bibliophilen erfreuen, 
und sie wenigstens in efFigie, wofern ihnen die persönliche Anschauung versagt 
blieb, etwa durch die Skizze von Mr. John Pierpont Morgans Büchertempel und 
das Bildnis von Mr. Henry E. Huntington, daran erinnern, daß die »großen* Biblio¬ 
philen jetzt in den Vereinigten Staaten leben. (Nebenbei gesagt, auch Mr. John 
Pierpont Morgan war sehr viel mehr Bibliophile, als man gemeinhin dem Geld¬ 
fürsten Zutrauen möchte, und er zeigte sogar recht deutlich die Züge eines Biblio- 
taphen, eine Eigenschaft, die er weit weniger für seine anderen Sammlungen 
bewies. Und für einen Mann mit Mr. Henry E. Huntingtons Mitteln, der zu¬ 
dem über eine wissenschaftlich organisierte Bibliotheksverwaltung verfügt, ist seine 
Sonderart des Sammelns durch Bibliothekaufkauf die billigste und zweckmißigste. 
Wobei schließlich auch nicht die Absicht seines Sammlerehrgeizes übersehen werden 
sollte, seinem Lande eine Bibliothek zu stiften, die für die alten Ausgaben der 
Weltliteratur den Vergleich mit den jahrhundertelang ausgebauten großen euro¬ 
päischen Bibliotheken wagen will. Erschöpfend ist der kleine Aufsatz natürlich 
nicht, denn es ist nicht leicht, sich genau über die amerikanischen Privatbiblio¬ 
theken zu unterrichten, weil die bedeutenden amerikanischen Büchersammler sehr 
exklusiv und mit ihren kostbaren Privatdrucken sehr sparsam sind. Gustav Philipsen 
schrieb den Umriß einer Geschichte des angesehenen Philipsenschen Verlages und 
lieferte damit auch einen schätzenswerten Beitrag zur dänischen Geistes- und 
Schrifttumsgeschichte, der Herausgeber mit gründlicher Ausführlichkeit über zwei 
berühmte Bücherdiebe (den spanischen Buchhändler Don Vincente und den italieni¬ 
schen Mathematiker Libri). H. O. Lange setzte seine dankenswerten Biographien 
dänischer Büchersammler mit der Lebens- und Sammlungsbeschreibung Bolle 
Willum Luxdorphs fort. Den Band beschließen, wie in den früheren Jahrgängen, 
Herman Lynges Bericht über die dänischen Bücherversteigerungen des Jahres 
1918 und derjenige des Herausgebers über die öffentlichen Bibliotheken Däne¬ 
marks in den Jahren 1918—1919. H. S. Hendriksen gibt vorher noch eine mit 
zahlreichen Proben erläuterte Übersicht der dänischen Brotschriften im letztver¬ 
flossenen Halbjahrhundert und repräsentiert das Buchgewerbe Dänemarks, das 
durch die Ausführungen der Bibliophiliechronik, als welche das Jahrbuch erscheint, 
ein neues Beispiel seiner Leistungsfähigkeit gegeben hat. 

Forsog til en Ordbog for Bogsamlere af Svend Dahl. 
Kobenhavn, V. Pios Boghandel, Poul Branner: 1919. 122 

(132) S. 80 . 

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Das bequeme Hand- und Hilfsbüchlein wird auch nichtdänischen Benutzern 
besonders dann willkommen sein, wenn es sich um die Aufklärung eines dänischen 
Fachausdruckes handelt, zumal die üblichen Wörterbücher hier oft überhaupt im 
Stiche lassen oder ungenaue Angaben machen. Da der Herr Verfasser seinen 
Vorgängern gegenüber die selbständige Stellung wahrt, kann seine dankenswerte 
Zusammenstellung bei Vergleichen mit diesen weiterhin nützlich werden. Hervor¬ 
zuheben sind die Abbildungen, die die Benennungen der Bucheinbandteile und 
die Buchseiteneinteilung erläutern, wie denn überhaupt die Ausstattung des Bänd¬ 
chens, die geschickt unangebrachte Übertreibungen vermeidet, als ein geschmack¬ 
volles Muster für ähnliche Arbeiten zu rühmen ist. Den Bemerkungen der Vorrede 
über die Antiquariatskatalog-Praxis bei den Angaben über die Erhaltung der 
angebotenen Bücher ist durchaus beizustimmen. Im allgemeinen dürfte man indessen 
die Ansicht als zutreffend bestätigt finden, daß die französischen Antiquare die 
meiste Sorgfalt in den Bemerkungen über die Erhaltung eines Exemplares be¬ 
weisen und einigen Wert darauf legen, geringwertigere Buchware in ihre Preis¬ 
listen nicht aufzunehmen. Darin sind Deutsche und Engländer erheblich sorgloser. 

Weltbibliographie und Einheitskatalog von Wilhelm Er¬ 
mann. Bonn und Leipzig, Kurt Schroeder: 1919. 18 S. 8°. 

Der Herr Verfasser entwickelt in seiner Flugschrift einen von ihm schon früher 
einmal zur Erörterung gestellten Plan der Organisation einer Weltbibliographie 
auf der Grundlage der von den öffentlichen Bibliotheken durchgeführten Kata- 
logisierungsarbeiten und ihrer Beendigung und Fortsetzung in einer Drucklegung 
solcher Kataloge. Die Begründung, die in der kleinen Schrift für ihre Forderungen 
gegeben wird, verdient eine allseitige Prüfung und Überlegung der Ausführ¬ 
barkeit dieses Planes. Darüber, daß seine Verwirklichung sehr viele Wünsche, die 
bisher von den Forschem und Sammlern vergeblich erhoben wurden, befriedigen 
könnte, dürften keine Zweifel bestehen und die Verbindung von Generalkätalog 
und Weltbibliographie, wie sie hier vorgezeichnet ist, wäre eine wissenschaftliche 
Großtat. Auch die Nutzanwendung der in dieser Werbeschrift gemachten Vor¬ 
schläge auf die Privatbibliothek ist leicht gegeben. Allgemeine nach Fächern ge¬ 
ordnete Handbücher, die gleichzeitig einen festen Anhalt für Numerierung und 
System geben, müßten, auf absehbare Zeit wenigstens, den Sammlern sehr will¬ 
kommen sein. Und die Möglichkeit, Zetteldrucke für ihre älteren Bestände er¬ 
halten zu können, dürfte für Privatbibliotheken ebenfalls recht erfreulich sein. Ein 
einheitliches, einziges Nachschlagewerk, das das Rohmaterial zusammenstellt, könnte 
die Einzeluntersuchungen auf dem Gebiete der angewandten Bücherkunde erheblich 
fördern und die jetzt noch vielfach notwendigen Wiederholungen bei biblio¬ 
graphisch-kritischen Untersuchungen sparen. Alles in allem, die Vorzüge des Planes 
sind nicht von der Hand zu weisen, aber seine Ausgestaltung wird doch wohl 

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erst noch eine genauere bibliothekswissenschaftliche Prüfung vorzunehmen haben. 
Schließlich sei auch noch darauf verwiesen, daß sich aus der Lektüre der Schrift 
mancherlei praktische Anregungen für die Organisation der Privatbibliothek er¬ 
geben können, so daß sie allen Büchersammlern zu empfehlen ist. 

Wegweiser durch Hamburgs Bttchersammlungen. Von 
Philipp Thorn. Hamburg, Meißner: 1919» 23 S. 8°. 

Der FrankfurtcrMarkt oder die Frankfurter Messe(Franco- 
fordiense Emporium). Von Henricus Stephanus (Henri 
Estienne). Im Aufträge der Städtischen Historischen Kom¬ 
mission in deutscher Übersetzung herausgegeben von Dr. 
Julius Ziehen. Mit 13 Abbildungen und dem Marktschiff- 
Gedicht vom Jahre 1596 als Anhang. (Verfasser: Marx Man¬ 
gold.) Frankfurt a. M.» Diesterweg: 1919. 83 S. 8®. 

Geschichte der Bonner Universitätsbibliothek (1818 bis 
1901) von Wilhelm Erman. Halle, Karras: 1919. XU, 299 S. 
8®. (Sammlung bibliothekwissenschaftlicher Arbeiten 37/38.) 

Cornell University Library. Catalogue of runic literature 
forming a part of the Icclandic collection bequeathed by 
Willard Fiske. Compited by Halldör Hermannsson. Oxford, 
University Press: 1918. V11J, 105 S. 4®, 

Stendhal-Tagebuch in Braunschweig. Musarion-Verlag, 
Manchen: 1919* 97 (100) S. 8®. t Bildtafel. 

In den Aufzeichnungen, die Henry Beyle in seinen Braunschweiger Jahren 
(1806— 1808) niederschrieb, vermerkte er einmal, daß er diesesTagebuch nach seinem 
Tode vernichtet wünsche. Die Erfüllung seines Wunsches blieb dem Zufall anheim¬ 
gestellt, der wenigstens ein Bruchstück erhalten hat, das nun, da es in der end¬ 
gültigen französischen Gesamtausgabe von Stendhals Werken, die bei Champion 
in Paris erscheint, bisher nicht veröffentlicht worden ist, zum ersten Male in der 
deutschen Übersetzung bekannt gemacht wird. Es ist unnötig zu sagen, daß der 
Leser, dem jede Zeile dieses eigenartigen Geistes merkwürdig sein wird, begierig 
auch die Bekenntnisse des jungen Beyle über sich und die anderen kennen lernen 
möchte und der deutsche Leser wird um so interessierter zu diesen Blättern 
greifen, als sic, schon ausgezeichnet durch den psychologischen Scharfsinn und 

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die anderen Vorzüge des großen Schriftstellers, die Bemerkungen und Beobach¬ 
tungen enthalten, in denen der jugendliche Franzose sich seine Stellung zu deut¬ 
schen Sitten und deutschem Wesen sucht. Insofern ist das wichtigeliterarhistorische 
Dokument mit allen hier durch die Art seiner Entstehung gebotenen Einschrän¬ 
kungen auch ein beachtenswerter Autokommentar zu Beyles andern Aussprüchen 
über Deutsche und Deutschland. Das wird besonders deutlich in den Anmerkungen 
Beyles über das deutsche Schrifttum, wie er es damals kennen lernte, die sich in 
seiner Art sogleich zu vergleichenden Betrachtungen ausdehnen und zu Urteilen 
verdichten, in die er das allgemein menschliche eines Sonderfalles zu fassen strebt. 
Was er etwa über die Begegnung Goethes mit Napoleon sich notiert oder über 
die nationalen Eigentümlichkeiten in den Büchern, die ihm auf den Gedanken 
einer vergleichenden Ideengeschichte des Schrifttums bringt, könnte anregend für 
die literaturwissenschaftliche Behandlung ähnlicher Fragen werden. Geistreiche 
Einfälle finden sich beinahe auf jeder Seite, abgeleitet aus den verschiedenartigsten 
Erfahrungen und Geschehnissen. Doch mehr noch als dergleichen Einzelheiten 
ist es das ganze Tagebuch, soweit es vorliegt, das die Lektüre lohnt, weil das 
biographische Element wie bei allen ausgeprägten individualistischen Charakteren 
untrennbar mit Beyles Werk verbunden ist. Die Ausstattung des Buches ver¬ 
mittelt das Vergnügen, mit dem jungen Beyle in seinen deutschen Jahren zu¬ 
sammen zu sein, in ansprechender Weise. Beyle hat sich auch, worüber er genau 
berichtet, in das Brockenstammbuch eingetragen. Eine Eintragung, die anscheinend 
bisher unbeachtet war, die aber aufzufinden keine allzu große Mühe verur¬ 
sachen würde. 

Shakespeares Mädchen und Frauen. Mit Erläuterungen 
Yon H(einrich) Heine. Geleitwort von Eduard Engel. (Berlin 
und Hamburg, Hoffmann & Campe Verlag: 1919.) XXX, 301 
(302) S. 8°. 46 Blatt Bildtafeln. 

Was zunächst an diesem ersten Heine-Gedächtnisdruck erfreut, ist die buch¬ 
händlerische Absicht, den berühmtesten Autor des Verlages durch eine Folge von 
Ausgaben zu ehren, die, zum Geburtstage Heines hcrausgegeben, dem Andenken 
des Dichters dienen möchten, indem sie vor allem einzelnen seiner weniger be¬ 
achteten Werke x durch die Art ihrer Neuveröffentlichung einen erweiterten 
Leserkreis schaffen sollen. Das ist natürlich auch ein ausgezeichnetes Werbemittel 
für den alten Heine-Verlag. Aber es bleibt trotzdem eine Handlung verlegerischer 
Pietät, die schon als solche Anerkennung verdient. Heine ist .frei'l Da kann der 
Verlag, wenn er trotzdem seinen schon beinahe verlorenen Autor wiedergewinnen 
will, ihn nur durch bessere Ausgaben seiner Werke, als sie schon im Handel sind, 
wiedererlangen. Er will das tun, indem er eine große kritische Neuausgabe vor¬ 
bereitet, deren Ergebnisse auch neuen verbesserten volkstümlichen Ausgaben zu- 

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gute kommen werden. Und er errichtet sich mit seinen Heine-Gcdlchtnisdrucken 
ein auch zum Buchdenkmal Heines werdendes Denkmal der Verlagtradition. Man 
möchte wünschen, daß auch der Cottasche Verlag es nicht verschmäht hätte, in 
den Wettbewerb der zahlreichen Liebhaberausgaben von Goethes und Schillers 
Werken einzutreten, und daß der ,Faust* Verlag sich dem Wagnis eines schönen 
Faustdruckes nicht entzogen hätte. Aber heute ist der Insel-Verlag mehr und 
mehr zum Mittelpunkt bedeutender Goethe und Goetheana-Ausgaben geworden, 
indessen Schiller einer solchen Pflegestätte noch entbehrt. (Eine hoffentlich nicht 
zur Begründung eines Schiller-Verlages anregende Bemerkung, denn es kommt 
hier ja nicht auf die Firma sondern auf ihre Leistungen an.) • Eine glückliche 
Wahl ist bereits für den ersten Heine-Gedächtnisdruck getroffen, in dem ein 
Heinesches Werk durch einen Neudruck nicht als Bestandteil der Werke sondern 
als Buch dem Leser wiedergegeben wurde, das seit seiner ersten Sonderveröffent¬ 
lichung in einer solchen bisher nicht wieder aufgelegt worden ist, das als selb¬ 
ständiges Buch auch den Heinedrucken des Hoffmann St Campeschen Verlages 
bisher gefehlt hatte (denn die Urausgabe war in einem anderen Verlage erschienen) 
und das schließlich insofern unvollständig in den Werken wiedergegeben wurde, 
als die den Anlaß für Heines Shakespearekommentar bildenden Bildnisse bisher 
in diesen ausgelassen sind. Und wenn man auch sagen muß, daß die Porträt¬ 
sammlung im Modegeschmack der Books of Beauty nur der äußere Anlaß des 
Textes für Shakespeares Mädchen und Frauen gewesen ist, daß sich Heine nicht 
weiter um den Bildervorwand seines Werkes gekümmert hat, so bleibt doch, wie 
Eduard Engel sehr zutreffend in seiner Einleitung des Neudrucks ausführt, diese 
Auslassung für die Beachtung der Schrift durch die Leser nicht unwesentlich: 
sie haben die Schrift als eine Zugabe zu den Bildnissen aufgefaßt und sie deshalb 
als unvollständig in den Werken überschlagen. Damit aber haben sie zweifellos 
dem Dichter kein geringes Unrecht getan, weil sein Shakespearekommentar zwar 
einer Gelegenheit die Niederschrift verdankt, indessen das Ergebnis einer lang¬ 
jährigen, liebevollen Beschäftigung mit dem Meister der neuzeitlichen Schaubühne 
war, ein Werk, das, obschon nicht überall die Heineschen Erklärungen und Urteile 
für richtig hingenommen werden können, mit historischer Intuition Ergebnisse 
moderner Shakespeare-Philologie vorwegnimmt und das nicht allein durch blendenden, 
geistreichen Witz erfreut, sondern auch mit der Stellungnahme eines großen Poeten 
zu der Dichtkunst eines anderen die Ästhetik als Wissenschaft auf das vielfältigste 
bereichert hat, ein Werk allerersten Ranges der deutschen Shakespeareliteratur. 
(Wie denn überhaupt die literaturwissenschaftlichen, und auch die politischen, 
Schriften Heines noch immer nicht überall ihre richtige Wertschätzung finden, 
aus Gründen, die teilweise durch die Art ihrer Entstehung und Veröffentlichung, 
teilweise durch die persönliche Polemik Heines zu erklären sind, wodurch dann 
diese Schriften sich dem nicht in sie eindringenden Leser leicht als überaltert 
zeigen.) • Bei der Wiedergabe der Stahlstiche der London-Pariser-Leipziger Aus- 

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gäbe hat der Verlag fast des Guten zu viel getan, er legt sie in auf die bequeme 
Größe des Neudruckes, der im Hoffmann & Campeschen Heineformat erscheint, 
verkleinerten Lichtdrucken von Frisch-Berlin vor. Aber die Verkleinerung hat die 
allzu scharfen Umrisse leicht verschleiert, die Härten des Originals sind in den 
weicheren Tönen seiner Wiedergabe gemildert worden. Das ist ein unbeabsich¬ 
tigter, jedoch ein recht angenehmer Zufall. Im übrigen unterschätze man die Be¬ 
deutung der Bildnisse für das Buch Heines nicht, sie geben ihm die literar¬ 
historische Perspektive, zeigen an, in welcher Epoche der Shakespeare-Auffassung 
und Darstellung es entstanden ist. Denn es sind idealisierte TheaterportrSts; die 
Darstellerinnen von Shakespeares Mädchen und Frauen auf den Bühnen Englands 
in Heines Tagen mühten sich, so auszusehen, wie die Bildnisse sie zu typisieren 
suchen. Beachtet man das und vergleicht man mit dem Geschmack, dem die Stiche 
entsprechen wollten, es war der damals herrschende, Heines Text, dann kann man 
erst des Dichters Eigentum an seiner Darstellung von Shakespeares Wesen recht 
würdigen. Auch Eduard Engel unterstreicht in seinem, mit manchen beachtens¬ 
werten Hinweisen versehenen Vorworte Heines Selbständigkeit gegenüber den 
Shakespeare Problemen, die als solche damals freilich noch der engeren Fach¬ 
gelehrsamkeit angehörten und von denen der Dichter nicht allzuviel gewußt haben 
wird. Vielleicht wäre es nützlich gewesen, gegenüber der berühmt gewordenen 
Erklärung, die Heine für den Charakter Shylocks und dessen von ihm angenommene 
Tendenz gibt, auf andere Erklärungen zu verweisen, die jener widersprechen, 
etwa auf diejenige Joseph Köhlers [Shakespeare vor dem Forum der Jurisprudenz. 
Zweite Auflage. Berlin, Rothschild: 1919.] Aber das hätte schon in die fast un¬ 
ermeßlichen Weiten der Shakespeareliteratur geführt und das unmittelbare Ver¬ 
dienst der Neuausgabe beschränkt, den Heineschen Kommentar in seiner ganzen 
Selbständigkeit den deutschen Lesern wiederzugeben. Q Der Verlag hat sich um 
eine, gegenwärtig recht schwierige, angemessene Ausstattung der bezifferten 
Auflage von 1000 Abzügen erfolgreich bemüht, einen guten Druck auf gutem 
Papier hersteilen lassen und auch dem Halblederbande Sorgfalt zuteil werden 
lassen. Die Absicht der Vorsatzzeichnung war vortrefflich, indessen ist sie in 
der Ausführung nicht gerade gelungen. Ein Umstand, der an und für sich bei 
den sonstigen Vorzügen der Ausstattung nicht schwer wiegt, den besonders zu 
erwähnen aber der an und für sich löblichen Absicht wegen nicht vergessen 
werden soll. 

Ida Gräfin Hahn-Hahn. Faustine. Ein Roman aus der 
Biedermeierzeit, Mit der Lebensgeschichte der Dichterin 
und einem unveröffentlichten Bildnisse erneut herausge¬ 
geben von Arthur Schurig. Berlin, R. Bredow: 1919. 349 
(352) S. 8°. 1 Bildtafel. 

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Das künstlerische Hauptwerk der einst vielgelesenen und vielverleumdeten 
Gräfin Ida Hahn-Hahn ist von hohem psychologischen Interesse. Und es ist ein 
aristokratischer Roman, nicht, weil er in der »Gesellschaft* spielt, sondern weil 
seine Gedanken und Gestalten aristokratische sind. Seine selbstsichere Haltung, 
trotz einer gewissen lußeren Formlosigkeit, verdankt er aber auch seiner Ent¬ 
stehungszeit, dem nicht gerade glücklich so genannten Biedermeier, einer Epoche, 
in der sich eine bestimmte deutsche Zivilisation ausgeprägt und verbreitet hatte, 
die dann in der Vielgestaltigkeit des neuen Deutschland verloren ging und die 
wiederzugewinnen die Sehnsucht vieler ist. So geben mancherlei Gründe dem 
Neudruck seine Berechtigung, der anders gearteten Lesern ein Werk zuzuführen 
wünscht, das bei seinen Zeitgenossen eine glänzende Aufnahme gefunden hatte 
und von den Literaturgeschichten nicht ganz und gar vergessen worden war. 
Freilich die Begeisterung, die das Buch bei seinem ersten Erscheinen erregt 
hatte (es ist 1841, 1843, >845, >851 in einer Gesamtauflage von % 16000 Abzügen 
verbreitet worden), ist heute nur historisch zu erklären. War doch die »Gräfin 
Faustine* das allerpersönlichste Bekenntnis der berühmten Unterhaltungsschrift¬ 
stellerin zur Emanzipation der Frau, der dritte der drei Romane [die beiden 
anderen sind Madame de Staäls Corinna (1804) und George Sands Lelia (1833)], 
die in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts die Frauenbewegung ver- - 
kündeten. Andere Seiten ihres nicht leicht zu erfassenden Wesens hat die sich 
frei ausschreibende Gräfin in ihren vielen anderen Beiträgen zur belletristischen 
Literatur gezeichnet, aber nur in der »Gräfin Faustine* tritt sie dem Leser trotz 
oder gerade wegen ihres unbefangenen Bekennermutes als Vollweib, uneinge¬ 
schränkt durch Rücksichten einer Weltdame, entgegen, indem sie ihre Freundschaft 
für Adolf Freiherr von Bystram als einen Naturzwang erklärt, dem zu wider- * 
streben eine Sünde wider den heiligen Geist wäre. Bystram, oder richtiger Bistram, 
den man wohl am besten charakterisiert, wenn man ihn einen melancholischen 
.Dandy nennt, einen Repräsentanten jener Geistesrichtung, deren Hauptvertreter 
sich weit über alles Maß des gewöhnlich modischen erhebend, in der Sphäre dfcs 
Genies Stendhal und Schopenhauers sind, ist der Andlau der »Gräfin Faustine*, 
die als Schlüsselroman noch weiter auszuwerten, leicht möglich sein würde. Aber 
die Neugierde alten Tagesklatsches liegt uns jetzt fern und mit Recht hat der 
Herausgeber seine Ausgabe nicht mit solchem gelehrten Ballast beschwert. Dafür 
gesellte er zu seinem Verdienst, den Neudruck überhaupt veranstaltet zu haben, 
noch das weitere, ihn durch ein verständnisvolles auf gründlichen Vorarbeiten 
beruhendes Lebensbild der Gräfin zu bereichern. Auch der beigefügte biblio- 
graphisch-ikonographische Anhang wird willkommen sein. Ein schöner Schmuck 
des ansehnlichen Buches ist die ausgezeichnet gelungene Lichtdruckwiedergabe 
einer Bildniszeichnung der zweiunddreißigjährigen Gräfin von F. v. Klock. f> Die 
Ausgabe beabsichtigt, dem Roman die Leser, die er verdient, von neuem zuzu¬ 
führen. Deshalb hat sich der Herausgeber zu einigen Änderungen für befugt 

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gehalten, die nicht überall Beifall finden werden. Bereits der Titel ist nicht ganz 
genau. Sodann sind nach den Angaben des Herausgebers (Seite 341)» der die 
dritte Auflage (1848) zugrunde legte, die Fremdwörter teilweise durch deutsche 
Ausdrücke ersetzt worden, weil die Gräfin selbst in ihren späteren Schriften ihren 
Fremdwörterüberfluß eingeschränkt habe und Anstreichungen in dem Bystramschen 
Exemplar der »Gräfin Faustine* ebenfalls auf eine solche vielleicht beabsichtigt 
gewesene Umarbeitung hinzudeuten schienen. Aber die Fremdwörter gehören 
nun einmal zum guten oder schlechten Stil der Gräfin Hahn-Hahn und ihn sollte 
man nicht verändern wollen. Sodann sind, »auch einige belanglose, kleine Kürzungen*, 
im ganzen etwa drei bis vier Seiten, erfolgt. Auch sie wären besser unterblieben, 
zumal sie ja für den Umfang des Neudrucks nicht in Betracht kommen konnten. 
Das sind Bedenken, die ein Benutzer der Neuausgabe haben wird, wenn er sich 
jeweilig auf ihren richtigen Text verlassen will und die ihn bestimmen werden, 
in diesem Falle doch auf die früheren Ausgaben zurückzugehen. Zur Biblio¬ 
graphie wäre noch anzumerken, daß die Bücher der Gräfin Hahn-Hahn später 
in den Verlag der Gebrüder Paetel-Berlin übergegangen sind. Nachzutragen ist 
ihr Beitrag (Sklavin und Königin) für das in zwei Bänden, Berlin 1838 und 1840 
von Alfred (von) Reumont herausgegebene Sammelwerk »ltalia*, der dessen ersten 
Jahrgang eröffnet und der für das »Berliner Taschenbuch*: 1843. (Einleitung zu 
Simon de Guyomar. Poetische Erzählung.) 

Bttchcrkunde der deutschen Geschichte. Kritischer Weg¬ 
weiser durch die neuere deutsche historische Literatur. 
Von Dr. Victor Loewe, Archivrat in Breslau. Fünfte, ver¬ 
besserte und vermehrte Auflage. Leipzig, Johannes Rüde: 
1919. Ylll, 148 S. 8°. 

Die Kriegsmusik der deutschen Klassiker und Romantiker 
Aufsätze zur vaterländischen Musikgeschichte als Zeitbild 
zusammengestellt von Leopold Hirschberg. Mit zwei Faksi¬ 
miles und sechs bisher unbekannten Gesängen von Carl 
Maria von Weber, Carl Loewe, Giacomo Meyerbeer und 
Robert Schumann. Berlin-Lichterfelde, Chr. Friedrich Vie¬ 
weg G. m. b. H.: 1919. (16), 270 (272) S. 8°. 1 Bl. Bildtafel. 

Die Sammlung musikgeschichtlicher Plaudereien gibt ihr Grundthema durch 
ihren Titel an. Gerade die Kriegsmusik ist ein Gebiet, auf dem sich Dichter und 
Tondichter häufig begegnen, teils, indem sie aus gleichem Bestreben einen durch 
Kriegsereignisse gegebenen Anlaß künstlerisch zu begreifen suchen, teils, indem 

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die Komponisten den Schöpfungen der Poeten eine noch größere Verbreitung 
und Volkstümlichkeit verleihen. Deshalb finden sich in dem angezeigten Buche 
vielerlei Wechselbeziehungen der Literatur zur Musikgeschichte angedeutet oder 
aufgdeckt und es wird schon aus diesem Grunde auch unter den nicht musik¬ 
kundigen Schrifttumsfreunden Leser finden. Vor allem aber werden die dreiund¬ 
dreißig Abhandlungen den Musiksammler erfreuen. Das Finderglück ist ihrem 
Verfasser auch auf seinen musikwissenschaftlichen Spürfahrten treu geblieben und 
er kann deshalb mancherlei bibliographisch wichtige Mitteilungen über vergessene 
oder verschollene wichtige Notenausgaben machen. Die Anordnung der einzelnen 
Aufsätze verbindet sie mit 4 Laune zu ein€m einheitlichen Ganzen und gewinnt 
damit geschickt die Abrundung des Buches. Erfreulich ist es, daß der Verfasser 
die ursprüngliche Kriegs- und Siegesstimmung nicht verwischt hat, sondern auch 
in diesen Zeiten raschesten Umlemens und Vergessens die von ihr eingegeben 
gewesenen Melodien weiterklingen läßt. Damit gab er seinem, von einer schönen 
Begeisterung für deutsche Musik und Poesie getragenem Werk einen inneren Halt, 
den es durch eine eilige Umarbeitung gewiß verloren hätte. Die Titelangabe mit 
zwei Faksimiles kann leicht irreführen, da sie sich auf eine doppelseitig bedruckte 
Tafel bezieht, auf der zwei Seiten eines jetzt seltenen, in Berlin bei Bote & Bock 
1848 erschienenen Albums wiedergegebert werden, das zum Besten des Frauenvereins 
zur Erwerbung eines vaterländischen Kriegsfahrzeuges herausgegeben wurde. 

Angekündigte Bücher. 

Die Officina Serpentis, die Presse von P. W. Tieffenbach in Berlin- 
Steglitz, Martinstraße >0, deren Erzeugnisse den gegenwärtigen Höhepunkt 
der deutschen Kunst im Buchdruck bezeichnen dürften, beginnt ein Unternehmen, 
das des Beifalls aller Buchfreunde sicher sein sollte. Eine Reihe der ,Auctores 
graeci et latini* soll die ein Jahrhundert zurückliegenden, leider unvollendet ge¬ 
bliebenen Versuche J. G. Goeschens wieder aufnehmen, mit denen dieser aus¬ 
gezeichnete deutsche Buchhändler, den Didot und Bodoni folgend, den antiken 
Klassikern ein Buchdenkmal errichten wollte. Danach hatten zwar schon im 17. 
und 18. Jahrhundert die englischen, französischen, holländischen Prachtausgaben 
erfolgreich gestrebt, aber die Eleganz der Philologie sollte in ihnen doch nur 
durch die Eleganz der Typographie eine Ergänzung finden, und der in ihnen für 
die Auserwählten entfaltete Pomp der Charta magna und Charta maxima blieb 
nicht frei von der bloßen Raritätssucht, die im Sammlergeschmack jener Zeiten 
sich stark ausgeprägt hat. Die Absicht der Officina Serpentis ist eine humanistische, 
reicht viel weiter als die Editoreneitelkeit einer die Klassiker nur philologisch 
ausstatten wollenden Epoche. Sie hat, wie ja überhaupt die Buchkunst der Gegen¬ 
wart von William Morris an, da, wo sie rein als solche sich zeigt, das Bemühen 
der Verinnerlichung, das, was den alten Buchmalern und Buchschreibern ihre 
eigentlich noch heute unvermindert wirkende Kraft verlieh, die Empfindungsinbrunst 

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ihres 'Werkes, den Glauben an den lebendigen Wert der Geistesschöpfung, dessen 
Buchform sie gestalten möchte. Diese Einheitlichkeit der Auffassung und Aus¬ 
führung der Arbeit führt wieder in das Jahrhundert zurück, in dem abschreibend 
und lesend die ersten Humanisten sich die Klassiker von neuem aneigneten, eine 
Arbeit und ein Genuß, bei der die Philologie noch diente und nicht schon herrschte, 
indem sie mit der Autorität des Dogmas vom klassischen Altertum jeden freien 
Verkehr mit den Geistern der Vergangenheit verbieten wollte, der nicht nach den 
Regeln der Schule ^sich vollzog. Doch darüber läßt sich mancherlei sagen, hier 
ist nur auf den edlen Sinn zu verweisen, der in der neuen Ausgabenreihe ohne 
Rücksicht auf den Erfolg des Tages Vergangenheit und Zukunft in der Gegen¬ 
wartsschöpfung eines schönen Buchwerkes verknüpft, dem Humanismus Mensch¬ 
heitsdenken ist. Daß jedoch auch die Humaniora nicht vernachlässigt werden, 
{laß die wissenschaftliche Bearbeitung der Texte dessen getreueste Fassung zu 
gewinnen sucht, gehört, ohne sein Endzweck zu sein, zum richtig verstandenen 
Humanismus und wird bei den neuen Ausgaben nicht übersehen werden, worüber 
ausführlicher die Voranzeige berichtet. Sie hat als Druckwerk und Sammlerstück 
Eigenwert und vervollständigt ihre Darlegungen über die benutzten Druckschriften 
durch den Abdruck einer Ode der Sapho, der die Anwendung der Tischendorf- 
Type erläutert. Zur Ergänzung des in dieser Voranzeige über die Veredlung der 
griechischen Druckschrift Mitgeteilten sei an die verwandten Versuche erinnert, 
die in England, gleichzeitig mit den Morris’schen Revival of printing. Ähnliches er¬ 
strebt haben. Nachdem Robert Proctor in einer berühmt gewordenen Unter¬ 
suchung (The Printing of Greek in the ßfteenth Century) gezeigt hatte, daß 
die griechischen Kalligraphen die Mißverständnisse der frühen Wiegendruckzeit 
in der Ausformung griechischer Typen veranlaßt hatten und daß erst 1514 eine 
griechische Druckschrift von typographischer Schönheit entstanden sei, die in der 
Comp]utensisehen Polyglotte des Kardinals Ximenes für die Editio princeps des 
griechischen NeuenTestamentes angewendete, schuf er, die ihr fehlenden Akzente und 
Majuskeln hinzufügend, nach deren Vorbild seine ,Otter‘-Type, in der 1904 von 
* der Chiswick Press die Oresteia des Aeschylos und 1909 nach seinem Tode von der 
Clarendon Press die Odyssee gedruckt worden sind, beides Meisterwerke in ihrer 
Sonderart und wert, den schönsten Erzeugnissen neuenglischer Buchkunst angereiht 
zu werden. Bereits 1827 hatte Julian Hibbert sich mit dem Problem der griechi¬ 
schen Type beschäftigt und dabei Marmor in Schriften, wie er sie im British 
Museum studieren konnte, zum Muster genommen. Freilich gelang es ihm so 
nicht, eine Druckschrift zu finden, die mehr als Kuriositätswert hatte und erst 
Professor Selwyn Image glückte es weit später, den verschüttet gewesenen Weg 
zu den Quellen aufzufinden. Er hat im Anschluß an paläographische Studien seine 
sehr bekannt gewordene Type konstruiert und begegnet sich darin mit Tischen- 
dorf, der ebenfalls griechisch^ Handschriften des Mittelalters verwertete, aller¬ 
dings weniger zu einer Ausbildung der griechischen Druckschrift, als zur Nach- 

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Bildung bestimmter alter Schreibschriften. Jedenfalls ist es ein bedeutendes Verdienst 
der Officina Serpentis, die von Tischendorf benutzten, vergessen gewesenen, in 
schwer zugänglichen Prachtwerken versteckten Druckschriften des deutschen Bibel¬ 
forschers unter dem von ihm weniger beachteten Gesichtspunkt druckästhetischer 
Wertung wieder entdeckt und gebrauchsfähig gemacht zu haben. Ein noch größeres 
aber, überhaupt das ästhetisch-typographische Problem der griechischen Schrift, 
das seit Proctors Tod kaum beachtet worden ist, durch bewußte Buchkunstübung 
seiner Lösung näher zu bringen. Und auch ein wissenschaftliches Verdienst. Denn 
wem wSren beim eindringlich genießenden Lesen griechischer Klassiker, sofern 
er als Buchkunstfreund über die für den Buchgebrauch zweckmäßigste Buch¬ 
gestaltung nachgedacht hat, nicht in ihrer erwünschten Anwendung auch auf die 
griechische Druckschrift die Worte eingefallen, mit denen William Morris einmal 
das Ziel seiner Arbeiten bestimmt hat: 1 t was the essence of my undertaking, to 
produce books which it would be a pleasure to look upon as pieces of prin- 
ting and arrangement of type. Das Ergebnis der leichten Lesbarkeit als Folge 
der Druckvollendung bedarf gerade, für die griechische Schrift noch vieler An¬ 
strengungen, die nun die Officina Serpentis auf sich nehmen will. Wobei aber für den 
Anfang auch darauf hinzuweisen ist, daß die vielleicht nur allmähliche Gewöhnung 
an eine neuartig wirkende Schrift nicht mit einem Urteile über ihre Lesbarkeit ver¬ 
wechseltwerdendarf. €> Die Almanach-Modedes 18. Jahrhunderts hat in den deutschen 
Verlagsjahrbüchern des zwanzigsten eine Erneuerung erfahren, für die der Insel-Verlag 
mit dem 1 nsel-Almanach vorbildlich wurde und geblieben ist. Jetzt verwirklicht, 
den Almanach ersetzend, das Insel schiff den Gedanken einer Verlagszeitschrift 
in reizvoller Weise. (Aus dem ersten Hefte sind besonders Georg Wltkowskis 
Mitteilungen über Büchners Woyzeck hervorzuheben, die als Vorboten seiner 
kritischen Büchnerausgabe deren Erscheinen mit Spannung erwarten lassen.) Die 
kleine Zeitschrift hat, den buchgewerblichen Widerständen unserer Gegenwart 
trotzend, auch einen sicher sich ausprägenden typographischen Charakter, wie 
überhaupt die Veröffentlichungen des Insel-Verlags das zum Ausdruck bringen 
was mit einem nicht gerade glücklich gewählten Wort auf der Leipziger Buch- 
Weltausstellung die Kennzeichnung eines Kulturverlages erhielt. Auch in solcher, 
unter ein hohes Mittelmaß niemals zurückweichenden Gleichmäßigkeit der Leistung, 
die in allem nicht versagt, in der Ausstattung nicht und in der Preishaltung nicht, 
liegt sehr viel kaufmännische Vornehmheit, die einmal auch als solche gerühmt 
werden soll. Aus München kommen drei AJmanache, die als Sendboten der sich 
mehr und mehr zum Mittelpunkt des süddeutschen Buchhandels entwickelnden 
Kunststadt gern begrüßt werden sollen. Der Musarion-Almanach 1920 des 
aufblühenden Musarion-Verlages (dessen Musarion-Bücher erfolgreich gegenüber 
den immer häufiger werdenden Luxusbuchindustriepublikationen beweisen, daß 
gerade diejenigen Bestrebungen der Buchkunst, die jene mit starkem 'Aufwande 
und vielen Vorwänden zu fördern behaupten, sich ebenso mit verhältnismäßig 

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billigen Büchern fördern lassen) bietet unter seinen Kostproben eine bisher un¬ 
veröffentlichte Abhandlung des jungen Nietzsche (Über das Pathos der Wahrheit). 
Sie zeigt die Musarion-Ausgabe von Nietzsches Gesammelten Werken an, die, 
von Frau Elisabeth Förster-Nietzsche in Verbindung mit dem Nietzsche-Archiv 
zu Weimar herausgegeben, die erste vollständige Nietzsche-Ausgabe sein wird. 
Der Almanach der Rupprecht-Presse auf das Jahr i 920, herausgegeben 
von Rudolf von Delius im Verlage von Walther C. F. Hirth (1919) 
nach Anordnung von F. H. Ehmcke in dessen Rustika gedruckt, ist mit seinen 
Beiträgen zu einem Programmbuch dieser Presse gestaltet worden. Vorläufig 
zwar noch in bescheidenerer Form. Aber sein Beispiel könnte die anderen deut¬ 
schen Pressen darauf hinweisen, daß dergleichen Jahrbücher vorzüglich geeignet 
sind; mit ihren Freunden in einer dauernden Verständigung zu bleiben. Eine sach¬ 
verständig^ Übersicht (das Sachverständnis muß ausdrücklich hervorgehoben 
werden, es erscheinen jetzt manche Besprechungen, die über buchgewerbliche 
Leistungen berichten, ohne ihre buchgewerblichen Grundlagen zu berücksichtigen) 
der deutschen Pressen der Gegenwart gibt Günther Hildebrandt im Almanach 
der Bücherstube 1920 (Horst Stobbe, München: 1919). Der kleine Buch¬ 
führer, der nicht mehr den Verlagsjahrbüchern, sondern der Gruppe der kritischen 
Wegweiser zugehört, ist von frischer, selbständiger, aber nicht aufdringlich selbst¬ 
zufriedener Haltung. Im Anschluß an die von dem Verlage vorbereiteten Biblio¬ 
philen-Zeitschriften soll er in den folgenden Jahrgängen sich ausdehnen. Sein 
,Autorenlexikon* hat einen tieferen Sinn als den eines launigen Faschingsscherzes. 
Wer sich mit den höchsten Leistungen des Schrifttums beschäftigend, einmal 
zwischen Vergangenheit und Gegenwart einen statistischen Vergleich wagt, wird 
erstaunt sein, wieviel Dichter allerersten und ersten Ranges allein in Deutschland 
seine Zeitgenossen sind, wenn Werbewesen und Zeitungen Recht haben sollten. 
Gegen dergleichen Gegenwartsüberschätzungen helfen Enthusiasmusduschen wie 
die des Äutorenlexikons, sie hinterlassen den besonnenen Zweifel. Von den Über¬ 
sichten über die Bücher des Jahres ist allein „Buch und Bild“ die Jahres¬ 
rundschau der Zeitschrift für Bücherfreunde (Leipzig, E. A. Seemann), als 
kritischer Leitfaden zu rühmen. Denn auch die Bürerbund-Führer versprechen 
mehr, als sie halten und halten können. f> Wenn am Ende noch auf zwei bereits 
im Buchhandel vergriffene Werke verwiesen wird, so geschieht das, um auf ge¬ 
plante Neuerscheinungen aufmerksam zu machen, für die sie als Probe gelten 
können. Das originale Wanderbuch von Arminius Hasemann (Himmel und 
Hölle auf der Landstraße. Berlin, B. Behr: 1915,4°), dessen Neuauflagen 
in einer Ausgabe verkleinerten Formates weitergeführt werden, bis die alte Aus¬ 
stattung zu ihrem freilich sehr billig gewesenen Preise sich wieder ermöglichen 
lassen wird, enthält Holzschnitte eines Künstlers, deren ursprüngliche Kraft sie 
in die Nähe der großen Meister der Schwarz-Weiß-Wirkung, eines Beardsley, 
eines Vallotton bringt. Ein neues, der Eigenart des Künstlers entsprechendes 

, 9 I 


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ANFRAGEN UND ANTWORTEN 


Werk ist in Vorbereitung, über das der Verlag vor dessen festgesetzter Veröffent¬ 
lichung keine näheren Mitteilungen wünscht. Der ausgezeichnet gelungenen Lieb¬ 
haberausgabe von Goethes Balladen mit Radierungen von Sepp Frank 
(Berlin, Paul Graupe: 1919» 4 0 ), die zu den schönsten deutschen illustrierten 
Büchern gehört, wird eine Hamletausgabe in englischer Sprache mit Radierungen 
des gleichen Künstlers folgen, ein Unternehmen, bei dem sich, nach dem Balladen¬ 
buch zu schließen, der Illustrator wieder als Interpret des Dichters bewähren wird. 
Nicht in der Weise des banalen Buchbildes, das ängstlich die von dem Dichter 
vorgezeichneten Bilder von Gegenständen und Geschehnissen nachzeichnet. Aber 
auch nicht in jener Art, für deren Illustrationen der Inhalt eines Werkes so 
gleichgültig bleibt, daß sie Widersprüche gegen ihn nicht weiter beachtet, wenn 
sie dem freien Phantasieren des Künstlers sich entgegenstellen. Gewiß, auch Para¬ 
phrasen, Variationen, künstlerische Schöpfungen, deren Thema ein Buchtitel wurde, 
können bedeutende Kunstwerke sein. Nur sollten sie nicht mit Hartnäckigkeit in 
die Buchform eingeschlossen und Illustrationen genannt werden. Sonst läßt sich 
schließlich noch mit Fug und Recht behaupten, aller Kunstwerke Endzweck sei, 
die Bilder zu illustrierten Kunstgeschichten zu liefern. 


ANFRAGEN UND ANTWORTEN 

13 Buchillustrationen Michelangelo Buonarrotis? 

»Camillo Agrippa, Trattato di Scientia d’Arme, con un dialogo di Filosofia. Roma, 
Antonio Blado: 1553.4 0 ' enthält unter seinen Stichen zwei, die nach einer Eintragung 
Tassos in seinem Exemplar dem Michelangelo zugeschrieben werden. Die 
erste, auf der Rückseite des 4. Blattes, zeigt den Agrippa im Kreise seiner Schüler, 
die andere, auf der Rückseite von Blatt 63, wie die Römer und Venetianer den 
berühmten Fechtmeister sich gegenseitig streitig machen. [Auch wenn die Annahme 
der Autorschaft Michelangelos zutreffen sollte, wird man den Meister eines 
Nebenwerkes wegen nicht gleich als Buchkunstklassiker verehren wollen. Es ist 
leider eine bibliographische Manie geworden, anonyme Brot- und Jugendarbeiten 
berühmter Illustratoren, besonders solcher des 19. Jahrhunderts, zu entdecken und 
lediglich ihres Ursprungs wegen auch aus Geringfügigkeiten große Kunstwerke 
zu machen. So dankens- und wünschenswert derartige bibliographische Hinweise 
an und für sich sind und so erklärlich die Forscher- und Sammlerteilnahme erscheint, 
die auch die Kleinigkeiten eines bedeutenden Künstlers nicht vergißt, so wenig 
begründet ist es, daß aus diesen Kleinigkeiten nun ihr Gegenteil, Kostbarkeiten 
„allerersten Ranges“, gemacht werden sollen. 


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ZE 1 TSCH RI FTENSCH AU. 
Nordisk Tidskrift för Bok- 
och Biblioteksväsen. Är- 
gang 5. Upsala: 1918. Num¬ 
mer 3—4. 

O. Wicsdgren: Johann Siebenhirters 
breviarium. Med 4 fig. / W. Norvin: 
Bidrag til Gottorperbibliothekets Histo- 
ric.Vl./ H.Nohrström: Et nyfunnctcxem- 
plar af Bechtels „En Kort Catechismus“ 
og nägra ord om dess fyndort, Borga 
lycci bibliotek / A. Lindnagen: Kalen¬ 
darium för birgittin klostret i Manager 
efter Cod. Holm. K. 46 / G. Carlsson: 
Värt störst» enskieda medeltidsbibliotek 
och dess ägare. / P. Sjöbeck: En hittills 
okSnd uppJaga af Döbelius' beskrifning 
om Ramlösa / A. Stender-Pctersen: Sla- 
viske og russiske händskrifter i det kon- 
gcl. Bibliotek i Kübenhavn / Miscellanca 
{k. Paulli: Den aeldste danske Griseldis 
Udgave / J. Collijn: Troon. Stockholm 
1570. / H.Nohrström: Helsingfors Uni- 
versitetsbiblioteks cxemplar at Jen Sldsta 
kSnda finska evangelieboken och en 
hypotes om en tidigare edition.) / Rc- 
censioner. / Karl Warburgf.Af O.wiesel- 
gren. M. portr. / Frän ook-och biblio- 
teksvSrlden. / Nordiska Biblioteksscheffer 
VI: Georg Schauman. portr. 

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Vereins der Plakatfreunde. 

10. Jahrgang. Berlin: 1919. 

Januar-Heft 1. [Die Kunst in der Rc- 
kJameJ Dem zehnten Jahrgang zum Ge¬ 
leit. / P. Jessen: PaAl Scheurich / F. Ru¬ 
dolf Uebe: Das »neue Plakat 4 / H. Kropf: 
Erwiderung. / O. Schwindrazheim: Na¬ 
turstudien des Reldamekanstlers. / Sopa 
Bruno Banner: Reichswerbeamt-Werbe¬ 
hochschule. / Bahnbrecher der deutschen 
Plakatkunst IV. R. Heßberg: Bruno Paul. 

V. A. Heilmeyer: Franz Stuck. / 
Gustav E. Pazaurek: Die Schönheit» - 
werte der Postmarken. / K. Gubalke: 
Albert Schaefer. / Hermine C. Schfit- 
zinger: Künstlerisches Kriegsnotgeld. 

W. Kurth: Frank Brangwyns Kriegs¬ 
plakate. / Besprechungen und Berichte. 
E. Collin: Aus anderen Bllttem. H. In¬ 
heim: Das Berliner Plakatjahr 1918 / Ver- 
einsnachrichten. [Die Kultur der Re- 


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Vom Werben zum Schaffen. / W. Moede: 
Die Psychologie der Reklame auf ex¬ 
perimenteller Grundlage, ihre Aufgaben 
und ihre Methoden. / H. Reckendorf, 
Die Werbearbeit der 9. Kriegsanleihe. 
E. Lauenburger: Papiemot — Papier¬ 
verschwendung. / Buchbesprechungen. / 
Kleine Mitteilungen. 

Archiv für Buchgewerbe. Jahr¬ 
gang 1918. Band 55. Leipzig. 

Heft 7/8. H. Schwarz: Ein Streif¬ 
zug durch <0 Jahrgänge des Archivs für 
Buchgewerbe (8. Fortsetzung.)/ R.Zeise: 
Bedeutung der Schul werkstätte für das 
graphische Gewerbe. / H. Inheim: Die 
Leipziger Papiermesse./R. Koch: Maxi¬ 
milian- und Frühling-Schrift. / W. A. 
Eberwein: Ausstellung deutscher Buch¬ 
kunst. / E. Wetzig: ßr. Ludwig Volk- 
marin. / Protokoll des Preisgerichts für 
eine Reichspostmarke. / Buchgewerblichc 
Rundschau. / Zeitschriften- und Bücher, 
schau / / [Zeitschrift. . . Nr. 7/8] V. 
Gardthausen: Die epichorische (prähel¬ 
lenische) Schrift im Westen Kleinasiens./ 
R.Stöbe: Die erste Druckerei in Ame¬ 
rika. / F. Schulze: Der Karikaturenzeich- 
ncr Konstantin y. Grimm. / Mitteilungen 
des Deutschen Vereins für Buchwesen 
und Schrifttum. / Das Deutsche Kultur¬ 
museum zu Leipzig. / Bücher- und Zeit¬ 
schriftenschau. 

Heft 9/10. H.Schwarz: EinStreifzug 
durch 50 Jahrgänge des Archivs für 
Buchgewerbe (9. Fortsetzung.) / R. Zeise: 
Bedeutung der Schul werkstätte für das 
graphische Gewerbe (Schluß.) / H.K.: Der 
neue Zwanzigmarkschein. / R. Matzke: 
Die Gefahr der leichten Zerstörbarkeit 
der Zeitungen und andrer Drucksachen./ 
Mitteilungen aus der buchgewerblichen 
Praxis. / Budtge werbliche Kundschau. / 
Zeitschriften- und Bücherschau. / [Zeit¬ 
schrift .. . Nr. 9/10] R. Stöbe: Die 
Sinai-Inschriften. Neue Beiträge zum 
Ursprung des Alphabets. / H. Loubier: 
Neudrucke der Heiligen]egenden. / R. 
Stübe: Die Einführung des Buchdrucks 
in der Türkei. / G. E. Pazaurek: Not¬ 
geld. / Mitteilungen aus dem Deutschen 
Rultürmuseum. / Mitteilungen des Deut¬ 
schen Vereins für Buchwesen und Schrift¬ 
tum. / Deutsche Bibliothekarschule zu 
Leipzig./ Bücher- und Zeitschriftenschau. 


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Zeitschrift f. Bücherfreunde. 
Neue Folge, io. Jahrgang. Leip¬ 
zig: 1918/19. 

Heft 8/9. M. 1 . Hutung: Zur Praxis 
und zur Psychologie der fiteren Buch¬ 
binder. 1 . Der Plattenstcmpel. 5. Hans 
von Köln, Jean Norvis und das Eichel¬ 
muster. Mit drei Bildern. 1 ). Der Rollen-* 
Stempel. 1. V. D. M. 1 . E. Mit drei 
Bildern. / Kl. Löffler: Die Fuldacr Klo¬ 
sterbibliothek. / H. Pander: Die Samm¬ 
lung Huntington und ihre Quellen. / H. 
W. Rath: Mörikes musikalische Sendung 
mit unveröffentlichtem Material aus dem 
Nachlaß des Dichters und Wilhelm Hart¬ 
laubs. Mit einem Schattenriß. / F. M. 
Feldhaus: Bucheriesemaschinen. Mit 
drei Bildem./M. Ostrop: Zur Geschichte 
des Eigennamens als Buchtitel. / H. Klenz: 
GelehrtenkuriositSten. VI. Häßliche und 
gebrechliche Gelehrte. / Beiblatt. 

Heft 10. G* Stuhlfauth: Drei zeit¬ 
geschichtliche Flugblätter des Hans Sachs 
mit Holzschnitten des Georg Pencz. Mit 
fünf Bildern. / A.Tulla: Kleine Bausteine 
zur Bibliographie des Wiener Schauspiels 
im 18. Jahrhundert. 1 . / G. Witkowski: 
Das künstlerische Buch der Gegenwart. 
111 . Die Rupprccht-Presse. / A. Warburg: 
Zum Gedächtnis Robert Münzeis. Mit 
einem Bilde./A. Pulinx: Zur Neugestal¬ 
tung der Zeitschriften-Bibliographie. / 
Beiblatt. 

Heft 11. A. Schmidt: Deutsche Pri¬ 
vatbibliotheken. IV. Die Bibliothek des 
Grafen Axel von Kalckreuth in Wies¬ 
baden. Mit zehn Bildern. / C. Enders: 
Die Rettung des Kunstwerks./B. Lembke: 
Zur Geschichte des spanisch-amerika¬ 
nischen Bücherwesens. / J. Kurzwelly: 
Vom gastfreien Pastor und seinen Vor¬ 
läufern. / Beiblatt. 

Heft 12. W. von zur Westen: J. G. 
Schadows Gebrauchsgraphik. / A. Tuka: 
Johann Georg Heubef(i72i —1762). / R. 
Müller-Freienfels: Über das Lesen von 
Gedichten. / M. Stois: Bücherfreund 
und Luxussteuer. / S.Witkowski: Ein 
rätselhafter Goethe - Einband. / Bei¬ 
blatt. 


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Sc/tytfiaus,Wundarzeneikunst.Strassburg, 
Schott, 1517 

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zu destillieren etc. Strassburg 1512 
Brunschwig , Buch der Chirurgie. Strass¬ 
burg 1497 

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Francisci, Erasmus, Der höllische Proteus. 
Nürnberg 1695 

Goldschmid, Höllischer Morpheus, Ham¬ 
burg 1698 

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Remigius , Demonolatria. Hamburg 1693 
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von Joh. Fuglino. Frankfurt 1586 
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Masson , Michel , Les enrants cöUbres. Paris, 
Didier, 1., 2., 3., 4. Auflage 
Preyer, Die fünf Sinne des Menschen 
Wolf. Geschichte Maximilians I.und seine 
Zeit. München 1807-11 
Dahn, Felix , Könige der Germanen. Voll¬ 
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Revolution. Band I u. II (1797 u. 1799) 
Riesengebirge, alles, Bücher und Bilder 
Firenzuola , A., Gespräche über die Schön¬ 
heit der Frauen. 1903. 

Forberg , Fr. C., Antonii Panormitae Herm- 
aphroditus. Coburg 1824 
Bergwerk, Älteres darüber 
Bienenzucht, alles darüber 
Bierbrauerei , alles darüber 
Böhme , Jacob, alles von und über 
Cliodowiecki , Dore, Menzel, Für ich, von 
ihnen illustrierte Werke, sowie einzelne 
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Elzevirdrucke u.Giuntadrucke sowie Aldinen 
Fahrende Schüler , Vaganten , alles darüber 
Struck, Die Kunst des Radierens 
Brehms Tierleben. Grosse Ausgabe. Vollst. 
Harz, alles darüber, Bücher u. Ansichten 
Bremen, alles, besonders Städteansichten 
Hauser, Kaspar, alles von und über 
Holtei, K., alles von ihm 
Illuminatenorden, alles über 
Juden, Älteres, Kulturgescliichtl. über sie 
Zuccalmaglio bzw. v. Waldbrühl, alles von 
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Astronomie, Älteres und Seltneres 
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allen Zeiten 

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CORNELL UNÜVERSm 1 




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©erltner ©erfönltgleit, bie auch unter bem pfeubonpm „«etnrig Rienfamp" ba* Huffcben erregenbe ©erl 
„gürften ohne Ärone" Veröffentlichte unb ben grepbunb begrünbet bat. 

ftrtldt, €. Hl., DfUtfdfe ?tad)ttn. «tfteS (unb etnjlae«) «dt. 9tit Sorrebe von 4 ©. unb 4 wa^tooatn 
farbig gebrueften Äupfcrtafeln (12 altbeutfge Xraditen). ©erlin mö. gol. gn D.*Umfgl. SR. H*— 

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Cj**, *>■>., 93em$ ?5etbjug in Siebenbürgen in ben 3a(>ren 1848 unb 49. Hamburg 18&0. 

IV unb 387 ©. mit 1 gafflmiloXafel. D.*©r. SR 6.— 

©ebanbelt auch bie w a U a g. Rationatberfammlung unb ben toalloch- Hufftanb. Hm ©(bluffe 14 furje ©toarapbien 
Pon ©ent unb feinen gelben (Äif*, Xotb, ©anbor, ©anffp, ©tein u. a.). ©erfaffer war fclbfi Ungar, Äetteral. 

$t*ptag, ®., Über ben $Intifemiti^mu4. ©ine ©flngftbetracbt. ©erlin 1898.16©. ©rtoatbr. SR*.- 

6rtgOtOttitf<f)/ Die gfifd)er. Vornan. Hu8 bem 8htffifeben. Rebfl Sinl. b.Hlejr. «er sen.gu 9 ©bn. 
«amburg 1859. 0.s©r. SR *.— 

©göne* ©remplar eine* intereffanten Roman*, ber ba* rufftfehe ©olWleben trefflich febilbert. ©* Wirb ber 
Stampf awifgen ben ruffifeben ©auern unb bem bourgeoifen Proletarier bargefteut. 

6ettfi$ttt/ <&• $ v £aiberö$leitt non ©efenbeim. etra&burg 18%. 318 ©. ©r. sr 5.— 

8ur ©oetbc*£tteratur gehörig. 

bv Bibliotheca Gerraanonim gynaecologica et cosmetica. ©«raetgnt* heutiger fejueüer 
unb to*met. ©griffen mit ttinfglub ber Überfettungen nebft Hngabe ber Originale. 8ugl. ©uppl. &ur 
2. H. b. „Bibi. Germ, erotica“. ßeipatg 1886. ©r. SR *.— 

§ebb*I, fr., 3Rutter unb Äillb. ®in ©ebigt in 7 ©efängen. «amburg 1859.12°. D.*©r. unbefgn. SR 10.— 
©rfter Xrud. 

Klomm/ 95efd)rei6enber Jtatatog bei $Bifaiograp&ifd)en 9Rufeum$. Xre*ben i88i. vm. 509 ©. 

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SRanuflripte unb (befonber*) Xrudwerfe be* 15. unb 16. gabrbunbert* au* ben 18 frübeften bi* 1470 belannt 

B eworbenen Xrudftätten, jufammen über 1000 werben cingebenb befgrieben: au* SRaina, ©amberg, ©trafcburg, 
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erfte ©ugbrud*©reffe. Xa* ©ug enthält auSfÜbrlige* @ag* unb Ramen*9tegtfter unb ift für bie gnfmtabel* 
forfgung nog immer wertooü. 

Rticß*gcdi<^(e für Bfclbgvau unb ^Wariwf blau, aioeües »anbe^en. (8«ttn) 1917.384®. is».o.<»t.a»«.- 

S08 als nt#t „»«täuftt*“ 6cjci(^nctc 8urt) enthält om ®t§lu^ 3n§alt8toerjtt4ntffe na4 ü&erfdjriften unb 
nag ©erfaffern georbnet. Unter ben Xigtern flnben fig u. a.: 9B.©loem, St. ©röger, «an* Xowibat, D.dnling, 
grib ©ngel. St. ©ttlinger, 933. glej, ©r. graut, SRaj grieblänber, Ö. gulba, ©erb. «auptmanu ( M Ptolog <# ), 
wub. «erjog, «. «cfie, «. ßerfg, H.be Stora, R. Pre*ber f ß. Xboma, ©. 3abu ufw. unb viele Unbelaitnte. 

(Ctwold, ^U0 V 3., €.,) Die <Prima Donna in Hamburg, sefungtn »on bem steter Zob. ®onn= 
abenb. 3u 2 «eften. HUona unb «amburg 1830. SR 2 . 40 . 

©atiren auf bie«enrietteSonntag! Xabei e.Parobie auf ©gillet*„35urg biefe boblc©affe mu| er tommen". .. 

tnofotl/ JuU Utld 0101)^ Über ©oet^e^ $aufl. 3wei bramaturg. Hbbanblungen. Dlbenburg 
1845. 133 ©. 3n D.^Urnfglag unbefgnitten. SR 5.— 

©rftbrud. I. Dramaturg. Hnweifung jur Hufffgrung auf ber Olbenburger «ofbübne. II. ©erigt über bie 
Huffübrung auf ber Olbenburger «ofbübne im 3ab*e 1845. 

ttluiiytr, Kid)., Die älteflen beutfcfjeit 99ilber»95i6etu. ei&rtogtabbtf 4 >tunftd«f 4 i 4 tit 4 befgrieben. 

aRttmben 1888. D.--»r. an 

tlonj, C. ft., ©manuel ©mebenbora, ber norbifd)e ©eher, ©ein sieben unb feine Sebrt nebft 
einet tarjen Äritit ber lejjtern. *. St. ©#».««8« 18&1. 67 ®. D.*Bt. 3R 

Prag, R., ©efd)idi(e be« bentfdfen 3ournafi«mu«. erfter (unb einiiger) Zeit, «annouer 184&. 

14 u. 488 €. D.--i Br. 3R * 4 .- 

®<^crr, Jot)., ©oet^e« 3ugenb. Zer Srauenoelt gefebitbert. Setpjig 1874. 188 ®. D.«Sttbbb. 9t 3M 

Wagner, R., ?e^r« unb Sßanberjabre. autobiogra^ie. sps. i87i. so @. 3« o.»umf<$i. unbefgn. 9t 
©egtnnt: ,,3g «ei^e SBilbelm 9tigarb SBagner unb btn ben 22. SRai 1813 in ßetpaig geboren ..unb fglteBt: 
„aum erften SRale fab ig ben 9tbetn—mit btüen Dränen im Huge fgwur tg armer Rünftl^r meinem beutfgen 
©aterlanbe ewige Xreue^. - Xiefe ©griff aog 993agner f. ß. au* bem «anbei aurüd. 

Wirtl), Hlox, Äultur* unb SBattberffijfen. asten 1876. ss7 ®. o..»r. unbefgnitten. m 
Retgbaltig, intereffant unb bielfeitigen Snbalte*. — Um bie* attjubeuten feien einige Hbfgnitte bitr erwähnt: 
©in ©efug bei 9t. (Jobben, greganbei in Xeutfglanb unb Ofterreig. SBelt'HuSfteHnng in ©ari* 1867. ©oaiale 
grage.Sobnumwälaung in (Jnglanb. ßuv ©efgigte ber ©reife. Xeutfger ©teltbaitbel. SÖeltpoftöertrag. ©t*mard 
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i solen med Sixtus IV: s aslatsbön. / P. 
Bryk: Kopparstiken tili Olof Rudbeck 
d. y: s Propagatio plantarum. / E. Jor¬ 
gensen: Biskop Christen Worms Manu- 
scriptsamling, / S. Hildebrand: Nägra 
anteckningar om det von Engeströmsk 
biblioteket I. / Miscellanea (P. Hierta: 
En gantzke kort Extract 1611; O. Wie- 
selgren: En undersökning of Codex 
aureus* tillkomst-Tid; T. Hannaas: Den 
norske Dalevisa) | Recensioner. / J. Col¬ 
lijn: Fredrik Vult v. Stcijern. / E. Nau¬ 
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Huf naturrotffenfchaftllcher ©runblage unterfucht ber «erfaffet bie ßmetfe be» menfdjli$cn unb aufsermenidbltchen 
CebenS unb begrün bet eine ßeben«p»ilofophie be» ©enteisen». hinter bem Pfeubonpm »erbtrgt fleh eine befannte 
Berliner peTjbnlicbfett, bie auch unter bem pfeubomjm „getnrtch Wtenlamp" ba» Huffehcn erregenbe föerf 
„gütften ohne Strone" veröffentlichte unb ben grepbunb begrünbet bat. 


ftrildl, €♦ fll*; ®eutfd)e brachten, ©rfte» (unb einziges) geft. SWlt Borrebe bon 4 ©. unb 4 »rachtboffen 
farbig gebrueflen Stupfertafeln (12 altbeutfcbe brachten). Berltn 1815. gol. 3n D.*Umf<hl. SW. 28.— 

Der Berfud) Hmbt», eine beutf<be Wationaltracht etnjufttbren, batte bcfanntllch leinen (Erfolg. 



Bebanbelt auch bie m a U a dj. Wattonalbcrfammlung unb ben Wallach. Hufftanb. Hm ©<hluffe 14 furje Btoaraphien 
bon Bern unb feinen gelben (Stil», Doth, ©anbor, Banffp, ©tetn u. a.). Berfaffer mar felbft Ungar. ©eneral. 


Jrtptag, ©., Über ben Qlntifemitiimui. «ine VRngrtftttra^t. eetiin i8#s. ie 6. an 

Orrgorotoitfö, $., Die griffet. ttoman. «tu» bem 8tu[fU$<n. Jtebft «tnr.».«l ej. $ e t j e n. 3« * »bn. 
gamburg 1859. D.-Br. SW 8.— 

©chöne» ©rentplar einei intereffanten Woman», ber ba» rufflfcfte Bolflteben trefflich fcgtlbert. ©» Wirb ber 
Stampf jtoifeben ben ruffifeben Bauern unb bem bourgeoifen Proletarier bargefteut. 

Otnftyen, <0. ^aiberB^Iein #on Sefen&etm. eteatiutg im. sis «. er. m t.- 

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$optt, ^ Bibliotheca Gcrmanorum gynaecologica et cosmetica. Bezeichnt» beutftber fegueüer 
unb lo»met. ©Triften mit ©tnfehlub ber Überlegungen nebft Hngabe ber Drigtnale. 8ug(. ©uppl. jur 
2 . H. b. „Bibi. Germ, erotica“. ßeipjig 1886. Br. SW 5.— 

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Hugbburg, Stöln, (Eltbille, Benebig, SWailanb, ßübed, Wom, Ulm, S^tirnberg ufw. Die Dafel jetat ©uteuberg# 
erfte Buebbrucf treffe. Dab Buch enthält aubführlicheb ©ach* unb Warnen*Wegifter unb ift für bte Snfunabel* 
forfchung noch immer wertboü. 


Rrieg00e6f d)tt für falbgrau unb SRartnt 6fou. gnwtt'S eanM&«n. cseritn) X9i7. m e. i »«. o.>et. an e.— 
Dab alb nicht „berfäufltW" bcjetchnete Buch enthält am ©ehlufc 3nhalt»»erjcichniffe nach Überfchriften unb 
nach Berfaffern georbnet. Unter ben Dichtem finben fleh u. a.: SB.BIoem, St. Bröger, ganb Dowtbat, D.®nltng, 
grii (Engel> St. ©ttlinger, SB. giej, Br. ftranf, SWar fftieblänber, ß. gulba, ©erh. gauptmann („ProIog'O, 
mub. gerjog, g. geffe, g. ßerfch, H.be Wora, W. prebber, ß. Dhoma, ©. 8ahu ufw. unb viele Unbetannte. 


mofest, JuU und fld# Über ©oefbe^ Sauf!, ßwei bramaturg. Hbhanblungen. Dlbenburg 

1845. 183 @. 3n D.*Umfcfilag unbefchnitten. SW 6.— 

(Erftbrucf. I. Dramaturg. Hnwetiung jur Hufführung auf ber Olbenburger gofbühne. n. Bericht über bte 
Hufführuug auf ber Olbenburger gofbühne im 3ahre 1845. 


mnti^er, Rid>., Die ätteften beutfetjen ®i(ber«95ibe(n. etfiUogtati^if^’ittnnaef^i^tn^ bef^rubtn. 

3RUnt|en 1888. D.=®t. 3R 8.— 

Ranj, C. fr., (gmanuei ©webenborg, ber norbifdie ©e^er. @ttn s«beit unb feine sebte nebft 
einer lurjen ftritil ber legtern. 2. H. ©chw.*gall 1861. 67 ©. D.*Br. SW 4.— 


Prüft, K., ©efdfidife be< beiltfdjen SoumalUmu«. «tfter’Cnnb einjiflet) *IeU. «annobei 1846. 
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fDagtttr, unb SBanberjabre. Hutobiographte. ßpj. 1871. so ©. 3n D.*umfchl. unbefchn. SW 8.— 

Beginnt: ,,3^ hei&e SBilheim Wtcfiarb SBagner unb bnt ben 22. SWai 1818 in ßeipjig geboren ..." unb fehltest: 
„jum erflen Haie iah ich ben Whetn—mit hellen Dränen im Huge fcfjmur ich armer Stünftler meinem beutfehen 
Baterlanbe ewige Dreue' 1 . - Dtefe ©djrift jog SBagner f. Q. au» bem ganbel jurücf. 

IDirt^ ttlax, Kultur* unb aSanberftijien. SBten W6. m ©. o.*Br. unbefchnttten. sw 5.- 
BeicbhaUtg, intereffant unb bielfetttgen Snhalte». — Um bie» anjubeuten feien einige Hbfchnitte hier erwähnt: 
©in Befum bei W. ©obben. greüjanbel in Deutichlanb unb Ofterretch* 8Belt‘Hu8fteIlttng in pari» 1867. ©ojiale 
grage. ßopnumwäljung in (Englanb. 8nr ©efcbichte ber preife. Deutfcher SBelthanbel. SBeUpoftoertrag. Bi»marct 
contra Hrnim. Hcht Doge in ©i» unb ©chnee. Bottfchuhbahnen ufw. ufw. 




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Zeitschrift f. Bücherfreunde. 
Neue Folge, j i. Jahrgang. Leip¬ 
zig: 1919/20. 

Heft 1/2. G. Stuhlfauth: Das Hauß 
des Wcyscn vnd das haus des vnweisen 
Manß. Math. VI 1 . Ein neugefundener 
Einblattdruck des Hans Sachs vom Jahre 
1*24. Mit einer Beilage. / H. Benzmann: 
Vom Stil der deutschen »Volksbücher« 
und seiner Entstehung aus dem Wesen 
der Gotik. Mit sechs Bildern. / F. M. 
Huebner: Ein altflSmisches Faustdrama. / 
H. Ullrich: Der zweihundertste Geburts- 
von Defoes Robinson (25. April 
1910.) / H. Loubier: Das künstlerische 
Bucn der Gegenwart. IV. Ein Neudruck 
von Luthers September-Bibel. / F. Beh¬ 
rend: Stoßseufzer aus Weimars lustiger 
Zeit. Otto Pniover zum 6o. Geburts¬ 
tage 23. Mai 1919. / Beiblatt. 

Archiv für Buchgewerbe. Jahr¬ 
gang 1918. Band 55. Leipzig. 

Heft: 11/12. H. Schwarz: Ein Streif 
zug durch fünfzig Jahrgänge des Archivs 
für Buchgewerbe (Schluß.) / J. Baensch- 
Drugulin: Verleger und Mensch. Ein 
Beitrag zur Geschichte des Hauses 1. 1 . 
Weber in Leipzig. / E. Kühnast: Vom 
Werte schnellaufender Buchdruckma¬ 
schinen / P. Martell: Über technische 
Bibliotheken. / H. Hoffmeister: Das 
Ornament der Zukunft. / Die bisherigen 
Normierungsbestrebungen im Buchge¬ 
werbe. / E. Collin: Technische Kriegs- 
erfahungen in der Buchbinderei. / Buch¬ 
gewerbliche Rundschau. / Zeitschriften- 
und Bücherschau. [Zeitschrift . . . Nr. 
11/12.] O. Nachod: Die ersten Biblio¬ 
theken Japans. (8. bis 9. Jahrhundert.) / 
E. Collin: Deutsche Einbahdkunst. / 
Schramm: Altslavische Drucke in der Bü¬ 
cherei der Moskauer Synodaldruckerei./ 
Mit Rotstift und Schere. / Mitteilungen 
aus dem deutschen Kulturmuseum. / 
Mitteilungen des Deutschen Vereins für 
Buchwesen und Schrifttum. / Bücher¬ 
und Zeitschriftenschau. 

Archiv für Buchgewerbe. Jahr- 
gang 1919. Band 56. Leipzig. 

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druckers./P.Volkmann: Die Buchbinderei 
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Proben der Schriftgießereien. / F. Mar¬ 
tini: Fischhaut zu Bucheinbänden. / 
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Praxis. / Buchgewerbliche Rundschau. / 
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uchwesen und Schrifttum. 1919. Nr. 1 /a. 
V. Gardthausen: Die alten Zahlzeichen. / 
H. Vcdder: Buschmannzeichnungen. / 
A. Schering: Brief-Autographe im Ge¬ 
schäftsarchiv von Breitkopr & Härtel 
in Leipzig. / H. H. Bockwitz: Die 
periodische Geheimpresse im besetzten 
Belgien [1914^8 1918.] / H. Voss: Zum 
Tode Otto Richard Bosserts. / Mit¬ 
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nen. / P. Kersten: Etwas über die Ge¬ 
schichte desBucheinbandes./P.Eberhard: 
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Deutschen Buchgewerbevereins. / Mit¬ 
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[Zeitschrift... Nr. 3/4] E. Erkes: Das 
chinesische Haus im Deutschen Kultur¬ 
museum zu Leipzig. / A. Fröhlich: Zur 
Geschichte der Druckerei des Kiewer 
Höhlenklosters./A. Ficker: Das Zwingli- 
Gedächtniswerk 1-919. / J. Zeitler: 

Schweizerische Graphik. / Mitteilungen 
aus dem Deutschen Kulturmuseum. / 
Bücher und Zeitschriftenschau. 

H eft 5/6. Schramm: 100 Jahre Schei¬ 
ter & Giesecke / F. Bauer: Das Buch als 
Werk des Buchdruckers. 11 . Papierfor¬ 
mat und Satzformat. W. Hellwig, Ober 
die Möglichkeit eines Normalschnittes 
mathematischer Zeichen. / M. Pellnitz: 
Neue deutsche Postwertzeichen. / E. 
Wetzig: Breitkopf fit Härtel. Gedenk¬ 
schrift und Arbeitsbericht von Oskar 
v. Hase. Zweiter Band: i8a8 bis 1918./ 


{ Deutfdße Literatur. Kat. lol f 

| Deutfcße Länder" und Städte * { 
| gefeßießte. Kat. lo7- \ 

| Literatur von undü6er Trauen. | 
| Anz. 5—& ‘ l 

| Manu fbript- undPrivatdrucbe. | 
| Anz. 2 und lo j 

| Biographien undßiograpßifdes | 
| Material. Kat. llo, | 

§ da die darauf notierten Teuerungs. | 
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| markt geringe sind. | 

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ANREGUNGEN 

aus unserem Leserkreise, dieuns dankens¬ 
werterweise zahlreich zugingen, sollen 
einmal eine ausführlichere Beantwortung 
finden, die sich im einzelnen nicht immer 
geben läßt. Zunächst mag darauf hinge¬ 
wiesen sein, daß unsere kleine Zeit¬ 
schrift nicht alle Aufgaben lösen kann, 
und will, zumal da für viele Gebiete* 

G rößere Fachblätter bestehen, auf die 
ereits die vom dritten Jahrgange an 
noch beträchtlich erweiterte Zeitschrif¬ 
tenschau verweist. Die Vierteljahrsschrift 
möchte in der Hauptsache der biblio- 

g raphisehen Textkritik bemerkenswerter 
ücher des Weltschrifttums dienen, in¬ 
dem sie deren beste (und auch schönste) 
Ausgaben festzustellen und zu beschrei¬ 
ben unternimmt, wobei die gelegentliche 
Bekanntgabe unYcröffentlichter oder ver¬ 
schollener Stücke sich ebenso zwanglos 
anschließen soll, wie der Hinweis auf 
unbekannte oder vergessene Werke und 
deren Verfasser. Weiterhin will die Viertel¬ 
jahrsschrift die Methodik und Systema¬ 
tik der Bibliographie pflegen, sowie in 
Verbindung mit ihrem riauptzwecke die 
Buchdruckgeschichte, die Geschichte des 
privaten Büchersammelwesens und die 
Handschriftenkunde. Da zu der Ver¬ 
körperung eines Werkes in der Buch¬ 
form nicht allein die Textrichtigkeit 
sondern auch die sinngemäße Druck¬ 
wiedergabe des Werkinhaltes gehört, so 
ist auch der äußeren Buchgestaltung 
die ihr hier noch sehr notwendige Teil¬ 
nahme, die sich im allgemeinen nur auf 
die Druckschönheit zu erstrecken pflegt, 
zuzuwenden. Wenn alle diese Absichten 
sich bisher noch nicht vollständig ver¬ 
wirklichen ließen, so liegt das größten¬ 
teils an den durch die gegenwärtigen 
buchgewerblichen Verhältnisse bedingten 
Raumrücksichten. Daß neben dem schön¬ 
wissenschaftlichen Schrifttum nach der 
Abgrenzung des Arbeitsgebietes der 
Vierteljahrsschrift auch das ältere fach¬ 
wissenschaftliche Schrifttum der ange¬ 
wandten Bücherkunde zugehört, ist selbst¬ 
verständlich, doch sind gerade die hier¬ 
her gehörigen Untersuchungen vielfach 
so spezieller Art, daß sie bei einem 
größeren nicht fachwissenschaftlichen 
Leserkreise nicht immer die vorauszu¬ 
setzende Aufnahme finden dürften. Da¬ 
gegen gehört die Literaturwissenschaft 


als' solche, insbesondere auch die Lite¬ 
raturgeschichte nicht zu dem eigentlichen 
Arbeitsgebiete unserer Zeitschrift, eben¬ 
sowenig wie in ihr die Bestrebungen 
der sogenannten modernen Bibliophilie, 
das heißt die Beschäftigung mit den 
Erzeugnissen der Buchkunst Berück¬ 
sichtigung finden können. Doch ist für 
späterhin eine Bibliophilie-Chronik vor¬ 
gesehen worden, die in auswählender 
Berichterstattung wenigstens eine weiter¬ 
leitende Übersicht aller den Buchfreund 
und Büchersammler interessierenden Er¬ 
scheinungen der Gegenwart vermitteln 
soll und damit den hierzu geäußerten 
Wünschen einigermaßen gerecht werden 
wird. 

Unter der Überschrift: Die Bücher¬ 
wahl wird vom dritten Jahrgange an 
das Beiblatt eine Ausgestaltung erfahren, 
indem in ihm teils in zusammenfassendenf 
Darstellungen (Briefe an einen Bü¬ 
chersammler) diebesten und schönsten 
Ausgaben der Hauptwerke hauptsäch- 



ichtsp unkten finden werden, teils in der 
Form von gewissermaßen nach den Ge¬ 
sichtspunkten einer retrospektiven Kri¬ 
tik angeordneten Bücherlisten Mei ster- 
werke des Weltschrifttums im Ur¬ 
teile der Mit- und Nachwelt ver¬ 
zeichnet werden sollen, ln ähnlicher 
Weise werden Zusammenstellungen über 
das Buch und die Bücher Äuße¬ 
rungen über die Bibliophilie als über 
die Wissenschaft vom Buche ordnend 
sammeln. Auch die Sammlerpraxis wird, 
soweit das der Raum gestattet und so¬ 
weit es nützlich erscheint, das heißt 
insoweit es sich nicht um allgemein 
bekannte, in den Handbüchern aus¬ 
reichend behandelte Dinge handelt, nicht 
übersehen. Wozu die Bemerkung ge¬ 
stattet sei, daß uns dafür die Form von 
Sonderheften, von denen schon einige 
vorbereitet werden, als die zweckmäßigste 
erscheint, da sie einerseits gründlichere 
und vollständigere Anleitungen zu geben 
erlaubt, andrerseits den Aufgabekreis, 
der kleinen Zeitschrift nicht allzusehr 
zu erweitern zwingt. Dem sehr ver¬ 
ständlichen Begehren, daß bei den an¬ 
gezeigten Büchern auch die Preise ver¬ 
merkt werden möchten, läßt sich augen¬ 
blicklich noch nicht entsprechen, da 
gegenwärtig Bücherpreise manchen 


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CORNELL UNIVERSITY 



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Schwankungen ausgesetzt zu sein pflegen 
und für ausländische Bücher sich nicht 
einmal ungefähre Schitzungspreise an¬ 
geben lassen. 

Schriftleitung und Verlag. 


Zeitschrift f. Bücherfreunde, 
Neue Folge. 11. Jahrgang. Leip- 
zig: 1919/20. 

H eft 3. M. Rassow: Ein unbekannter 
Brief Goethes. Mit einer Nachbildung./ 
Th. Stettner: J. Ch. Frankois Erfindung 
der Kreidemanier. Mit fünf Bildern. / 
G. Witkowski: Das künstlerische Buch 
der Gegenwart. V. Die Drucke der 
Maries-Gesellschaft. / M. Martersteig: 
Der Untergang des Abendlandes. / 
E. Steinthal, Julius Meier-Gräfe und 

G. Witkowski: Buch oder Mappe? Ein 
bibliophiler Briefwechsel. / F, v. Zobel¬ 
titz: Rara et Curiosa. 1 —V. / H. Drahn: 
Friedrich v. Raumer über Volksbiblio¬ 
theken. / Beiblatt. 

Heft 4. O. Clemen: Eine Titelbor¬ 
düre Pamphilus Gengenbachs. Mit einer 
Beilage. / H. Gräf: Aus dem Stammbuch 
Johann Georg Ecks in Leipzig. / A.Tulla: 
Kleine Bausteine zur Bibliographie des 
Wiener deutschen Theaters im 18. Jahr¬ 
hundert. 11 . / R. v. Kehler: Ricarda Huch 
über Theodor Fontane. / G. Witkowski: 
Das künstlerische Buch der Gegenwart. 
VI. Die Nibelungen-Drucke. / Beiblatt. 

Heft j/6. R. Krauß: Schweizer Ex¬ 
libriskunst. Mit sechzehn Bildern. / 

H. W. Rath: Familienbriefe aus dem 
Nachlasse Eduard Mörikes und Nach¬ 
richten über das Leben des älteren Bru¬ 
ders des Dichters nebst unveröffentlichten 
Briefen. Mit einem Schattenriß. / M. 
Schnitzer: Grimmelshausens Bärenhäuter. 
Mit einem Bilde. | W. List: Kentaur und 
Syanthropos oder Der Musterbibliophile. 
JVlit einem Bilde. / A. Schmidt: Die 
Gesellschaft Hessischer Bücherfreunde 
in Darmstadt und ihre erste Veröffent¬ 
lichung. / F. Rupp: Die Preisgestaltung 
auf dem Altbüchermarkt in den Jahren 
1016 und 1917. / F. Hansen: Der Bü¬ 
cherwurm. Mit zwei Bildern. / Beiblatt. 


E. A. Enders 

Grossbuchbinderei • Leipzig 
Abteilung für hand¬ 
gearbeitete Bände 

unter künstlerischer Leitung von - 
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Autographen / Einhände 


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CORNELL UNIVERSITY 









Archiv für Buchgewerbe. Jahr¬ 
gang 1919. Band 56. Leipzig. 

Heft 7/8. L. Volkmann: Neue Zeiten 
— neue Formen. / K. Loele: Buchhandel 
und Bugra-Messe. y R. Graul: Kunstge¬ 
werbe und Messe. / E. Collin: Leipziger 
Mustermesse und Bugra-Messe. / rl. 
Schwarz: Die Schriftgießerei auf der 
Bugra-Messe in Leipzig. / J. R. Haar¬ 
haus: Die Leipziger ttucnhändlcrmessen 
der Vergangenheit. / 31. Hauptversamm¬ 
lung des Deutschen Buchgewerbcver- 
eins. / A. Koenig: Über gezackten und 

P latten Schnitt an Rotationsmaschinen. / 
r . Bauer: Das Buch als Werk des Buch¬ 
druckers. Hl. Schrift und Satz und ihr 
Verhältnis zum Satzformat. / W. Hell- 
wig: Über die Möglichkeit eines Nor- 
mafschnittes mathematischer Zeichen. 11 . / 
J. Zeitler: Alte Drucker und Illustratoren 
im Leipziger Stadtgeschichtlichen Mu¬ 
seum. / E. Kühnast: Der Autotypiedruck. 
/ Die Nationalversammlungs-Marken. / 
Normalisierungsaufgaben im Buchge¬ 
werbe. 111 . Normalisierungsbestrebungen 
beim Schriftmatcrial. V. Normierung 
der Werbedrucksachen bei uns und 
drüben. / Mitteilungen aus der buch¬ 
gewerblichen Praxis. / Buchgewerbliche 
Rundschau. / Bücher und Eingänge. / 

g 'eitschrift... Nr. 7/8) G. Möller: Die 
uchschrift der alten Ägypter. / Wacker¬ 
nagel : Ein Holzschnittzyklus des Haus¬ 
buchmeisters? / E. Collin: Das deutsche 
Künstlerplakat der Revolutionszeit. / 
E. Schultze: Verbrannte Bücher. / Mit¬ 
teilungen aus dem Deutschen Kultur¬ 
museum. / Bücher- u. Zeitschriftenschau. 


Deutsches Notgeld 1914-*—19, 
]. Kleingeldersatz 1914—19. 
Von Albert Schramm. Leip¬ 
zig, Deutscher Verein für 
Buchwesen und Schrifttum: 
1918, 

Stambuler Buchwesen im >8. 
Jahrhundert. Von Franz Ba- 
binger. Leipzig, Deutscher 
Verein für Buchwesen und 
Schrifttum: 1919. 


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= bekannten Künstler aller Schulen, 

= welche sich zur Bezeichnung ihrer 
§ Werke eines figürl. Zeichens, der Ini* 

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| desselben usw. bedient haben. 

| Mit Berücksichtigung von Buch* 

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| Kunstsammlern, der Stempel der 
| alten Gold* und Silberschmiede, der 
E Majolicafabriken, Porzellan*Manu* 

| fakturen usw. 

| Nachrichten über Maler, Zeichner, 

| Bildhauer, Architekten, Kupfer* 

| Stecher, Formschneider, Briefmaler, 

| Schreibkünstler, Lithographen, Stern* 

| pelschneider, Emailleure, Gold* 

| schmiede, Niello, Metall* u. Elfen* 

| beinarbeiter, Graveure, Waffen* 

| schmiede usw. Fortgesetzt von 
| A. Andresen und C. Clauß. 

5 5 Bände in 9 Teilen. Broschiert. 

= Das allen Kunsthistorikern und 
| Kunstsammlern 

| unentßehrficße Nacßscßfagewerß 
| ist vergriffen und sehr gesucht/ es 
s wurde bereits mit M 500. — und 
| mehr bezahlt. 

s Der Neudruck wird bis auf weiteres 
| für nur M 25 o .— 

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| behalten. 

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VORANZEIGE! 

ln meinem Verlage wird in einigen Wochen erscheinen: 

Ex-libris und andere Kunstblätter 

von 

ELFRIEDE WENDTLANDT 

Eingeleitet von dem Dichter Hans Sturm 

ln eleganter Halbpergament-Mappe 

Die kostbare Mappe wird 36 Kunstblätter enthalten, darunter Lichtdrucke, 
die einen vollkommenen Ersatz für die überaus feinen Zeichnungen 
der begabten Künstlerin darstellen, ferner 6 Original-Radierungen u. a., 
hauptsächlich Bucheigner-Zeichen, Landschaften usw. 

Näheres wird ein ausführliches Werbcblatt berichten 

Die Auflage ist auf 200 Exemplare beschränkt 

Max Harrwitz Verlag, Nikolassee b. Berlin 


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In meinem Verlage erscheint in kurzem: 

Erhard Etzlaubs 

Reisekarte durch Deutschland 

vom Jahre 1501 

Mit einem Begleittext von Prof. Dr. W. 'Wolkenhauer 

16 Folioseiten Text 

Mit eingelegter handkolorierter Foliokarte (Lichtdruck) getreu 
nach einem der 2 überhaupt bekannten Exemplare 

In nur 100 numerierten Exemplaren hergestellt. Preis M 60 .— 

Die Bedeutung Etzlaubs, der'bereits 58 Jahre vor Mercator sich 
der sogenannten Mercator'Projektion bediente und dessen Karten 
über ein halbes Jahrhundert alle anderen beeinflußt haben, wird 
durch die beigefügte Abhandlung dargelegt. 

MAX HARRWITZ VERLAG, NIKOLASSEE BEI BERLIN 

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Archiv für Buchgewerbe. Jahr¬ 
gang 19*9* 56* Leipzig- 

Heft 9/10. F. Bauer: Da* Buch als 
Werk de* Buchdrucker*. IV. Da* Druck¬ 
format und da* fertige Buch. / A.Koenig: 
Ober gezackten und glatten Schnitt an 
Rotation*ma*chinen 1 Y. / J. Zeltler: Die 
Bugra-Herbstmesse 1919* / “• Collin: 
Bugramesse und Papierme**e — «> n 
Rückblick und ein Ausblick. / E. Köditz: 
Facetten an Atzungen. / P. MarteJl: 
Zur Geschichte der Setzmaschine. / 1 . 
Zöller: Zeitungsreklame und Entwürfe. / 

E. Wetzig: Heinrich Schwarz. / Mit¬ 
teilungen aus der buchgewerblichen 
Praxis. / Buchgewerbliche Rundschau./ 
Bücher und Eingänge. — (Zeitschrift... 
Nr 9/10.) V Gardthausen: Protokoll, 
Text und Schrift. / E. Schultze: Ver¬ 
brannte Bücher ( Schluß), /G-A.E.Bogeng. 
Adreßbuch-Studien. / G. A. E. Bogeng: 
Deutscher Prachtband des 17. Jahrhun¬ 
derts. / Mitteilungen aus dem Deutschen 
Kulturmuseum. / Bücher- und Zeit¬ 
schriftenschau. 

Ägyptisches Schrifttum von 
Dr. Hans Bonnet. Leipzig, 
Deutscher Verein für Buch¬ 
wesen und Schrifttum: 19*9* 
Gesamt Inhaltsverzeichnis der 

ersten fünfzig Bände des 
Archivs für Buchgewerbe 
1864 bis 1913. (Von Max 
Säuberlich.) Leipzig, Deut¬ 
scher Buchgewerbeverein: 

1919. 

Frankfurter Bücherfreund. 
Mitteilungen aus dem An¬ 
tiquar iatcvonJosephBa er & 

Co. 1 ».Jahrgang 1914— 1 9* 
Neue Folge. Nr. 1. Heft *4. 
Frankfurt a. M.: 1 9 • 9* 

Mitteilungen: E. F. Koßmann. Ein 
Fragment der Hinfahrt Mariä von Kon- 
rad von Heimesfurt. 


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2 druck von: a 

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| U nd diejenigen bekannten und un- 
g bekannten Künstler aller Schulen, 

1 welche sich zur Bezeichnung ihrer 
1 Werke eines figürl. Zeichens, der Ini- 
| tialen des Namens, der Abbreviatur 
1 desselben usw. bedient haben. 

| Mit Berücksichtigung von Buch- 
| drudcerzeichen, der Stempel von 
§ Kunstsammlem, der Stempel der 
I alten Gold- und Silberschmiede, der 
| Majolicafabriken, Porzellan-Manu- 
§ fakturen usw. 

| Nachrichten über Maler, Zeichner, 

| Bildhauer, Architekten, Kupfer- 
1 Stecher, Formschneider, Briefmaler, 

1 Schreibkünstler,Lithographen,Stem- 

| pelschneider, Emailleure, Gold- 
| schmiede, Niello, Metall- u. Elfen- 
1 beinarbeiter, Graveure, Waffen- 
§ schmiede usw. Fortgesetzt von 
| A. Andresen und C. Clauß. 

| In 5 Bänden broschiert. 

| Das allen Kunsthistorikern und 
g Kunstsammlem 

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1 war vergriffen und sehr gesucht / es 
5 wurde bereits mit M 500 . und 
g mehr bezahlt. 

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§ nur M 35 o .— 

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CORNELL UNIVERSUM 



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Der Kunstwanderer, i. Jahr- 
gang. Berlin: 1919. 

1. Septemberheft (u. a.) Max J. 
Friedländer: Ober das Kunstsammeln./ 
Eine Raffael-Quittung (Faksimile). / A. 
Donath: Die Aussichten des deutschen 
Kunstmarktes. 


a.Septemberheft (u.a.) H.Schmitz: 
Der Hausbuchmeister im Kunstgewerbe./ 
F. Hoefner: Der römische Kunsthandel./ 
Ein Brief Menzels. Mit zwei Zeich¬ 
nungen des Meisters. / Karl Philipp 
Emanuel Bach als Kunstfreund. Ein Auto¬ 
graph des Komponisten (Faksimile). Mit 
Bemerkungen von Wilhelm Altmann. 

% 

1. Oktoberheft (u. a.) H. W. Singer: 
Rembrandt und die neuere Radierung. / 
H. Schmitz: Der Hausbuchmeister im 
Kunstgewerbe (Schluß). / F. v. Zobeltitz: 
Der Luxusdruck. / G. A. E. Bogeng: 
Einbandkunst der Gegenwart. 


2. Oktoberheft (u. a.l Max J. Fried¬ 
länder: Die Kupferstich-Auktion Vincent 
Mayer. / G. A. E. Bogeng: Deutsche 
Einbandkunst der Gegenwart (Schluß). / 
L. Zahn: Von den Ursachen der grapni- 
schen Massenproduktion. 

j. Novemberheft (u. a.) Ein Auto¬ 
graph von Robert Schumann. Aus der 
Musikabteilung der Preußischen Staats¬ 
bibliotheken. Mit Bemerkungen von 
Wilhelm Altmann. / G. A. E. Bogeng: 
Betrachtungen zur Buchkunstbewegung 
der Gegenwart. 1 . Buchkunst und Lieb¬ 
haberausgabe. 


2. Novemberheft Zu. a.) Hans Wahl: 
Neuerwerbungen des Goethe-Nationsd- 
Museums im Jahre 1919. / R. Weinzetl: 
Die Kopie in der ostasiatischen Malerei. 
Echtheit von Rollbildern. 


2. Dezemberheft (u. a.) H. W. 
Singer: Einige Glossen zur neueren 
Künstler-lllustrationskunst. / Ein Auto¬ 
graph Joseph Haydns. Mit Bemerkungen 
von W. Altmann. 


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Zeitschrift fürBOchcrfrcundc. 
Neue Folge, 11. Jahrgang. 
Leipzig: 1919/20. 

H cft 7. M. Ostrop: Das künstlerische 
Verlagszeichen der Gegenwart. Mit 132 
Bildern und 1 Tafel. / W. Deetjen: 
Spenden aus der Weimarer Landesbiblio¬ 
thek. VI 11 .Eine literarisch-philosophische 
Satire. / O. Clemen: Die Tltelbordüre 
mit dem Parisurteil. / Charlotte Stein- 
brucker: Goethe als Ehrenmitglied der 
Berliner Akademie der Künste. Mit 
zwei ungedruckten Briefen Goethes. / 
M. Schnitzer: Kistners Freundin. [Hof- 
ritin Baidinger]. Zu seinem 200. Geburts¬ 
tag (27. September >919). / Beiblatt. 


Heft 8. Th. Stettnsr: Das Münchner 
Künstlerfest von j 840 (Eugen Neureuther 
und Gottfried Keller). Mit zwei Bei¬ 
lagen und zwei Bildern. / F, Seebaß: 
Neues von und über Grabbe. / P. Schu¬ 
bring: Vespasiano da Bisticci. / G. Wit- 
kowski: Das künstlerische Euch der 
Gegenwart. VI 1 . Die Drucke der Wahl¬ 
verwandten. / O. E. Deutsch: Goethe und 
Vinzenz Raimund Grüner. Mit einem 
unbekannten Goethebriefe. / S. Hirsch: 
Ein unbekanntes Jugendgedicht von No¬ 
valis. / Beiblatt. 


Heft 9. G. Stuhlfauth: Neue Bei¬ 
träge zum Schrifttum des Hans Sachs 
und insbesondere zum Holzschnittwerk 
Hans Sächsischer Einzeldrucke. Mit 
sechs Bildern. / W. Waetzoldt: Ein Bild¬ 
nis Wackenroders. Mit einer Beilage. / 
F.v.Zobeltitz: Rara etCuriosaVl—XIII./ 
C. Michaelis: Bibliographische Mis¬ 
zellen. / Beiblatt. 


jj In meinem Verlage ist erschienen: 

g Erhard Etzlaubs 
g Reisekarte 
| durch 

I Deutschland 
gvom Jahre 1501 
a * 

g Begleittext von 
g Prof.Dr.W.Wolkenhauer 
□ mit eingelegter handkolorier- 
O ter Foliokarte (Lichtdruck) 
g getreu nach einem der 2 Aber- 
g haupt bekannten Exemplare 

g * 

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B In nur 100 numerierten 


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Exemplaren hergestellt 

Preis M 60 .— 

* 

Die Bedeutung Etzlaubs, der 
bereits 58 Jahre vor Mercator 
sich der sogenannten Mercator- 
Projektion bediente und dessen 
Karten über ein halbes Jahr¬ 
hundert alle anderen beeinflußt 
haben, wird durch die 
beigefügte Abhand¬ 
lung darge¬ 
legt. 

* 


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5 MAX HARRWTTZ VERLAG 5 
g NIKOLASSEE BEI BERLIN 8 

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CORNELL UNIVERSITY 




Zeichnungen und Radierungen 


Elfriede Wendtlandt 


Kunstmappe in Quartformat in Halbpergament 
in nur 200 numerierten und von der Künstlerin 
handschriftlich signierten Exemplaren 

Preis M 200.— und 25°/ 0 Teuerungsaufschlag 


Freunde einer intimen Kleinkunst, sowie Exlibris-Sammler seien auf 
diese Neuerscheinung meines Verlages besonders aufmerksam ge¬ 
macht. In vollendeter Meisterschaft werden von der in Kunstkreisen 
sehr geschätzten Künstlerin Perlen ihrer Kunst sowohl auf land¬ 
schaftlichem Gebiete als auch figürlicher Art vorgeführt, darunter 
6 feine Originalradierungen, viele ausgezeichnete Lichtdrucke, 
insbesondere zahlreiche Exlibris. 

Ein Werbeblatt mit Urteilen von Lu Märten, Dr. Klasing und 
Geh. Rat Dr. P. Jessen vom Berliner Kunstgewerbe-Museum kann 
auf Wunsch übersandt werden. 


MAX HARRW1TZ VERLAG NIKOLASSEE bei Berlin 


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CORNELL UNIVERSUM 


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für Bücher-Kunde und -Liebhaberei 


Herausgegeben von 

G. A. E. BOG ENG 
Vierter Jahrgang. Nikolassee 1912 
148 Seiten und 16z.T. farbige Tafeln. Quart-Format 
Nr. 1—50 auf holländisch geschöpftem Bütten. Preis M 30.— 
Nr. 51—800 auf weichem India*Papier.Preis M 18.— 

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In der Offizin von W. Drugulin in Leipzig hergestellter Luxusdruck. 

INHALT 

Charles Nodier, Le Bibliomane. Mit Nachwort des Herausgebers. 

Dr. G. A. E. Bogeng, Die Vente Fortsas. Mit dem Katalog der Biblio¬ 
thek des Cte. J. N. A. de Fortsas. 

Prof. Dr. E. Wolter, N. M. Lissowski, ein russischer Büchersammler. Mit 
Bildnis und zwei Büchereiansichten. 

AugustusdeMorgan, On the Difficulty of correct Description of Books. 
Dr. Bogeng, Die Handhabung der Bücher. Allerlei Zweckmäßiges. 

Dr. Bogeng, Grangerising. Ästhetisches. Historisches. Technisches. 

Dr. Bogeng, Das Sammeln moderner Bücher. 

Dr. Bogeng, Katalog und Zetteldrucke der Kgl. Bibliothek Berlin. 

Dr. Bogeng, Büchereizettel. Mit Beispielen <auf 14 besonderen Tafeln.) 
Typen-Vor lagen einiger Schriftgießereien (Bauer-Frankfurt, Flinsch- 
Frankfurt, Gebr. KHngspor-Offenbach, D. Stempel-Frankfurt.) (Der 
Text gibt Beispiele zu voriger Abhandlung: Bücher-Sprüche aus früherer 
Zeit in Form von Ex-libris.) 

Die fetzten 14 Tafefn sindjarßig 

gedruckt und auf den Handpressen der versdied. Schriftgießereien (z. T. 
auf Japan- und Büttenpapier) ßergesteffte Musterdrude. 

Oben angezeigter vierter Jahrgang bildet die auf Wunsch splen¬ 
dider ausgestattete Fortsetzung des von 1909—11 (Jahrg. I—III) 
als Beiheft zum „Taschenbuch des Bücherfreundes" erschienenen 
Jahrbuchs fürBücher-Kunde und -Liebhaberei, dessen Inhalt den 
lebhaften Beifall aller Subskribenten und Käufer fand. Ver¬ 
zeichnis des Inhalts der ersten 3 Jahrgänge steht zu Diensten. 


LUXUSAUSGABEN DES VERLAGES VON 
MAX HARRWITZ IN NIKOLASSEE BEI BERLIN 



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Die nachgelassenen Gedichte 

der unglücklichen Dichterin, 
der intimen Freundin der Bettina Brentano 
KAROLINE VON GÜNDERODE 

erschienen in kleiner numerierter Auflage, mit Typen und Zierstucken aus 
der Zeit der Verfasserin, bei Breitkopf *<£) Härtel in Leipzig auf Bütten 
gedruckt und mit 2 Tafeln (Porträt der Dichterin und Abbildung ihrer 
Ruhestätte zu Winkel am Rhein) geschmückt, unter dem Titel 

MELETE 

von Ion (Pseud.) nach den einzigen erhaltenen Druckbogen aus der bei 
Mohr 'S) Zimmer in Heidelberg im Jahre 1806 infolge des Selbstmordes der 
Verfasserin unterbrochenen Drucklegung ihres letzten Werkes, das deshalb 
auA von Goedeke in seinem Grundriß, Band VI. niAt aufgeführt ist. 

Das Werk ersAien zum 100 jährigen GedäAtnis desTodesjahres im Jahre 1906. 

Broschierte Exemplare können noch für M 12. — geliefert werden 

Die 2 von Dr. Eugen Dühren (alias Dr. med. Iwan Bloch) 
verfaßten, von der Kritik als hervorragende Erscheinungen 
beurteilten Monographien über 

Marquis de Sade / Retif de la Bretonne 

sind außer in den einfaAen auA in numerierten Ausgaben auf Büttenpapier 
ersAienen. Das Werk über de Sade, das unter dem Titel „Neue ForsAungen" 
das frühere bei Barsdorf ersAienene und veraltete Werk ersetzen soll, ist 
in dieser Luxus-Ausgabe mit dem Porträt des tollen Marquis und 2 Fak¬ 
similetafeln (Brief- und Manuskript-Wiedergabe) gesAmüAt. 

Das Retif-Werk, ebenfalls auf Bütten gedruAt, enAält in der Luxus- 
Ausgabe die Porträt-Radierung naA einem Bilde Retifs aus der Zeit. Ferner 
ersAien hierzu als Ergänzung, auf Bütten gedruckt, eine Bibliographie, die 
außer allen Werken Retifs und Übersetzungen seiner SAriften auA solAe 

über ihn auffuhrt. 

Beide Hauptwerke kosten in der Luxus*Ausgabe je M 40.—, 
die Retif* Bibliographie geheftet M 6.—, gebunden M 9.- 

MAX HARRWITZ VERLAG, NIKOLASSEE bei Berlin 


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Pocschcl ® Trepte, Leipzig 


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